Nuria Rial
© Nuria Rial

Exklusiv: Nuria Rial im Kurzinterview

«Begegnungen. People and Places» heisst 2024 das Motto von Klosters Music. Wir fragen unsere Künstlerinnen und Künstler in einer kleinen Serie, wie sie darüber denken. Die Sopranistin Nuria Rial ist gemeinsam mit Maurice Steger und dem La Cetra Barockorchester Basel am 29. Juli um 19.00 Uhr («Con Passione!») in der Kirche St. Jakob in Klosters zu hören.

Welche Begegnung, welche Person war besonders wichtig für Ihren musikalischen Lebensweg – und warum?

Mich hat besonders mein Basler Lehrer Kurt Widmer beeinflusst. Ich war damals körperlich ziemlich verspannt, so dass meine Stimme noch nicht frei fliessen konnten. Wir haben gemeinsam nach der Bewegung in der Musik gesucht. Es war ihm wichtig, beim Singen den ganzen Körper zu benutzen. Mit einem Mal waren alle Spannungen gelöst – das hat mich sehr geprägt. Ich wende heute immer noch seine Übungen an.

Welcher Ort ist für Sie ein wichtiger Rückzugsraum? 

Das ist für mich eine sehr wichtige Frage. Wir sind immer unterwegs und haben viele Konzertreisen. Manchmal habe ich das Gefühl, auf dem Flughafen zu wohnen. Es ist immer trubelig und laut. Ich mag diese Lebendigkeit, aber ich brauche auch den Rückzugsraum. Den finde ich in mir selbst, wenn ich alleine bin und meditiere. Zwischen Konzerten versuche ich immer, nach Hause zu kommen, wo ich meinen Garten habe. Das ist mein wirklicher Rückzugsort. Hier kann ich entspannen und regenerieren. Wenn ich mit meinen Händen in der Erde wühle, fühle ich mich auch wirklich geerdet. Das gibt mir Frieden und Halt.

Was verbinden Sie mit Klosters und dem Festival?

Ich freue mich sehr, wieder nach Klosters zu kommen. Das Konzert vor zwei Jahren mit Maurice Steger habe ich in sehr guter Erinnerung. Klosters bedeutet für mich, die Musik und die Natur zu geniessen. Auf der einen Seite die lebendigen Musikerinnen und Musiker, ein tolles Konzertprogramm und ein interessiertes Publikum, auf der anderen Seite diese wunderschöne Naturkulisse. Was will man mehr!


CON PASSIONE!

29. Juli, 19.00 Uhr, Kirche St. Jakob, Klosters
Nuria Rial (Sopran), Maurice Steger (Blockflöte & Leitung), La Cetra Barockorchester Basel

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© Barbara Grabrielli

Barbara Gabrielli neu im Stiftungsrat

Der Stiftungsrat der Stiftung Kunst & Musik, Klosters (Klosters Music) hat Frau Mag. phil. EMBE HSG Barbara Gabrielli per 11. August 2024 in den Stiftungsrat gewählt.

Der Vorverkauf zur sechsten Ausgabe von Klosters Music (27. Juli bis 4. August 2024) ist sehr gut gestartet und die Vorbereitungen für die zehn Konzerte mit international renommierten Künstlerinnen und Künstlern wie Thomas Hampson, Sir András Schiff, Jan Lisiecki, Maxim Emelyanychev, Alina Ibragimova und vielen mehr laufen auf Hochtouren.

Klosters Music freut sich, ab dem 1. August 2024 Frau Barbara Gabrielli im Stiftungsrat der Stiftung Kunst & Musik, Klosters, begrüssen zu dürfen. Barbara Gabrielli stammt aus dem Südtirol und ist zweisprachig aufgewachsen. Sie studierte in Innsbruck Kunstgeschichte, Archäologie sowie Romanistik und absolvierte ein MBE an der Hochschule St. Gallen. Als Leiterin des Amts für Kultur des Kantons Graubünden, welches sie per Ende Juli verlässt, hat Barbara Gabrielli dessen Entwicklung und Etablierung in den vergangenen 15 Jahren stark mitgeprägt. Mit Barbara Gabrielli darf die Stiftung Kunst & Musik, Klosters, auf ein weiteres Stiftungsratsmitglied zählen, welches der kulturellen Entwicklung von Klosters und der Region grosses Gewicht beimisst, über profunde Kenntnisse in der Kulturszene verfügt und mit den Kulturschaffenden bestens vernetzt ist.

«Klosters Music ist es eindrücklich gelungen, sich in kurzer Zeit zu einem wichtigen Kulturveranstalter und Förderer sowohl in Graubünden als auch weit über die Grenzen hinaus zu etablieren. Es freut mich sehr, die Geschicke des Festivals in Zukunft mitgestalten zu dürfen.», sagt Barbara Gabrielli zu ihrem zukünftigen Engagement für Klosters Music.

Klosters Music 2024 findet vom 27. Juli bis 4. August statt. Tickets und Informationen sind unter www.klosters-music.ch und in den Tourismusbüros Klosters und Davos erhältlich.

 

Klosters, 21. Mai 2024

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Jan Lisiecki, © Christoph Koestlin

«Nur in völliger Stille kann ich wirklich auftanken»

Gerade hat Jan Lisiecki bei den Osterfestspielen der Berliner Philharmoniker im Festspielhaus Baden-Baden in zwei Konzerten geglänzt. Längst ist aus dem 29-jährigen hochbegabten Kanadier ein reifer Pianist geworden, der bei seinen tiefschürfenden Interpretationen dennoch viel jugendliche Energie verströmt. Am 28. Juli 2024 spielt Lisiecki in Klosters mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen Edvard Griegs Klavierkonzert in a-Moll. Georg Rudiger hat ihm einige Fragen gestellt. 

Sie haben gerade bei den Osterfestspielen Baden-Baden mit Beethovens 3. Klavierkonzert Ihr Debüt bei den Berliner Philharmonikern gefeiert. Was war das Besondere daran?

Es gibt bestimmte Momente in einer Karriere, die als persönliche Meilensteine bemerkenswert sind – die Berliner Philharmoniker gehören sicherlich dazu. Ich war begeistert, dass das musikalische Niveau so hoch war, wie man es von einem solchen Ensemble erwarten würde, und noch wichtiger, dass die Musiker ermutigend, freundlich und leidenschaftlich waren. An dieses Konzert wird man sich noch lange erinnern!

Sie sind schon oft mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen aufgetreten, mit der Sie diesen Sommer in Klosters konzertieren werden. Was gefällt Ihnen an diesem Orchester?

Ich mag Ensembles, in denen jeder Musiker in den Prozess des Musizierens eingebunden ist, in denen es nicht nur darum geht, die Noten gut zu spielen, sondern wo jede und jeder Einzelne neugierig ist und sich für das Endergebnis ins Zeug legt. Die Kammerphilharmonie ist genau das. Ich hatte schon viele wunderbare Projekte mit diesem Ensemble. Ich freue mich darauf, mit ihnen ein weiteres Konzert zu erarbeiten.

Sie spielen in Klosters das Klavierkonzert in a-Moll von Grieg. Wo liegen für Sie als Interpret die Schwierigkeiten?

Einerseits ist es ein bekanntes und einfaches Konzert, aber man muss die technischen Passagen mit grosser Sorgfalt vorbereiten, wenn es gut klingen soll. Das beginnt schon gleich beim ersten Einsatz, wo die Oktaven und Akkorde eine musikalische Linie bilden und nicht durch die reine Schwierigkeit, die richtigen Töne zu treffen, gestört werden dürfen. Dasselbe gilt für den Beginn des zweiten Satzes, bei dem man besonders auf den Rhythmus der ersten Solopassage achten muss. Hinzu kommt natürlich das kammermusikalische Zusammenspiel mit dem Orchester, das sensibel und aufmerksam sein sollte.

Das Klavierkonzert von Schumann diente Grieg nicht nur wegen der gleichen Tonart als Vorbild. Welche Verbindungen sehen Sie zu Schumann?

In der Tat werden die beiden Konzerte oft miteinander in Verbindung gebracht, aber ich bin nicht ganz davon überzeugt, dass man das tun sollte. Natürlich haben sie eine gemeinsame Tonart und bestimmte grundlegende strukturelle Elemente, aber das eine ist unbestreitbar Schumann und das andere Grieg. Beide Komponisten haben eine einzigartige Sprache. Es ist wirklich schade, dass beide jeweils nur ein Klavierkonzert geschrieben haben!

Der letzte Satz des Grieg-Konzertes ist von dem norwegischen Volkstanz Halling geprägt. Interessieren Sie sich für Volksmusik?

Auf jeden Fall! Ich liebe es, Musik zu hören und zu erleben, die das Gefüge einer Gesellschaft formt – oder leider in vielen Fällen formte: Sie ist wirklich ein intimes Fenster zu einer Kultur. Natürlich hat auch Chopin – ein Komponist, dessen Musik mir sehr am Herzen liegt – in seinen Kompositionen ausgiebig Volksthemen und -tänze verwendet. Meiner Interpretation die richtige Gesamtenergie zu geben, ist dann meine Aufgabe. Es geht nicht so sehr darum, die genaue Art und Weise, wie zu dieser Musik getanzt wird, zu respektieren, sondern die Emotionen, die der Tanz hervorruft, durch die Musik zu vermitteln.

«Begegnungen. People and Places» ist das Motto von Klosters Music. Welche Menschen waren wichtig für Ihre musikalische Karriere?

Die ersten Menschen, die mir in den Sinn kommen, sind meine Eltern. Sie waren von Anfang an meiner Seite und haben mich auf die denkbar beste Weise unterstützt und gefördert; ich kann mit Sicherheit sagen, dass ich ohne ihre Fürsorge heute nicht auftreten würde. Darüber hinaus wäre die Liste zu lang, denn jeder Mensch, den ich getroffen habe, hatte einen Einfluss auf meine Karriere. Ich könnte Begegnungen mit angesehenen Musikern und Dirigenten nennen, mit Menschen, die von klein auf an mich geglaubt und mir Auftrittsmöglichkeiten gegeben haben, oder auch mit solchen, die mich zweifeln liessen und mich zu einem stärkeren Menschen machten. Auch die Orte waren für mich sehr wichtig. Ich bin in Calgary in Kanada aufgewachsen und lebe immer noch dort, direkt vor der Haustür ist Wildnis und phänomenale Natur: ein Raum, in dem Inspiration Wurzeln schlagen und wachsen kann. Andererseits war ich auch von klein auf aufgrund meiner polnischen Herkunft regelmässig mit Europa konfrontiert und die europäische Kultur hat mich in der Kunst, der Architektur und ganz allgemein im Leben inspiriert.

Gibt es einen Ort, an den Sie sich gerne zurückziehen, weil Sie dort gut regenerieren können? 

Der einzige Ort, an dem ich mich wirklich zuhause fühle, ist Calgary. Besonders gerne bin ich in der Natur unterwegs – im Winter beim Skifahren, im Sommer beim Camping, Kajakfahren, Radfahren oder Wandern. Nur in völliger Stille kann ich wirklich auftanken.

 


HEIMATSTOLZ
28. Juli, 17.00 Uhr, Konzertsaal, Arena Klosters

Maxim Emelyanychev (Leitung), Jan Lisiecki (Klavier), Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen

Familienkonzert mit Titel

Tino Flautino und der Kater Leo

Maurice Steger (Blockflöte & Leitung) und Nikolaus Schmid (Erzähler) sind die Hauptakteure beim diesjährigen Familienkonzert am 30. Juli (17.00 Uhr) im Konzertsaal der Arena Klosters.

Das Familienkonzert im letzten Jahr bei Klosters Music war eine Premiere – und gleich ein voller Erfolg. Grund genug, das mit viel Begeisterung angenommene Format in diesem Jahr fortzusetzen. Wie bei einem echten Sinfoniekonzert wird dieses Mal der Konzertsaal der Arena Klosters zum Schauplatz von Tino Flautinos Abenteuer. Nur ist man so nah am Geschehen wie letztes Jahr im Alten Primarschulhaus. Vor den Stühlen werden Matten ausgelegt und Turnbänkli aufgestellt. Und ein Gratis-Glacé gibt es nach dem Musikgenuss auch wieder.

König Tino Flautino hat keine Lust mehr zu regieren, sondern möchte lieber musizieren. Deshalb überlässt er das Zepter seiner Frau und widmet sich ganz dem Flötenspiel. Beim Spazierengehen im Schlosspark findet er ein Notenbündel. Aber das letzte Notenblatt des Musikstücks fehlt. Die lange, abenteuerliche Suche nach den verlorenen Klängen beginnt. «Tino Flautino und Kater Leo» ist die neueste Geschichte der Märchenautorin Jolanda Steiner in der erfolgreichen Tino-Flautino-Reihe, mit der Maurice Steger klassische Musik einem jungen Publikum (geeignet für Kinder ab 6 Jahren) näherbringt. Gemeinsam mit dem Erzähler Nikolaus Schmid, der im letzten Jahr bei Klosters Music schon Camille Saint-Saëns‘ «Karneval der Tiere» lebendig machte, und Mitgliedern des La Cetra Barockorchesters Basel unternimmt der Schweizer Flötist eine musikalische Reise. Mitbringen müssen die Kinder nur ihre Fantasie.

Tino Flautino hat für seine Reise einen Zauberteppich zur Verfügung, mit dem er überall hinfliegen kann, sobald seine Flugmusik, der erste Satz aus dem Blockflötenkonzert in C-Dur von Georg Philipp Telemann, erklingt. Das erste Ziel ist Leipzig, wo der königliche Flötist auf den bekannten Komponisten Johann Sebastian Bach trifft. Der kann ihm leider keinen Tipp geben – zumindest darf Tino aber ein paar Takten seines Cembalokonzertes in d-Moll lauschen. Vom Osten geht es in den Westen direkt nach Versailles in das Schloss von Ludwig XIV. Dort tanzt der Sonnenkönig gerade mit seinem Hofkomponisten Jean-Baptiste Lully. Dieser kann Tino Flautino aber genauso wenig helfen wie Georg Friedrich Händel in London. Ganz umsonst ist die Reise jedoch nicht, weil er unterwegs wunderbare Musik kennenlernen kann wie Lullys farbigen «Marche pour la cérémonie des Turcs» oder Händels Blockflöten-Konzert in F-Dur. Erst Kater Leo Leonardo in Neapel bringt Tino Flautino auf eine heisse Spur. Sie führt ihn zur letzten Station der Reise: Antonio Vivaldi in Venedig. Die Geschichte spitzt sich zu. Es gibt einen Diebstahl und sogar eine Verfolgungsjagd. Ob Tino Flautino am Ende das fehlende Notenblatt des Concertos in a-Moll des neapolitanischen Komponisten Domenico Sarro findet, wird nicht verraten. Sicher ist jedenfalls, dass die jungen Zuhörerinnen und Zuhörer bei «Tino Flautino und der Kater Leo» auf spielerische Weise einen lehrreichen, kurzweiligen Rundgang, oder besser gesagt Rundflug durch die europäische Musikgeschichte erleben werden. Und neben den bereits erwähnten Komponisten noch viele weitere kennenlernen wie Leonardo Leo, John Baston und Giuseppe Sammartini. Wolfgang Amadeus Mozart, von dem Auszüge aus dem ersten Satz seiner «Kleinen Nachtmusik» erklingen, ist dem einen oder anderen vielleicht auch schon bekannt.


TINO FLAUTINO UND KATER LEO
30. Juli, 17.00 Uhr, Konzertsaal, Arena Klosters

Maurice Steger (Blockflöte & Leitung), Nikolaus Schmid (Erzähler), Ensemble des La Cetra Barockorchester Basel

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Besseggen, Norwegen, © Sina Gubser

Serie: Orte in der Musik (4)

Musikwissenschaftler Georg Rudiger stellt einige Orte vor, die für bestimmte, in Klosters gespielte Werke wichtig sind. Heute: Norwegen, die Heimat des Komponisten Edvard Grieg (Klavierkonzert in a-Moll op. 16) 

«Grieg liebte sein Vaterland, seine Heimatstadt Bergen, Troldhaugen, Hardanger, die Jotunheimen-Gebirge, ja, überhaupt die norwegische Natur. Aber trotz seiner nationalen Begeisterung konnte er oft an der geistigen und künstlerischen Armut seines Heimatlandes verzweifeln. Deshalb zog es ihn sein Leben lang hinaus in die Kunstwelt des Kontinents, besonders nach Deutschland und Dänemark, um neue Anregungen zu bekommen», schreibt der norwegische Musikwissenschaftler Finn Benestad über Edvard Grieg. Das Werk Edvard Griegs ist geprägt von der Verschmelzung norwegischer Volksmusik mit europäischer Kunstmusik. Er selbst sprach von der Verbindung von Schwarzbrot mit Austern und Kaviar. Die ersten Spuren von folkloristischen Elementen findet man in seinen Humoresken op. 6 und dem zweiten Satz der ersten Violinsonate in F-Dur op. 8 (beides aus dem Jahr 1865), der im rustikalen Trio an den Klang einer neunsaitigen Hardangerfiedel, das Nationalinstrument Norwegens, denken lässt. Wichtig für Grieg war die Bekanntschaft mit dem Geigenvirtuosen Ole Bull, der selbst norwegische Volksmusik sammelte. «Ole Bull war mein guter Engel. Er öffnete mir die Augen für die Schönheit und Ursprünglichkeit der norwegischen Musik. Durch ihn lernte ich viele vergessene Volksweisen und vor allen Dingen meine eigene Natur kennen», schreibt Grieg. 1869 entdeckte der Komponist Ludvig Mathias Lindemans Sammlung «Ältere und neuere norwegische Bergmelodien», aus denen er viele originale Volkslieder musikalisch bearbeitete, zum ersten Mal in seinen 25 norwegischen Tänzen und Volksweisen op. 17.

Ein Jahr zuvor, im Sommer 1868, hielt sich der frischgebackene 25-jährige Vater mit dem norwegischen Pianisten Edmund Neupert und dem dänischen Komponisten Emil Horneman im idyllischen Dorf Søllerød auf – rund 20 Kilometer von Kopenhagen entfernt, wo seine Frau und seine im April geborene Tochter bei den Schwiegereltern unterkamen. Er wollte in Ruhe arbeiten können, aber nicht zu weit von seiner Familie entfernt sein. Am 3. April 1869 wurde das Klavierkonzert in Kopenhagen von Edmund Neupert uraufgeführt: «Der Triumph, den ich feierte, war wirklich grossartig. Schon nach der Kadenz im ersten Teil brach im Publikum ein wahrer Sturm aus. Die drei gefährlichen Kritiker, Gade, Rubinstein und Hartmann, sassen oben in der Loge und applaudierten aus voller Kraft», berichtet der Solist dem Komponisten kurz nach der Uraufführung.

Originale norwegische Melodien verwendet Edvard Grieg im Klavierkonzert noch keine, aber es lassen sich doch einige Anklänge an norwegische Volksmusik nachweisen. Schon der Beginn des Konzertes mit den abstürzenden Einleitungstakten des Klaviers (a-gis-e) im «Allegro molto moderato» weist mit der fallenden kleinen Sekunde und der anschliessenden grossen Terz eine melodische Wendung auf, die man häufig in der skandinavischen Volksmusik findet. Das kreisende Motiv, das im «Animato» von den Flöten und Klarinetten gespielt wird, ist typisch für eine Hardangerfiedel. Der letzte Satz «Allegro moderato molto e marcato» präsentiert nach einer kurzen Einleitung einen Halling – den typischen norwegischen Volkstanz im 2/4-Takt, dessen starke Rhythmik durch Akzente zusätzlich betont wird. Auch manche harmonische Wendungen und Vorschläge wie im exponierten, zurückgenommenen Flötenthema erinnern an Volksmusik. Am Ende nach der Solokadenz verwendet Grieg mit einem Springar, einem Springtanz im 3/4-Takt, noch einen weiteren norwegischen Tanz, der dem Klavierkonzert ein effektvolles Ende bereitet.

Janoska Ensemble - Copyright Julia Wesely (5)
Janoska Ensemble, © Julia Wesely

Exklusiv: Das Janoska Ensemble im Kurzinterview

«Begegnungen. People and Places» heisst 2024 das Motto von Klosters Music. Wir fragen unsere Künstlerinnen und Künstler in einer kleinen Serie, wie sie darüber denken. 

Welche Begegnung, welche Person war besonders wichtig für Ihren musikalischen Lebensweg – und warum?

Auf unserem musikalischen Lebensweg spielten unsere Eltern eine entscheidende Rolle, indem sie uns stets unterstützten und als Vorbilder im Musikleben fungierten. In der Familie Janoska wird bereits seit sieben Generationen musiziert. In der Familie Darvas wird das Kontrabassspiel seit der dritten Generation gepflegt.

Welcher Ort ist für Sie ein wichtiger Rückzugsraum? 

Da wir etwa 110 Konzerte pro Jahr geben und häufig auf Tour sind, ist ein Rückzugsort für uns alle äusserst wichtig. In unserem Fall ist dies unsere Familie, die es kaum erwarten kann, uns zu Hause wiederzusehen. Alle Kinder der Familie Janoska zeigen ein grosses musikalisches Talent. Schon in jungen Jahren spielen sie verschiedene Instrumente, singen und tanzen. Wenn wir zu Hause sind, verbringen wir viel Zeit miteinander und geben uns gegenseitig musikalische Tipps und Tricks weiter, die wir von Generation zu Generation in der Familie weiterreichen.

Was verbinden Sie mit Klosters? 

Wir haben bereits zwei wunderbare Konzerte in Klosters gegeben. Wir freuen uns auf das grossartige Publikum, das uns bei den Konzerten stets mit positiver Energie unterstützt. Nach den Konzerten freuen wir uns auch immer darauf, neue interessante Menschen kennenzulernen. Wir geniessen die wundervolle Landschaft mit ihren beeindruckenden Bergen und dem atemberaubenden Blick in die Ferne. Ausserdem freuen wir uns auf die schweizerische Küche, die wir sehr zu schätzen gelernt haben.


BLUE SKIES
1. August 2024, 17 Uhr, Konzertsaal, Arena Klosters

Thomas Hampson (Bariton), Janoska Ensemble

 

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Tin Pan Alley 1905

Serie: Orte in der Musik (3)

Musikwissenschaftler Georg Rudiger stellt einige Orte vor, die für bestimmte, in Klosters gespielte Werke wichtig sind. Heute: die «Tin Pan Alley» in New York, Entstehungsort des «Great American Songbook».

Die «Tin Pan Alley» findet man nicht im Stadtplan von Manhattan. Trotzdem hat diese Strasse Musikgeschichte geschrieben. Hier lag ab dem Beginn des 20. Jahrhunderts das Zentrum der amerikanischen Musikindustrie. Hier, in der 28. Strasse zwischen der 5th Avenue und dem Broadway, konzentrierten sich die Musikverlage zu einer Zeit, als das Radio und der Tonfilm noch nicht populär beziehungsweise noch gar nicht erfunden waren. Die Musikverlage hatten nicht nur Komponisten angestellt, die wie am Fliessband einen Song nach dem anderen lieferten. Wichtig waren vor allem die Pianisten, die sogenannten Song Plugger, die die Noten zum Leben erweckten und einen Eindruck davon vermittelten konnten, ob ein Lied das Zeug zu einem Hit hatte oder eben nicht. Viele von den hier entstandenen Hits kamen in das «Great American Songbook», aus dem Thomas Hampson und das Janoska Ensemble für Klosters einige besonders schöne Songs ausgewählt haben. Den Musikjournalisten Monroe Rosenfeld erinnerte das Klaviergeklimper aus den Verlagsgebäuden an das Klappern von Blechpfannen – so erhielt die Tin Pan Alley ihren ungewöhnlichen Namen.

George Gershwin kam 1914 im Alter von 16 Jahren in die Tin Pan Alley und wurde vom Verlag Jerome H. Remick angestellt. «Als Song Plugger hatte er täglich acht bis zehn Stunden am Klavier zu sitzen, um die ihm anvertrauten Stücke, die ‹Ware›, spielend und singend an den Mann zu bringen», berichtet Wolfram Schwinger in seiner Gershwin-Biographie. Manchmal schmuggelte Gershwin auch ein eigenes Lied in das von ihm zu spielende Musikprogramm hinein. Sein erster Song «When You Want ‘Em You Can’t Get ‘Em» erschien 1916 im Druck. Gershwin war aber nicht nur ein ausgezeichneter Pianist und bald auch bemerkenswerter Komponist, sondern hatte bereits als Jugendlicher einen untrüglichen Sinn für musikalische Qualität. Besonders beeindruckte ihn Jerome Kern, der 1914 mit seiner Show «The Girl from Utah» grossen Erfolg hatte. «Ich verehrte Kerns Schaffen. Ich studierte jedes seiner Lieder. Ich zollte ihm Tribut, indem ich ihn imitierte», schrieb Gershwin rückblickend. Aber auch Irvin Berlin, der wie Gershwin ein Sohn jüdischer Einwanderer aus Russland war, begeisterte ihn. «Sein farbiger melodischer Reichtum setzt uns alle, die wir auch Lieder komponieren, immer wieder in Erstaunen. Irving Berlin ist Amerikas Franz Schubert.» Von diesen drei Komponisten und weiteren wie Cole Porter, Kurt Weill und Harold Arlen sind Songs zu hören beim Konzert «Blue Skies» mit Thomas Hampson und dem Janoska Ensemble am Schweizer Nationalfeiertag.


BLUE SKIES
1 August 2024, 17 Uhr, Konzertsaal, Arena Klosters

Thomas Hampson (Bariton), Janoska Ensemble

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Thomas Hampson, © Jiyang Chen

«Ein Lied ist immer eine Insel»

Mit Thomas Hampson kommt einer der bekanntesten Sänger überhaupt zu Klosters Music und präsentiert gemeinsam mit dem Janoska Ensemble Songs aus dem «Great American Songbook». Georg Rudiger hat mit dem amerikanischen Bariton gesprochen über seine Beziehung zur Schweiz, Spontaneität in der Musik und darüber, was Tennisspielen mit Singen zu tun hat. 

Sie feiern im Sommer Ihr Debüt in Klosters. Waren Sie schon mal dort? 

Ich glaube nicht, dass ich jemals in Klosters gewesen bin. Die Schweiz aber ist mir sehr vertraut. Durch meine Arbeit an der Züricher Oper bin ich seit rund dreissig Jahren in der Schweiz zuhause. Gemeinsam mit meiner Frau bin ich viel gewandert – auf den Mythen bei Schwyz, in Interlaken oder auch im Mont Blanc-Gebiet. Die Schweizer Alpen sind wirklich etwas Besonderes.

Sie sind als Opernsänger und vor allem auch Kunstlied-Interpret bekannt. In Klosters präsentieren Sie gemeinsam mit dem Janoska Ensemble aber Songs aus dem «Great American Songbook». Wie kam es zu diesem Projekt? 

Ich bin seit Jahren mit der Janoska-Familie befreundet – auch schon während der Zeit, als Roman und František in der Formation «Philharmonics» spielten. Ihr Repertoire ist riesig und reicht von Bach bis Bernstein. Die amerikanischen Songs aus den 30er- und 40er-Jahren haben wir früh zusammen gemacht.

Welche Beziehung haben Sie selbst zu diesen Songs wie «Blue Skies» von Irving Berlin oder «Love Walked In» von George Gershwin? 

Ich bin damit aufgewachsen. Meine Mutter war in unserem kleinen Ort eine Berühmtheit als Pianistin und Sängerin – gerade mit diesem Repertoire. Um die Lieder von Cole Porter, George Gershwin oder Irving Berlin zu singen, braucht man eine Stimme mit einem grösseren Tonumfang. Auch die Janoskas lieben diese Lieder. Wir werden viel improvisieren auf der Bühne. Diese Spontaneität in der Musik ist für mich sehr bereichernd. Konzerte mit den Janoskas geben mir viel Energie für meine weitere Arbeit.

Viel Spontaneität gibt es im normalen Klassikbetrieb nicht. Vermissen Sie das? 

Ich verstehe, was Sie meinen. Ich glaube aber schon, dass auch in der klassischen Musik Spontaneität existiert. Man muss dafür die verschiedenen Stile gut kennen, um bei der Interpretation spontaner agieren zu können. Man kann und soll auch bei Schuberts «Wanderer» oder seinem «Erlkönig» Spontaneität einbeziehen. Ohne sie ist Musik ziemlich fad.

George Gershwin hat über Irving Berlin gesagt, er sei Amerikas Franz Schubert. Was könnte er damit gemeint haben? 

Liederkomponist und Songwriter sind gar nicht so weit voneinander entfernt. Wir lieben Franz Schubert, weil er das menschliche Leben in seiner Musik widerspiegelte: ein rauschender Bach, ein galoppierendes Pferd oder das gleichmässige Schnurren eines Spinnrades. Das hat eine neue Welt geöffnet. Diese spezielle Verbindung von Text und Musik findet man auch heute noch in Liedern von Sting oder Paul Simon. Ein Lied ist immer eine Insel mit einer eigenen Welt.

Normalerweise gibt es zwischen Pop- oder Jazzgesang und Operngesang einen grossen Unterschied. Wie werden Sie diese Lieder singen?

Das ist eine sehr gute Frage. Meinen Schülerinnen und Schülern sage ich immer: Was auch immer du singst – Johann Sebastian Bach, Cole Porter oder Sting – du singst Musik, die zu einer bestimmten Zeit in einem bestimmten Stil aufgeschrieben wurde. Und meine Aufgabe als Interpret ist es, diesen Kontext zu kennen und mich mit meiner Stimme und die Art des Singens anzupassen. Im Tennis gibt es Betonplätze, Aschenplätze oder Rasen. Das Tempo ist anders, der Absprung des Balles ist unterschiedlich, der Spin variiert – aber alles ist Tennis.

Viele der Songs aus dem Great American Songbook wurden in der sogenannten Tin Pan Alley komponiert – einem Häuserblock in der 28. Strasse in Manhattan. Dort waren in den 20er und 30er-Jahren die wichtigsten Musikverlage konzentriert. Sie haben aber auch Lieder von Kurt Weill im Programm, die noch eine andere Farbe haben. Was schätzen Sie an Werken wie der «Dreigroschenoper», der einige Songs aus dem «Mack-The-Knife» Medley entnommen sind?

Kurt Weill war ein Genie – ich liebe seine Musik über alle Perioden seines Lebens. Als Amerikaner bin ich ihm ewig dankbar, dass er gezeigt hat, wie man soziale Themen ins Musiktheater bringen kann wie bei seinen Musicals «Love Life» oder «Lost In The Stars». Er hat gezeigt, dass Musiktheater auch ein Labor des menschlichen Zusammenlebens sein kann und nicht nur reine Unterhaltung. Das war auch wichtig für spätere Musicalkomponisten wie Oscar Hammerstein oder Stephen Sondheim. Die von der Neuen Sachlichkeit geprägten Lieder von Kurt Weill nach Gedichten von Bertolt Brecht sind ungemein prägnant und eingängig. «Mackie Messer» war auch in den USA ein riesiger Hit. Wir machen unsere eigene Version davon in zwei Sprachen, mit einem effektvollen Tempowechsel und mit viel Improvisation.

Das Janoska Ensemble ist mit der Besetzung zwei Violinen, Klavier und Kontrabass keine Jazzband. Warum passt das zu dieser Musik? 

Ein typisches Jazztrio besteht aus Klavier, Kontrabass und Schlagzeug – zwei dieser Instrumente sind dabei. Mit den beiden Violinen gibt es wirklich eine besondere Note. Die Melodien werden kunstvoll verteilt. Und ich darf ein Teil davon sein.

Sie haben das Programm schon einmal in ähnlicher Weise bei einer Silvestergala im Wiener Konzerthaus aufgeführt. Was darf das Publikum am Schweizer Nationalfeiertag erwarten? 

Freude und unbändige Musizierlust. Die Lieder sind richtige Ohrwürmer. Diese Familie im Konzert zu erleben, ist ein Ereignis. Wir werden das Konzert auch moderieren. Der Rahmen ist also ganz locker und familiär, passt also gut für die ganze Familie.

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© Andri Bros

«Music unlimited» trifft auf «Sports unlimited» mit Maurice Steger

«Musik lebt und ist auf die Natur angewiesen»

Der Blockflötist und Dirigent Maurice Steger fährt genauso schnell und exzellent Ski wie er Blockflöte spielt! Franziska von Arb war mit ihm auf den Klosterser Pisten – entstanden ist ein wunderbares Gespräch über die Verbindung zwischen Natur, Sport und Musik. Und auch ein Blockflöten-Intermezzo durfte nicht fehlen.


CON PASSIONE!
29. Juli 2024, 19.00 Uhr, Kirche St. Jakob, Klosters
Maurice Steger (Blockflöte und Leitung), Nuria Rial (Sopran),
La Cetra Barockorchester Basel


TINO FLAUTINO UND KATER LEO Familienkonzert
30. Juli 2024, 17.00 Uhr, Konzertsaal, Arena Klosters
Maurice Steger (Blockflöte und Leitung), Nikolaus Schmid (Erzähler),
La Cetra Barockorchester Basel

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Sir András Schiff, © Nadja Sjöström; Julian Prégardien, © Peter Rigaud

Programmanpassung: Freitag, 2. August 2024, «In die Tiefe II» (19.30 Uhr)

Statt ein zweites Rezital zu geben, wird sich Sir András Schiff am 2. August 2024 um 19.30 Uhr gemeinsam mit dem Tenor Julian Prégardien dem Liederzyklus «Die schöne Müllerin» von Franz Schubert widmen.
Die Karteninhaberinnen und Karteninhaber wurden separat informiert.

 

Natur als Spiegel der Seele

Einen Liederabend hat es bei Klosters Music noch nicht gegeben. Statt ein zweites Rezital zu geben, wird sich Sir András Schiff gemeinsam mit Julian Prégardien dem Kunstlied widmen. Mit Franz Schuberts «Die schöne Müllerin» haben sich die beiden Künstler einen der beliebtesten Liederzyklen ausgesucht. Die musikalische Reise beginnt mit einem fröhlichen Wanderlied. Der Schritt des jungen Müllerburschen ist flott, die Landschaft in helle Farben getaucht. Aber der so heiter beginnende Liederzyklus führt in den Liebeskummer, in die Eifersucht und am Ende auch in den Tod. Die Natur wird zum Spiegel der Seele, der Bach zum tröstenden Begleiter. Schuberts im Jahr 1823 komponiertes Meisterwerk, das die zwanzig Gedichte von Wilhelm Müller in psychologisch fein gezeichnete Kunstlieder verwandelt, berührt das Publikum auch 200 Jahre nach seiner Entstehung im Innersten.

Sir András Schiff ist in Klosters erstmals als Liedbegleiter zu erleben. Mit dem deutschen Tenor Julian Prégardien, der 2018 sein Debüt bei den Salzburger Festspielen feierte, interpretiert ein Sänger den beliebten Zyklus, der durch sein Textverständnis und seine klangfarbenreiche Stimme gemeinsam mit Schiff tief in die Romantik eintaucht. Das 200-jährige Jubiläum des Zyklus‘ feierte Prégardien im letzten Jahr während einer zweiwöchigen Residenz in Wien mit dem multimedialen Projekt «Müller*in Wien», in dem er an verschiedenen Orten, unter anderem in Schuberts Geburtshaus im neunten Bezirk, Lieder des Komponisten interpretierte. Den gesamten Zyklus präsentierte Julian Prégardien in Warschau, Amsterdam, Hamburg und Berlin. Nun wird er ihn erstmals gemeinsam mit Sir András Schiff bei seinem Debüt in Klosters zu Gehör bringen.

 


Der Titel des Konzerts um 19.30 Uhr lautet neu «Die schöne Müllerin», alle bereits gekauften Tickets behalten jedoch ihre Gültigkeit. 


DIE SCHÖNE MÜLLERIN
2. August 2024, 19.30 Uhr, Kirche St. Jakob, Klosters
Sir András Schiff (Klavier), Julian Prégardien (Tenor)

IN DIE TIEFE I
2. August 2024, 17.00 Uhr, Kirche St. Jakob, Klosters

Sir András Schiff (Klavier)
Das Konzert um 17.00 Uhr «In die Tiefe I» bleibt wie angekündigt als Solorezital mit Sir András Schiff bestehen.

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Jan Lisiecki, © Christoph Köstlin/Deutsche Grammophone; Alina Ibragimova, © Joss McKinley ; Ben Goldscheider, © Kaupo Kikkas; Thomas Hampson, © Lukas Beck

Musikalische Strahlkraft – Klosters im Sommer: «The place to be»

Die vielen Kartenvorbestellungen wecken grosse Erwartungen. Heute startet der Vorverkauf zur sechsten Ausgabe von Klosters Music (27. Juli – 4. August 2024). Das Klassikfestival führt auch in diesem Sommer bedeutende sinfonische Musik mit erstklassigen Interpretinnen und Interpreten zusammen. Der Bariton Thomas Hampson, der Pianist Jan Lisiecki, der Dirigent Maxim Emelyanychev und die Geigerin Alina Ibragimova sind zum ersten Mal beim neuntägigen Musikfestival dabei. Kammermusik, Filmmusik und ein Familienkonzert haben ebenfalls wieder Platz im Festivalprogramm.

«Das Festival ist im Sommer ein wichtiger kultureller Anziehungspunkt für Touristinnen und Touristen sowie Einheimische. Es strahlt weit über die Region hinaus, hat aber auch eine starke Verankerung in der Gemeinde Klosters», sagt Heinz Brand, Präsident der Stiftung Kunst & Musik, Klosters. «Die sechste Ausgabe von Klosters Music präsentiert zehn kontrastreiche Konzerte mit erstklassiger Besetzung und einem Programm aus Meisterwerken, die von einem Gefühl von Zeit und Ort geprägt sind und den Zeitgeist einfangen, in dem sie entstanden sind», erklärt David Whelton, künstlerischer Leiter des Festivals.

Romantik und Wiener Klassik 

Das Motto «Begegnungen. People and Places» beschreibt den Kern des Festivals, denn Klosters Music schafft Begegnungen: zwischen Natur und Kultur, zwischen aussergewöhnlichen Künstlerinnen und Künstlern und einem musikinteressierten Publikum. In diesem Jahr stehen grosse romantische Werke im Mittelpunkt wie Antonín Dvořáks Sinfonie Nr. 9 «Aus der Neuen Welt» beim Eröffnungskonzert am 27. Juli und Edvard Griegs Klavierkonzert (28.7.), interpretiert vom polnisch-kanadischen Pianisten Jan Lisiecki. Für das Eröffnungswochenende wurde die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen mit dem russischen Dirigenten Maxim Emelyanychev eingeladen. Die russisch-britische Geigerin Alina Ibragimova ist beim Eröffnungskonzert mit Mozarts 3. Violinkonzert in G-Dur zu hören. Mit der zweiten Sinfonie in C-Dur von Robert Schumann, gespielt vom Münchener Kammerorchester unter Christoph Koncz (3.8.), kann man ein weiteres gewichtiges Werk aus der Romantik beim Festival erleben. Auch bei diesem Programm ist mit dem Hornkonzert Nr. 4 in Es-Dur (Solist: Ben Goldscheider) von Wolfgang Amadeus Mozart ein Werk der Wiener Klassik dabei.

Jazzballaden und zwei Klavierrezitals 

Thomas Hampson kennt man als gefeierten Opernsänger und sensiblen Kunstlied-Interpreten. Am Schweizer Nationalfeiertag ist der charismatische amerikanische Bariton von einer ganz anderen Seite zu hören, wenn er, begleitet vom Janoska Ensemble, bekannte Songs und Jazzballaden aus dem «Great American Songbook» interpretiert. Die spanische Sopranistin Nuria Rial widmet sich gemeinsam mit dem Blockflöten-Virtuosen Maurice Steger und dem La Cetra Barockorchester Basel spanischer und italienischer Musik aus dem 17. und 18. Jahrhundert («Con Passione!» am 29.7.). Sir András Schiff wird dieses Mal gleich zwei Klavierrezitals hintereinander in der Kirche St. Jakob geben (2.8.), und das mit unterschiedlichen Programmen.

«Der Star des Abends ist das Orchester» 

Beim Familienkonzert nehmen Maurice Steger (Blockflöte und Leitung), Nikolaus Schmid (Erzähler) und ein Instrumentalensemble von La Cetra das Publikum mit auf die musikalische Reise von Tino Flautino und dem Kater Leo. Im Atelier Bolt bringt Gioconda Leykauf-Segantini das Werk ihres berühmten Grossvaters, des Malers Giovanni Segantini dem Publikum näher (31.7.). Lieder von Gustav Mahler (James Atkinson/Bariton, Hamish Brown/Klavier) umrahmen diesen Abend, der schon fast ausverkauft ist. Die Ausstellung mit ausgewählten Kunstdrucken von Giovanni Segantini zum Erwerb und mit Skulpturen des Gastgebers Christian Bolt ist öffentlich zugänglich und dauert bis am 23. August. Zum Festivalfinale am 4. August präsentiert das City Light Symphony Orchestra unter der Leitung von Kevin Griffiths Musik aus oscarprämierten Filmen wie «Star Wars» und «Harry Potter». Und David Whelton verspricht: «Der Star des Abends ist das Orchester!».

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© Michail Dementiev

Serie: Orte in der Musik (2)

Musikwissenschaftler Georg Rudiger stellt einige Orte vor, die für bestimmte, in Klosters gespielte Werke wichtig sind: diesmal die «Karelia»-Suite op. 11 von Jean Sibelius. 

Karelien ist eine historische Landschaft in Nordosteuropa zwischen der Ostsee und dem weissen Meer mit rund 25’000 Flüssen und 60’000 Seen, die schon immer zwischen Schweden, Russland und Finnland aufgeteilt war. Heute besteht der finnische Teil Kareliens aus rund 85 Prozent des gesamten Gebietes. Historisch ist die weite Landschaft von besonderer Bedeutung für Finnland, weil im 19. Jahrhundert die uralte, mündlich überlieferte finnische Volksdichtung Kalevala durch den Arzt Elias Lönnrot aufgezeichnet und veröffentlicht wurde. Auch Jean Sibelius kam auf seiner Hochzeitsreise gemeinsam mit seiner Frau Aino im Jahr 1892 nach Karelien, um als Gegenleistung für ein Stipendium der Universität die Melodien der Sänger aufzuschreiben, die die Verse dieses Nationalepos vertonten. Damals gehörte Karelien zum russischen Zarenreich – die Bewohnerinnen und Bewohner strebten aber die Unabhängigkeit an. Im Jahr 1893 wurde Sibelius von einer patriotischen Studentenverbindung um eine sogenannte Tableau-Musik gebeten, die insgesamt sieben historische Szenen der karelischen Geschichte musikalisch beschreiben sollte. Die vom Komponisten daraus ein Jahr später zusammengestellte, dreisätzige «Karelia»-Suite op. 11 gehört zu seinen beliebtesten Werken.

Das «Intermezzo», der erste Satz, beruht auf der Musik zur historischen Szene «Herzog Narimont aus Litauen zieht Steuern in der Provinz Käkisalmi ein». Der Hörnerklang, der mal offen, mal gestopft zu hören ist, erzählt von den Jägern, die im Auftrag des Herzogs unterwegs sind. Die Echos der Hornrufe veranschaulichen die weite Landschaft. Pauken, grosse Trommel, Becken und kleine Trommel verdeutlichen die Grösse des Hofstaats. Am Ende verklingen die Hörner in der Ferne. Der zweite Satz mit dem Titel «Ballade» bezieht sich auf den schwedischen König Karl VIII. des 15. Jahrhunderts und beschreibt eine Szene, wie er sich an sein früheres Leben erinnert. Am Ende stimmt ein Barde, der hier von einem Englischhorn verkörpert wird, eine klagende Melodie an. Zarte Streicherpizzicati schaffen den Raum für diese ganz intime Musik. «Alla Marcia» heisst der dritte Satz, der als grosse Steigerung konzipiert ist. «Pontus de la Gardie vor den Toren von Käkisalmi 1580»lautete der Titel des dazugehörigen historischen Bildes. Der Marsch des schwedischen Heerführers aus dem 16. Jahrhundert beginnt mit leichten Punktierungen in den Streichern, wird aber nach und nach von den Blechbläsern gestählt und vom Schlagzeug befeuert. Mit Pauken und Trompeten, mit Glanz und Gloria geht die «Karelia»-Suite zu Ende.


HEIMATSTOLZ
28. Juli 2024, 17.00 Uhr, Konzertsaal, Arena Klosters
Maxim Emelyanychev (Leitung), Jan Lisiecki (Klavier),
Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen

(c) Andrej Grilc-07096
Maxim Emelyanychev, © Andrej Grilc

«Ich wollte immer schon Dirigent werden»

Maxim Emelyanychev stand schon am Pult der Berliner Philharmoniker und des Sinfonieorchesters des Bayerischen Rundfunks. Als Chefdirigent leitet er das Originalklang-Ensemble Il Pomo d’Oro und das in Edinburgh ansässige Scottish Chamber Orchestra. Nun feiert der Russe (Jahrgang 1988), der sich in einer offiziellen Erklärung deutlich vom Ukrainekrieg distanziert hat, am Eröffnungswochenende (27. und 28. Juli 2024) mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen sein Debüt bei Klosters Music. Georg Rudiger sprach mit ihm über den Reiz von Kammerorchestern, seinen Zugang zu Mozart und sein Dirigierdebüt mit zwölf Jahren. 

Sie wären schon zweimal beinahe zu Klosters Music gekommen. 2021 mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen und 2022 als Ersatz für Riccardo Minasi beim Münchener Kammerorchester. Aus verschiedenen Gründen hat das leider nicht geklappt. Diesen Sommer dirigieren Sie beim Eröffnungswochenende die beiden Konzerte mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen. Mit welchen Gefühlen schauen Sie auf diese Konzerte? 

Ich freue mich sehr darauf und bin gespannt. Es ist nicht nur mein Debüt bei Klosters Music, sondern ich werde auch zum ersten Mal mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen zusammenarbeiten. Ich kenne das Orchester von vielen Aufnahmen und mag seinen Klang, die Flexibilität und seine grosse Persönlichkeit. Ich liebe es grundsätzlich, mit Kammerorchestern zu arbeiten.

Auch bei romantischem Repertoire wie in Klosters?  

Ja, das ist wunderbar, wenn wir eine noch etwas grössere Besetzung haben. Die Transparenz und Durchhörbarkeit, die ich von einem Kammerorchester gewohnt bin, bleibt dabei aber gleich. Übrigens waren die Orchester im 19. Jahrhundert viel kleiner besetzt als heute. Damit sind wir also auch näher am Original.

Waren Sie schon mal zuvor in Klosters oder überhaupt in den Schweizer Alpen? 

Nein, auch dies wird das erste Mal für mich sein. Ich freue mich sehr darauf.

Mit Ihrem Kammerorchester Il Pomo d’Oro, das Sie seit 2016 als Nachfolger von Riccardo Minasi leiten, nehmen Sie gerade alle Sinfonien von Wolfgang Amadeus Mozart auf. Was ist für Sie wichtig, wenn Sie Mozarts Musik interpretieren? 

Ich bin mit Mozarts Musik sehr vertraut, da ich sie schon als Kind gespielt habe. Ich verbinde bei unserem Mozartprojekt mein Wissen um historische Aufführungspraxis mit neuen Ideen. Auf jeder CD kombinieren wir zwei ganz unterschiedliche Sinfonien mit einem Bonustrack: ein Klavierkonzert, ein Oboenkonzert und so weiter.

Im Eröffnungskonzert von Klosters Music am 27. Juli wird Alina Ibragimova Mozarts Violinkonzert Nr. 3 in G-Dur interpretieren. Auch sie ist sehr vertraut mit historischer Aufführungspraxis. 

Ich habe mit Alina schon mehrere Mal zusammengearbeitet. Auch Mozart haben wir schon zusammengespielt: das Violinkonzert Nr. 5. Sie spielt sehr lebendig und improvisiert auch auf der Bühne. Diese Spontaneität schätze ich sehr. Sie verbindet herausragende technische Möglichkeiten mit einem tiefen Werkverständnis.

Antonin Dvořáks Sinfonie «Aus der Neuen Welt» im gleichen Programm ist ein völlig anderes Werk. Was mögen Sie an dieser Musik? 

Auch diese Komposition ist ein Meisterwerk. Mit einem Kammerorchester habe ich die Sinfonie noch nie interpretiert. Da werden die Linien noch klarer und die musikalischen Ideen noch greifbarer. Ich freue mich auf den wunderbaren langsamen Satz mit dem fantastischen Englischhornsolo.

Sie sind selbst ein erfahrener Pianist und Cembalist. Bei Teodor Currentzis‘ Aufnahmen der da-Ponte-Opern von Mozart haben Sie den Hammerklavierpart übernommen. Im zweiten Konzert des Eröffnungswochenende wird Jan Lisiecki Edvard Griegs Klavierkonzert spielen. Kennen Sie sich persönlich? 

Wir haben uns bislang nie getroffen, aber ich kenne sein Klavierspiel – und das mag ich sehr. Er hat viele frische Ideen und einen hellen, poetischen Klavierklang. Das ist perfekt für dieses romantische Konzert von Grieg.

Sie feierten bereits im Alter von zwölf Jahren Ihr Debüt als Dirigent mit einem Orchester. Das ist sehr ungewöhnlich. Warum haben Sie schon so früh begonnen zu dirigieren? 

Ich wollte immer schon Dirigent werden, auch schon als Kind. Ich komme aus einer Musikerfamilie und war schon als kleines Kind bei Proben und Konzerten meiner Eltern dabei. Ich habe früh Klavier gespielt und in einem Chor gesungen. Mein erster Dirigierlehrer meinte sogar, mit zwölf Jahren wäre man spät dran, um mit dem Dirigieren zu beginnen. Die Technik kann man früh lernen. Je früher, desto besser.

Hatten Sie keine Autoritätsprobleme beim Orchester? 

Man muss das Orchester überzeugen. Nicht mit Kraft oder einem Machtanspruch, sondern mit seinen Fähigkeiten und musikalischen Ideen.

Was ist befriedigender für Sie? Klavierspielen oder Dirigieren? 

Das sind sehr unterschiedliche Tätigkeiten, aber das eine hilft dem anderen. Ich habe sehr oft Klavier im Orchester gespielt und vom Klavier oder Cembalo aus ein Orchester geleitet. Ich spiele auch viele andere Instrumente, wie zum Beispiel Flöte, Horn und Kornett. Kürzlich habe ich bei einem Konzert mit meinem Scottish Chamber Orchestra sechs verschiedene Instrumente gespielt. Das hat grossen Spass gemacht.

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Frederic Edwin Church: „Die Reise von Hooker und seinen Begleitern 1636 durch die Wildnis von Plymouth nach Hartford“ (1846) | Wadsworth Atheneum Museum of Art, Hartford, Connecticut (USA)

Serie: Orte in der Musik

«Begegnungen. People and Places» heisst das Motto von Klosters Music 2024. Musikwissenschaftler Georg Rudiger stellt in einer kleinen Serie einige Orte vor, die für bestimmte, in Klosters gespielte Werke wichtig sind. Den Anfang macht die Sinfonie Nr. 9 «Aus der Neuen Welt» von Antonín Dvořák. 

Im Juni 1891 erhielt Antonín Dvořák ein Telegramm aus Amerika. Der Absender: Jeanette Thurber, Präsidentin des von ihr gegründeten New Yorker Conservatory of Music. Sie machte dem tschechischen Komponisten ein verlockendes Angebot. Für 15’000 Dollar im Jahr könne er die auf zwei Jahre befristete Stelle des Institutsdirektors antreten. Dvořák zögerte nicht lange, schliesslich verdiente er auf diesem Posten das 25fache seines Prager Professorengehalts; im Dezember 1891 unterzeichnete er den Vertrag. Der als betont nationaler Komponist geltende Tscheche sollte Amerika eine musikalische Identität geben: «Die Amerikaner erwarten grosse Dinge von mir, vor allem soll ich ihnen den Weg ins gelobte Land und in das Reich der neuen, selbständigen Kunst weisen, kurz, eine nationale Musik schaffen!», berichtet Dvořák in einem Brief. Im Herbst 1892 mit seiner Familie in New York angekommen, macht er sich gleich ans Werk. Von seinem schwarzen Schüler, dem Bariton Harry Thacker Burleigh, lässt er sich fast täglich Spirituals und Plantagenlieder aus den Südstaaten vorsingen, der befreundete Musikkritiker Henry Eduard Krehbiel legt ihm Transkriptionen von Indianermelodien vor. Er entdeckt prägnante rhythmische Wendungen wie Synkopen. Auch pentatonische Skalen, die in den fünf Tönen auf Halbtonschritte verzichten, notiert er sich in sein Skizzenbuch. «Ich habe keine einzige jener Melodien benützt. Ich habe einfach charakteristische Themen geschrieben, indem ich ihnen Eigenheiten der indianischen Musik eingeprägt habe», erklärt er im New York Herald. 

Spuren der amerikanischen Geschichte 

Von Beginn an entwickelt die Sinfonie «Aus der Neuen Welt» einen besonderen Tonfall. Gleich in den ersten Takten der langsamen Einleitung sind Synkopen zu hören, die in den Fortissimo-Einwürfen der Streicher noch mit einem Akzent versehen werden; auch das Hauptthema im Allegro molto präsentiert zwei Synkopen an markanter Stelle. Diese rhythmischen Besonderheiten lassen sich von den Melodien der Spirituals ableiten, zumal das dritte, von der Flöte in tiefer Lage gespielte Thema starke Ähnlichkeit zum bekannten «Swing low, sweet chariot» aufweist. Auch die vielen pentatonischen Passagen könnten ihr Vorbild in Native American und afroamerikanischen Melodien haben. Das ruhige Englischhorn-Thema im zweiten Satz ist ebenfalls pentatonisch komponiert. Dvořák liess sich zu diesem Satz vom Versepos «The Song of Hiawatha» von Henry Longfellow inspirieren, das vom Leben des Native American Hiawatha im 16. Jahrhundert erzählt. Auch hier hat der tschechische Komponist berührende Musik gefunden für einen musikalischen Ort – und wurde dafür vom amerikanischen Publikum bei der Uraufführung am 16. Dezember 1893 in New York gefeiert.

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Thomas Hampson, © Jiyang Chen

Klosters Music 2024: Begegnungen. People and Places

Nach der erfolgreichen Jubiläumsausgabe 2023 blickt Klosters Music voller Vorfreude auf das kommende sechste Festival vom 27. Juli – 4. August 2024 mit zehn erstklassigen, ganz unterschiedlichen Konzerten. Mit Thomas Hampson, Jan Lisiecki, Maxim Emelyanychev, Alina Ibragimova, Ben Goldscheider und Christoph Koncz feiern gleich sechs Künstlerinnen und Künstler ihr Klosters-Debüt. 

Das Motto «Begegnungen. People and Places» beschreibt auch den Kern des Festivals, denn Klosters Music schafft Begegnungen: zwischen Natur und Kultur, zwischen aussergewöhnlichen Künstlerinnen und Künstlern und einem musikinteressierten Publikum.

Romantischer Schwerpunkt

Im Sommer 2024 stehen grosse romantische Werke im Mittelpunkt wie Antonín Dvořáks Sinfonie Nr. 9 «Aus der Neuen Welt» beim Eröffnungskonzert am 27. Juli und Edvard Griegs Klavierkonzert (28.7.), interpretiert vom kanadischen Pianisten Jan Lisiecki. Für das Eröffnungswochenende wurde die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen mit dem Dirigenten Maxim Emelyanychev eingeladen. Die russisch-britische Geigerin Alina Ibragimova ist beim Eröffnungskonzert mit Mozarts 3. Violinkonzert in G-Dur zu hören. Mit der zweiten Sinfonie in C-Dur von Robert Schumann, gespielt vom Münchener Kammerorchester unter Christoph Koncz (3.8.), kann man ein weiteres gewichtiges Werk aus der Romantik beim Festival erleben.

Faszination Gesang und grosse Klavierkunst 

Der charismatische amerikanische Bariton Thomas Hampson interpretiert am Schweizer Nationalfeiertag bekannte Songs und Jazzballaden aus dem «Great American Songbook», begleitet vom Janoska Ensemble. Die spanische Sopranistin Nuria Rial widmet sich gemeinsam mit dem Blockflöten-Virtuosen Maurice Steger und dem La Cetra Barockorchester Basel spanischer und italienischer Musik aus dem 17. und 18. Jahrhundert («Con Passione!» am 29.7.). Sir András Schiff wird dieses Mal gleich zwei Klavierrezitals hintereinander mit unterschiedlichem Programm in der Kirche St. Jakob geben (2.8.).

Tino Flautino, Giovanni Segantini und ein Oscar-Abend 

Beim Familienkonzert nehmen Maurice Steger (Blockflöte und Leitung), Nikolaus Schmid (Erzähler) und ein Instrumentalensemble von La Cetra Basel Jung und Alt mit auf die musikalische Reise von Tino Flautino und dem Kater Leo, die quer durch Europa führt – von Johann Sebastian Bach in Leipzig bis zu Georg Friedrich Händel in London (30.7.). Im Atelier Bolt bringt Gioconda Leykauf-Segantini das Werk ihres berühmten Grossvaters, des Malers Giovanni Segantini, dem Publikum näher (31.7.). Auch Arbeiten des Gastgebers Christian Bolt werden ausgestellt. Ausgewählte Lieder von Gustav Mahler (James Atkinson/Bariton, Hamish Brown/Klavier) bieten den passenden musikalischen Rahmen dazu. Zum Abschluss des Festivals am 4. August präsentiert das City Light Symphony Orchestra unter der Leitung von Kevin Griffiths Musik aus oscarprämierten Filmen, die in Ausschnitten auch zu sehen sind – von James Bond bis Indiana Jones, von Star Wars bis Harry Potter. Der Konzertsaal der Arena Klosters wird zum besonderen Kino mit Grossbildleinwand, Popcorn und Live-Musik.


Die Kartenvorbestellung ist ab sofort schriftlich und online per Bestellformular möglich. Der Ticketverkauf mit sitzplatzgenauer Buchung online und bei den Tourismusbüros in Klosters und Davos startet im 1. März 2024.

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David Whelton, © Marcel Giger

Fester Teil der musikalischen Landschaft

Das fünfjährige Jubiläum von Klosters Music ist Geschichte. Der Blick geht nach vorne zur sechsten Festivalausgabe 2024, die unter dem Motto «Begegnungen. People and Places» steht.
Vor der Programmveröffentlichung hat Georg Rudiger mit dem Künstlerischen Leiter David Whelton gesprochen: über das deutlich gewachsene Publikum, kommende Programmhighlights und das Erfolgsrezept von Klosters Music. 

Die meisten Klassikveranstalter kämpfen mit sinkenden Zuschauerzahlen. Im Gegensatz dazu hat das Festival Klosters Music im Sommer 2023 rund 20 Prozent mehr Zuhörerinnen und Zuhörer gewonnen. Wie erklären Sie sich das? 

Seit seiner Gründung im Jahr 2019 hat Klosters Music daran gearbeitet, dem Publikum Schritt für Schritt ein Festivalerlebnis auf höchstem Niveau zu bieten. 2023 feierten wir unser fünfjähriges Jubiläum mit einer Reihe von sehr eindrücklichen, einmaligen Konzerten, die unseren internationalen Ruf als hochgeschätztes Sommerfestival untermauern. Ein Festival, das inzwischen in der Schweiz ein fester Teil der musikalischen Landschaft geworden ist. Der kontinuierliche Aufbau, die gewachsene Ausstrahlung und die Verbundenheit mit der Bevölkerung von Klosters haben dazu geführt, dass wir letzten Sommer eine Rekordauslastung hatten mit vielen Besucherinnen und Besuchern aus Graubünden und von weiter entfernt.

Das Motto des kommenden Festivals lautet «Begegnungen. People and Places». Wie äussert sich das im Programm?

Im Laufe der Geschichte haben Musikerinnen und Musiker die ganze Welt bereist. Unser Programm spiegelt diese musikalischen Begegnungen wider. Antonín Dvořáks 9. Sinfonie «Aus der Neuen Welt» ist wohl das berühmteste Beispiel, aber auch Jean Sibelius› Karelia-Suite erzählt von einem Ort. Wir reisen mit Maurice Steger und Nuria Rial durch das 17. und 18. Jahrhundert, von Spanien bis Rom, mit den Komponisten Falconieri, Monteverdi, Vivaldi und natürlich Händel im Gepäck. Wir bringen zwei Giganten einer späteren Epoche an einem Abend zusammen, der dem grossen Künstler Giovanni Segantini gewidmet ist, begleitet von Gustav Mahlers Liedern: eine Premiere für Klosters Music. Und mit dem City Light Symphony Orchestra führen alle Wege nach Hollywood.

Thomas Hampson ist einer der bekanntesten Opern- und Liedsänger der Welt.
In Klosters wird er Songs aus dem «Great American Songbook» interpretieren. Was erwarten Sie von diesem Abend mit dem Titel «Blue Skies»?

Vor einigen Jahren diskutierte ich zu meiner grossen Überraschung und Freude beim Abendessen nach einem Konzert in der Royal Festival Hall mit dem legendären Bariton Tom Hampson über das «Great American Songbook».
Wir schmiedeten vorläufige Pläne für Konzerte, aber die Termine kamen nie zustande – bis jetzt! Thomas Hampson, der «Botschafter des amerikanischen Liedes», wird zusammen mit dem unbändigen Janoska-Ensemble eine einzigartige Sicht auf dieses zeitlose Repertoire entwickeln und unserem Klosterser Publikum ein einmaliges Erlebnis bieten.

Es ist für Sie wichtig, bestimmte Künstlerinnen und Künstler mit spezifischen Stücken nach Klosters zu bringen. Jan Lisiecki wird das Klavierkonzert von Grieg spielen, Alina Ibragimova Mozarts Violinkonzert Nr. 3 in G-Dur, Ben Goldscheider Mozarts Hornkonzert Nr. 4 in Es-Dur. Warum diese Kombinationen? 

Die Beziehung zwischen Künstlern und Repertoire ist der Schlüssel zu einer guten Konzertplanung. Jan Lisiecki ist ein Pianist in der grossen romantischen Tradition, perfekt für das Grieg-Konzert. Alina Ibragimova ist eine aussergewöhnliche Geigerin mit grosser Sensibilität und einem angeborenen Verständnis für den klassischen Stil. Ihre Bach-Interpretationen sind sehr gefragt, und sie arbeitet derzeit mit Maxim Emelyanychev an einem Mozart-Konzertprojekt – perfektes Timing also für uns. Der junge Virtuose Ben Goldscheider setzt sich dafür ein, neue Musik in Auftrag zu geben und das Hornrepertoire zu erweitern. Seine Neugier und sein musikalisches Können garantieren einen frischen Zugang zu Mozarts bekanntestem Hornkonzert – der Funke wird überspringen!

Die Konzerte mit Filmmusik, live gespielt vom City Light Symphony Orchestra, sind in Klosters sehr beliebt. Im Jahr 2024 werden Sie ein Konzert mit Filmmusik aus verschiedenen oscarprämierten Filmen veranstalten. Ist das eine Art Best of?

In diesem Jahr stellen wir die Filmmusik vor, die einigen der herausragendsten Filme unserer Zeit ihr emotionales Leben verleiht. Um ein grossartiges Filmthema zu schreiben, braucht man viel Talent. Ich möchte unserem Publikum die Möglichkeit bieten, diese Musik in einem Konzertformat zu geniessen, in dem das Orchester der Star ist. Das wird ein atemberaubendes Erlebnis.

Vorschau 2024
Thomas Hampson, © Jimmy Donelan / Sir András Schiff, © Nadja Sjöström / Maxim Emelyanychev, © Andrej Grilc / Sol Gabetta, © Julia Wesely / Alina Ibragimova, © Giorgia Bertazzi

Klosters Music 2024

27. Juli – 4. August 2024

Thomas Hampson, der grosse amerikanische Bariton, kommt 2024 mit dem «American Songbook» und dem unnachahmlichen Janoska Ensemble zu Klosters Music. Am Eröffnungswochenende interpretieren die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen unter Maxim Emelyanychev Werke von Dvořáks Sinfonie («Aus der Neuen Welt»), Sibelius und Grieg (Klavierkonzert, Solist: Jan Lisiecki) – Programme ganz nach dem Motto 2024 «Menschen und Orte». Mit Alina Ibragimova (Mozarts Violinkonzert Nr. 3), Ben Goldscheider (Mozarts Hornkonzert Nr. 4) und Sir András Schiff sind weitere grosse Künstlerpersönlichkeiten zu Gast. Barockmusik von Spanien bis Italien präsentieren Nuria Rial (Sopran) und Maurice Steger (Blockflöte) und das Münchener Kammerorchester kehrt nach 2022 am zweiten Wochenende mit einem romantischen Programm (Schumann und Tschaikowsky) zurück.


Reservieren Sie die Daten von Samstag, 27. Juli bis Sonntag, 4. August 2024.
Der Online-Ticketvorverkauf startet am 1. März 2024. Schriftliche Vorbestellungen sind ab Dezember 2023 via Flyer möglich.


Die Mitglieder des Fördervereins werden frühzeitig über die Konzerte informiert und haben die Möglichkeit, ihre Konzertkarten vor dem offiziellen Vorverkaufsstart zu reservieren. Jetzt Mitglied werden.

Peter K. Neuenschwander

Wechsel im Stiftungsrat von Klosters Music

Der Stiftungsrat der Stiftung Kunst & Musik, Klosters hat in seiner Sitzung vom 20. Oktober 2023 das Festivalprogramm 2024 beschlossen. Zugleich wurden zwei Stiftungsräte verabschiedet und ein neuer Stiftungsrat gewählt. 

Auch im kommenden Jahr wird Klosters Music ein erstklassiges Programm präsentieren, das der Stiftungsrat in seiner Sitzung vom 20. Oktober 2023 mit Begeisterung aufgenommen und freigegeben hat. Das Programm der sechsten Ausgabe von Klosters Music 2024 (27. Juli bis 4. August) wird Anfang Dezember bekanntgegeben. Schriftliche Kartenvorbestellungen sind ab dann möglich.

Anlässlich der Stiftungsratssitzung wurden mit Franziska Jelena Saager und Dr. Jürg Steinacher zwei Stiftungsräte verabschiedet, die aus Altergründen das Gremium verlassen. Als Gründerin hat Franziska Jelena Saager mit ihrem festen Willen und ihrem grossen Engagement den Aufbau der Stiftung massgeblich geprägt und aussergewöhnlich gefördert. Dem Festival Klosters Music bleibt sie weiterhin auch als Förderin eng verbunden.

Jürg Steinacher war vier Jahre lang im Stiftungsrat aktiv und hat mit seinem musikalischen Wissen das Festival bereichert.

Den beiden scheidenden Mitgliedern des Stiftungsrates gebührt herzlicher Dank und grosse Anerkennung für ihren Beitrag zum kulturellen Leben von Klosters.

Neu in den Stiftungsrat gewählt wurde Rechtsanwalt Dr. Peter K. Neuenschwander aus Zollikon. Peter Neuenschwander ist mit Klosters seit seiner Kindheit stark verbunden und daher mit den lokalen Gegebenheit bestens vertraut.

 

«Ich fühle mich mit meiner Familie Klosters sehr verbunden»

Als langjähriger In-house Counsel der Computerindustrie, ehemaliger Dozent an der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich und Gründungspartner der Kanzlei Suffert Neuenschwander & Partner in Zollikon und Nyon verfügt Peter K. Neuenschwander über eine hervorragende juristische Expertise, besonders im Bereich Informationstechnologie. In Klosters, seinem Zweitwohnsitz, lebt er mit seiner Frau Eva zwischen vier und fünf Monaten im Jahr. Auch für die beiden erwachsenen Kinder und die Enkel ist das Haus an der Talstrasse, in dem er selbst schon in seiner Kindheit die Ferien verbracht hat, eine zweite Heimat.

Neuenschwander ist Mitglied im Tennis- und im Skiclub Klosters. An seinem Hauptwohnsitz Zollikon engagierte er sich ehrenamtlich unter anderem in der Feuerwehr, dem Wahlbüro, der Baubehörde und der Kirchenpflege. Als Mitglied des Kulturkreises Zollikon und als langjähriger Opernhaus-Abonnent spielt aber auch die Musik eine wichtige Rolle in seinem Leben. Durch sein Engagement in der Stiftung Kunst & Musik, Klosters wird dies noch verstärkt. «Mit meiner langjährigen Erfahrung in zahlreichen Verwaltungsräten von Firmen sowie meinen diversen Engagements in öffentlichen und nonprofit-Organsiationen freue ich mich, künftig einen Beitrag zum weiteren Gedeihen von Klosters Music leisten zu dürfen», sagt der 67-jährige Rechtsanwalt.

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Kammerochester Basel, Chor des Bayerischen Rundfunks, Giovanni Antonini, Nikola Hillebrand, Maximilian Schmitt, Florian Boesch, © Marcel Giger

Besucherrekord und stehende Ovationen

Die fünfte Ausgabe von Klosters Music («Sehnsucht Natur. Musical Landscapes») ist mit einem beeindruckenden, zweieinhalbstündigen Klavierrezital von Sir András Schiff zu Ende gegangen. Im seinem vorher nicht angekündigten Programm spann der Pianist auf seinem eigenen Bösendorfer-Flügel einen Bogen vom Barock (Johann Sebastian Bachs Capriccio in B-Dur BWV 992) über die Wiener Klassik mit Werken von Joseph Haydn (Variationen in f-Moll, Sonate in Es-Dur Hob. XVI: 52), Wolfgang Amadeus Mozart (c-Moll-Fantasie KV 475) und Ludwig van Beethoven (Bagatellen op. 126, «Waldstein»-Sonate  op. 53) bis zu Franz Schubert, dem er mit der als Zugabe gespielten Ungarischen Melodie in h-Moll D 817 seine Reverenz erwies. Das Festivalprogramm mit neun Konzerten und einer Autorenlesung begeisterte die rund 4‘000 Zuhörerinnen und Zuhörer vollauf.  

Rund 800 Tickets wurden 2023 gegenüber dem Vorjahr mehr verkauft. Das entspricht einer Steigerung der Besucherzahlen von mehr als 20 Prozent. Neben dem erstmalig veranstalteten Familienkonzert im alten Primarschulhaus und der Autorenlesung von Thomas Hürlimann im Atelier Bolt waren zwei Konzerte im Konzertsaal der Arena Klosters mit jeweils rund 600 Zuhörerinnen und Zuhörern ausverkauft: Joseph Haydns Oratorium «Die Schöpfung» mit dem Chor des Bayerischen Rundfunks und dem Kammerorchester Basel unter der Leitung von Giovanni Antonini und das Konzert der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen mit Werken von Felix Mendelssohn Bartholdy, Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven. «Jedes der neun Konzerte hatte seine aussergewöhnlichen Momente», sagt David Whelton, der künstlerische Leiter des Festivals. «Die Aufführung der ‚Schöpfung‘ in der ungemein plastischen Interpretation von Giovanni Antonini war für mich persönlich bislang der künstlerische Höhepunkt in der fünfjährigen Festivalgeschichte.»

Die zweite Festivalhälfte eröffnete Immanuel Richter (Trompete) und Rudolf Lutz (Orgel) mit festlichen, brillanten Klängen in der Kirche St. Jakob. Wie im letzten Jahr führte Lutz unterhaltsam durchs Programm und gratulierte auf musikalische Weise dem Festival mit einer Improvisation über «Happy Birthday» zum 5. Geburtstag.  Antonio Vivaldis «Vier Jahreszeiten» spiegelten auf besondere Art das Motto «Sehnsucht Natur. Musical Landscapes». Arabella Steinbacher zeigte mit der Kammerakademie Potsdam auf eindrucksvolle Weise, wie unverbraucht das häufig gespielte Werk erscheinen kann: vom heftigen Sommergewitter mit geräuschvollem Bogeneinsatz und rasenden Läufen bis zum zarten Herbstidyll. Der Konzertmitschnitt wird am 14. August 2023 um 20 Uhr auf Radio SRF 2 gesendet. Das Stradivarius Trio mit Veronika Eberle (Violine), Antoine Tamestit (Viola) und Sol Gabetta (Violoncello) stellte neben dem Trio in G-Dur op. 9 Nr. 1 von Ludwig van Beethoven auch unbekanntere Werke von Ernst von Dohnányi und György Kurtág dem Klosterser Publikum vor. Mit ihren Stradivari-Instrumenten erzielten sie höchste klangliche Homogenität. Ihr vollendetes Zusammenspiel beglückte das Publikum. Stehende Ovationen gab es auch nach dem fulminanten Auftritt der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen unter ihrem erst 23 Jahre alten, finnischen Dirigenten Tarmo Peltokoski. Sharon Kam entwickelt in Mozarts Klarinettenkonzert auf der Bassettklarinette eine breite Farbpalette. Beethovens 6. Sinfonie «Pastorale» machte das gross aufspielende Orchester zu einem echten musikalischen Naturerlebnis.

Für Heinz Brand, den Präsidenten der veranstaltenden Stiftung Kunst & Musik, Klosters, ist das Festival in seinem fünften Jahr endgültig auf der Höhe der etablierten Konzertorte angekommen. Die enorme Steigerung im Ticketverkauf habe massgeblich mit der hohen Qualität der Konzerte zu tun. Klosters Music sei mittlerweile ein nicht mehr wegzudenkender Höhepunkt im Klosterser Tourismusprogramm und Bündner Kultursommer. «Wir spüren deutlich, dass auch die Ausstrahlung in die Politik weiter zugenommen hat.» Neben dem Altbundesrat Hans-Rudolf Merz und der Direktorin des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO) Helene Budliger Artieda waren auch Ständerat Stefan Engler sowie der Nationalratspräsident Martin Candinas und Dr. Urs Loher, Rüstungschef der Schweizer Armee zu Gast bei Klosters Music. Dass das erstmalig veranstaltete Familienkonzert mit dem «Karneval der Tiere» auf solch grossen Zuspruch traf, freut Geschäftsführerin Franziska von Arb: «Wir möchten mit der Musik Erlebnisse schaffen. Die Kinder und ihre Eltern, die grossenteils zum ersten Mal das Festival besuchten, waren restlos begeistert.» Klosters Music wird auch 2024 eine spannende Mischung aus Orchesterkonzerten, Kammermusik und besonderen Formaten präsentieren.


Impressionen Klosters Music 2023

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Tarmo Peltokoski, Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen, © Marcel Giger

Herzlichen Dank

«Klosters Music 2023 war ein grossartiges Fest der klassischen Musik mit eindrucksvollen Darbietungen, welche ein begeistertes Publikum aus nah und fern erfreute und verzauberte.»
David Whelton, künstlerischer Leiter

Wir bedanken uns herzlich bei den zahlreichen Besucherinnen und Besuchern, bei den Künstlerinnen und Künstlern, den Voluntari, den Gönnerinnen und Gönnern, bei den unterstützenden Institutionen und Stiftungen, insbesondere bei der Gemeinde Klosters, beim Kulturfonds Klosters, bei der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Klosters und beim Kanton Graubünden, sowie bei allen, die zum Gelingen und wunderbaren Erfolg von Klosters Music beigetragen haben.
Wir freuen uns, auch im kommenden Jahr wieder auf Ihren Besuch, Ihr Vertrauen und Ihre wohlwollende Unterstützung zählen zu dürfen und Sie bei Klosters Music 2024 zu begrüssen.


Impressionen Klosters Music 2023

Andras schiff

Aus der Stille

Sonntag, 6. August 2023, 17.00 Uhr, Konzertsaal, Arena Klosters

Mit dem Titel «Aus der Stille» ist das Abschlusskonzert von Klosters Music am 6. August mit Sir András Schiff überschrieben. In der Musik gleicht Stille einem leeren Gefäss, das gefüllt wird mit Klängen und Gedanken. Das Programm des Rezitals erfährt das Publikum erst am Konzertabend. Damit möchte der ungarische Pianist ein wenig Spontaneität in den Klassikbetrieb bringen und sich kurzfristiger entscheiden, welchen Werken er sich widmet. Sein Publikum nimmt er an die Hand und erklärt im Konzert in persönlichen Worten, warum er die Kompositionen ausgewählt hat, in welchem Zusammenhang sie miteinander stehen und was er mit ihnen verbindet. Das Festival endet nicht mit Pauken und Trompeten, sondern mit innerer Einkehr und einem ganz persönlichen Musikerlebnis.


Mehr Informationen zum Konzert sowie zum Ticketverkauf finden Sie hier.

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Weite Landschaften

Samstag, 5. August 2023, 19.00 Uhr, Konzertsaal, Arena Klosters

Das Klarinettenkonzert von Wolfgang Amadeus Mozart spielte Sharon Kam bereits im Alter von fünfzehn Jahren mit dem Israel Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Zubin Mehta. Das Konzert war der Beginn einer grossen internationalen Karriere, die die deutsch-israelische Klarinettistin mit internationalen Spitzenorchestern wie dem Chicago Symphony Orchestra oder den Berliner Philharmonikern zusammenbrachte. Beim Konzert am 5. August («Weite Landschaften») wird sie von der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen begleitet, deren junger finnischer Dirigent Tarmo Peltokoski gerade von sich reden macht. Man darf gespannt sein, wie Peltokoski, der bereits Chefdirigent des Nationalen Lettischen Sinfonieorchesters und des Orchestre National du Capitole de Toulouse (ab 2024) ist, Beethoven 6. Sinfonie «Pastorale» interpretieren wird.


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Stradivarius Trio

FUNKENSCHLAG
Freitag, 4. August 2023, 19.00 Uhr, Konzertsaal, Arena Klosters

Insgesamt sechs Instrumente besitzt die Stradivari-Stiftung Habisreutinger mit Sitz in St. Gallen und ist damit die grösste Stradivari-Privatsammlung in Europa. Drei davon sind beim Konzert «Funkenschlag» am 4. August zu hören: die Violine «Aurea» (1715), die Viola «Gustav Mahler» (1672) und das Violoncello «Bonamy Dobree-Suggia» (1717). Gespielt werden sie vom Stradivarius Trio, das aus der deutschen Geigerin Veronika Eberle, dem französischen Bratschisten Antoine Tamestit und der argentinischen Cellistin Sol Gabetta besteht. Ein Weltklassetrio, das nicht zuletzt durch die Homogenität und den Glanz der Stradivari-Instrumente bei Werken von Ludwig van Beethoven und Ernst von Dohnányi ein aussergewöhnliches Klangerlebnis verspricht.


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Vier Jahreszeiten

Donnerstag, 3. August 2023, 19.00 Uhr, Konzertsaal, Arena Klosters

Im letzten Jahr war Arabella Steinbacher mit dem Mozarteumorchester Salzburg in Klosters zu Gast und begeisterte mit einer tiefschürfenden Interpretation von Johannes Brahms‘ Violinkonzert. Am 3. August 2023 spielt sie mit der Kammerakademie Potsdam Antonio Vivaldis bekannten Konzertzyklus «Die vier Jahreszeiten» – ein Werk, das perfekt zum Festivalmotto «Sehnsucht Natur. Musical Landscapes» passt. «Jede Jahreszeit klingt und duftet anders. Das bewusst wahrzunehmen bringt mich jedes Mal wieder zurück zu mir selbst», sagt die Münchner Geigerin. Aus ihrer Heimat hat die Kammerakademie Potsdam noch das Brandenburgische Konzert Nr. 5 in B-Dur von Johann Sebastian Bach mitgebracht. Und präsentiert mit der Streichersinfonie Nr. 12 in g-Moll ein virtuoses Jugendwerk von Felix Mendelssohn Bartholdy.


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Himmlische Fanfaren

Mittwoch, 2. August 2023, 19 Uhr, Kirche St. Jakob, Arena Klosters

Royalen Glanz verbreitet das Konzert von Immanuel Richter (Trompete) und Rudolf Lutz (Orgel) in der Kirche St. Jakob, stehen doch mit den Trumpet Voluntaries von John Stanley und Henry Purcell sowie «Eternal Source of Light Divine» gleich mehrere Krönungsmusiken auf dem Programm. Immanuel Richter ist es wichtig, an diesem Abend auf der modernen Ventiltrompete auch die feinen Seiten des Instruments zu zeigen, deshalb finden sich mehrere Transkriptionen im Programm wie das Oboenkonzert in f-Moll von Georg Philipp Telemann. In bewährter Manier wird Rudolf Lutz an der Orgel zwischen den einzelnen Werken improvisieren. Da kann es auch mal sein, dass man mitten in einer Bach‘schen Fuge ein Schweizer Volkslied entdecken kann.


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Drei auf einen Streich

Stummfilmklassiker am Nationalfeiertag

DREI AUF EINEN STREICH
Dienstag, 1. August 2023, 17 Uhr, Konzertsaal, Arena Klosters

«Cinema Paradiso» und «Singin‘ in the rain» sorgten in den letzten Jahren für eine ausverkaufte Arena Klosters. 2023 bietet Klosters Music am Nationalfeiertag gleich drei Stummfilmklassiker von Charlie Chaplin, Laurel & Hardy (Dick & Doof) und Buster Keaton mit Live-Musik. Unter der Leitung von Kevin Griffiths sorgt das City Light Chamber Orchestra für Tempo, Witz und die passende Atmosphäre. Die Musik von Carl Davis trifft nicht nur genau die Emotionalität des jeweiligen Films, sondern bewegt sich auch stilistisch traumwandlerisch sicher. Ob rollschuhfahrender Kellner, ein mit Pannen kämpfendes, frisch verheiratetes Ehepaar oder zwei Vertreter, die im Sommer Christbäume verkaufen – beste Unterhaltung ist garantiert.


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rote Diamant

DER ROTE DIAMANT

Montag, 31. Juli 2023, 19 Uhr, Atelier Bolt, Klosters

Thomas Hürlimann, geboren 1950 in Zug, zählt zu den bedeutendsten deutschsprachigen Autoren der Gegenwart und wurde unter anderem mit dem Jean-Paul-Preis und dem Gottfried-Keller-Preis der Bodmer-Stiftung ausgezeichnet. Seine Werke wurden in 21 Sprachen übersetzt. Seinen 2022 erschienen, autobiographisch geprägten Roman feierte die Presse als «Karneval der Katastrophen» und «Fest des Komödiantischen» (Jochen Hieber, FAZ). Im Gespräch mit der Dramaturgin Fedora Wesseler unterhält sich Thomas Hürlimann über seine jüngsten Werke und liest Ausschnitte aus «Der Rote Diamant» und «Abendspaziergang mit dem Kater». Die besondere Atmosphäre des Ateliers Bolt schafft einen ganz persönlichen Rahmen für diesen literarischen Abend.


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Schöpfung

Joseph Haydns Oratorium «Die Schöpfung»

Sonntag, 30. Juli 2023, 17.00 Uhr, Konzertsaal, Arena Klosters

Noch nie zuvor war ein Chor zu Gast bei Klosters Music, noch nie wurde beim Festival ein Oratorium aufgeführt. Joseph Haydns Oratorium «Die Schöpfung» mit dem Kammerorchester Basel und dem international renommierten Chor des Bayerischen Rundfunks unter der Leitung von Giovanni Antonini am 30. Juli markiert einen besonderen Höhepunkt in der Festivalgeschichte, zumal auch das Solistenensemble mit Nikola Hillebrand (Sopran), Maximilian Schmitt (Tenor) und Florian Boesch (Bariton) höchste Ansprüche erfüllt. Im Rahmen der Gesamteinspielung von Haydns Sinfonien beim Projekt Haydn 2032 hat der charismatische italienische Dirigent auch «Die Schöpfung» aufgenommen – Klosters Music kann sich auf einen bewegenden, erstklassigen Konzertabend freuen.


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joie de vivre

Bereit für die Eröffnung

Alle Vorbereitungen sind getroffen, um die 5. Ausgabe von Klosters Music (29. Juli bis 6. August 2023) zu einem grossen Erfolg werden zu lassen. Der Kartenvorverkauf übertrifft alle Erwartungen. 

Eine ganze Region freut sich auf das Klassikfestival, das acht Sinfonie- und Kammerkonzerte, einen Kinoabend mit Live-Orchester und eine Autorenlesung bietet und zum ersten Mal einen Chor präsentiert. Klosters Music feiert Meisterwerke – auch und gerade in seiner Jubiläumsausgabe. Das diesjährige Motto «Sehnsucht Natur. Musical Landscapes» unterstreicht die Verbindung von erstklassiger Musik und wunderschönem Alpenpanorama, die das Publikum bei diesem Festival erlebt. Die persönliche Atmosphäre der Konzerte und die besondere Umgebung tragen einen wesentlichen Teil dazu bei, dass internationale Klassikstars wie Sol Gabetta, Arabella Steinbacher und Sir András Schiff gerne wiederkommen.

 

JOIE DE VIVRE
Samstag, 29. Juli 2023, 19.00 Uhr, Konzertsaal, Arena Klosters

Beim Eröffnungskonzert am 29. Juli kehrt Julie Fuchs nach ihrem gefeierten Händelabend 2021 mit einer Operngala zurück, in der Arien von Wolfgang Amadeus Mozart und Gioachino Rossini, begleitet von der Camerata Salzburg unter Daniel Cohen, im Mittelpunkt stehen. Ein Programm, das für sie auf den Leib geschneidert ist.

Dass sich Julie Fuchs mit ihrem strahlenden Sopran mühelos in höchsten Höhen bewegen kann, hat die Sängerin schon unzählige Male unter Beweis gestellt. Für Klosters Music zeigte die Französin aber bei einem Gleitschirmflug hoch über Klosters mit Justin Clark («der fliegende Trombonister») inklusive Interview, dass sie auch abseits der Bühne keinerlei Höhenangst entwickelt.


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Hansueli Roth
Hansueli Roth

Exklusiv: Hansueli Roth, Gemeindepräsident Klosters

«Sehnsucht Natur. Musical Landscapes» heisst das Motto von Klosters Musik 2023. Wir fragten bislang unsere Künstlerinnen und Künstler in einer kleinen Serie, wie sie darüber denken. Dieses Mal stellen wir die Fragen Hansueli Roth.

Was machen Sie gerne in der Natur?

Die Natur bedeutet mir im Sommer sowie auch im Winter sehr viel, weshalb ich mich in der Freizeit möglichst alleine mit dem Velo oder zu Fuss in der freien Natur bewege. Dabei weiche ich dem Rummel gerne aus.

 

An welche Landschaft erinnern Sie sich, wenn Sie sich an ihre Kindheit erinnern?

In meinen Sommerferien war ich als «Knecht» auf unseren Alpen tätig. Gerne erinnere ich mich an die Tierbeobachtungen auf den abgelegenen Alpen wie auf Ober Novai oder Gatschiefer. Die Murmeltiere und die Gemsen mit ihren Jungen, habe ich in bester Erinnerung.

 

Was war Ihre beeindruckendste Naturerfahrung?

Als junger Angehöriger der Armee durfte ich verschiedene Gebirgskurse absolvieren. Sehr beeindruckt haben mich dabei vor mehr als 40 Jahren der Morteratschgletscher und der Eisabbruch des Rhonegletschers. Wir kletterten damals während vieler Tage an diesen riesigen Eismassen. Etwa 30 Jahre später war ich wieder dort und fand eine beelendende Situation vor. Die Gletscher waren in der Zwischenzeit um hunderte von Metern zurück geschmolzen. Der eindrückliche Eisabbruch vom Rohnegletscher war nicht mehr da. Dabei wurde mir so richtig bewusst, dass der Klimawandel uns eingeholt hat. Mich haben diese Bilder nicht nur beeindruckt, sondern auch traurig gestimmt.

 

Gibt es einen besonderen Platz in der Natur für Sie in Klosters?

Ich könnte einige schöne Plätze aufzählen. Ein Rückzugsort ist Maletta Tschuggen, in der Nähe von der Schwarz-Flue. Ein spezieller und sehr ruhiger Ort.

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Talk mit David Whelton auf Radio SRF Kultur

Wie programmiert man Krönungsmusik?

Unser Künstlerischer Leiter, David Whelton, war im Frühjahr für das Musikprogramm an der Krönung von King Charles III zuständig.

Wie kombiniert man königliche Prunktradition mit dem modernen Leben? Diese Frage stellte sich David Whelton, als er die Anfrage bekam, die Hauptverantwortung für das musikalische Programm an der Krönung von King Charles III und Queen Camilla zu übernehmen.

Einblicke hinter die Kulissen dieser anspruchsvollen Aufgabe können Sie auf Radio SRF Kultur nachhören.

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«Kein Mensch kann das Land so lieben wie ich»

«Sehnsucht Natur. Musical Landscapes» ist das diesjährige Motto von Klosters Music. In unserer Serie «Natur in der Musik» hört Georg Rudiger ein wenig genauer hin. Heute: Ludwig van Beethovens Sinfonie Nr. 6 «Pastorale»

«Zu besserem Verständnis werde gesagt, dass wir uns in Beethoven einen Menschen vorzustellen haben, in welchem sich die äussere Natur völlig personifiziert hat», schreibt Anton Schindler, Beethovens Sekretär und erster Biograph. «Nicht ihre Gesetze, vielmehr die elementare Naturmacht hatte ihn bezaubert, und das einzige, was ihn in seinem wirksamen Genuss der Natur beschäftigte, waren seine Empfindungen.» In seiner 6.  Sinfonie «Pastorale» ist Beethovens starke Beziehung zur Natur besonders eindrucksvoll zu erleben. Schon der Titel des ersten Satzes – «Erwachen heiterer Empfindungen bei der Ankunft auf dem Lande» – erzählt von aussermusikalischen Einflüssen der im idyllischen Heiligenstadt am Stadtrand von Wien entstandenen Sinfonie. Eine weite, freundliche Landschaft entsteht vor dem inneren Auge.

Im zweiten Satz spielen die Streicher mit Dämpfer, was hier einen geheimnisvollen, fast unwirklichen Klang ergibt. «Szene am Bach» heisst der Titel dieses Andante con moto – die Sechzehntel der Geigen erinnern an ein sanftes Plätschern eines Baches. In der Coda zwitschern eine Nachtigall (Flöte), eine Wachtel (Oboe) und ein Kuckuck (Klarinette) um die Wette. Der mit nervösen Vierteln startende dritte Satz («Lustiges Zusammensein der Landleute») sorgt für einen ersten Stimmungswechsel. Die Steigerungen führen zu stampfenden Volkstänzen und kräftigem Hörnerschall. Attacca, ohne Pause beginnt der vierte Satz («Donner. Sturm») mit einem unheimlichen Tremolo in den Bässen und panischen Achteln in den zweiten Violinen, ehe ein einbrechendes Orchestertutti mit vollem Blech und Paukenwirbel Schrecken verbreitet. Einzelne Paukenschläge klingen wie Donner, die hohen Nachschläge in den Holzbläsern erinnern an Blitze.

Im Finale sind dann alle Spannungen vergessen. «Hirtengesang. Wohltätige, mit Dank an die Gottheit verbundene Gefühle nach dem Sturm» steht programmatisch über dem Satz. Der anfänglich noch zarte Dank entwickelt sich zum kräftigen Jubel. Die Natur wird zur Quelle der tiefen Freude. Alle Gefahren, alle Sorgen sind vergessen. Welche Kraft Beethoven selbst aus der Natur schöpft, verrät er in einem Brief aus dem Jahr 1810: «Wie froh bin ich einmal in Gebüschen, Wäldern, unter Bäumen, Kräutern, Felsen wandeln zu können, kein Mensch kann das Land so lieben wie ich – geben doch Wälder, Bäume, Felsen den Widerhall, den der Mensch wünscht.»


Weite Landschaften

Samstag, 5. August 2023, 19:00 Uhr, Konzertsaal, Arena Klosters
Tarmo Peltokoski (Leitung), Sharon Kam (Klarinette),
Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen

Felix Mendelssohn Bartholdy (Konzertouvertüre «Die Hebriden», op. 26)
Wolfgang Amadeus Mozart (Konzert für Klarinette und Orchester in A-Dur, KV 622)
Ludwig van Beethoven (Sinfonie Nr. 6 in F-Dur «Pastorale», op. 68)

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© Marcel Giger

«Music Unlimited» trifft auf «Sports Unlimited»
Spektakuläres Interview mit Julie Fuchs

«Auf der Bühne fühle ich mich vollkommen frei.» – Anfangs Juni durften wir die Sopranistin Julie Fuchs (Eröffnungskonzert: Joie de Vivre am 29. Juli) zu einem besonderen Interview begrüssen. 

Ganz nach dem Markenversprechen der Destination Klosters-Davos «Sports Unlimited» hat Julie Fuchs den Tandemflug mit Justin Clark («der fliegende Trombonister») gewagt.
Im Interview hoch über Klosters erzählt sie uns vor laufender Kamera von ihrer Bühnenerfahrung und davon, wie sie für ihre Auftritte Inspiration in der Natur findet.

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Instrumente der Stradivari Stiftung Habisreutinger

Exklusiver Klang mit aussergewöhnlichen Instrumenten  

Das Stradivarius Trio ist bei Klosters Music im «Funkenschlag»-Konzert mit Werken von Ludwig van Beethoven und Ernest von Dohnányi zu erleben. 

Eigentlich wollte Rolf Habisreutinger (1908-1991) Proficellist werden. Aber sein Vater drängt ihn, die Textilfirma zu übernehmen. Zum Trost bekam der Sohn ein Guarneri-Cello geschenkt – die Sammelleidenschaft für aussergewöhnliche Streichinstrumente war geweckt. Aber es mussten schon die besten und weltweit bekanntesten Instrumente sein: die des legendären Geigenbauers Antonio Stradivari aus Cremona. Heute besitzt die 1964 gegründete Stradivari-Stiftung Habisreutinger mit Sitz in St. Gallen zwei Violinen, zwei Violen und zwei Violoncelli des berühmten Geigenbauers und ist damit die grösste Stradivari-Privatsammlung Europas. Weltweit gibt es nur noch zehn Violen des Genies, was die Exklusivität der Sammlung noch erhöht.

Rolf Habisreutinger war es wichtig, dass seine Instrumente nicht als reine Wertanlage hinter Tresoren ihr Dasein fristen, sondern dass sie gespielt werden und mit ihrem Klang das Publikum beschenken. Deshalb sind alle sechs Instrumente an ausgewählte Künstlerinnen und Künstler ausgeliehen. Beim Konzert mit dem Titel «Funkenschlag» sind «Aurea», «Gustav Mahler» und «Bonamy Dobree-Suggia» zu hören. Die 1715 gebaute Violine «Aurea», die zur Zeit von Veronika Eberle gespielt wird, besticht durch grosse Klangfülle und einen feinen, goldenen Ton. Die Viola «Gustav Mahler» aus dem Jahr 1672 kam am 7. Juli 1960, dem 100. Geburtstag von Gustav Mahler in die Sammlung Habisreutinger und erhielt so ihren Namen. Sie ist die älteste von insgesamt zehn noch existierenden Violen Stradivaris und steht dem französischen Bratschisten Antoine Tamestit zur Verfügung. Sol Gabetta schliesslich spielt das berühmte «Bonamy Dobree-Suggia»-Violoncello (1717), das einst im Besitz der Cellistin Guilhermina Suggia, der Lebensgefährtin von Pablo Casals war.

Alle drei Musikerinnen und Musiker sind herausragende Künstlerpersönlichkeiten, die mit den bedeutenden Solowerken des Repertoires weltweit zu hören sind. Veronika Eberle, Antoine Tamestit und Sol Gabetta widmen sich auch ausgiebig der Kammermusik – mit dem Solsberg-Festival hat die argentinische Cellistin sogar ein eigenes Kammermusikfestival, bei dem sie in ganz verschiedenen Formationen auftritt. Bei Klosters Music vereinen sie sich im Stradivarius Trio zu einem besonderen Ensemble, das nicht zuletzt durch die Homogenität und den Glanz der Stradivari-Instrumente ein aussergewöhnliches Klangerlebnis verspricht. Im Duett für Viola und Violoncello in Es-Dur «mit zwei obligaten Augengläsern» (um 1796) von Ludwig van Beethoven begegnen sich die beiden Instrumente auf Augenhöhe. Wer die Brillenträger waren, die der kurzsichtige Beethoven im humorigen Titel angesprochen hat, weiss man nicht – vielleicht hatte er sich auch selbst für den Violapart vorgesehen. Auch im 1798 erschienenen Trio in G-Dur op. 9 Nr. 1 für Violine, Viola und Violoncello setzt Beethoven die Instrumente in allen vier Sätzen über weite Strecken gleichberechtigt ein. Die im Jahr 1903 komponierte, fünfsätzige Serenade in C-Dur op. 10 von Ernst von Dohnányi ist von Beethovens Serenade op. 8 inspiriert. Wie diese beginnt sie mit einer Marcia – auch ein Variationssatz kommt in beiden Serenaden vor. Zwischen den grösseren Werken sind kurze Intermezzi von Johann Sebastian Bach und György Kurtág zu hören: Momente zum Innehalten. Und Gelegenheit, dem besonderen Stradivari-Klang nachzulauschen.


Funkenschlag

Montag, 31. Juli 2023, 17:00 Uhr, Altes Schulhaus, Klosters

Stradivarius Trio
Veronika Eberle, Violine («Aurea» 1715*)
Antoine Tamestit, Viola («Gustav Mahler» 1672*)
Sol Gabetta, Violoncello («Suggia» 1717*)

Ludwig van Beethoven (1770–1827)
Ernst von Dohnányi (1877–1960)

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Veronika Eberle, © Felix Bröde / Sol Gabetta, © Matthias Müller / Antoine Tamestit, © julien Mignot

Exklusiv: die Geigerin Veronika Eberle, der Bratschist Antoine Tamestit und die Cellistin Sol Gabetta im Kurzinterview

«Sehnsucht Natur. Musical Landscapes» heisst in diesem Jahr das Motto von Klosters Music. Wir fragen unsere Künstlerinnen und Künstler in einer kleinen Serie, wie sie darüber denken. 

Was war Ihre beeindruckendste Naturerfahrung? 

Antoine Tamestit: Das Wandern durch den Krüger Nationalpark in Südafrika.
Und das Fliegen über die Fjorde von Neuseeland.

Sol Gabetta: Australien war für mich besonders beeindruckend.

Veronika Eberle: Meine Reise nach Namibia. Wo der rauhe Ozean und die trockene rote Sandwüste direkt ineinander übergehen, wo die Horizonte so weit sind, dass sie die Unendlichkeit widerspiegeln und die Tiere beeindruckende Sanftheit und zugleich Stärke zeigen.

 

Was machen Sie gerne in der Natur? 

Veronika Eberle: Mit ihr verschmelzen. Ich liebe es in der Natur zu sein. In allen erdenklichen Aktivitäten und Ruhemomenten. Es gibt mir unendlich viel Kraft.

Sol Gabetta: Gut atmen können, ich geniesse die frische Luft. In der Natur suche ich Ruhe und Kraft. Und kann auch Visionen entwickeln.

Antoine Tamestit: Ich wandere gerne in den Bergen und Wäldern und mag es, die die Bäume und Gräser mit meinen Händen zu fühlen.

 

An welche Landschaft erinnern Sie sich, wenn Sie an Ihre Kindheit denken? 

Antoine Tamestit: An die Alpen in der Nähe von Nizza in Südfrankreich. Und an die Mittelmeerküste von Korsika.

Sol Gabetta: An mein Heimatland Argentinien – an die Weite und die Kontraste dieses Landes.

Veronika Eberle: Eine ganz wilde Wald- und Graslandschaft mit vielen Insekten, eingewachsenen Seen, Wälder voller Pilze und dem Duft von Regen im Sommer.


Funkenschlag

Montag, 31. Juli 2023, 17:00 Uhr, Altes Schulhaus, Klosters

Stradivarius Trio
Veronika Eberle, Violine («Aurea» 1715*)
Antoine Tamestit, Viola («Gustav Mahler» 1672*)
Sol Gabetta, Violoncello («Suggia» 1717*)

Ludwig van Beethoven (1770–1827)
Ernst von Dohnányi (1877–1960)

Blick von Pany ins Tal
Blick von Pany ins Tal

Die Schöpfung

In unserer Serie «Natur in der Musik» hört Georg Rudiger ein wenig genauer hin. Heute: Joseph Haydns Oratorium «Die Schöpfung»  

Zu Beginn ein Urknall: ein einziger, schneidender Ton im ganzen Orchester, der vom Paukenwirbel zusätzlich gehärtet wird. Dann verstärken gedämpfte Streicher mit Chromatik und Dissonanzen die Verunsicherung. «Die Vorstellung des Chaos» hat Joseph Haydn den effektvollen Beginn seines dreiteiligen Oratoriums «Die Schöpfung» genannt. Die musikalischen Elemente sind versprengt, die Harmonien liegen quer. Die Musik tritt auf der Stelle. «Die Erde war ohne Form und leer, und Finsternis war auf der Fläche der Tiefe», beschreibt der Erzengel Raphael im anschliessenden Rezitativ diesen Zustand. Als der sanft einsetzende Chor mit den Worten «Es werde Licht» Hoffnung verbreitet, sorgt ein strahlender C-Dur-Klang im Fortissimo für plötzliche Erleuchtung.

In den vielen Naturbildern im ersten Teil sind auch Blitze, Donner und Fluten zu hören. In der hochdramatischen Bass-Arie «Rollend in schäumenden Wellen» malen die schnellen Läufe der Streicher das aufgewühlte Meer. Im zweiten Teil des Oratoriums wird die Musik noch konkreter. Ein Triller in tiefer Lage in den Streichern, den Blechbläsern und im Kontrafagott stellt ein Löwenbrüllen dar, den «gelenkigen Tiger» zeichnet Haydn mit aufsteigenden Läufen nach. Den schnellen Hirsch charakterisiert ein federnder Rhythmus, der sich ebenfalls zu einem Sechzehntellauf beschleunigt. Das Naturbild ist dabei immer erst in der Musik zu hören, bevor es im Text des Rezitativs auftaucht. Selbst das Wiehern eines «edlen Rosses» hat Haydn mit einer ruppigen Trillerfigur in den Streichern in Noten gesetzt. Besonders effektvoll gelingt dem Komponisten das Schwirren der Insekten durch das Sul-Ponticello-Spiel der Streicher, wenn der Bogen ganz nah am Steg gestrichen und dadurch ein heiserer Klang erzeugt wird. Schliesslich das «Kriechen des Gewürms»: enge Wechselnoten in tiefer Lage. Der dritte Teil des Oratoriums schildert das glückliche Zusammenleben von Adam und Eva vor der Vertreibung aus dem Paradies und mündet im erhabenen, am Ende überschäumend jubelnden Chor «Singt dem Herren alle Stimmen!».

 


 

Die Schöpfung

Sonntag, 30. Juli 2023, 17:00 Uhr, Konzertsaal, Arena Klosters

Giovanni Antonini (Leitung), Nikola Hillebrand (Sopran), Maximilian Schmitt (Tenor), Florian Bösch (Bariton), Kammerorchester Basel, Chor des Bayerischen Rundfunks

Joseph Haydn («Die Schöpfung», Oratorium in drei Teilen)


 

Unsere Empfehlung

In der aktuellen Sommerausgabe von «Musik & Theater» spricht Giovanni Antonini über seine Haydn-Interpretationen und «Die Schöpfung».

Giovanni Antonini, © Federico Emmi
Giovanni Antonini, © Federico Emmi

Exklusiv: Giovanni Antonini, Dirigent

«Sehnsucht Natur. Musical Landscapes» heisst in diesem Jahr das Motto von Klosters Music. Wir fragen unsere Künstlerinnen und Künstler in einer kleinen Serie, wie sie darüber denken. 

Was bedeutet die Natur für Sie?

Ich bin in Mailand aufgewachsen. Natur ist eher ein Traum für mich. Ich kenne nicht einmal die Namen von bekannten Bäumen, ausser natürlich dem Olivenbaum und der Pinie. Es wäre aber schön, mehr über die Natur zu wissen.

In Klosters werden Sie Joseph Haydns Oratorium «Die Schöpfung» dirigieren. Welches ist Ihr Lieblingsnaturklang darin – und warum? 

«Das Gewürm» ist eine tolle Stelle in Raphaels Rezitativ. Aber vor allem mag ich sehr gerne, wenn die Flöten die Vogelstimmen imitieren wie in Gabriels Arie «Auf starkem Fittiche schwinget sich der Adler stolz».

Was verbinden Sie mit Klosters und seiner alpinen Landschaft?

Eigentlich bedeuten mir Berge nicht viel, aber vielleicht ändert sich das ja im Sommer in Klosters. Ich liebe vor allem das Meer.

Sie sind in Mailand geboren. Sind Sie ein Stadtkind oder ein Landei? 

Ich bin eindeutig ein Stadtjunge!

 


 

Livestream Konzert: Haydns «Il Maestro di scuola»
Aufzeichnung vom 19. Mai 2023, Don Bosco Basel

Als kleinen Vorgeschmack auf den Sommer legen wir Ihnen das Konzert vom 19. Mai mit dem Kammerorchester Basel, von Giovanni Antonini dirigiert, ans Herzen.

 

Kuckuck trifft Känguru, © Rolf Giger
Kuckuck trifft Känguru, © Rolf Giger

Mitten im Geschehen 

Klosters Music präsentiert im alten Schulhaus mit dem «Karneval der Tiere» erstmals ein Familienkonzert 

Den «Karneval der Tiere» hat Camille Saint-Saëns nur für ein Hauskonzert komponiert. Die «grosse zoologische Fantasie», wie er dieses am 9. März 1886 in Paris uraufgeführte Werk für Instrumentalensemble und zwei Klaviere humorvoll nannte, war ihm zu populär für ein arriviertes klassisches Konzertpublikum. Saint-Saëns hatte Angst, damit seinen Ruf als ernstzunehmender Komponist zu verlieren. Es hat aber schon Gründe, dass diese geistreiche, humorvolle, zugängliche Komposition zu seiner bekanntesten überhaupt wurde. Klosters Music hat ganz bewusst das rund einstündige, in vierzehn Einzelnummern gegliederte Werk für sein erstes Familienkonzert ausgewählt. «Wir möchten auch Kinder und Jugendliche mit klassischer Musik begeistern. Dafür eignet sich der ‚Karneval der Tiere‘ mit seiner tollen Musik und seiner lustigen Rahmengeschichte perfekt. Und auch die Erwachsenen werden an diesem Konzert viel Spass haben», sagt Franziska von Arb, Geschäftsführerin von Klosters Music. Ausserdem passe es perfekt zum Festivalmotto ‚Sehnsucht Natur. Musical Landscapes‘.

Von gackernden Hühnern bis zum ruhig dahingleitenden Schwan, von hüpfenden Kängurus bis zum behäbig tanzenden Elefanten reicht die Bandbreite der musikalisch charakterisierten Tiere. In der Rahmengeschichte, die der Bündner Schauspieler Nikolaus Schmid vortragen wird, kommt sogar noch eine ganze Warzenschwein-Familie vor. Für den virtuosen Klavierpart konnte das georgische Piano Duo Beraia gewonnen werden. Das achtköpfige Instrumentalensemble stellt die Kammerphilharmonie Graubünden. «Das Orchester hat viel Erfahrung in der Musikvermittlung, und Familienkonzerte haben einen festen Platz in seinem Programm. Berührungsängste kennt das Ensemble nicht. ‚Die Musik der Kammerphilharmonie Graubünden erklingt in der Stadt und auf dem Land, auf Dorfplätzen, in Kirchen und Tanzlokalen, für Gross und Klein‘ – schreibt die Kammerphilharmonie über sich selbst – um die Musik möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen», sagt von Arb.

Mit dem alten Schulhaus Klosters hat das Festival für dieses Konzert einen idealen Raum gefunden, der grosse Nähe zwischen den Künstlerinnen und Künstlern und dem Publikum schafft. «Zusätzlich zu den Stuhlreihen werden wir ganz vorne bei der Bühne Turnmatten auslegen und Turnbänkli aufstellen, um auch den Kindern ein lockeres Zuhören zu ermöglichen. Bei diesem Konzert ist man mitten im Geschehen», verspricht die Geschäftsführerin, die für dieses Konzert im Vorfeld eng mit den Schulen und der Musikschule Prättigau zusammenarbeiten wird. Die Kinder können auch Bilder zum Thema malen, die beim Konzert im alten Schulhaus ausgestellt werden. «Wir sind sehr gespannt auf diese Premiere. Sicher ist auf jeden Fall, dass wir auch im nächsten Jahr wieder ein Familienkonzert anbieten werden», sagt Franziska von Arb. «Wir möchten bei Klosters Music Hemmschwellen abbauen und wirklich jede und jeden mit klassischer Musik ansprechen und unsere Begeisterung weitergeben.»

 


 

Kuckuck trifft Känguru

Montag, 31. Juli 2023, 17:00 Uhr, Altes Schulhaus, Klosters

Kammerphilharmonie Graubünden,
Natia & Tamar Beraia (Klaviere), Nikolaus Schmid (Erzähler)

Camille Saint-Saëns («Der Karneval der Tiere» für zwei Klaviere, Instrumentalensemble und einen Erzähler)

Kevin Griffiths, © Michal Sebena
Kevin Griffiths, © Michal Sebena

Exklusiv: Der Dirigent Kevin Griffiths im Kurzinterview

Wir fragen unsere Künstlerinnen und Künstler in einer kleinen Serie, wie sie über unser Motto «Sehnsucht Natur. Musical Landscapes» denken. 

Was war Ihr beeindruckendstes Naturerlebnis?

Mich haben die Weiten der grünen Steppen in der inneren Mongolei sehr beeindruckt. Ich verspürte selten so ein Gefühl der Freiheit. Wir ritten mit mongolischen Pferden aus und nahmen in einer Jurte eine traditionell zubereitete, leckere Mahlzeit zu uns. Eine unvergessliche Reise zurück zum Wesentlichen.

Gehen Sie in die Natur, um aktiv zu sein und etwas zu erleben oder um
Ruhe zu finden? 

Definitiv beides, es kommt auf den Moment an. Ich liebe es, in die Wildnis zu gehen, um meine Überlebensinstinkte zu schärfen, ein Feuer von Grund auf mit sehr einfachen Werkzeugen anzuzünden, einen Unterstand zu bauen oder etwas über essbare Wildpflanzen zu lernen. Es gibt Tage, an denen ich nur einen einfachen Spaziergang mache, um den Geist wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Auf jeden Fall liebe ich es, mich mit der Natur zu verbinden.

Sie stammen aus England. Welche Landschaft vermissen Sie, wenn Sie an
Ihre Heimat denken?

Ich vermisse die sanften grünen Hügel, die langen ländlichen und wilden Hecken, Backsteinmauern, die idyllischen Landhäuser und kleinen Städte mit ihren Kirchen und Abteien aus dem Mittelalter. Natürlich die windigen Küsten mit ihren Fish & Chips-Buden. All diese landschaftlichen Merkmale haben die Musik britischer Komponisten wie Benjamin Britten, Ralph Vaughan Williams oder Edward Elgar sehr stark geprägt.

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Wellen und Raumklang

In unserer Serie «Natur in der Musik» hört Georg Rudiger etwas genauer hin: Felix Mendelssohn Bartholdys Konzertouvertüre «Die Hebriden» op. 26 

Reisen bildet. Und hinterlässt bleibende Natureindrücke, wie man in Felix Mendelssohn Bartholdys Musik hören kann. Mit der «Italienischen Sinfonie», die im letzten Jahr im Eröffnungskonzert von Klosters Music zu erleben war, entführte uns der Komponist in das Land, wo die Zitronen blühen. Aber auch Schottland gehörte zu seinen Reisezielen – die «Schottische Sinfonie» erzählt davon. Die Konzertouvertüre «Die Hebriden», die diesen Sommer im Konzert am 5. August mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen unter Tarmo Peltokoski zu erleben ist, ist ebenfalls von Felix Mendelssohn Bartholdys England- und Schottlandreise im Jahr 1829 inspiriert. Auf mehreren Schiffsfahrten zu den der Westküste Schottlands vorgelagerten, weitgehend unbewohnten Hebriden-Inseln erlebte er intensiv das Meer mit seinen Stürmen und Wellen.

Das fallende Hauptmotiv der «Hebriden»-Ouvertüre zeichnet gleich zu Beginn in seinen vielen Wiederholungen eine Wellenbewegung nach. Auch die folgenden Sechzehntel der Streicher spiegeln das Auf und Ab der Wellen. Einen besonderen Eindruck auf den Komponisten machte der Besuch der Fingalshöhle auf der Insel Staffa – unter dem Titel «Fingals Höhle» erschien 1835 die erste Partitur dieser Konzertouvertüre. Einen Eindruck vom grossen Raum dieser sagenumwobenen Basalthöhle und ihrer besonderen Akustik vermittelt der Beginn der Durchführung. Hier agieren drei Instrumentengruppen in unterschiedlicher Lautstärke miteinander: Eine Fanfare in den Holzbläsern im Fortissimo wird vom ganz leise gespielten Wellenmotiv in den tiefen Streichern beantwortet. Ein Flirren in den Violinen verbindet die unterschiedlichen Elemente. Der Klang wird zum Raumerlebnis. Die Zeit bleibt stehen.

Sharon Kam, © Nancy Horowitz
Sharon Kam, © Nancy Horowitz

Sanft und innig, keck und frech
– die Klarinette sei wie sie selbst, sagt Sharon Kam.

Anstelle von Andreas Ottensamer spielt die 1971 in Haifa geborene deutsch-israelische Klarinettistin am 5. August 2023 in Klosters Mozarts berühmtes Klarinettenkonzert. Georg Rudiger sprach mit ihr über ihre musikalischen Anfänge in Israel, den Gewinn des ARD-Musikwettbewerbs und über ein ganz spezielles Instrument. 

Mit dem Klarinettenkonzert von Wolfgang Amadeus Mozart, das Sie am 5. August in Klosters spielen werden, hatten Sie im Alter von 15 Jahren Ihr Orchesterdebüt. Und das gleich mit dem Israel Philharmonic Orchestra unter Zubin Mehta. Wie kam es zu diesem Konzert mit einem solch renommierten Klangkörper und weltbekannten Dirigenten? 

Wir haben in Israel ein System wie «Jugend musiziert» in Deutschland, bei dem es Vorspiele gibt und Preise an junge Musikerinnen und Musiker vergeben werden. Zubin Mehta war immer interessiert an musikalischen Talenten. Ich wurde ihm nach diesem Wettbewerb als Solistin vorgeschlagen. Meine Mutter, die im Israel Philharmonic Orchestra Bratsche spielte, wollte ihn nicht fragen. Beim Konzert sass sie wie auch mein Lehrer, der Soloklarinettist des Orchesters, im Publikum. In der Folgezeit hat mich Zubin Mehta immer wieder eingeladen.

 

Welche Erinnerungen haben Sie an diesen Auftritt? 

Ich war natürlich nervös und hatte ein wenig Angst, ob wir nach dem langsamen Satz das richtige Tempo für das Rondofinale erwischen. Wir haben ja kaum geprobt. Die Aufmerksamkeit des Orchesters und des Dirigenten im Konzert war aber so hoch, dass ich während des Spielens eine unglaubliche Sicherheit bekam. Deshalb konnte ich das Konzert wirklich geniessen.

 

Sie haben erst mit 12 Jahren mit der Klarinette angefangen, nachdem Sie zuvor Klavier und Blockflöte gespielt haben. Das ist ungewöhnlich spät. Warum waren Sie dann so schnell so weit auf Ihrem Instrument? Haben Sie so viel geübt?

Das war Liebe auf den ersten Blick. Geübt habe ich nicht übermässig viel, konnte aber natürlich schon Noten lesen, hatte ein absolutes Gehör und auch schon eine Musiktheorieausbildung. Ich war bereits Musikerin, hatte aber mein Instrument noch nicht gefunden. Mit der Klarinette habe ich dann sehr schnell Fortschritte gemacht.

 

Sie haben eine besondere Beziehung zur Klarinette. Das Instrument sei Ihre Stimme, sagten Sie einmal in einem Interview. Sehen Sie auch Parallelen zu Ihrer Persönlichkeit? 

Auf jeden Fall. Die Klarinette kann sanft sein und sehr innig, auch überlegt und philosophisch. Sie ist aber auch sehr frech und keck, sogar laut und kann fast hysterisch klingen. Sie hat sehr viele Facetten. Diese ganz unterschiedlichen Arten, Klänge auf der Klarinette zu erzeugen, passen sehr gut zu meiner Persönlichkeit. Auf der Blockflöte beispielsweise hatte ich nicht diese Bandbreite im Ausdruck.

 

Nach einem vierjährigen Studium in New York an der Julliard School gewannen Sie den ARD- Wettbewerb in München. Welche Rolle spielte dieser wichtige Preis für Ihre grosse internationale Karriere?

Ich hatte schon in New York eine Agentur und einige Konzerte gespielt. Der internationale ARD-Wettbewerb 1992 war mein erster Wettbewerb überhaupt. Mein Lehrer Charles Neidich hatte mich gedrängt, daran teilzunehmen. Durch den Gewinn des 1. Preises wurde ich in Deutschland schlagartig bekannt – das Preisträgerkonzert mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks wurde am Sonntagmorgen um 11 Uhr live im Fernsehen übertragen, nach der «Sendung mit der Maus» (lacht). Meinen Auftritt haben sehr viele musikinteressierte Menschen gesehen, auch Agenten, Intendanten und Konzertveranstalter. Der ARD-Wettbewerb hat mir eine grosse Tür aufgemacht. Ausserdem war die Klarinette durch Sabine Meyer schon prominent als Konzertinstrument eingeführt. Das Publikum hatte Lust auf das Instrument. Und zeigte grosses Interesse an mir und meinem Spiel.

 

Sie haben im Laufe Ihrer Karriere mit vielen renommierten Orchestern gespielt wie dem Gewandhausorchester Leipzig oder dem London Symphony Orchestra. Nach Klosters kommen Sie mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen unter ihrem ersten Gastdirigenten Tarmo Peltokoski. Was verbinden Sie mit diesem Orchester und seinem Dirigenten?

Tarmo Peltokoski kenne ich noch nicht – da bin ich gespannt auf die Zusammenarbeit. Mit dem Orchester habe ich einige Male gespielt, ich kenne auch einige Orchestermitglieder persönlich. Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen ist ein traumhaftes Orchester, gerade für klassisches Repertoire. Das Orchester hat eine hohe Kompetenz auf diesem Gebiet. Es ist sehr lebendig und flexibel. Es wird grossen Spass machen, bei Klosters Music mit diesem Ensemble gemeinsam zu musizieren.

 

Werden Sie das Mozart-Konzert auf der Bassettklarinette spielen, für das dieses Konzert geschrieben ist?

Das habe ich vor. Die Bassettklarinette ist aber ein sehr heikles Instrument – manchmal verändert sich die Polsterung der Klappen, so dass rein technisch Probleme auftreten. Deshalb habe ich für den Notfall auch eine normale A-Klarinette dabei. Aber durch die Bassettklarinette können auch die tiefen Töne des Konzertes im Original gespielt werden, was natürlich einen Unterschied macht. Zu den vielen Klangfarben, die eine Klarinette ohnehin hat, bekommt man mit der Bassettklarinette noch eine dunklen Baritonbereich dazu. Es ist wie ein Kontrabass mit einer fünften Saite.

 

Das Konzert trägt den Titel «Weite Landschaften». Damit ist auch das Adagio aus dem Klarinettenkonzert gemeint, das mit seinen weiten Melodiebögen einen grossen Raum entwirft und als Soundtrack zu dem Film «Out of Africa» weltweit bekannt wurde. Was empfinden Sie, wenn Sie dieses Adagio spielen?

An den Film denke ich nicht, auch weil ich das Stück viel früher kennengelernt habe. Ein konkretes Bild habe ich nicht im Kopf. Aber ich kann mich an eine besondere Open-Air-Aufführung mit dem Württembergischen Kammerorchester Heilbronn bei den Weilburger Schlosskonzerten in der Abenddämmerung erinnern. Im ersten Satz zwitscherten noch die Vögel und ich machte mir ein wenig Sorgen, ob das im Adagio stören könnte. Aber plötzlich wurde es ganz ruhig, der Himmel dunkelblau, es war mucksmäuschenstill im Publikum. In dieser fast heiligen Stimmung in der besonderen Kulisse dieses Adagio zu spielen, war tief berührend. Diesen Moment werde ich nie vergessen.

Sharon Kam, © Nancy Horowitz
Sharon Kam, © Nancy Horowitz

«Weite Landschaften»: Sharon Kam ersetzt Andreas Ottensamer

Mit grossem Bedauern muss Andreas Ottensamer von seinem Engagement in Klosters mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen zurücktreten.
Wir freuen uns an seiner Stelle Sharon Kam, die zu den weltweit führenden Klarinettistinnen gehört, als Solistin begrüssen zu dürfen.

Seit über 20 Jahren arbeitet Sharon Kam mit den bedeutendsten Orchestern in den USA, Europa und Japan zusammen Vom Anbeginn ihrer Karriere sind die beiden Mozart‘schen Meisterwerke für die Klarinette ein wesentlicher Bestandteil der künstlerischen Arbeit von Sharon Kam: Im Alter von 15 Jahren spielte sie Mozarts Klarinettenkonzert in ihrem Orchesterdebüt mit dem Israel Philharmonic Orchestra unter Zubin Mehta.

Zu den Höhepunkten in der Spielzeit 2022/23 gehören unter anderem Konzerte mit dem Sinfonia Varsovia Orchester, dem Orchestre à vent de la Musique de l’ Air, dem hr-Sinfonieorchester sowie Konzerte mit ihren Trio Kolle-gen Enrico Pace und Julian Steckel.

Das Programm des Konzertabends bleibt unverändert.

Julie Fuchs, KlickKlack
Julie Fuchs, KlickKlack

Julie Fuchs über ihre Gesangstechnik

In der jüngsten Ausgabe von KlickKlack – dem Musikmagazin bei BR Klasisk mit Sol Gabetta – gibt uns die französische Opernsängerin Julie Fuchs Einblicke in ihre Gesangstechnik.
Hier können Sie die ganze Folge nachschauen.

 

Ausserdem ist Julie Fuchs aktuell am Opernhaus Zürich als Julia in Charles Gounods Roméo et Juliette zu sehen: «Man kann sich verlieren in dieser Seelenmusik und auch ein bisschen träumen, zumal wenn so herzerwärmend gesungen wird wie hier.» NZZ, 12. April 2023

 


 

Julie Fuchs ist zusammen mit der Camerata Salzburg am 31. Juli beim Eröffnungszkonzert «Joie de Vivre» zu hören und  Sol Gabetta spielt gemeinsam mit Veronika Eberle und Antoine Tamestit am 4. August in «Funkenschlag».

Arabella Steinbacher, © Sammy Hart
Arabella Steinbacher, © Sammy Hart

Exklusiv: die Geigerin Arabella Steinbacher im Kurzinterview

«Sehnsucht Natur. Musical Landscapes» heisst das Motto 2023. Wir fragen unsere Künstlerinnen und Künstler in einer kleinen Serie, wie sie darüber denken.

Was bedeutet Ihnen die Natur? Was verbinden Sie mit Klosters und seiner alpinen Landschaft?

Zeit in der Natur zu verbringen bedeutet für mich Lebenselixier, so wie die Musik auch. Ich gehe fast täglich joggen oder mache lange Spaziergänge. Dafür bietet sich die wunderschöne Umgebung in Klosters natürlich besonders gut an, worauf ich mich auch dieses Jahr – neben dem musikalischen Erlebnis – sehr freue!

«The earth has music for those who listen» – dieses William Shakespeare zugeschriebene Zitat hat David Whelton, den künstlerischen Leiter von Klosters Music, für das diesjährige Programm inspiriert. Was ist Ihre «Lieblingsmusik» in der Natur? 

Ich lausche am liebsten dem Rauschen des Wassers und den Blättern im Wind. Jede Jahreszeit klingt und duftet anders. Das bewusst wahrzunehmen bringt mich jedes Mal wieder zurück zu mir selbst.

Gibt es einen besonderen Ort in der Natur für Sie? Einen Sehnsuchts- oder Zufluchtsort?

Es gibt zwei besondere Orte, die unterschiedlicher kaum sein könnten und doch beide zu mir gehören: die Umgebung um den Ammersee, wo ich aufgewachsen bin und andererseits meine zweite Heimat Usuki im südlichen Teil Japans.

Thomas Hürlimann und Fedora Wesseler
Thomas Hürlimann und Fedora Wesseler

Klosters Music präsentiert eine zusätzliche Veranstaltung:

Thomas Hürlimann liest aus seinem neuesten Roman «Der Rote Diamant» (31. Juli).

Neben der Musik findet auch die Literatur Raum bei Klosters Music wie im letzten Jahr, als sich Alain Claude Sulzer im Atelier Bolt gemeinsam mit dem Pianisten Oliver Schnyder auf eine literarisch-musikalische Reise in die Schweiz des 19. Jahrhunderts begab. Beim kommenden Festival ist der Schweizer Schriftsteller Thomas Hürlimann zu Gast, der in einem Gespräch mit der Dramaturgin und Übersetzerin Fedora Wesseler sein neuestes, von der Presse gefeiertes Werk «Der Rote Diamant» vorstellt und einzelne Passagen liest. Der autobiographisch geprägte Roman spielt in einer Schweizer Klosterschule namens «Maria zum Schnee». Die Abtei erinnert an das katholische Internat in Einsiedeln, das Hürlimann in den 60er-Jahren selbst besucht hat. In dieser zeitlosen Abtei geht der Blick in die Vergangenheit, in der ein geheimnisumwitterter roter Diamant eine wichtige Rolle spielt, aber auch in die Zukunft, die frischen Wind in die alten Klostermauern bläst. Während Arthur, die Hauptfigur des Romans, mit seinen Freunden der Spur des Diamanten folgt, bricht um ihn herum die alte Welt zusammen. «Dieser Roman ist als Karneval der Katastrophen vor allem ein Fest des Komödiantischen», schwärmt Jochen Hieber in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung von Hürlimanns Buch.

 


 

Der Rote Diamant – Lesung
Thomas Hürlimann (Autor), Fedora Wesseler (Moderation)
Montag, 31. Juli 2023, 19:00 Uhr, Atelier Bolt, Klosters

Tickets sind ab sofort online sowie in den Tourismusbüros Klosters und Davos erhältlich.

Es ist zeitlich möglich, beide Veranstaltungen vom 31. Juli zu besuchen
«Karneval der Tiere» 17:00 – 18:15 Uhr, Altes Schulhaus
«Der Rote Diamant» 19:00 Uhr, Atelier Bolt

© Marcel Giger
© Marcel Giger

Von zwitschernden Vögeln und polternden Gewittern

In unserer neuen Serie «Natur in der Musik» hört Georg Rudiger ein wenig genauer hin. Heute: Antonio Vivaldis «Quattro Stagioni (Vier Jahreszeiten)»

«Der Frühling ist gekommen, und freudig begrüssen ihn die Vögel mit heiterem Gesang, und die Ströme fliessen mit süssem Murmeln zu den leise wehenden Zephirwinden», schreibt Antonio Vivaldi in der ersten Strophe seines Sonetts «Frühling», das dem gleichnamigen Opus 8/1 vorangestellt ist. Gleich im ersten Soloteil kommen zur Solovioline zwei solistische Violinen hinzu, die neben den Trillern mit schnellen Wechselnoten weitere Vogelstimmen imitieren. Der durchgehende Puls des Satzes hört hier auf zu schlagen. Die Natur hat ihre eigenen Gesetze, ehe mit dem Tuttieinsatz und den klar markierten Vierteln im Bass wieder das Ritornellthema zurückkehrt. Auch die zarten Winde sind in den Legatosechzehnteln der Violinen zu vernehmen. Plötzlich ändert sich die Stimmung, wenn Donner und Blitz in Form von schnellen Tonwiederholungen der Begleitung und emporschiessenden Figuren der Solovioline die Idylle zerstören. Die einzelnen programmatischen Hinweise hat Vivaldi direkt in die Partitur geschrieben – wie auch den bellenden Hund im zweiten Satz in der schön stupiden Violastimme, über die die Solovioline die weit gespannte Kantilene des schlafenden Ziegenhirten entspannt.

Müde Glieder, umherschwirrende Fliegen 

Im «Sommer» findet Vivaldi noch stärkere Kontraste zwischen Ruhe und Erregung. «In der Glut der Sonne ermatten Mensch und Tier, und die Pinien verdorren. Der Kuckuck erhebt seine Stimme, und bald schon fallen Taube und Stieglitz in seinen Gesang mit ein», lauten die ersten Zeilen des Gedichts. Nach einer sanften Einleitung im Pianissimo, die die Sommerhitze widerspiegelt, bricht die Solovioline regelrecht ein mit spektakulären Oktavsprüngen und schnellen Tonwiederholungen. Sturm oder Hagelschauer? Das bleibt offen – jedenfalls ist plötzlich viel Energie in der allgemeinen Ermattung zu spüren. Im zweiten Satz wechselt Vivaldi stets zwischen Adagio und Presto, was zum einen die müden Glieder des Hirten, zum anderen die umherschwirrenden Fliegen musikalisch umschreibt. Ein hitziges Sommergewitter mit virtuosen Läufen in der Solovioline beendet diese Jahreszeit.

Mit klappernden Zähnen 

Auch «der Herbst» hat seine Reize mit Tanz, Gesang und einer fröhlichen Jagd. «Der Winter» zeigt sich von seiner kratzbürstigen Seite mit klappernden Zähnen, heftigen Eisstürmen, aber auch einer tiefen Ruhe im zweiten Satz, in dem die Pizzicati der Violinen Regentropfen nachbilden. Die deutsche Geigerin Arabella Steinbacher wird gemeinsam mit der Kammerakademie Potsdam das Publikum bei diesem Spazierjahrgang durch die verschiedenen Jahreszeiten bei der Hand nehmen und zeigen, welche unterschiedliche Formen und Stimmungen die Natur ausbilden kann – und auf welch geniale Weise Antonio Vivaldi dies in Musik umgewandelt hat.

 


 

Vier Jahreszeiten
Arabella Steinbacher (Violine), Kammerakademie Potsdam
Vivaldi («Vier Jahreszeiten»), Mendelssohn (Streichersinfonie Nr. 12),
Bach (Brandenburgisches Konzert Nr. 5)

Donnerstag, 3. August 2023, 19:00 Uhr, Konzertsaal, Arena Klosters

David Whelton
David Whelton

Exklusiv: der künstlerische Leiter David Whelton im Kurzinterview

«Sehnsucht Natur. Musical Landscapes» heisst das Motto 2023. Wir fragen unsere Künstlerinnen und Künstler in einer kleinen Serie, wie sie darüber denken.

Was verbinden Sie mit Klosters und seiner Umgebung? 
David Whelton: Das unglaubliche Panorama, wenn man das Tal hochfährt und die Berge entdeckt, die den Himmel berühren. Und natürlich die besonderen Menschen, die dort leben.

Was ist dort Ihr Lieblingsplatz in der Natur?
DW: Der Gotschna bei einer Sommerwanderung.

Landei oder Stadtkind? 
DW: Beides.

Meer oder Berge? 
DW: Meer – das liegt in meinen Genen.

Whoops!

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Stradivarius Trio mit Veronika Eberle, Sol Gabetta, Antoine Tamestit
Veronika Eberle, © Felix Bröde / Sol Gabetta, © Matthias Müller / Antoine Tamestit, © julien Mignot

Vorverkaufsstart und Vorfreude auf die Jubiläumsausgabe

5 Jahre Klosters Music – der Vorverkauf für das Klassikfestival ist eröffnet

Joseph Haydns Oratorium «Die Schöpfung» (30. Juli) mit dem Chor des Bayerischen Rundfunks und dem Kammerorchester Basel (Leitung: Giovanni Antonini) erfüllt gleich am Eröffnungswochenende das diesjährige Festivalmotto «Sehnsucht Natur. Musical Landscapes» mit Leben. Für den künstlerischen Leiter David Whelton war es wichtig, zum fünfjährigen Jubiläum dieses besondere Werk mit einer aussergewöhnlichen Besetzung zu programmieren: «Fünf Jahre nach seiner Gründung ist Klosters Music ein bemerkenswertes Festival mit internationaler Ausstrahlung. Um mit den Worten von Dirigent Pablo Heras-Casado zu sprechen: ‘Ein echtes Juwel!‘ Trotz der Pandemie ist das Publikum jedes Jahr gewachsen – und die Künstlerinnen und Künstler kommen gerne wieder», sagt David Whelton.

Spektakuläre Arien und ein Spitzenchor am Eröffnungswochenende 

Das Eröffnungskonzert am 29. Juli präsentiert die französische Sopranistin Julie Fuchs mit einer auf sie zugeschnittenen Opernariengala. Die zum ersten Mal in Klosters gastierende Camerata Salzburg unter dem israelischen Dirigenten Daniel Cohen ergänzt das Programm mit Opernouvertüren und der strahlenden 3. Sinfonie in D-Dur von Franz Schubert. «Das Programm mit spektakulären Arien ihrer Lieblingskomponisten Mozart und Rossini passt perfekt zu Julie Fuchs‘ charismatischer Persönlichkeit. Ich kann mir kein glamouröseres Programm für die Eröffnung von Klosters Music vorstellen. Das ist wirklich Lebensfreude pur!», so David Whelton. Der Naturschwerpunkt des Festivals spiegelt sich in Antonio Vivaldis «Vier Jahreszeiten» am 3. August (Violine: Arabella Steinbacher, Kammerakademie Potsdam) sowie der Sinfonie Nr. 6 «Pastorale» von Ludwig van Beethoven mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen (Leitung: Tarmo Peltokoski), die mit Mozarts Klarinettenkonzert (Solist: Andreas Ottensamer) kombiniert wird (5.8.). Mit dem Stradivarius Trio (Veronika Eberle, Antoine Tamestit, Sol Gabetta) am 4. August und dem Pianisten Sir András Schiff beim Abschlusskonzert am 6. August sind in Klosters weitere grosse Künstlerpersönlichkeiten zu erleben.

Himmlische Fanfaren in der Kirche und Roaring Twenties beim Filmkonzert 

Unter dem Titel «Kuckuck trifft Känguru» bietet Klosters Music mit dem «Karneval der Tiere» von Camille Saint-Saëns zum ersten Mal ein Familienkonzert im alten Schulhaus an (31.7.). Die Kammerphilharmonie Graubünden wird mit dem Piano Duo Beraia und dem Schauspieler Nikolaus Schmid (Erzähler) unter anderem wilde Esel, Schildkröten, einen Schwan und ein Känguru musikalisch zum Leben erwecken. Mit Charlie Chaplins «The Rink» (Die Rollschuhbahn) aus dem Jahr 1916, Buster Keatons «One Week» (Flitterwochen im Fertighaus/1920) und Laurel & Hardys «Big Business» (Das grosse Geschäft/1929) taucht Klosters Music ein in die faszinierende Welt der Stummfilmära. Beim Filmabend «Drei auf einen Streich» widmet sich das City Light Chamber Orchestra live der im Stil der Roaring Twenties gehaltenen Filmmusik von Carl Davis. Ganz anders tönt das mit «Himmlische Fanfaren» überschriebene Konzert am 2. August in der historischen Kirche St. Jakob. Hier sorgen der Trompeter Immanuel Richter und der Organist Rudolf Lutz für barocken Glanz und die eine oder andere Überraschung.

Charlie Chaplin (The Rink)
Charlie Chaplin («The Rink»)

Drei auf einen Streich

Das City Light Chamber Orchestra bringt in Klosters Stummfilme von Charlie Chaplin, Buster Keaton und Laurel & Hardy zum Klingen 

Die Filmvorführungen mit live gespielter Musik haben bei Klosters Music schon Tradition. Im Jahr 2021 erfolgte die Premiere mit «Cinema Paradiso» des sizilianischen Regisseurs Giuseppe Tornatore, zu dem Ennio Morricone die Musik komponierte. Letzten Sommer freute sich das Publikum in der ausverkauften Arena Klosters an «Singin‘ in the Rain» mit dem im Regen tanzenden und singenden Gene Kelly in der Hauptrolle und einer exklusiven Einführung seiner Ehefrau Patricia Kelly.

Klassiker der Stummfilmära 

In diesem Jahr widmet sich das Festival am 1. August drei Klassikern der Stummfilmära von Charlie Chaplin, Buster Keaton und Laurel & Hardy. «Musik ist in Stummfilmen essentiell, um Emotionalität zu erzeugen und die erzählte Geschichte zu untermalen», sagt der künstlerische Leiter David Whelton. Die Filmmusik, die das City Light Chamber Orchestra unter der Leitung von Kevin Griffiths spielt, ist von Carl Davis komponiert, den Whelton persönlich von seiner Zeit als Manager des Philharmonia Orchestra gut kennt. «Carl hat mit seiner Musik zu einer echten Renaissance des Stummfilms in Grossbritannien beigetragen. Er fängt auf beeindruckende Art und Weise den Sound der 1920er-Jahre ein.»

Stunts und Pirouetten 

Auch Pirmin Zängerle, als Geschäftsführer der City Light Concerts Experte für Filmmusik, ist begeistert von der Zeitlosigkeit der Stummfilme. «Die von uns ausgewählten Filme waren zu ihrer Entstehungszeit gleichermassen innovativ und revolutionär in ihrer Art. So verblüffen etwa die durchdachten Stunts von Buster Keaton auch heute noch», sagt Zängerle. In Buster Keatons «One Week» (Flitterwochen im Fertighaus) aus dem Jahr 1920 bekommt ein frisch verheiratetes Paar von einem Onkel ein besonderes Geschenk: ein in Kisten verpacktes Haus, das die frisch Vermählten selbst innerhalb einer Woche zusammenbauen oder es zumindest versuchen. Dass am Ende nicht jede Wand perfekt sitzt, versteht sich von selbst. Auch Charlie Chaplins früher Stummfilm «The Rink» (Die Rollschuhbahn) aus dem Jahr 1916 ist eine virtuose Aneinanderreihung von Pleiten, Pech und Pannen. Nur auf den Rollschuhen bleibt der tollpatschige, von Chaplin gemimte Kellner souverän und begeistert durch kunstvolle Pirouetten, die auf das von ihm verehrte Mädchen (Edna Purviance) Eindruck machen.

Christbäume im Sommer 

Dagegen sind Stan Laurel und Oliver Hardy in ihrem 1929 entstandenen Film «Big Business» (Das grosse Geschäft) nicht in Liebesdingen unterwegs. Die beiden verkaufen im Sommer in Kalifornien Christbäume – ein schwieriges Unterfangen. Als die beiden am Ende auf einen besonders unfreundlichen Kunden treffen, eskaliert die Lage. Um Christbäume geht es da schon lange nicht mehr. «Big Business» war einer der letzten Stummfilme des im deutschen Sprachraum als «Dick und Doof» bekannten Komikerduos. Dieser Film wird in Klosters von einem Trio (Violine, Klarinette und Akkordeon) musikalisch begleitet. Was dabei genau gespielt wird, bleibt eine Überraschung.

Camerata Salzburg, © Pia Clodi
Camerata Salzburg, © Pia Clodi

Aufbruchsstimmung

Mit dem Eröffnungskonzert feiert Klosters Music mit der Sopranistin Julie Fuchs und der Camerata Salzburg sein fünfjähriges Jubiläum.

Die Silvesterfeiern liegen nur wenige Wochen zurück. Wenn die Sektkorken knallen und man sich im Kreis von Vertrauten ein gutes neues Jahr wünscht, dann blickt man mit Freude und Zuversicht in die Zukunft. Für einige Stunden ist der Alltag vergessen, wenn das neue Jahr beginnt und die Hoffnungen grösser sind als die Sorgen. «Joie de vivre», Lebensfreude pur. Und so heisst auch das Eröffnungskonzert von Klosters Music am 29. Juli 2023 mit der Sopranistin Julie Fuchs und der Camerata Salzburg. Aufbruchsstimmung ist auch hier zu spüren und eine grosse Energie. Man hat etwas zu feiern. Die Koloraturen der Sängerin gleichen Champagnerperlen: prickelnd, anregend, in die Höhe steigend. Nachdem die Französin 2021 mit Arien von Georg Friedrich Händel und Antonio Vivaldi bei Klosters Music brillierte, kehrt sie nun zwei Jahre später mit einem Mozart-Rossini-Programm zum Festival zurück. Ihr neues Mozart-Album «Amadé», das gemeinsam mit dem Balthasar-Neumann-Ensemble unter der Leitung von Thomas Hengelbrock entstand, wurde von der Presse regelrecht bejubelt. Beim Eröffnungskonzert darf man sich freuen auf die funkelnde Arie «Ach ich liebte, war so glücklich» aus der Oper «Die Entführung aus dem Serail» und die schwerelose Solomotette «Exsultate, jubilate», in der die Sängerin ihre ganze technische und musikalische Klasse zeigen kann. Aber auch Gioachino Rossinis Arie «Una voce poco fa» aus seiner Erfolgsoper «Il barbiere di Siviglia» ist ein echtes Feuerwerk. Das Festivalmotto «Sehnsucht Natur» kann die in Avignon aufgewachsene Französin in Klosters nachempfinden. «Als ich Mitglied des Ensembles des Opernhauses Zürich war, habe ich mich in die Schweiz verliebt. Es hat mir Spass gemacht, verschiedene Regionen zu entdecken und an diversen Orten in diesem schönen Land aufzutreten. Meistens sind die Opernhäuser in den grossen Städten, aber ich bin gerne in der freien Natur. Es freut mich also sehr, in solch einer idyllischen Umgebung inmitten der Berge zu sein und die Musik, die ich liebe, mit dem Publikum zu teilen.»

«Suche in deinem Inneren. Dann hast du etwas zu sagen.»

Auch in Salzburg sind die hohen Berge nicht weit. Wie an der Landquart zeigt sich an der Salzach die Natur von ihrer besten Seite. Die 1952 vom Dirigenten und Musikwissenschaftler Bernhard Paumgartner gegründete Camerata Salzburg hat sich von Beginn an auf die Musik von Wolfgang Amadeus Mozart konzentriert. Und sich nicht nur seinen Sinfonien gewidmet, sondern auch den Solistenkonzerten, für die man mit so prominenten Musikerinnen und Musikern wie Clara Haskil, Sir Alfred Brendel und Sir András Schiff zusammenarbeitete. «Musizieren in Eigenverantwortung und Gemeinschaftssinn», lautet das Credo. Der langjährige Chefdirigent Sándor Végh (von 1978 bis 1997) prägte den Satz: «Suche in deinem Inneren. Dann hast du etwas zu sagen.» Unter Végh wurde das Orchester erstmals zu den Salzburger Festspielen eingeladen, wo es längst Stammgast ist. Heute besitzt der aussergewöhnliche Klangkörper keinen Chefdirigenten mehr, so dass die musikalische Verantwortung noch stärker bei seinen Mitgliedern liegt. In Klosters leitet der israelische Dirigent Daniel Cohen das Orchester. Der Generalmusikdirektor des Staatstheaters Darmstadt begann seine musikalische Karriere als Geiger im von Daniel Barenboim gegründeten West-Eastern Divan Orchestra. Cohen arbeitete schon mit der Staatskapelle Berlin und dem Los Angeles Philharmonic Orchestra zusammen und steht in Darmstadt regelmässig im Orchestergraben, um Opernproduktionen zu dirigieren. Deshalb ist er für unsere Operngala genau der Richtige. Und auch auf seine Interpretation der heiteren, vor Vitalität nur so sprühenden Sinfonie Nr. 3 in D-Dur von Franz Schubert darf man gespannt sein.

 

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Klosters Music 2023

Klosters Music 2023: Sehnsucht Natur. Musical Landscapes

Klosters Music feiert vom 29. Juli bis 6. August 2023 sein 5-jähriges Jubiläum mit Meisterwerken, alten Vertrauten und neuen spannenden Persönlichkeiten

Nach der «Zeitreise. A Musical Journey» beim letzten Festival widmet sich Klosters Music im Jahr 2023 ganz der Natur. Joseph Haydns gewaltiges Oratorium «Die Schöpfung» trifft auf Antonio Vivaldis berühmte Violinkonzerte «Die vier Jahreszeiten». Ludwig van Beethovens 6. Sinfonie, die wegen ihrer musikalischen Natureindrücke den Beinamen «Pastorale» erhielt, findet sich im gleichen Programm wie Felix Mendelssohn Bartholdys Konzertouvertüre «Die Hebriden». Für den künstlerischen Leiter David Whelton geht der Naturbezug aber noch weiter. «Das Motto Sehnsucht Natur. Musical Landscapes beschreibt auch die persönlichen Gefühle des Publikums und der Künstlerinnen und Künstler, wenn sie in Klosters das grossartige Alpenpanorama erleben».

Lebensfreude pur

Das mit «Joie de Vivre» überschriebene Eröffnungskonzert (29.7.) präsentiert die französische Sopranistin Julie Fuchs, die ihre Gesangskunst mit Arien von Gioachino Rossini und Wolfgang Amadeus Mozart zelebrieren wird. Begleitet wird sie von der Camerata Salzburg unter der Leitung von Daniel Cohen. Die Aufführung von Joseph Haydns gross besetztem Oratorium «Die Schöpfung» mit dem Kammerorchester Basel, dem Chor des Bayerischen Rundfunks und drei Gesangssolisten unter der Leitung von Giovanni Antonini ist der zweite Höhepunkt des Eröffnungswochenendes (30.7.). Nach ihrem eindrucksvollen Debüt mit Johannes Brahms‘ Violinkonzert beim letzten Festival kehrt Arabella Steinbacher mit Antonio Vivaldis «Vier Jahreszeiten» nach Klosters zurück (3.8.). Dass die sie begleitende Kammerakademie Potsdam auch noch die zwölfte Streichersinfonie in g-Moll von Felix Mendelssohn Bartholdy und das fünfte Brandenburgische Konzert in D-Dur von Johann Sebastian Bach nach Klosters mitbringt, macht den Abend zu einem echten Highlight im Festivalprogramm.

Klarinettenglück und Stradivari-Klang

Andreas Ottensamer, Soloklarinettist der Berliner Philharmoniker, interpretiert das bekannte Klarinettenkonzert von Wolfgang Amadeus Mozarts (5.8.). Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen an seiner Seite hat beim Festival bereits mehrmals ihre internationale Klasse unter Beweis gestellt. Mit der vitalen Gesamtaufnahme aller Beethoven-Sinfonien hat das Orchester die Fachwelt begeistert. Man darf gespannt sein, auf welche Weise die Bremer unter dem jungen finnischen Dirigenten Tarmo Peltokoski Beethovens 6. Sinfonie «Pastorale» zum Leben erwecken werden. Veronika Eberle, Antoine Tamestit und Sol Gabetta bilden ein Streichtrio der Extraklasse. Dass alle drei auf wertvollen Instrumenten der St. Galler Stradivari-Stiftung Habisreutinger spielen, macht das Konzert am 4. August zu etwas ganz Besonderem. Mit dem das Festival beschliessenden Klavierabend «Aus der Stille» von Sir András Schiff am 6. August führt Klosters Music eine kostbare Tradition fort.

Besondere Konzertformate

Klosters Music bietet aber auch besondere Konzertformate. Nach den ausverkauften Abenden mit «Cinema Paradiso» und «Singin‘ in the Rain» in den letzten Jahren schafft das Festival auch in der kommenden Ausgabe eine reizvolle Verbindung zwischen Musik und Film. Dieses Mal stehen drei Stummfilme von Charlie Chaplin (u.a. «The Rink») und Buster Keaton im Mittelpunkt. Das City Light Chamber Orchestra lässt mit live gespielter Filmmusik die Faszination der Stummfilmära wieder lebendig werden. In der besonderen Atmosphäre der historischen Kirche St. Jakob präsentieren Immanuel Richter (Trompete) und Rudolf Lutz (Orgel) «Himmlische Fanfaren» (2.8.). Man darf davon ausgehen, dass auch diesmal bei den Orgelimprovisationen Wünsche aus dem Publikum berücksichtigt werden. Mit dem «Karneval der Tiere» von Camille Saint-Saëns steht im alten Schulhaus zum ersten Mal ein Familienkonzert auf dem Programm (31.7.). Die Kammerphilharmonie Graubünden sorgt dafür, dass die musikalische Qualität stimmt. Denn auch im Jubiläumsjahr 2023 bleibt Klosters Music das Gipfeltreffen für musikalischen Hochgenuss.


Die Kartenvorbestellung ist ab sofort schriftlich per Bestellformular möglich. Der Ticketverkauf online unter klosters-music.ch und bei den Tourismusbüros Klosters und Davos startet am 1. März 2023. Hier geht es zum Programm.

Julie Fuchs, © Sarah Bouasse
Julie Fuchs, © Sarah Bouasse

Exklusiv: Julie Fuchs über die Sehnsucht Natur

«Sehnsucht Natur. Musical Landscapes» heisst das Motto 2023. Wir fragen unsere Künstlerinnen und Künstler in einer kleinen Serie, wie sie darüber denken.

In welchen Momenten haben Sie besonders starke Sehnsucht nach der Natur?

Julie Fuchs: Immerzu. Immer mehr. Das ist heute eins meiner grössten Bedürfnisse in meinem Leben. Eine Dosis Natur kann sich sehr positiv auf meine körperliche und geistige Gesundheit auswirken. Und ich hoffe, dass allen bewusst ist, wie dringend der Erhalt der Erde für uns alle ist.

Was ist Ihre «Lieblingsmusik» in der Natur?

JF: Ich stamme aus der Provence, von daher gibt es für mich nichts Schöneres als Zikadengesang, ich liebe sie sogar während Freiluftkonzerten!

Gibt es einen besonderen Ort in der Natur für Sie? Einen Sehnsuchts- oder Zufluchtsort?

JF: Die Alpen. Ich erinnere mich an viele wunderschöne Wanderungen dort. Aber klar… die Provence mit ihrem Licht und ihrem Duft bleibt natürlich mein Favorit.


Zusammen mit dem Orchestra La Scintilla war Julie Fuchs am 3. August 2021 in der imposanten Bündner Bergwelt in «Zeitlose Pracht» zu hören. Hier finden Sie den Konzertmitschnitt zum Nachhören.

Whoops!

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«Wir möchten Klosters als Kulturdestination etablieren»

Heinz Brand lebt schon seit seiner Kindheit in Klosters. Der erfahrene Jurist und Politiker hat als Präsident der Stiftung Kunst und Musik Klosters grossen Anteil an dem Erfolg von Klosters Music. Im Gespräch mit Georg Rudiger zieht er ein Zwischenfazit, verrät seine Lieblingsorte in der Natur und wagt einen Ausblick.

Georg Rudiger: Im nächsten Jahr feiert Klosters Music sein fünfjähriges Bestehen. Sie sind in der Stiftung Kunst und Musik Klosters, die das Festival veranstaltet, von Beginn an dabei: zunächst als Vizepräsident, seit der zweiten Ausgabe als Präsident. Mit welchen Gedanken und Gefühlen schauen Sie zurück?

Heinz Brand: Mit gemischten, letztendlich aber doch sehr positiven Gefühlen. Dass wir mitten in der Aufbauphase wegen der Coronapandemie starke Einschränkungen hinnehmen mussten, war für uns schon eine grosse Herausforderung, die wir aber mit Erfolg gemeistert haben. Das letzte Festival konnte wieder unter normalen Bedingungen stattfinden. Es war der Beweis dafür, dass wir auf dem richtigen Weg sind und dass unsere Besucherinnen und Besucher die Konzerte von Klosters Music enorm schätzen. Das gibt mir Hoffnung für die Zukunft.

Was haben Sie bisher erreicht mit Klosters Music?

Ich denke, wir haben uns mit qualitativ hochstehenden Konzerten einen festen Platz im Veranstaltungsprogramm des Kantons Graubünden, wenn nicht sogar der Ostschweiz geschaffen. Des Weiteren haben wir im Ort und der Region selbst eine hohe Akzeptanz erreicht, die es in der Zukunft zu festigen und auszubauen gilt.

Das Motto des kommenden Festivals heisst «Sehnsucht Natur». Wie ist es um Ihre persönliche Sehnsucht nach Natur bestellt?

Die Natur spielt für mich eine wichtige Rolle in meinem Leben. Ich bewege mich gerne in der Natur und betreibe viel Sport. Wenn immer es möglich ist, halte ich mich in der Natur auf.

Welchen Sport betreiben Sie denn?

Im Winter bin ich ein begeisterter Skifahrer, sowohl Langlauf als auch alpin. Beim Langlauf gefällt mir besonders die körperliche Ertüchtigung. Im Sommer wandere ich gerne und fahre Mountainbike – ohne Motor!

Was macht es mit Ihnen, wenn Sie in die Natur gehen?

Ich bekomme den Kopf frei, wenn ich die Schönheiten der Natur betrachten kann. Der ganze berufliche Stress ist dann vergessen. Der Aufenthalt in der Natur ist für mich ein optimaler Ausgleich zum gelegentlich doch hektischen Berufsalltag.

Was verbinden Sie mit Klosters?

Klosters ist ein wunderbarer Ort, weil er genau an der Schnittstelle zwischen der alpinen und der urbanen Welt liegt. Von Klosters aus ist man sehr schnell in Zürich oder Chur, aber auch flugs im Nationalpark Engadin oder in den Südtälern unseres Kantons.

Wo sind Ihre Lieblingsorte, was die Natur um Klosters herum angeht?

Vereina ist auf jeden Fall einer meiner Lieblingsorte. Da gibt es wirklich noch unberührte Natur zu erleben. Und man hat einen schönen Blick auf den leider dahinschmelzenden Gletscher. Im Vereina-Tal bin ich sehr gerne mit dem Mountainbike unterwegs. Auch die Region Alpenrösli, von der aus man einen wunderbaren Blick auf weite Teile der Gemeinde hat, ist ein weiterer Lieblingsort für mich. 

Klosters ist vor allem als Wintersportort bekannt. Wie erleben Sie die Natur in Klosters in den anderen Jahreszeiten?

Dieser Priorisierung würde ich widersprechen. Klosters hat auch im Sommer viel zu bieten. Die anderen Jahreszeiten haben ebenfalls ihren Reiz – der Bergfrühling oder der Herbst mit den goldenen Wäldern. 

Wie wichtig ist Klosters Music für den Sommer in Klosters?

Das Musikfestival ist von entscheidender Bedeutung, gerade weil wir Klosters auch als Kulturdestination etablieren und das bestehende Angebot ergänzen möchten. Im Frühjahr gibt es die Tastentage, im Sommer die Jazzkonzerte und die Genussmeile. Und um den Nationalfeiertag herum setzen wir mit Klosters Music im Sommer einen echten Höhepunkt im Veranstaltungskalender der Gemeinde. Zudem verfügen wir mit dem Kulturschuppen über eine Einrichtung, welche während des ganzen Jahres ein vielfältiges Programm bietet.

Mit welchem Gefühl blicken Sie in die Zukunft?

Ich bin zuversichtlich, dass wir das Festival auf dem eingeschlagenen Pfad weiter nach vorne bringen werden. Dabei dürfen wir auf die Unterstützung der Gemeinde sowie zahlreicher privater Spenderinnen und Spendern zählen. Auch der geplante Umbau der Arena wird die Rahmenbedingungen für unsere Konzerte noch weiter verbessern.

Auf welches Konzert freuen Sie sich besonders beim kommenden Festival?

Auf das Oratorium «Die Schöpfung» von Joseph Haydn – ein wirklich epochales Werk, das unser Motto «Sehnsucht Natur» ganz besonders prägt. Zum ersten Mal haben wir mit dem fantastischen Chor des Bayerischen Rundfunks einen Chor und mit Giovanni Antonini, den ich persönlich kenne und sehr schätze, einen herausragenden Dirigenten. Auf dieses Debüt bin ich sehr gespannt.

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Dominik Heeb
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Vor dem Konzertsaal, Arena Klosters, © Marcel Giger

«Für uns ist es eine Ehre, dieses Festival im Dorf zu haben»

Seit knapp einem Jahr ist Dominik Heeb (Jahrgang 1989) Leiter von Tourismus Klosters innerhalb der Destination Davos Klosters. Schon zuvor hat der sportbegeisterte Schweizer als Eventmanager in Klosters Impulse für den Tourismus setzen können. Georg Rudiger sprach mit ihm über Musikerlebnisse, Sommertourismus und das Jubiläum 800 Jahre Klosters.


Georg Rudiger: Sie haben im Sommer selbst das Festival Klosters Music besucht. Welche Konzerte haben Sie sich angehört?

Dominik Heeb: Ich war im Eröffnungskonzert des Münchener Kammerorchesters unter Pablo Heras-Casado und habe den Filmabend «Singin’ in the Rain» mit Live-Musik besucht.

Wie hat es Ihnen gefallen?

Beide Konzerte absolut top. Es ist schon relativ lange her, dass ich in einem rein klassischen Konzert war. Ich bin eher in der Popmusik zuhause, aber das Eröffnungskonzert hat mich wirklich begeistert. «Singin’ in the Rain» war ein echtes Kinoerlebnis. Ich habe gestaunt, wie die Musik des grossen Sinfonieorchesters perfekt mit den Bildern des Films abgestimmt war.

Welchen Eindruck hatten Sie vom Publikum? Gab es beim Filmkonzert ein anderes Publikum als beim Eröffnungskonzert?

Beim ausverkauften Filmkonzert war das Publikum etwas jünger als beim Eröffnungskonzert. Das hat vielleicht auch mit dem Jubiläum 800 Jahre Klosters 2022 zu tun, in dessen Rahmen das Konzert stattfand. Der Abend hat thematisch sehr gut zum Jubiläum gepasst mit Gene Kelly in der Hauptrolle, der in den 1960er- und 70er-Jahren häufig zu Gast in Klosters war und dabei in der Chesa Grischuna wohnte, wo man heute noch die Fotos aus dieser Zeit von Hollywood on the Rocks anschauen kann. Auch die Einführung vor Ort durch seine Witwe Patricia Kelly hatte eine starke lokale Anbindung.

Wie wichtig ist das Festival für den Tourismusort Klosters im Sommer?

In unserem prall gefüllten Event-Sommer gehört das Festival Klosters Music zu den Top-Adressen.

Was gibt es im Sommer noch für Ereignisse, die Touristen in den Ort bringen?

Die Tennisturniere haben eine lange Tradition und entwickeln grosse Ausstrahlung. In diesem Jahr feierten wir das 25-jährige Jubiläum der Junioren-Europameisterschaft in Klosters. Die nostalgische Genussmeile Ende August hat ebenfalls eine enorme Attraktivität. Aber auch die bekannten Trailrunning-Läufe wie der Madrisa-Trail in Klosters oder der Davos X-Trails sind wichtige, weit über die Region ausstrahlende Events im Sommer. Und natürlich bietet unser Gästeprogramm im Sommer unzählige und verschiedenste Abenteuer mit über 60 Aktivitäten und total über 700 Durchführungen pro Sommersaison, welche die Gäste kostenlos oder zu einem sehr fairen Preis buchen können.

Klosters hat eine ausgeprägte Wintersaison, möchte aber sicherlich einen Ganzjahrestourismus entwickeln. Wie sehen Sie als Verantwortlicher diese Thematik?

Der Winter ist selbstverständlich nach wie vor eine sehr wichtige Jahreszeit mit allen Skigebieten in unserer Region. Wir haben zwar jetzt schon ein breites Angebot für den Sommer, aber natürlich können wir uns hier auch noch verbessern. Gerade diesbezüglich ist Klosters Music ein äusserst attraktiver Anlass, auch im Sommer in unsere Bergregion zu kommen. Für uns ist es eine Ehre, dieses Festival im Dorf zu haben.

Gibt es denn Schnittmengen zwischen den Wintergästen und den Sommergästen – oder entscheidet man sich als Gast entweder für das eine oder das andere?

Unsere Zweitheimischen – also diejenigen, die einen Zweitwohnsitz in Klosters haben – sind auf jeden Fall sowohl im Sommer als auch im Winter bei uns in Klosters.

Und bei den Touristen?

Insgesamt positionieren wir uns als ein Dreigenerationen-Ferienort. Die ganze Familie soll sich hier wohl fühlen, im Winter wie auch im Sommer. Trailrunning, Mountainbiking, Genusswandern – und eben auch klassische Musik.

Im nächsten Jahr gibt es bei Klosters Music ein Familienkonzert für die jüngste Generation.

Ich habe auch schon davon gehört. Das passt natürlich ideal in unser Dreigenerationen-Konzept.

Die letzte Ausgabe von Klosters Music war nicht nur mit dem «Singin’ in the Rain»-Konzert eingebettet in des Jubiläum 800 Jahre Klosters, sondern auch der musikalisch-literarische Abend von Alain Claude Sulzer und Oliver Schnyder und das Konzert von Maurice Steger in der historischen Kirche St. Jakob hatten mit der Geschichte des Ortes zu tun. Wie zufrieden sind Sie insgesamt mit dem 800 Jahre Klosters-Jubiläum? Was hat es mit dem Dorf gemacht?

Es hat auf jeden Fall das Dorf mit den vielen Veranstaltungen näher zusammengebracht. Es gab viele Partnerveranstaltungen, zu denen auch Klosters Music gehörte, aber auch viele extra dafür entwickelte Events, die vieles angestossen und bewirkt haben. Im sogenannten Impulsprogramm des Jubiläums wurden bestehende Projekte aufgenommen und dank der Unterstützung der Gemeinde zur Umsetzung gebracht. Wie beispielsweise eine alte Schmiede, welche an der Rütipromenade mit der «Schröders Schmiede» eröffnet wurde. Oder natürlich ein weiteres Highlight mit den Klettergriffen an der Sunnibergbrücke, welche als  «Sunniberg Climbing» mit Routen bis auf 55 m Höhe in der Kletterwelt sehr guten Anklang finden werden.

Das Programm der nächsten Ausgabe von Klosters Music wird in Kürze veröffentlicht. Was wünschen Sie dem Festival für die Zukunft?

Ich wünsche mir, dass der steile Aufstieg der letzten vier Festivalausgaben so weitergeht. Freuen würde ich mich auch, wenn die lokale Verankerung des Festivals in der Zukunft weiter gestärkt werden würde, ohne dabei die nationale und internationale Ausstrahlung zu vernachlässigen. Wir haben auch Ideen, wie wir die Verbindung zwischen dem Festival und uns als Tourismusbüro noch intensivieren werden, aber die darf ich noch nicht verraten.


Mehr Informationen zu den Angeboten der Destination Davos Klosters finden Sie unter www.klosters.ch/events.

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Oliver Schnyder und Alain Claude Sulzer, © Marcel Giger

Mit dem Pony auf die Rigi – Alain Claude Sulzers Text «Inkognito» von Klosters Music 2022 

Der mit «Musikalische Fremdenverkehr» überschriebene Abend von Alain Claude Sulzer und Oliver Schnyder (Klavier) im voll besetzten Atelier Bolt im Rahmen von Klosters Music 2022 ist noch in bester Erinnerung. Die beiden miteinander befreundeten Künstler nahmen das Publikum mit auf eine spannende musikalisch-literarische Reise ins 19. Jahrhundert. Aus den Texten von Alain Claude Sulzer haben wir für Sie die mit «Inkognito» überschriebene Geschichte ausgewählt, die sich auf die Spur der britischen Königin Victoria begibt. Über 100 Jahre später sind die Mitglieder des britischen Königshauses für Klosterser sogar zu Stammgästen geworden, allen voran der neue britische König Charles III.


Inkognito reiste nicht nur die Kaiserin von Österreich, die auf dem mutmaßlich letzten Foto, das während eines Spaziergangs in Genf von ihr und ihrer Begleiterin entstand, so unscheinbar aussieht wie jede beliebige Bürgersfrau der calvinistischen Stadt. Inkognito war zwanzig Jahre zuvor – vom 7.August bis 9. September 1868 – auch die britische Königin Victoria mit drei ihrer neun Kinder in die Schweiz gereist, wo sie einen ganzen Monat in Luzern verbrachte, um von dort aus Touren in alle Himmelsrichtungen zu unternehmen. Inkognito aufzutreten – also unkenntlich zu bleiben – war lange Zeit das Privileg der Könige und Königinnen oder vielmehr: für Könige und Königinnen ein Privileg. Ein Privileg, in dessen Genuss ihre ungleich unbedeutenderen Untertanen tagtäglich kamen.

Wer sein Inkognito wahren wollte, musste sein Gesicht nicht notwendig hinter einer Maske oder einem Schleier verbergen, es genügte, sich durch bescheidene Kleidung verwechselbar zu machen. Während Prominente heute eher darunter leiden, wenn sie in der Menge (und von der Menge) nicht erkannt werden, galt es einst als Luxus der Könige, unerkannt ein Bad in der Menge nehmen zu können.

Erst wenn sie sich unter die Menge mischten (am wirkungsvollsten als Bettler), erfuhren sie, wie es war, Teil der regierten Masse zu sein; dass man dabei erfahren konnte, wie und was das Volk über einen dachte, war ein Nebeneffekt, den der Souverän je nach dem Grad seiner Aufgeklärtheit geniessen oder fürchten mochte.

Solange die hohen Herrschaften – ob Kaiser, Könige, Kalifen, Prinzen oder Prinzessinnen – nicht unter Beobachtung standen, konnten sie tun, was ihnen sonst ein kompliziertes Regelsystem – die höfische Etikette – verwehrte: entweder die Sau rauslassen oder einfach durchatmen und entspannen. Da ihnen die Macht während ihrer Abwesenheit auch entrissen werden konnte, war es allerdings ratsam, den Palästen nicht allzu lange fernzubleiben, ausser sie waren so reizend wie Audrey Hepburn als Kronprinzessin Ann in Billy Wilders Roman Holiday («Ein Herz und eine Krone»), die während ihrer Ferien in Rom höchstens befürchten muss, ihr Herz an Gregory Peck zu verlieren; um die Krone muss sie nicht bangen.

Queen Victoria war zu bekannt, um unerkannt zu bleiben, auch wenn sie nur 1,52 m gross war. In der Menge, wo man sie kaum je antraf, hätte man sie leicht übersehen können, aber wenn sie in ihrer Kutsche fuhr, waren die Insignien unmissverständlich, und auf diese und andere Annehmlichkeit wollte sie nicht verzichten: Sie reiste in Begleitung von drei eigenen Kutschen, Dienern, Gehilfen, Stallburschen und ihrem Bett. Inkognito zu reisen war für sie eine Frage der Sicherheit und mehr noch der Bequemlichkeit. Solange sie nicht in offizieller Mission unterwegs war, musste sie darüber hinaus auch keinen umständlichen und langweiligen Verpflichtungen nachkommen. Sich an der Rezeption als Gräfin von Kent einzutragen bedeutete, eine Art Privatheit geniessen zu können, oder sich zumindest zeitweise dieser Illusion hingeben zu wollen. Wenn sie nicht als Queen of Great Britain and Ireland reiste, musste sie weder Bürgermeister noch Bundesräte empfangen oder andere gekrönte Häupter treffen, die sich und ihr Nachleben nur zu gern mit ihrem Namen geschmückt hätten; wir können allerdings davon ausgehen, dass die Hoteldiener und Hoteliersgattinnen, vielleicht sogar die eine oder andere Sennerin nichtsdestotrotz einen tiefen Diener machte, sich verbeugte oder knickste, wenn die Queen ihre Wege kreuzte, auch wenn diese Art der Ehrerbietung in der Schweiz nie so verbreitet war wie etwa in Deutschland, wo man dem Handkuss da und dort noch heute begegnen kann.

Als Königin inkognito in Luzern zu logieren, hiess nicht, dass man von ihrer Anwesenheit nichts wusste, es besagte nur, dass sie wünschte, in Ruhe gelassen zu werden. Und Ruhe war, wofür die Schweiz schon damals bürgte. Ruhe bedeutete, dass man die kleine englische Queen nicht belästigte, wenn sie auf ihrem Pony auf die Rigi ritt, eine Bootsfahrt auf dem Vierwaldstättersee unternahm oder auf der Seebodenalp Tee trank und alpenländische Natur zeichnete; genauso konnten sich auch ein paar Generationen später die Mitglieder der englischen Königsfamilie in Klosters, Hemingway in Montreux, Richard Strauss in Sils Maria, Marcello Mastoianni in Verbier oder Angela Merkel in Pontresina darauf verlassen, nicht ständig von Einheimischen oder anderen Touristen belästigt zu werden – Ungemach bereiteten im Fall der Royals in späteren Jahren eher Paparazzi als neugierige Dorfbewohner.

Queen Victoria wohnte übrigens nicht in einem der zahlreichen Hotels, die ihren Namen trugen, denn diese gab es damals noch gar nicht, auch nicht im Hotel Englischer Hof, der 1855 eröffnet worden war, sondern in der überaus noblen, etwas abgelegenen Privatpension Wallis auf dem Gütsch. Die Aussicht von Luzerns Hausberg war «wunderschön mit dem See – Pilatus, der Rigi usw. – ich kann meinen Augen kaum trauen, wenn ich mir das ansehe! Es wirkt wie ein Gemälde oder eine Verzierung – ein Traum!»

Löwendenkmal, Pilatus, Gotthardpass, Teufelsbrücke und Schöllenenschlucht waren von hier aus ebenso leicht erreichbar wie der Vierwaldstättersee, wo Victoria zu jeder Zeit das Dampfschiff Winkelried zur Verfügung stand, und auch die Hohle Gasse zu Küssnacht, in der Tells Geschoss den Habsburger Vogt Gessler tödlich getroffen hatte, war gut zu erreichen. Als Victoria mit ihrem Gefolge auf den Furkapass reiste, nahm die Gesellschaft das einzige Gasthaus in Beschlag, was andere Reisende so erzürnte, dass sie wütende Leserbriefe an den Berner «Bund» richteten. Es dürfte sich dabei um ausländische Touristen gehandelt haben.

Darüber, ob die Königin, die noch immer um ihren sieben Jahre zuvor verstorbenen Mann Albert trauerte, nach ihrem Besuch in der Schweiz tatsächlich aufgeblüht oder weiterhin untröstlich geblieben sei, gehen die Meinungen auseinander. Die getrocknete Alpenrose, die er ihr als junger Mann vor der Hochzeit aus der Schweiz geschickt hatte, wollte zwar nicht mehr erblühen, aber beim Anblick der Blume, die sie wie eine Reliquie hütete, mochte sie sich für einen Augenblick dort mit ihm vereint glauben, wo sie nie zusammen gewesen waren. So jedenfalls mögen es jene sehen, die sich gern in die Gefühle gekrönter Häupter und ihrer Entourage versenken.

Die «Witwe von Windsor», deren «schlichte Bekleidung» und «bescheidenes Betragen» bei den Schweizern so gut ankam, trug jedenfalls auch weiterhin schwarz, was damals nicht nur bei Witwen ja an der Tagesordnung war (auch Elisabeth von Österreich trug auf ihrem letzten Foto schwarz, wenngleich sie nicht in Trauer war.)

 

© Alain Claude Sulzer / Verwendung nur zum privaten Eigengebrauch erlaubt.

Neu erschienen: Alain Claude Sulzer: Doppelleben, Galiani Verlag Berlin 2022. 

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Andreas Ottensamer und Sol Gabetta

Die Natur selbst wird zum Thema von Klosters Music 2023.

Haydns gewaltiges Oratorium «Die Schöpfung», das vom Kammerorchester Basel und dem Chor des Bayerischen Rundfunks (Leitung: Giovanni Antonini) zum Leben erweckt wird, trifft auf Vivaldis berühmtes Violinkonzert «Die vier Jahreszeiten». Aber auch Beethovens «Pastorale» ist mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen zu erleben (Solist in diesem Konzert: Andreas Ottensamer, Klarinette). Mit Sir András Schiff und Sol Gabetta gibt es ein Wiedersehen. Die Cellistin bildet mit Veronika Eberle und Antoine Tamestit ein Streichtrio der Extraklasse. Ein Highlight gleich zu Beginn: das Eröffnungskonzert mit der Sopranistin Julie Fuchs (Opernarien von Rossini und Mozarts «Exsultate, jubilate») und der Camerata Salzburg. Und der 1. August wird auch dieses Jahr wieder eine Überraschung bereithalten.


Reservieren Sie sich heute schon die Daten von Samstag, 29. Juli bis Sonntag, 6. August 2023. Das genaue Programm wird am 9. Dezember veröffentlicht. Ab dann sind schriftliche Vorbestellungen via Flyer möglich. Der Online-Ticketvorverkauf startet am 1. März 2023. Schriftliche Vorbestellungen sind ab Dezember 2022 via Flyer möglich.


Die Mitglieder des Fördervereins werden frühzeitig über die Konzerte informiert und haben die Möglichkeit, ihre Konzertkarten vor dem offiziellen Vorverkaufsstart zu reservieren. Jetzt Mitglied werden.

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Münchener Kammerorchester mit Pablo Heras-Casado und Francesco Piemontesi, © Marcel Giger

«Wir sind angekommen»

Die vierte Ausgabe von Klosters Music («Zeitreise. A Musical Journey») ging am Sonntagabend mit einem Klavierrezital von Sir András Schiff zu Ende. Das neuntägige Festival feiert einen neuen Besucherrekord.

«Klosters Music 2022 war wirklich ein Gipfeltreffen für musikalischen Hochgenuss. Die grossartigsten Künstlerinnen und Künstlern kamen hier zusammen, um den 800. Geburtstag der Gemeinde mit wunderbaren Konzerten zu feiern», sagt David Whelton, künstlerischer Leiter des Festivals. Mit deutlich über 3‘000 Zuhörerinnen und Zuhörern bei insgesamt neun Konzerten (drei davon komplett ausverkauft) feierte das Festival in seiner vierten Ausgabe einen neuen Besucherrekord.

Stiftungsratspräsident Heinz Brand zieht nach dem enthusiastisch aufgenommenen Abschlusskonzert von Sir András Schiff ein überaus positives Fazit: «Klosters Music hat die gesamte Region begeistert. Nach den letzten Jahren, die durch Corona-bedingte Einschränkungen geprägt waren, konnten wir in diesem Jahr wieder ungetrübten Musikgenuss erleben.» Auch für Geschäftsführerin Franziska von Arb war die vierte Festivalausgabe ein voller Erfolg: «Wir sind angekommen und haben in Klosters Wurzeln geschlagen. Unser Publikum möchte Klosters Music nicht mehr missen und wartet schon gespannt auf die nächste Ausgabe im Jahr 2023, die unter dem Motto ‚Natur‘ stehen wird.»

Feuer und Leidenschaft prägten das Eröffnungskonzert, in dem der spanische Dirigent Pablo Heras-Casado und das Münchener Kammerorchester Rossinis Ouvertüre zu «Wilhelm Tell» und Mendelssohn Bartholdys «Italienische Sinfonie» zum Ereignis machten. Eine andere Farbe brachte das Septett Philharmonix mit seinem virtuosen, humorvollen Crossover-Abend am Nationalfeiertag ins Programm. Das Konzert mit dem Mozarteumorchester Salzburg unter der Leitung von Patrick Hahn mit der Geigerin Arabella Steinbacher, die Johannes Brahms‘ Violinkonzert interpretierte, zeigte exemplarisch, wofür Klosters Music steht: künstlerische Exzellenz in persönlicher Atmosphäre und einer idyllischen Umgebung.

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Münchener Kammerorchester mit Pablo Heras-Casado und Francesco Piemontesi, © Marcel Giger

«Wir sind angekommen»

Die vierte Ausgabe von Klosters Music («Zeitreise. A Musical Journey») ging am Sonntagabend mit einem Klavierrezital von Sir András Schiff zu Ende. Das neuntägige Festival feiert einen neuen Besucherrekord.

«Klosters Music 2022 war wirklich ein Gipfeltreffen für musikalischen Hochgenuss. Die grossartigsten Künstlerinnen und Künstlern kamen hier zusammen, um den 800. Geburtstag der Gemeinde mit wunderbaren Konzerten zu feiern», sagt David Whelton, künstlerischer Leiter des Festivals. Mit deutlich über 3‘000 Zuhörerinnen und Zuhörern bei insgesamt neun Konzerten (drei davon komplett ausverkauft) feierte das Festival in seiner vierten Ausgabe einen neuen Besucherrekord.

Stiftungsratspräsident Heinz Brand zieht nach dem enthusiastisch aufgenommenen Abschlusskonzert von Sir András Schiff ein überaus positives Fazit: «Klosters Music hat die gesamte Region begeistert. Nach den letzten Jahren, die durch Corona-bedingte Einschränkungen geprägt waren, konnten wir in diesem Jahr wieder ungetrübten Musikgenuss erleben.» Auch für Geschäftsführerin Franziska von Arb war die vierte Festivalausgabe ein voller Erfolg: «Wir sind angekommen und haben in Klosters Wurzeln geschlagen. Unser Publikum möchte Klosters Music nicht mehr missen und wartet schon gespannt auf die nächste Ausgabe im Jahr 2023, die unter dem Motto ‚Natur‘ stehen wird.»

Feuer und Leidenschaft prägten das Eröffnungskonzert, in dem der spanische Dirigent Pablo Heras-Casado und das Münchener Kammerorchester Rossinis Ouvertüre zu «Wilhelm Tell» und Mendelssohn Bartholdys «Italienische Sinfonie» zum Ereignis machten. Eine andere Farbe brachte das Septett Philharmonix mit seinem virtuosen, humorvollen Crossover-Abend am Nationalfeiertag ins Programm. Das Konzert mit dem Mozarteumorchester Salzburg unter der Leitung von Patrick Hahn mit der Geigerin Arabella Steinbacher, die Johannes Brahms‘ Violinkonzert interpretierte, zeigte exemplarisch, wofür Klosters Music steht: künstlerische Exzellenz in persönlicher Atmosphäre und einer idyllischen Umgebung.

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Atelier Bolt, © Corinne Gut Klucker

«Wir sind auf einem guten Weg»

Christian Bolt lebt als Bildhauer und Maler in Klosters. Der 1972 in Uster (Kanton Zürich) geborene Künstler ist Ehrenprofessor an der Accademia delle Arti del Disegno in Florenz. Die jüngste Publikation über ihn trägt den Titel «Existenz und Verifikation» (Verlagshaus Seidel & Schütz 2021). Georg Rudiger hat mit dem Mitglied der «Stiftung Kunst & Musik, Klosters» über besondere Orte, seine Steinböckli-Skulptur und über die Zukunft von Klosters Music gesprochen. 


Sie waren diesen Sommer Gastgeber für den musikalisch-literarischen Abend mit dem Autor Alain Claude Sulzer und dem Pianisten Oliver Schnyder mit dem Titel «Musikalischer Fremdenverkehr». Wie hat Ihnen der Abend gefallen? 

Ich war natürlich sehr neugierig, wie die Musik und das gesprochene Wort zusammenwirken. Die spannenden Geschichten von Alain Claude Sulzer, die zum Teil auch eine historische Verbindung zu Klosters hatten, wurden eingerahmt von dieser gewaltigen Musik, die von Oliver Schnyder zum Leben erweckt wurde. Das hat mich beeindruckt. Ich bekam auch viel positives Echo auf diesen Abend. Diese besondere Veranstaltung war für viele ein einmaliges Erlebnis. 

Die Veranstaltung fand in Ihrem Atelier statt. Welche Rolle spielte der Raum für diese Veranstaltung? Da kam ja neben der Musik und der Literatur noch eine weitere Kunstform hinzu. 

Da haben Sie recht. Ich wollte, dass die Besucherinnen und Besucher einen Querschnitt mitbekommen von dem, was in meinem Atelier geschieht. So habe ich für diesen Abend eine kleine Ausstellung mit Gemälden und Skulpturen zusammengestellt. Der Abend wurde zu einem Gesamtkunstwerk für alle Sinne. 

Warum bieten Sie überhaupt Ihr Atelier als Veranstaltungsort von Klosters Music an? In der ersten Festivalausgabe 2019 fanden gleich drei Konzerte bei Ihnen statt. 

Für mich war von Anfang an klar, dass in diesen grosszügigen Atelierräumen auch ein besonderer Ort für Klosters und die Region entstehen soll. Immer wieder gibt es in meinem Atelier die Gelegenheit, Kunst zu erfahren – auch durch Gastkünstler, deren Werke ich ausstelle. Interdisziplinarität ist mir wichtig. Deshalb passen die Konzerte sehr gut zu meinem Verständnis von Kunst.

Sie haben sich von Beginn an als Stiftungsratsmitglied aktiv an der Planung und Durchführung des Festivals beteiligt. Warum engagieren Sie sich in diesem Gremium?

Als die Stiftung «Kunst & Musik, Klosters» im Jahr 2019 gegründet wurde, ging es auch darum, eine starke Verankerung im Ort zu haben. Als Klosterser Kulturschaffender engagiere ich mich gerne dafür. Auch das Atelier wollte man bewusst in das Festival einbinden als ein Ort für kleinere, intime Konzerte. Meine eigene Familie hat auch eine starke Verbindung zur Musik.

Sie wohnen seit fast 20 Jahren in Klosters. Welche Bedeutung hat das Festival inzwischen für den Ort und die Feriengäste?

Klosters Music hat eine spannende Geschichte. Dass man klassische Konzerte auf Weltniveau hier im Ort veranstaltete, hatte es bereits zweimal vor der Stiftungsgründung gegeben. Auch damals hatten wir Konzerte im Atelier. Mit der Stiftung wurde das Festival professionalisiert und stabil aufgebaut. Was die Zuschauerzahlen und die Begeisterung des Publikums angeht, hat sich das Festival bereits national und allmählich auch international etabliert. Das Programm, das der künstlerische Leiter David Whelton anbietet, ist enorm attraktiv. Was ich mir wünsche, ist eine noch stärkere Bindung an die Menschen hier im Ort. Aber wir sind auf einem guten Weg. Die Gäste schätzen das Festival sehr. Es passt auch gut zu Klosters, das schon in der Vergangenheit grosse Namen angezogen hat. 

Sie haben in diesem Jahr eine Bronzeskulptur auf einem Granitblock zur Unterstützung des Festivals geschaffen – ein Steinböckli. Was hat die Figur, die man für 1000 Franken erwerben konnte, mit dem Festival zu tun? 

Wir haben uns überlegt, etwas künstlerisch zu schaffen, was man den Unterstützern und Gönnern des Festivals, die wir dringend brauchen, zurückgeben kann. Ich habe eine limitierte Auflage von 22 Exemplaren erstellt, die wir 2022 fast alle schon verkaufen konnten. Wir wollen das Projekt mit einer leicht veränderten Skulptur fortführen, von der ich dann im nächsten Jahr 23 Exemplare herstellen werde. Über die Jahre möchten wir so eine echte Steinbockherde mit dem Wappentier Graubündens wachsen lassen. Damit gibt es auch einen Sammlereffekt. 

Im nächsten Jahr wird die 5. Ausgabe von Klosters Music gefeiert. Was wünschen Sie dem Festival für die Zukunft?  

Nach der erfolgreichen Anfangsphase kommen wir jetzt in einen Prozess, in dem wir eine langfristige, nachhaltige Strategie und auch ein entsprechendes Profil für das Festival erarbeiten. Ich wünsche mir, dass dieser Transfer gelingt. Wir haben bewiesen, dass das Festival funktioniert. In diesem Jahr hat die Hotellerie schon viel stärker mitgezogen. Ich hoffe, dass auch das Unternehmertum mehr und mehr verstehen wird, dass das Festival ein fester Bestandteil des kulturellen Lebens von Klosters geworden ist und grosse Attraktivität entfaltet.  


Möchten Sie mehr über Christian Bolt erfahren? Am Tag vor dem Konzert hat uns der bekannte Bildhauer und Maler ein Video-Interview gegeben. Hier gehts zum Video.

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Ensemble Philharmonix bei Klosters Music 2022, © Marcel Giger

Begeisternde Konzerte sorgen bei Klosters Music für stehende Ovationen

«Ein bengalisches Feuerwerk ist im Kanton Graubünden zwar verboten, ich kann Ihnen aber heute ein musikalisches Feuerwerk versprechen», sagte Heinz Brand, Präsident der Stiftung Kunst & Musik, Klosters, bei seiner Begrüssung am gestrigen Nationalfeiertag. Und schon zündete Philharmonix im gut besetzten Konzertsaal der Arena Klosters mit der orientalischen Ouvertüre frei nach Mozart die erste Rakete. «Odessa Bulgar» ist ein mitreissender Klezmer. Selbst die Rocknummer «Don’t Stop Me Now» der Kultband Queen wird von Philharmonix veredelt. Stehende Ovationen wie beim Eröffnungskonzert, auch wenn es hier klassischer zuging. Feuer und Leidenschaft war dennoch im Übermass zu spüren, weil der spanische Dirigent Pablo Heras-Casado und das gross aufspielende Münchener Kammerorchester Rossinis Ouvertüre zu «Wilhelm Tell» und Mendelssohn Bartholdys «Italienische Sinfonie» zum Glühen brachten. In Schumanns Klavierkonzert zeigte sich Francesco Piemontesi als echter Poet am Klavier. Ebenfalls beeindruckend geriet das Debüt des Freiburger Barockorchesters: ausdrucksvoll, virtuos, energiegeladen. Überragend auch der Solist Francesco Corti, der Johann Sebastian Bachs bekanntes d-Moll-Konzert zum Ereignis machte.


Mehr Informationen zum Konzert sowie zum Ticketverkauf finden Sie hier.


Mozarteumorchester Salzburg, © Nancy Horowitz
Mozarteumorchester Salzburg, © Nancy Horowitz

Samstag, 6. August 2022, 19.00 Uhr, Konzertsaal, Arena Klosters: Sommernachtstraum 

Mit 27 Jahren ist Patrick Hahn der jüngste Generalmusikdirektor im deutschsprachigen Raum. Er dirigiert aber nicht nur sein Wuppertaler Sinfonieorchester, sondern stand schon am Pult von internationalen Spitzenorchestern wie dem Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam oder dem Philharmonia Orchestra London. Mit dem Mozarteumorchester Salzburg präsentiert er an diesem Abend Meilensteine des sinfonischen Repertoires wie Felix Mendelssohn Bartholdys Ouvertüre zu «Ein Sommernachtstraum» und Joseph Haydns letzte Sinfonie Nr. 104 in D-Dur «Londoner». Für die Interpretation von Johannes Brahms‘ Violinkonzert konnte mit Arabella Steinbacher eine international renommierte Geigerin gewonnen werden.


Mehr Informationen zum Konzert sowie zum Ticketverkauf finden Sie hier.

Sir András Schiff, © Nadja Sjöström
Sir András Schiff, © Nadja Sjöström.jpg

Sonntag, 7. August 2022, 17.00 Uhr, Konzertsaal, Arena Klosters: Ein Wiedersehen

Bereits bei den ersten drei Festivalausgaben von Klosters Music beglückte Sir András Schiff mit seiner Interpretationskunst. Dieses Jahr bildet er mit seinem Klavierabend den Abschluss. Was genau er spielt, möchte er bei dem von ihm moderierten Konzert im Vorfeld nicht verraten, um die Spannung hochzuhalten und der Routine vorzubeugen. Fest steht aber, dass es sich um Werke der Wiener Klassik handeln wird, zu der er immer schon einen starken persönlichen Bezug hatte. Dabei geht es Schiff stets um Texttreue, «aber auch das Wissen darum, wie man einen Text liest. Es gibt so viele Feinheiten, die gar nicht aufgeschrieben werden können. Es geht um die Kunst des Timings. Und ja: Die Freude an der Musik!»


Mehr Informationen zum Konzert sowie zum Ticketverkauf finden Sie hier.

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Kurz vor der Eröffnung steigt die Spannung

Viele Monate wurde darauf hingearbeitet – nun steht das gesamte Team von Klosters Music in den Startlöchern, um die vierte Ausgabe des Festivals für alle Besucherinnen und Besucher zu einem echten Musikfest werden zu lassen. Bereits das Eröffnungswochenende stellt die herausragende Qualität der eingeladenen Künstlerinnen und Künstler unter Beweis. Auch Heinz Brand, Präsident der Stiftung Kunst & Musik, Klosters freut sich darauf, dass es endlich losgeht. «Ich bin auch sehr glücklich darüber, dass wir nicht wie in den letzten beiden Jahren coronabedingte Vorgaben beachten müssen wie die Einhaltung von Abständen oder das Tragen von Masken. Der Musikgenuss wird ungetrübt sein.» Klosters Music ist für Brand nicht nur ein grossartiges Angebot für die Einheimischen, sondern auch ein Fixpunkt für die Tourismusdestination Klosters. Dass sich das Festival in diesem Jahr auch thematisch mit dem 800-jährigen Jubiläum des Ortes auseinandersetzt, zeige die lokale Verwurzelung dieser internationalen Musiktage.

Samstag, 30. Juli 2022, 19.00 Uhr, Konzertsaal, Arena Klosters: Freiheit und Sehnsucht

Das Eröffnungskonzert von Klosters Music setzt ein echtes Ausrufezeichen, und das nicht nur wegen des überaus attraktiven Programms mit der bekannten Wilhelm-Tell-Ouvertüre von Gioachino Rossini, Robert Schumanns romantischem Klavierkonzert in a-Moll (Solist: der Tessiner Francesco Piemontesi) und Felix Mendelssohn Bartholdys energiegeladener Italienischen Sinfonie. Dirigent Pablo Heras-Casado hat auch mit dem Münchener Kammerorchester das grosse Ganze im Blick und sucht nach neuen, spannenden Lesarten. Eine Festivaleröffnung, die viel Energie freisetzen wird und Aufbruchsstimmung verbreitet!


Mehr Informationen zum Konzert sowie zum Ticketverkauf finden Sie hier.


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Kirill Gerstein & Oliver Schnyder

Grosse Klavierkunst bei Klosters Music

Neben Sir András Schiff und Franceso Piemontesi sind auch Oliver Schnyder und Kirill Gerstein beim Festival zu erleben.

Francesco Piemontesi eröffnet Klosters Music mit Robert Schumanns Klavierkonzert, Sir András Schiff beschliesst das Festival mit einem Soloabend, der sich Joseph Haydn und Wolfgang Amadeus Mozart widmet. Beide wurden im Newsletter von Klosters Music schon porträtiert. Es gibt aber noch zwei weitere erstklassige Pianisten beim Festival.

Musikalisch-philosophische Aussensicht

Oliver Schnyder gestaltet gemeinsam mit dem befreundeten Schriftsteller Alain Claude Sulzer einen musikalisch-literarischen Abend am 2. August im Atelier Bolt, der mit Musikalischer Fremdenverkehr überschrieben ist und die Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy und Franz Liszt in den Mittelpunkt stellt. «Mendelssohn und Liszt waren zu ihren Lebzeiten die berühmtesten Musiker Europas, wirkliche Popstars», sagt Schnyder. «Mit der leichten formalen Fasslichkeit, dem poetisch sprechenden, bisweilen brillant-virtuosen Charakter eroberten Mendelssohns ‚Lieder ohne Worte‘ schnell die Herzen ambitionierter Hobbypianistinnen und -pianisten.» Auch die ausgewählten Werke von Franz Liszt aus den Années de pèlerinage, Première année (Suisse) haben für Schnyder grossen Reiz. «Mit den klingenden Naturbildern hat Liszt der Schweiz eine musikalisch-philosophische Aussensicht mit einer solchen Tiefe geschenkt, dass der Blick auf unsere Natur nach dem Hören nie mehr derselbe sein kann.»

Von der Schweiz in die USA

Die Schweiz ist für den 1973 in Brugg geborenen Pianisten Heimat und Lebensmittelpunkt. Nach seinem Studium bei Emmy Henz-Diémand und Homero Francesch in Zürich setzte er seine Ausbildung bei Ruth Laredo in New York und dem berühmten Leon Fleisher in Baltimore fort. Der Gewinn des Grossen Preises beim Pembaur-Wettbewerb in Bern (1999) und seine Debüts im Kennedy Center in Washington D.C. (2000) und beim Tonhalle Orchester Zürich (2002) haben die internationale Karriere Schnyders befördert. Mit Andreas Janke (Violine) und Benjamin Nyffenegger (Cello) bildet der vielseitige Pianist das erfolgreiche Oliver Schnyder Trio. Auch als Veranstalter hat sich Schnyder mit der Klavierreihe Piano District in Baden und der gemeinsam mit seiner Frau Fränzi Frick geleiteten Lenzburgiade Klassik&Folk einen Namen gemacht. Auf den musikalisch-literarischen Abend bei Klosters Music freut er sich sehr: «Auch die Sprache Alain Claude Sulzers ist wie Musik. Und die Werke, die ich spiele, sprechen gleichermassen, in einer Sprache, die jeder Mensch versteht. Der Reiz besteht in diesem vergnügten Ping-Pong.»

Kammermusiker und Solist

Kirill Gerstein ist beim Konzert am 3. August als Klavierpartner des Hagen Quartetts in Johannes BrahmsKlavierquintett in f-Moll op. 34 zu hören. Mit dem Hagen Quartett verbindet den 1979 in Woronesch in der ehemaligen Sowjetunion geborenen Pianisten eine lange Zusammenarbeit. Er bewundert das seit über vierzig Jahren bestehende Ensemble, in dem drei Geschwister zusammenspielen: «Der Wille, immer weiter zu suchen und sich nicht auf frühere musikalische Lösungen zu verlassen, gepaart mit der unglaublichen Einheit des Ensembles, die über Jahrzehnte des Zusammenspiels gepflegt wurde. Dass diese Einheit die Individualität dieser vier Musiker nicht vernichtet, ist ein weiteres Wunder», so Gerstein. Er ist gerne Kammermusiker und gerne Solist – für ihn gibt es keinen grundsätzlichen Unterschied: «Selbst Solowerke sind virtuelle Kammermusik.»

Einspringer für Daniil Trifonov

Ähnlich wie bei Oliver Schnyder wirkte sich sein frühes Debüt mit dem Tonhalle Orchester Zürich im September 2000 unter David Zinman, als er Johannes Brahms‘ erstes Klavierkonzert spielte, positiv auf seine Karriere aus. Auch Gerstein machte wie Schnyder einen Teil seiner Ausbildung in den USA – bereits im Alter von zwölf Jahren studierte er Jazz am Berklee College of Music, ehe er sich an der Mannhattan School of Music der Klassik zuwandte. Sein Debüt mit den Berliner Philharmonikern feierte er im Jahr 2016 mit dem 2. Klavierkonzert Rachmaninows. Mit dem gleichen Werk sprang er vor genau zwei Wochen beim traditionellen Saisonabschluss des Orchesters in der Waldbühne für Daniil Trifonov ein. «Es war ein magischer Abend: mit 23’000 aufmerksamen Zuhörerinnen und Zuhörern zusammen zu sein, vor allem nach den pandemischen Einschränkungen beim gemeinsamen Musikhören; dieses bekannte Stück mit den Mitgliedern der Berliner Philharmoniker und ihrem wundervollen Dirigenten Kirill Petrenko mit grosser Aufmerksamkeit zu proben und dann die Spannung der Aufführungsenergie…». Klosters Music freut sich auf hohe Klavierkunst.


Mehr Informationen zum Programm sowie zum Ticketverkauf finden Sie hier.

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City Light Symphony Orchestra mit Singin' in the Rain im KKL

Big-Band-Sound und sinfonische Grösse

Das City Light Symphony Orchestra sorgt beim Hollywoodklassiker «Singin‘ in the Rain» live für den passenden Soundtrack.

Sehnsüchte wecken und Träume erschaffen, aber auch Spannung erzeugen und Emotionen verstärken – das sind die Aufgaben des City Light Symphony Orchestra, das sich auf Live-Darbietungen von Filmmusik spezialisiert hat. 2018 unter dem Label City Light Concerts in Luzern gegründet, hat das mit rund 60 Musikerinnen und Musikern besetzte Projektorchester schon den Soundtrack zu den James-Bond-Filmen Casino Royale und Skyfall, aber auch zur Europapremiere von Apollo 13 zum Funkeln gebracht. Für den Hollywoodklassiker Singin‘ in the Rain mit Gene Kelly in der Hauptrolle wurde das Sinfonieorchester noch mit fünf Saxophonen und einer Rhythmusgruppe mit Gitarre, E-Bass und Schlagzeug aufgestockt. Gespielt wird in Klosters die Originalfassung der Musik von Nacio Herb Brown aus dem Jahr 1952, als der Film gedreht wurde. «Spektakulär an dieser Filmfassung ist die Kombination von jazzigem Big-Band-Sound einerseits und sinfonischer Grösse andererseits», sagt Geschäftsführer Pirmin Zängerle. Und freut sich darüber, dass das Orchester nach dem grossen Erfolg von Cinema Paradiso im letzten Jahr erneut mit einem Filmklassiker bei Klosters Music auftreten kann.

Von der Filmmusik ist Dirigent Anthony Gabriele absolut begeistert: «Die Melodien gehen ins Ohr, die Harmonien haben Klasse und die Tanzpassagen sind wirklich brillant und meisterhaft orchestriert. Insgesamt ist diese Filmmusik ein wunderbarer und auch sehr intelligenter Mix von verschiedenen populären Musikstilen.» Die Herausforderungen für das Orchester liegen dabei in den vielen unterschiedlichen Stilen, die hörbar gemacht werden müssen – Musical, Jazz, Swing und üppig orchestrierte, sinfonische Ballettmusik. Das Wichtigste für ihn als Dirigenten ist die absolute Synchronität zwischen Musik und Film, was besonders bei Gesang- und Tanzszenen entscheidend ist. «Deshalb muss ich die Tempi und den Rhythmus des Films ganz verinnerlicht haben», sagt Gabriele. Der Song Singin‘ the Rain stammt ursprünglich aus dem Film The Hollywood Revue of 1929. Viele bekannte Künstler wie Dean Martin haben den Hit schon vorher gesungen. «Der Musicalfilm von 1952 sorgte dann durch Gene Kellys inspirierte Interpretation, in der er im Regen durch Pfützen tanzte, für eine neue und noch umfassendere Popularität», sagt Anthony Gabriele.

Bevor die Arena Klosters an diesem Abend zum Kinosaal wird, ist allerdings ein erheblicher logistischer Aufwand notwendig. Die Bühne muss komplett zurückgebaut werden, um die grosse Leinwand aufzuhängen. Der anschließende Bühnenaufbau ist komplex, weil auch das gesamte Bühnenlicht wegen des speziellen Settings angepasst werden muss. Im Saal werden die Scheiben der Türen zusätzlich abgedunkelt. «Das Team von der Arena Klosters um Markus Hartmann leistet hier wie beim gesamten Festival eine riesengrosse Arbeit», sagt Geschäftsführerin Franziska von Arb. Und freut sich auf das spezielle Kinoevent, das auch Zuschauerinnen und Zuschauer anlockt, die sonst nicht zu den Stammgästen des Festivals gehört. Nur eine Sorge hat sie noch vor der Filmpremiere: «Hoffentlich bekommen wir mit unserem Team alle Popcorn-Beutel inklusive der Verlosungsbons für die Konzertpause rechtzeitig verpackt.»


HOLLYWOOD – SINGIN IN THE RAIN mit dem City Light Symphony Orchestra unter Anthony Gabriele 5. August 2022 um 19 Uhr im Konzertsaal der Arena Klosters (Einführung in das Leben und die Arbeit von Gene Kelly durch dessen Ehefrau Patricia Ward Kelly um 18 Uhr). 

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Mozarteumorchester Salzburg, © Nancy Horowitz
Mozarteumorchester Salzburg, © Nancy Horowitz

Frühe Meisterschaft 

Mit dem Sommeranfang steigt auch die Vorfreude auf Klosters Music. Arabella Steinbacher, Patrick Hahn und das Mozarteumorchester Salzburg debütieren am 6. August beim Festival.

«Welche Kraft und welch klassisch-derber Humor neben dem duftigen Elfenzauber!», schwärmt der Komponist Carl Reinecke über den Beginn von Felix Mendelssohn Bartholdys Ouvertüre zu Ein Sommernachtstraum op. 21. «Und wie schliessen die vier Dreiklänge am Anfang und am Ende das Ganze so einheitlich zusammen, dass es einem Kettenringe gleicht, in dem nicht ein einziges Glied fehlen dürfte.» Das häufig gespielte Werk ist ein echter Geniestreich des 17-jährigen Komponisten aus dem Sommer 1826. Viele Jahre später erhielt Mendelssohn Bartholdy den Auftrag für eine gesamte Schauspielmusik zu William Shakespeares sinnlicher Komödie Ein Sommernachtstraum, dem er mit grosser Begeisterung nachging. Der darin enthaltene Hochzeitsmarsch gehört zu den bekanntesten Werken der Klassik überhaupt. Die Ouvertüre aber, mit der das mit Sommernachtstraum überschriebene Konzert am 6. August 2022 bei Klosters Music leichtfüssig beginnt, liess er in ihrer Vollkommenheit unangetastet. Absolute Meisterschaft kennzeichnet auch Joseph Haydns letzte Sinfonie in D-Dur aus dem Jahr 1795, die sogenannte Londoner. Thematische Strenge trifft auf Humor und klangliche Raffinesse, hoher Anspruch auf leichte Verständlichkeit.  

Grosse Karriere, breites Repertoire 

Johannes Brahms’ Violinkonzert dagegen ging nicht so leicht von der Hand – ein echtes Meisterwerk ist es trotzdem. Die ursprünglich viersätzige Konzeption veränderte Brahms in eine dreisätzige. Eng tauschte sich der Komponist mit dem befreundeten Geiger Joseph Joachim aus, der auch die Solokadenz für den ersten Satz schrieb. Trotz grosser technischer  Herausforderungen geht es in diesem Konzert weniger um die glanzvolle Herausstellung des Soloparts, sondern die Violine ist thematisch mit dem Orchester verknüpft. Es bedarf künstlerischer Reife, um dieses gewaltige Werk zu interpretieren. Mit Arabella Steinbacher stellt sich eine aussergewöhnliche Künstlerin in Klosters vor, die über ein enorm breites Repertoire verfügt. Bereits mit drei Jahren begann die Münchnerin mit dem Geigenspiel, im Alter von neun wurde sie in die Geigenklasse der berühmten Professorin Ana Chumachenco aufgenommen, die auch andere Ausnahmetalente wie Julia Fischer und Lisa Batiashvili grossmachte. Nachdem sie für ihre internationale Karriere, die sie mit Maestros wie Kirill Petrenko, Herbert Blomstedt und Zubin Mehta zusammenführte, lange Zeit die 1716 gebauten Stradivari Booth zur Verfügung hatte, präsentiert sie in Klosters ein anderes Instrument: die 1718 gebaute Ex Benno Walter von Antonio Stradivari, die einst der berühmte Geiger Joseph Szigeti spielte – die Leihgabe einer Schweizer Stiftung. 

Jüngster Generalmusikdirektor, der sogar komponieren kann 

Dass man auf der Violine in sehr jungen Jahren Aussergewöhnliches leisten kann, ist bekannt. Die Karriere von Dirigenten jedoch startet normalerweise viel später. Patrick Hahn (Jahrgang 1995) ist da in jeder Hinsicht eine Ausnahme. Mit zwölf komponierte er seine erste Oper, die er selbst dirigierte. Seinem mit elf Jahren begonnenen Klavierstudium in Graz folgte sogleich ein Dirigier- und Kompositionsstudium. Inzwischen hat der sympathische Österreicher, der auch mal Lieder von Georg Kreisler singt und als Jazzpianist Akzente setzt, schon renommierte Klangkörper wie das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und das Philharmonia Orchestra London geleitet. Seit Beginn der Spielzeit 2021/22 ist er Generalmusikdirektor in Wuppertal und damit jüngster GMD im deutschsprachigen Raum. Vor wenigen Wochen übernahm er für Riccardo Minasi den Freischütz mit dem Concertgebouw Orchestra Amsterdam. Auch bei Klosters Music springt Hahn für Minasi ein, um mit dem Mozarteumorchester Salzburg und Arabella Steinbacher für das Klosterser Publikum einen besonderen Sommernachtstraum entstehen zu lassen: mit Elfenzauber, Violinkunst und klanglicher Raffinesse. 


Mehr Informationen zum Programm sowie zum Ticketverkauf finden Sie hier.

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Stiftungsrat Klosters Music (v.l.n.r.).: Jürg L. Steinacher, Daniela Lütjens, Franziska J. Saager, Heinz Brand, Reiny Winkler, Christian Bolt

«Ein spannender Blick hinter die Kulissen»

Musik und Malerei sind die grossen Leidenschaften der in Wuppertal geborenen Deutsch-Schweizerischen Doppelbürgerin. Aufgewachsen in einem kulturinteressierten Elternhaus wählte Daniela Lütjens den künstlerischen Beruf der Gemälderestauratorin. Über viele Jahre arbeitete sie am berühmten Claren-Altar im Kölner Dom. Gemeinsam mit ihrem Mann engagiert sie sich auch schon lange im Bereich der klassischen Musik. Georg Rudiger hat mit ihr gesprochen.


Georg Rudiger: Sie sind seit der Gründung Präsidentin des Fördervereins Kunst & Musik, Klosters. Was macht Ihnen Spass an dieser Aufgabe?

Daniela Lütjens: Ich organisiere sehr gerne. Auch beim Zonta Club Zürich, der sich weltweit für die Rechte von Frauen einsetzt, bin ich aktiv und organisiere seit vielen Jahren Benefizveranstaltungen. Kulturell war ich schon immer interessiert – sowohl an Bildender Kunst als auch an Musik. So kann ich beim Förderverein Kunst & Musik, Klosters beides zusammenbringen.

Welchen Bezug haben Sie zum Ort Klosters?

Seit langem besitzen mein Mann und ich hier eine Zweitwohnung. Wir lieben diesen Ort und verbringen viel Zeit im Sommer wie im Winter, bewegen uns viel in der Natur.

Wie fördert der Verein denn das Festival?

Vor allem, in dem er sehr viel Geld sammelt, um dieses grossartige Festival mit zu finanzieren. Die jährliche Unterstützung durch unsere Mitglieder und Sponsoren reicht von 100 bis zu mehr als 50’000 Schweizer Franken. Wir haben inzwischen rund 130 Mitglieder und zudem 19 Förderer, die nicht Mitglied im Verein sind. Für diese veranstalten wir ab einer bestimmten Fördersumme Postconcert-Dinners mit den Künstlerinnen und Künstlern. Es gibt einen Gönnerempfang und auch mal den Besuch einer Probe – ein spannender Blick hinter die Kulissen! In diesem Jahr organisieren wir zum ersten Mal exklusiv für unsere Mitglieder und Förderer auch zwei Ausflüge während des Festivals, die allerdings extra bezahlt werden müssen.

Wohin geht es bei den Ausflügen?

Wir fahren nach Chur zum Bündner Kunstmuseum und erhalten dort eine Führung. Besonders die Werke der Künstlerfamilie Giacometti sind sehr interessant und auch gar nicht so bekannt. Im historischen Restaurant Stern gibt es einen Lunch, danach schauen wir uns noch gemeinsam die Altstadt an. Als zweites Event bieten wir einen Probenbesuch in der Arena mit dem Mozarteumorchester Salzburg unter der Leitung von Patrick Hahn an mit der grossartigen Geigerin Arabella Steinbacher und anschliessendem Mittagessen auf dem Kesslerhof. Während des Festivals sind wir übrigens bei jedem Konzert mit einem Stand präsent. Dort kommen wir ins Gespräch mit unseren Unterstützerinnen und Unterstützern, aber auch mit interessierten Konzertgästen. Bei uns kann man in diesem Jahr auch eine Steinbock-Figur des Klosterser Bildhauers und Malers Christian Bolt erwerben. Er ist im Stiftungsrat des Festivals aktiv. Aus diesen Einnahmen wird das Festival ebenfalls finanziell unterstützt.

Auf was freuen Sie sich besonders beim kommenden Festival?

Das ist bei diesem fabelhaften und vielseitigen Programm schwer zu entscheiden. Vielleicht auf das Konzert mit Sir András Schiff. Wir kennen ihn schon viele Jahre persönlich und unterstützen auch sein eigenes Festival in Vicenza.

Was er genau spielen wird, weiss man gar nicht im Voraus.

Das stimmt, aber die Komponisten Joseph Haydn und Wolfgang Amadeus Mozart hat er schon verraten. Er hat einmal so nett gesagt, dass wir aus dem Publikum auch nicht wüssten, was wir an einem bestimmten Tag in zwei Jahren zu Mittag essen möchten – genauso so gehe es ihm mit dem Klavierspielen. Die Verträge mit dem Veranstalter werden ja sehr lange im Voraus gemacht. Sir András Schiff möchte eine gewisse Spontaneität im Konzertbetrieb behalten. Er erklärt dann jeweils, welches Werk er spielt und warum er es ausgewählt hat.

Was ist für Sie das Besondere bei Klosters Music – gerade im Vergleich zu anderen Musikfestivals?

Die schöne Bergwelt, in der es stattfindet. Und der familiäre Rahmen. Man kann grosse Künstler auch im Dorf oder im Hotel treffen und ein wenig mit ihnen plaudern. Das würde einem in New York oder London nie passieren.


Möchten auch Sie Teil des Fördervereins werden? Dann finden Sie hier Informationen zur Mitgliedschaft des Fördervereins und zur diesjährigen Ausgabe der Steinbock-Figur. Das Programm der Ausflüge mit Anmeldeformular wird Ende Juni direkt an die Mitglieder des Fördervereins verschickt.

Nuria Rial und Maurice Steger NL
Maurice Steger & Nuria Rial

Sonnengesang und Flötenkunst 

Maurice Steger und Nuria Rial begeben sich beim Konzert am 4. August auf eine musikalische Zeitreise.

Maurice Steger liebt musikalische Ausgrabungen. Immer wieder entdeckt der in Landquart aufgewachsene Flötist und Dirigent unbekanntes, spärlich notiertes Repertoire, das er mit seiner musikalischen Fantasie und seiner ungeheuren Virtuosität auf der Blockflöte zum Blühen bringt. Das Konzert am 4. August steht ganz im Zeichen des 800-jährigen Jubiläums der Gemeinde. Es findet in der historischen Kirche St. Jakob statt, deren Kirchturm noch aus der Gründungszeit des Ortes stammt. Für Maurice Steger ist die Kirche deshalb genau der richtige Ort, um dieses Jubiläum auch musikalisch mit Leben zu füllen. «Wir beginnen mit dem noch im 14. Jahrhundert notierten dreistimmigen Lied O virgo splendens, das im Kloster Montserrat aufbewahrt wurde. Die erste Stimme singt Nuria Rial, die zweite werde ich auf einer spätmittelalterlichen Blockflöte spielen und die dritte wird wahrscheinlich auf einer Harfe erklingen. 800 Jahre sind das nicht ganz. Aber unsere Zeitreise reicht immerhin vom späten 14. Jahrhundert bis zur Händelzeit des frühen 18. Jahrhunderts – wobei das Lied aus dem Kloster Montserrat auch deutlich älter sein könnte.»

Auf den Flügeln des Gesangs 

Die katalanische Sängerin Nuria Rial nimmt mit ihrem schlackenlosen, kristallinen Sopran das Publikum mit auf diese Zeitreise. Die preisgekrönte Sängerin, die einst beim grossen Schweizer Sänger Kurt Widmer an der Musik-Akademie der Stadt Basel ihr Solistendiplom ablegte und seit über zwanzig Jahren mit Dirigenten wie John Eliot Gardiner, Thomas Hengelbrock und Trevor Pinnock in der Interpretation von Renaissance- und Barockmusik glänzt, ist die Idealbesetzung für das ausgewählte Repertoire. Mit dem tänzerischen Damigella tutta bella aus Claudio Monteverdis 1607 in Venedig erschienener Madrigalsammlung Scherzi Musicali führt sie in die Aufbruchsstimmung des Frühbarocks. Ein Jahrhundert später entstand in Neapel die Serenata Il giardino d’amore von Alessandro Scarlatti, deren Arie Più non m’alletta e piace Sopran und Blockflöte im innigen Duett zusammenführt. Georg Friedrich Händels Tra le fiamme für Sopran und Ensemble (1707) ist eine musikalisch aufregende Kantate über tausend Schmetterlinge, die den Flammen zu nahekommen. In der lebhaften ersten Arie Tra le fiamme tu scherzi per gioco wird die Viola da gamba zur gleichberechtigen Partnerin der Sängerin. Die beiden Folgearien beschreiben musikalisch den spektakulären Flug des Ikarus, der, von hohen Instrumenten begleitet,  immer weiter zur Sonne hinaufsteigt, die sein aus Wachs und Federn gefertigtes Fluggerät schliesslich schmelzen und ihn ins Meer stürzen lässt. 

Der Kuckuck und die Nachtigall 

Georg Friedrich Händel liebte die Orgel und war selbst ein echter Virtuose auf dem Instrument. Von seinen insgesamt 16 Orgelkonzerten ist das am 4. August programmierte Der Kuckuck und die Nachtigall aus dem Jahr 1738 das bekannteste. Händels Orgelkonzerte wurden häufig in den Aktpausen seiner Oratorien als zusätzliche Attraktion aufgeführt. Manchmal hörte man dabei sogar die Vögel zwitschern wie bei diesem äusserst reizvollen Zwiegesang von Kuckuck und Nachtigall. Solist ist der in Basel lebende Alte-Musik-Experte Sebastian Wienand, der vor allem durch seine kreative Zusammenarbeit mit dem Freiburger Barockorchester und dem Dirigenten René Jacobs bekannt geworden ist. Das Konzert wird er auf der historischen, über 330 Jahre alten Köberle-Orgel interpretieren, deren Stimmton rund 455 Hertz beträgt. Da die Barockstimmung für das Orchester aber mit 415 Hertz deutlich tiefer ist, werden die Musikerinnen und Musiker des La Cetra Barockorchesters Basel bei diesem Konzert zwei unterschiedlich gestimmte Instrumente dabeihaben. Kein Aufwand wird also gescheut, um diese Zeitreise bei Klosters Music zu einer echten musikalischen Entdeckungstour zu machen.


Sichern Sie sich jetzt Ihre Karten für das Konzert am 4. August 2022. Mehr Informationen zum Programm finden Sie hier.

Sir András Schiff, © Lukas Beck
Sir András Schiff, © Lukas Beck

«Bösendorfer ist Wiener Dialekt»

Sir András Schiff interpretiert beim Abschlusskonzert von Klosters Music Werke der Wiener Klassik. Was genau er spielen wird, möchte der Ausnahmepianist aber nicht verraten. 

Sein Porträt findet man nicht auf dem Cover von Hochglanzmagazinen, sein beseeltes Klavierspiel kennt keine Eitelkeit. Inniges Musizieren statt extrovertierter Show! Sir András Schiff gehört zu den Antistars der internationalen Klavierszene. In seinen Klavierabenden wird das Publikum zur andächtigen Gemeinde, die den feinen Farbdifferenzierungen und Anschlagsnuancen lauscht, mit denen er seine Werkdeutungen zu etwas ganz Besonderem macht. Bei Klosters Music spielt er Werke von Joseph Haydn und erstmals beim Festival auch von Wolfgang Amadeus Mozart. Der in Budapest geborene Pianist hat einen sehr breiten Horizont. Schiff leitete nicht nur mehrere Kammermusikfestivals und arbeitet häufig als Dirigent – mit der Cappella Andrea Barca hat er auch ein eigenes Kammerorchester gegründet. Ausserdem ist er ein geschätzter Klavierpädagoge. Diese grosse musikalische Erfahrung prägt sein Klavierspiel.

Von Beginn an dabei

Bei Klosters Music war er von Beginn an dabei und beschenkte das Publikum jedes Jahr mit exemplarischen Interpretationen der Musik von Bach, Haydn, Beethoven, Schubert und Brahms. Während der letzten beiden von der Coronapandemie geprägten Jahre hörte man von einigen Musikerinnen und Musikern, sie seien auch ganz froh gewesen über diese längere Zwangspause. Sir András Schiff dagegen hat den Lockdown nicht genossen, «obwohl es auch gut war, einmal zu Hause zu sein und etwas Ruhe zu finden. Dennoch: Ich hatte sozusagen meinen Lebensrhythmus verloren. Die tägliche Notwendigkeit zu arbeiten und zu üben war weg. Es schien, als gäbe es keine Energie mehr, keine Ziele und somit keine Motivation.» Aber er versuchte, das Beste aus der Situation zu machen. «Ich habe beispielsweise angefangen zu kochen und mir ein kleines aber ausserordentlich schmackhaftes Repertoire von ungarischen Spezialitäten erarbeitet», verrät der Pianist.

Im eigenen Bett schlafen

Obwohl Sir András Schiff, was das Repertoire angeht, immer wieder auf Vertrautes wie die Wiener Klassik, Komponisten der Romantik wie Schubert und Schumann, aber auch die Musik seines Landsmannes Béla Bartók zurückgreift, ist sein musikalischer Werdegang auch von Neugierde und Wissensdurst geprägt – gerade, was das Instrumentarium angeht. Werke von Franz Schubert nahm er auf einem Hammerflügel auf. Ludwig van Beethovens Diabelli-Variationen hat er sowohl auf einem Bechsteinflügel von 1921 als auch einem Brodmann Hammerflügel von 1820 eingespielt. Für seinen Klavierabend am 7. August 2022 um 17 Uhr im Konzertsaal der Arena Klosters, der das diesjährige Festival beschliesst, wird er seinen eigenen Bösendorfer-Flügel mitbringen, um Werke der Wiener Klassik zu interpretieren: «Auf dem eigenen Flügel zu spielen ist so, wie wenn man in einem Hotel im eigenen Bett schlafen könnte. Bösendorfer ist wie Wiener Dialekt, Steinway ist Hochdeutsch», sagt Schiff.

Neue Wege finden

Mit Ein Wiedersehen ist dieser Klavierabend überschrieben. Dass das detaillierte Programm im Vorfeld nicht im Detail publiziert wird, hat der Pianist ganz bewusst entschieden. «Wir müssen neue Wege finden, mit dem Publikum zu kommunizieren. Ich finde, dass die gewöhnlichen Rituale eines Konzerts zu steif, zu voraussehbar sind. Es fehlen die Überraschungen», sagt Schiff. Trotzdem kann man natürlich sicher sein, dass der Abend zu einem der Höhepunkte des Festivals werden wird. Nur welche konkreten Werke der Interpret ausleuchtet, bleibt im Verborgenen. Schiff geht es dabei immer um Texttreue, «aber auch das Wissen darum, wie man einen Text liest. Es gibt so viele Feinheiten, die gar nicht aufgeschrieben werden können. Es geht um die Kunst des Timings. Und ja: Die Freude an der Musik!»


Sir András Schiff können Sie am 7. August 2022 bei Klosters Music erleben. Tickets können hier erworben werden.

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Aufbruchsstimmung beim Eröffnungskonzert

 

«Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn,
Im dunkeln Laub die Goldorangen glühn,
Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht,
Die Myrte still und hoch der Lorbeer steht.»


Das Eröffnungswochenende von Klosters Music verspricht grossartige Musikerlebnisse

Die Sehnsucht nach Italien, die Johann Wolfgang von Goethe in seinem Gedicht Mignon formuliert, teilte auch Felix Mendelssohn Bartholdy. Insgesamt fünfmal traf der Komponist in Weimar auf den Dichter; die ersten Male noch als Wunderkind, beim letzten Aufenthalt im Mai 1830 als 21-jähriger Mann. Über München und Wien ging es für den von Goethe bewunderten Komponisten im Herbst des gleichen Jahres nach Venedig und Florenz. In Rom blieb Mendelssohn Bartholdy gleich für fünf Monate. Goethes nach Tagebuchaufzeichnungen entstandene Italienische Reise hatte er im Gepäck dabei und wandelte auf seinen Spuren. Im Frühjahr 1831 besuchte er Neapel und die spektakuläre Amalfiküste mit seinem bezaubernden, am Fuss von schroffen Felsen liegenden Städtchen Amalfi. Dort malte der auch zeichnerisch begabte Komponist nicht nur die pittoreske Stadtansicht, sondern liess sich auch durch Tänze der Mädchen auf dem Dorfplatz zum Finale seiner Italienischen Sinfonie inspirieren, das er mit Saltarello, einem italienischen Springtanz, bezeichnet. Aber auch Licht und Wärme spiegeln sich in dieser vibrierenden Sinfonie in A-Dur, die auf dem Programm des Eröffnungskonzertes von Klosters Music steht. 

Aufbruchsstimmung beim Eröffnungskonzert 

Dirigiert wird das bekannte Werk von Pablo Heras-Casado, einem ausgewiesenen Mendelssohn-Experten. Gemeinsam mit dem Freiburger Barockorchester, das sich einen Tag später in Klosters vorstellt, hat er die Sinfonien, das e-Moll-Violinkonzert (mit Isabelle Faust) und das 2. Klavierkonzert (mit Kristian Bezuidenhout) von Mendelssohn Bartholdy auf CD eingespielt. Der Spanier war schon 2020 mit einem reinen Beethovenprogramm zu Gast bei Klosters Music – sein begeisternder Auftritt mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen ist noch in bester Erinnerung. Inzwischen hat seine internationale Karriere noch weiter an Fahrt aufgenommen. Der von ihm dirigierte Ring des Nibelungen am Teatro Real in Madrid, sein Debüt an der Mailänder Scala mit Don Giovanni im Frühjahr und die kommende Produktion von Monteverdis L’Orfeo im Juni an der Wiener Staatsoper sprechen für sich. Aber auch das erstmals in Klosters gastierende Münchener Kammerorchester und der Schweizer Pianist Francesco Piemontesi, der ebenfalls noch nicht beim Festival gastierte, machen das Eröffnungskonzert am Samstag zu etwas ganz Besonderem und verbreiten Aufbruchsstimmung. 

Übermütige Ausgelassenheit und musikalischer Wettkampf 

Aber auch das zweite Konzert dieses spektakulären Eröffnungswochenendes leuchtet in hellsten Farben. Das Freiburger Barockorchester hat für Klosters Music ein Programm zusammengestellt, das wie ein barockes Fest die Sinne betört und wie im Fagottkonzert von Antonio Vivaldi Virtuosität zelebriert. Normalerweise hält sich der Sexappeal dieses Blasinstruments gerade in barocker Literatur in Grenzen, aber hier macht der bekannte italienische Komponist aus dem eher schwerfälligen Mitglied der Continuogruppe eine leichtfüssige Ballerina. Auch Johann Sebastian Bachs bekanntestes Cembalokonzert in d-Moll zeigt das Soloinstrument in seiner ganzen Bandbreite, zumal mit dem Basler Cembaloprofessor Francesco Corti einer der grössten Virtuosen auf diesem Instrument den Solopart gestalten wird. Noch wilder geht es zu im Concerto Grosso in d-Moll La Follia von Francesco Geminiani.  Der Begriff kommt ursprünglich aus dem Portugiesischen und steht für einen schnellen Tanz, der wegen seiner Sinnlichkeit immer wieder verboten war. Übermütige Ausgelassenheit oder auch Verrücktheit lautet die Übersetzung. In diesem Variationswerk über den Tanzhit des 16. Jahrhunderts liefern sich zwei Soloviolinen und ein Solocello einen mitreissenden musikalischen Wettkampf, der langsam beginnt, sich dann aber bis zur Ekstase steigert. Dass Könige Feste feiern können, ist bekannt. Ein Konzert auf dem Wasser, schaukelnd auf einem Boot, mit Streichern und Bläsern, mit neuester Musik und tollen instrumentalen Effekten – das wünschte sich der englische König Georg I. vom deutschen Komponisten Georg Friedrich Händel. Vom Palast in Whitehall ging es, begleitet von Händels Wassermusik, nach Chelsea zu einem Souper, nachts um 3 Uhr kehrte der Hofstaat samt Orchester mit den Booten wieder zurück. Bei der Wassermusik treffen lyrische Oboen auf schmetternde Hörner und strahlende Trompeten. Dieses rauschende Barockfest sollte man sich nicht entgehen lassen. 


Sichern Sie sich jetzt Ihre Karten für das Eröffnungswochenende von Klosters Music. Mehr Informationen zum Programm finden Sie hier.

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Freiburger Barockorchester, © Foppe Schut

Lust auf Neues 

Das Freiburger Barockorchester kommt erstmals zu Klosters Music 

Die Paukenschläge machen Angst. Diesen Winter möchte man nicht erleben. Aber schon bald stösst Liebliches durch die Eisfläche: ein kurzer Sonnenstrahl in den Traversflöten, eine leuchtende Melodie in der Oboe. So lässt das Freiburger Barockorchester in Joseph Haydns Oratorium Die Jahreszeiten den Frühling einkehren. Energie und Plastizität prägen nicht nur diese Aufnahme des Ensembles, die gemeinsam mit dem RIAS-Kammerchor unter der Leitung von René Jacobs entstanden ist. Sie kennzeichnen auch die zahlreichen Live-Auftritte des Orchesters. Bis zu 100 Konzerte geben die Freiburger im Jahr. Eine jährliche Konzertreihe in Freiburg, Stuttgart und Berlin bietet seinem treuen Publikum Repertoire-Highlights, aber auch viele Entdeckungen. Man gastiert in den USA, Südamerika, Australien, Japan, China und natürlich Europa, spielt bei den renommiertesten Festivals wie den Salzburger Festspielen oder dem internationalen Musikfestival in Aix-en-Provence. 

Es geht immer um alles 

Trotzdem wirkt das Ensemble auch nach 35 Jahren seit der Gründung unverbraucht – von Routine keine Spur. Ein tänzerisches Moment liegt stets im Spiel des Orchesters. Die Musikerinnen und Musiker bewegen sich, spielen mit dem ganzen Körper. Mit einem Dirigenten arbeiten sie nur bei grossformatigen Projekten zusammen. Ansonsten leitet der Konzertmeister das Orchester. Dabei sind die 31 Orchestermitglieder nicht fest angestellt, sondern werden nach Tagessätzen bezahlt und tragen als Gesellschafter auch die finanzielle Verantwortung für das Ensemble. Deshalb geht es immer um alles – und das merkt man im engagierten Spiel jedes einzelnen. Die Qualität muss immer aufs Neue bewiesen werden. 

Auch Romantik im Repertoire 

Längst hat das Freiburger Barockorchester sein Repertoire in die Klassik und Romantik erweitert wie ganz aktuell mit der romantischen Oper Der Freischütz von Carl Maria von Weber. Auch zeitgenössische Musik wurde vom Spitzenensemble schon interpretiert. Bei seinem Debüt im Rahmen von Klosters Music stellt sich das Orchester aber mit einem reinen Barockprogramm vor. «Barockes Repertoire spielen wir immer stehend und ohne einen Dirigenten. Das lebt einfach vom Austausch der Musikerinnen und Musiker, von der lebendigen Klangrede!», sagt Gottfried von der Goltz, der gemeinsam mit dem auf historische Tasteninstrumente spezialisierten Pianisten Kristian Bezuidenhout die künstlerische Leitung innehat. 

Experimentelle Gründungsphase 

Der 57-jährige Geiger, Professor für Barockvioline an der Freiburger Musikhochschule, gehört im Jahr 1987 zu den Gründungsmitgliedern des Ensembles. Es war die Geigenklasse von Rainer Kussmaul mit begabten, interessierten Studenten wie Thomas Hengelbrock und Petra Müllejans, in der auch mal mit Barockinstrumenten experimentiert wurde. Die Idee, ein Orchester zu gründen, kam dann von den Studenten selbst. Gottfried von der Goltz hatte damals schon mit 21 Jahren eine feste Stelle im NDR-Sinfonieorchester, die er für das Abenteuer Freiburger Barockorchester aufgab. «Wir hatten einfach alle Lust darauf, etwas Neues auszuprobieren. Das lag auch in der Luft – auch das Concerto Köln und andere freie Ensembles wurden ja damals gegründet.»

Verantwortung für das musikalische Ganze 

Und was hat sich verändert seit damals? Sicherlich habe man sich im Management professionalisiert und sich international einen guten Ruf erarbeitet. «Ausserdem sind wir viel erfahrener geworden in der Repertoirekenntnis. Am Anfang ging es noch um die Barockmusik als Ganzes. Inzwischen kennen wir auch die Stilvielfalt dieser Epoche. Die Musik von Francesco Geminiani beispielsweise, von dem wir in Klosters das Concerto Grosso La Follia präsentieren, spielen wir mit viel Vibrato. Bachs Phrasierungen dagegen gestalten wir viel schlanker», sagt von der Goltz, der das Konzert in Klosters vom Konzertmeisterpult aus leiten wird. Geblieben von den Anfangsjahren sei die Neugier und auch die Streitbarkeit in den Proben. Jede und jeder übernehme Verantwortung für das musikalische Ganze. Heute zählt das Freiburger Barockorchester (FBO) weltweit zu den führenden Ensembles der historischen Aufführungspraxis. 

«Musikalische Präzision und überwältigende Spielfreude»

Regelmässig arbeitet das Orchester mit Dirigenten wie Sir Simon Rattle, Pablo Heras-Casado und René Jacobs sowie bekannten Solistinnen und Solisten (Isabelle Faust, Philippe Jaroussky, Christian Gerhaher) zusammen und sitzt auch gelegentlich für grosse Opernproduktionen im Orchestergraben. Nun hat das renommierte Label Deutsche Grammophon eine langfristige Zusammenarbeit mit dem FBO angekündigt. «Ich kenne kein Orchester der historisch informierten Aufführungspraxis, welches dem Freiburger Barockorchester seit seiner Gründung im Jahr 1987 in seiner konstant hohen Qualität an innovativer Programmatik, musikalischer Präzision und überwältigender Spielfreude auch nur annähernd gleichkommt», schwärmt Andreas Kluge, Senior Manager Artist Promotion bei Universal Music. Man darf sich also freuen auf einen spannenden, intensiven Konzertabend bei Klosters Music.   


Das Freiburger Barockorchester können Sie am 31. Juli live bei Klosters Music erleben. Tickets können hier erworben werden.  

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David Whelton, © Marcel Giger

«Das wird einmalig!» 

Zum vierten Mal hat David Whelton das Programm für Klosters Music konzipiert. Der künstlerische Leiter schaut voller Vorfreude auf die kommende Ausgabe, die unter dem Motto «Zeitreise. A Musical Journey» steht und das 800-jährige Jubiläum von Klosters musikalisch reflektiert. Georg Rudiger hat vorab mit ihm gesprochen. 


Georg Rudiger: Die letzten beiden Festivalausgaben waren von der Coronapandemie geprägt. Mit welchen Gedanken und Gefühlen schauen Sie zurück? Und welche Erwartungen haben Sie an das kommende Festival? 

David Whelton: Ich habe mich sehr darüber gefreut, wie gelungen die letzten beiden Festivalausgaben 2020 und 2021 von Klosters Music waren. Dank der hervorragenden Führung und Arbeit des Stiftungsrats und unserer Geschäftsführerin Franziska von Arb konnten wir trotz der Coronapandemie beide Ausgaben unter schwierigsten Umständen erfolgreich durchführen. Klosters Music gehörte zu den wenigen Festivals, die mit ihrem kompletten Programm stattfanden. Wir konnten den Künstlerinnen und Künstlern nach langer Zeit wieder eine Bühne bieten. Sie haben uns im Gegenzug mit Konzertmomenten beschenkt, die wir nie vergessen werden. Ich bin sehr zuversichtlich, dass auch die kommende Ausgabe, die das 800-jährige Jubiläum der Gemeinde Klosters feiert, für die Ausführenden und für das Publikum einzigartige Erlebnisse bieten wird. 

Passend zum 800-jährigen Jubiläum habe Sie das musikalische Motto «Zeitreise» gewählt. Wie spiegelt sich denn das Motto im Programm? 

Das Motto «Zeitreise» gab uns die Möglichkeit, ein mannigfaltiges Programm zu gestalten, das sich vom 14. Jahrhundert bis in die Gegenwart erstreckt. Das hat auch die Fantasie der Künstlerinnen und Künstler richtiggehend beflügelt. Jedes der neun Konzerte spiegelt eine spezielle Epoche wider – und nimmt das Publikum mit auf eine musikalische Reise. 

Klosters Music ist noch ein junges Festival im reichen Festivalsommer der Schweiz. Was ist das Besondere an dem Festival? 

Klosters Music steht für erstklassige Qualität und eine herzliche, persönliche Atmosphäre. Letztere verdanken wir auch auch unseren ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, die unser Publikum bei den Konzerten in Empfang nehmen. Die Konzertorte verfügen über eine gute Akustik, in der die sorgfältig konzipierten Programme sehr gut zur Geltung kommen. 

In der Vergangenheit haben Sie öfters mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen zusammengearbeitet. In diesem Jahr feiern mit dem Münchener Kammerorchester, dem Mozarteumorchester Salzburg und dem Freiburger Barockorchester gleich drei Orchester ihr Debüt in Klosters. Warum dieser Wechsel?

Eines meiner wichtigsten Ziele bei der Programmplanung von Klosters Music in den Anfangsjahren war es, das Vertrauen des Publikums zu gewinnen, indem ich einzelne Solistinnen und Solisten und Ensembles für gleich mehrere Festivalausgaben eingeladen habe. Mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen hatten wir bei den ersten drei Festivals eines der besten Kammerorchester aus Deutschland zu Gast. Ihre Tourneeplanung bedingt jeweils zwei Konzerte. Das war dieses Jahr mit dem Motto «Zeitreise» nicht möglich, aber wir werden auch in der Zukunft wieder zusammenarbeiten. Diesen Sommer haben wir aber drei neue Orchester im Programm, die ich besonders schätze: das Münchener Kammerorchester, das Mozarteumorchester Salzburg und das Freiburger Barockorchester. 

Bei den Künstlerinnen und Künstlern gibt es bekannte Gesichter, aber auch grosse Persönlichkeiten, die zum ersten Mal zu Gast in Klosters sind. 

Ein gutes Festivalprogramm sollte beides beinhalten. Dieses Jahr freuen wir uns auf bekannte Gesichter wie Maurice Steger und Sir András Schiff, aber wir präsentieren auch zum ersten Mal die deutsche Geigerin Arabella Steinbacher, den Schweizer Pianisten Francesco Piemontesi und das Salzburger Hagen Quartett. Es ist wirklich ein Privileg für mich, dem Publikum solch grosse Künstlerpersönlichkeiten vorstellen zu können. Ausserdem haben wir zwei der hervorragendsten Cembalisten ihrer Generation im Programm: Francesco Corti and Sebastian Wienand. 

Auch im Programm finden sich viele bekannte Werke wie das Violinkonzert von Johannes Brahms oder das Klavierkonzert von Robert Schumann. Wie konzipieren Sie ein Konzertprogramm? 

Ein Konzert zu planen, ist ein ganz organischer Vorgang – und auch eine Kunst. Ausgangspunkt ist immer das Festivalmotto und natürlich der zur Verfügung stehende Zeitraum, der sich jedes Jahr ein wenig verändert. In diesem Rahmen sind das Eröffnungs- und das Abschlusswochenende reserviert für Orchesterkonzerte. Unter der Woche werden Kammerkonzerte, Rezitals, ein musikalisch-literarischer Abend und spezielle Formate wie unser beliebtes Filmmusikkonzert veranstaltet. Es gibt bestimmte Werke, die ich programmieren und bestimmte Künstlerinnen und Künstler, die ich einladen möchte. Der Schlüssel zu einem gelungenen Konzert ist die spezielle Beziehung zwischen dem Interpreten und dem Werk. Bei Dirigenten ist eine bereits bestehende und enge Zusammenarbeit mit dem Orchester entscheidend. Ausserdem bedarf die Kombination der Werke in einem Konzertprogramm besonderer Sorgfalt – nicht nur wegen der Tonarten, sondern auch bezüglich der emotionalen Intention. Das einzelne Werk muss Teil eines grossen Ganzen sein. 

Wie sieht die Zusammenarbeit mit dem Stiftungsrat aus? 

Die professionelle und sehr persönlich geprägte Zusammenarbeit mit dem Stiftungsrat ist ein grosses Privileg. Die Mitglieder tun mit ihrem Einsatz für Klosters Music alles dafür, das musikalische Leben von Klosters zu bereichern und auch kulturell den besonderen Ort noch stärker zum Leuchten zu bringen. Mit Heinz Brand als Präsident der Stiftung und Daniela Lütjens als Präsidentin des Fördervereins kann ich auf hervorragende Kräfte vertrauen. Reinhard Winkler ist mein Ansprechpartner für das künstlerische Programm. Mit Reiny – mit dem ich auch freundschaftlich sehr verbunden bin – kann ich mich bei komplexen Herausforderungen, die es gemeinsam zu lösen gilt, jederzeit austauschen.  

Welche persönliche Verbindung haben Sie zu Klosters? 

Meine musikalische Verbindung zu Klosters begann mit den Weihnachtskonzerten in der Kirche St. Jakob, zu denen ich Freunde aus meinem Orchester, dem Philharmonia Orchestra London, für die Auftritte eingeladen hatte. Und natürlich war allen jungen Männern meiner Generation Klosters als exzellenter Ort zum Skifahren ein Begriff. Aber das ist schon eine Weile her!

Auf welches Konzert freuen Sie sich am meisten beim Festival? Und warum? 

Jedes Konzert diesen Sommer wird etwas ganz Besonderes sein. Weil ich selbst so viel Zeit meines Lebens in der Welt des Orchesters und der Oper verbracht habe, freue ich mich besonders mit dem Konzert des Hagen Quartetts und Kirill Gerstein am 3. August auf einen Kammermusikabend der Extraklasse.  

Und bei welchem Konzert sind Sie besonders gespannt? 

Ich fiebere dem Konzert vom 4. August entgegen, das auch Musik enthält, die bis in die frühesten Tage von Klosters zurückgeht: Das wird einmalig! Maurice Steger, Nuria Rial und das La Cetra Barockorchester Basel sind unerreicht in diesem Repertoire. Auch die historische Köberle-Orgel wird diesem Abend eine besondere Färbung verleihen. 

Warum sollte man Ihrer Meinung nach Klosters Music 2022 besuchen? 

Klosters Music ist ein musikalisches Juwel und schlichtweg «das Gipfeltreffen für musikalischen Hochgenuss»!

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Ensemble Philharmonix, © Max Parovsky

Virtuosität, Humor und Improvisation 

Das Septett Philharmonix mischt die Klassikszene auf. Am 1. August 2022 feiern die Mitglieder der Wiener und Berliner Philharmoniker ihr Debüt bei Klosters Music.

Der Kontrabassist zupft eine fallende Linie. Die hohen Streicher setzen ihre schnellen Einwürfe exakt gegen den Takt. Und wenn Klarinette (Daniel Ottensamer) und Klavier (Christoph Traxler) dazukommen, geht richtig die Post ab. Dampfender Gypsy Swing im Stil von Django Reinhardt und Stéphane Grapelli. «Swing on Beethoven» heisst das ganz eigene Arrangement von Stephan Koncz für das Septett Philharmonix, das sich auch «Vienna Berlin Music Club» nennt. Der Cellist darf auch gleich das berühmte Solo aus dem zweiten Satz von Beethovens 7. Sinfonie spielen – nur nicht als edle Kantilene über dem Trauermarschrhythmus, sondern mit leichtem Groove zu den erhitzten Nachschlägen der Band. Ein mundgeblasenes Trompetensolo vom zweiten Geiger Sebastian Gürtler und ein Zitat aus dem Finale der Mondscheinsonate als spektakulärer Aufgang im Klavier zeigen das Vielgehörte unter einem ganz neuen Licht. Sebastian Gürtlers «Tristan’s Tango» mit Richard Wagner auf einer Milonga oder die wilden «Dances from Transylvania» von Stephan Koncz mit spektakulären Geigensoli von Noah Bendix-Balgley sind gut gelaunte, originelle Stücke zum Hinhören und Schmunzeln: mehr Komposition als Adaption. 

«Jeder bringt seine Musik mit»

Höchste Zeit, beim Cellisten Stephan Koncz und Noah Bendix-Balgley, beide Mitglieder der Berliner Philharmoniker, nachzuhaken. «Ähnlich wie bei einem Tennisclub treffen wir uns unter Freunden, schreiben zusammen Musik, experimentieren und haben eine gute Zeit miteinander und unserer Musik», sagt Stephan Koncz. Und ergänzt: «Jeder bringt seine Musik mit. Unser Klarinettist Daniel Ottensamer liebt Swingjazz im Stil von Benny Goodman, unser Kontrabassist Ödön Rácz ist mit ungarischer Volksmusik aufgewachsen». Noah Bendix-Balgley hat Klezmermusik in das Ensemble gebracht. «Mein Vater ist Tanzlehrer. Die jüdischen Volkstänze habe ich schon als Kind gehört. Ich möchte in klassischer Musik Klezmereinflüsse entdecken, aber auch umgekehrt in klassischen Rezitals Klezmer-Stücke integrieren. Die Improvisation spielt ja eine grosse Rolle in dieser Musik. Das Improvisieren ist auch für Philharmonix ganz entscheidend», sagt der Konzertmeister der Berliner Philharmoniker. Der US-amerikanische Geiger wurde von Stephan Koncz 2017 ins Ensemble geholt, nachdem insgesamt drei Musiker – Gründer Tibor Kovác und die Brüder Roman und Frantisek Jánoska – die ursprünglich «The Philharmonics» genannte Gruppe verliessen. 

Weniger Csárdás, mehr Pop

Der neue Name «Philharmonix» benennt weiterhin die Berliner und Wiener Philharmoniker, aus deren Reihen drei Musiker stammen. «Das ‚X‘ stellt die oftmals unkonventionelle Herangehensweise an sämtliche Musikrichtungen dar», sagt Koncz. Stilistisch hat sich das Ensemble seit der Umbesetzung stark verändert und kommt einer Neugründung gleich. Auch Südamerikanisches wie der geniale Bossa Nova «Babarababa» auf Fantasieportugiesisch ist im Repertoire. Sebastian Gürtler hat ihn komponiert. Der Wiener Geiger, der in klassischen Ensembles wie dem Hugo Wolf Quartett oder dem Alban Berg Ensemble Wien spielt, mit der Formation Amarcord Grenzüberschreitungen wagt und auch schon mit dem Musikkomiker Aleksey Igudesman auf der Bühne stand, ist wie der Pianist Christoph Traxler Neumitglied. Gefragt hat ihn der Bratschist Thilo Fechner, der mit seinem roten Anzug mit zur Corporate Identity von Philharmonix beiträgt.

Schnelle Auffassungsgabe, hohe Professionalität 

Gürtler ist nicht nur ein Fan von südamerikanischer Musik («Dieses Zurücklehnen, verbunden mit der intensiven Lebensart finde ich faszinierend»), sondern hat auch den Gesang ins Ensemble eingebracht. In seinen Arrangements versucht er, relativ respektlos und sehr frei mit dem Original umzugehen und etwas Eigenes zu schaffen. An Philharmonix schätzt er die schnelle Auffassungsgabe und hohe Professionalität der Mitglieder. Besonders der Kontrabassist hat es ihm angetan. «Ödön ist das Herz des Ensembles, der Zinédine Zidan der Mannschaft. Ein zentraler Mittelfeldspieler, der die Fäden zieht und jedem den notwendigen Raum gibt.» Gürtler freut sich wie seine Kollegen sehr auf das Debüt von Philharmonix bei Klosters Music. «Die Stücke entwickeln sich auf der Bühne weiter», sagt Bendix-Balgley. «Wir bleiben nie stehen, sondern möchten jedes Mal etwas Neues kreieren.»  


Das Ensemble Philharmonix können Sie am 1. August live bei Klosters Music erleben. Tickets können hier erworben werden.   

David und Reiny zugeschnitten
David Whelton & Reinhard Winkler, © Marcel Giger

Persönlich – über Reinhard Winkler, Vizepräsident Stiftung Kunst & Musik, Klosters

«Jedes Konzert ist für sich genommen schon ein Festival», sagt Reinhard Winkler über Klosters Music. Der frühere Broker ist Gründungsmitglied in der Stiftung Kunst & Musik, Klosters, die das international besetzte Sommerfestival ausrichtet. Gemeinsam mit seiner englischen Frau Carol hat sich der ursprünglich aus dem Schwarzwald stammende Deutsche 2002 in Klosters niedergelassen. Im letzten Jahr erhielten die beiden die Schweizer Staatsangehörigkeit und wurden Klosterser Bürger. Das Berufsleben verbrachte das kulturliebende und auch kulturfördernde Paar vor allem in England. Weil sie gerne Ski fahren und die Musik lieben – regelmässig besuchen die beiden die Salzburger Festspiele und die Zürcher Oper – , ist Klosters für sie der ideale Ort zum Leben. 

Im Stiftungsrat beschäftigt sich Reinhard Winkler (Jahrgang 1945) vor allem mit Fragen zum Konzertprogramm. Gemeinsam mit dem künstlerischen Leiter David Whelton und der Geschäftsführerin Franziska von Arb tauscht er sich aus über Künstlerinnen, Künstler und Ensembles. Und hilft dabei, Wheltons Ideen in die Tat umzusetzen, indem er gemeinsam mit seiner Frau auch als Mäzen das Festival unterstützt. In diesem Jahr ermöglicht das Ehepaar Winkler den Auftritt des weltbekannten Hagen Quartetts mit dem Pianisten Kirill Gerstein am 3. August 2022. Musikalische Leidenschaft und gesellschaftliches Engagement gehören für Reinhard Winkler nämlich zusammen. 

Francesco Piemontesi_Marco Borggreve
Francesco Piemontesi Photo: Marco Borggreve

Der Tessiner Pianist Francesco Piemontesi kommt erstmals zu Klosters Music  

Sein Terminkalender ist wieder gut gefüllt. Im Februar gastierte Francesco Piemontesi mit einem Bach-Busoni-Rezital im Wiener Konzerthaus und im Stadtcasino Basel. Im März steht neben der «Burleske» von Richard Strauss auch Robert Schumanns Klavierkonzert auf dem Programm, das der Schweizer Pianist unter anderem in Hannover, Braunschweig und Wien spielen wird. Aber auch in den letzten beiden Jahren in der Corona-Pandemie hatte Piemontesi genügend zu tun, spielte Konzerte mit geändertem Programm oder nur als Livestream ohne Publikum. Ausserdem nahm er sich endlich die Zeit, die «Transzendentalen Etüden» von Franz Liszt einzustudieren und aufzunehmen, wie er im Gespräch mit Arnt Cobbers im Podcast «Klassik viral» erzählt. Ein lang geplantes Projekt, für das dem Pianisten im normalen Konzertbetrieb die Musse gefehlt hatte.

«Ich konnte mir immer Zeit lassen»

Der 1983 in Locarno geborene Tessiner kann auf eine grosse internationale Karriere zurückblicken. Nach dem Studium an der Musikhochschule Lugano wechselte er zum israelischen Klavierprofessor Arie Vardie an die Hochschule für Musik, Theater und Medien nach Hannover. Die Klavierlegenden Alfred Brendel und Murray Perahia gehören ebenfalls zu seinen Lehrern. «Ich habe nie eine Medien-Karriere gemacht, ich hatte das Glück, mich kontinuierlich und ganz organisch entwickeln zu können. Ich konnte mir immer Zeit lassen», sagte Piemontesi kürzlich gegenüber der Neuen Zürcher Zeitung. Der Pianist beschäftigt sich gerne lange und gründlich mit einem Komponisten, möchte die Musik von allen Seiten beleuchten. Alle Solowerke von Wolfgang Amadeus Mozart präsentierte er bereit in jungen Jahren in der Londoner Wigmore Hall. Sein Mozartspiel hat Natürlichkeit und Transparenz. Seinem leichten, hochdifferenzierten Anschlag merkt man die Beschäftigung mit der historischen Aufführungspraxis an – ein Cembalo steht in seiner Berliner Wohnung. Die Musik von Franz Schubert ist für ihn überlebenswichtig. Er arbeitet darin die Abgründe heraus, aber auch die ganz verträumten, hellen Sehnsuchtsorte.

Strenge und Freiheit, Kopf und Herz

«Francesco Piemontesi weiss genau um den Zusammenhang des Stücks, das er spielt. Dieser Pianist singt am Klavier. Und verfügt in seinem Spiel über eine wunderbare Kombination von Strenge und Freiheit, von Kopf und Herz», sagt Sir Antonio Pappano, Chefdirigent des römischen Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia, über den Schweizer Pianisten, mit dem er schon mehrfach zusammengearbeitet hat. Piemontesi schaut gerne über den Tellerrand hinaus, holt sich Inspiration aus der Architektur und der Natur. Als künstlerischer Leiter betreut er seit 2012 das jährlich stattfindende Festival «Settimane Musicali di Ascona». Aber er ist auch ein regelmässiger Konzertgänger und arbeitet als Interpret daran, die Farben eines Orchesters auf das Klavier zu übertragen. Und eine Geschichte zu erzählen, die weit über den Zusammenklang von Tönen hinausgeht.

Orchesterfarben im Klavier

Robert Schumanns Klavierkonzert in a-Moll op. 54, das er beim Eröffnungskonzert von Klosters Music gemeinsam mit dem Münchener Kammerorchester unter dem spanischen Dirigenten Pablo Heras-Casado interpretiert, ist ein erklärtes Lieblingswerk von ihm, da hier Klavier und Orchester besonders eng miteinander verwoben sind. Da wandern sogar einzelne Melodieabschnitte von dem einen zum anderen wie im ersten Satz. Für ihn besitzt dieses Konzert viele Solisten, nicht nur das Klavier. Das kurze Intermezzo muss für Piemontesi ganz delikat musiziert werden. Das Finale – eine Mischung zwischen ausgelassenem Tanz und heroischem Sieg. Das Publikum von Klosters Music darf darauf gespannt sein.


Eröffnungskonzert «Freiheit und Sehnsucht» am 30. Juli 2022 um 19 Uhr im Konzertsaal der Arena Klosters. Gioachino Rossini: Ouvertüre aus «Wilhelm Tell», Robert Schumann: Klavierkonzert in a-Moll op. 54 (Klavier: Francesco Piemontesi), Felix Mendelssohn Bartholdy: Sinfonie Nr. 4 in A-Dur «Italienische«, Münchener Kammerorchester, Leitung: Pablo Heras-Casado.

 

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Klosters Music 2021, © Marcel Giger

Gipfeltreffen für musikalischen Hochgenuss

Die vierte Ausgabe von Klosters Music (30. Juli – 7. August 2022) steht unter dem Motto «Zeitreise. A Musical Journey». Internationale Klassikstars prägen die Klosterser Musikwoche im hinteren Prättigau. Der Vorverkauf ist ab sofort eröffnet. Tickets mit sitzplatzgenauer Buchung für alle Konzerte sind ab sofort online oder bei den Tourismusbüros Klosters und Davos erhältlich.

Wenn Klosters Music am 30. Juli 2022 mit einem Konzert des Münchener Kammerorchesters unter der Leitung des spanischen Dirigenten Pablo Heras-Casado (u.a. «Italienische Sinfonie» von Felix Mendelssohn Bartholdy) eröffnet wird, dann darf man sich wieder freuen auf eine hochkarätig besetzte Festivalwoche auf 1200 Metern Höhe mit insgesamt neun Veranstaltungen. Für die zahlreichen Gäste verbindet sich hier in Graubünden im landschaftlich reizvollen Prättigau ein beeindruckendes Naturerlebnis mit musikalischem Hochgenuss.

Klosters-Debüt von drei Spitzenorchestern

Wie das Münchener Kammerorchester ist auch der Schweizer Pianist Francesco Piemontesi mit der Interpretation von Robert Schumanns Klavierkonzert zum ersten Mal zu Gast in Klosters. Mit dem Freiburger Barockorchester unter der Leitung von Gottfried von der Goltz (31.7.) und dem Mozarteumorchester Salzburg, dirigiert von Patrick Hahn (6.8., mit der Geigerin Arabella Steinbacher), geben zwei weitere Spitzenorchester ihr Debüt im Konzertsaal der Arena Klosters. Das Salzburger Hagen Quartett (3.8., mit dem Pianisten Kirill Gerstein) und das Ensemble Philharmonix, das klassische Musik mit viel Witz neu bearbeitet (1.8., «Über die Grenzen hinweg»), widmen sich der Kammermusik. Sir András Schiff, eine wichtige Konstante bei Klosters Music, zelebriert beim Abschlusskonzert seine hohe Klavierkunst (7.8., «Ein Wiedersehen»).

Vom Mittelalter zu «Hollywood on the Rocks»

Das Motto «Zeitreise» ist vom künstlerischen Leiter David Whelton ganz bewusst gewählt, um die 800-Jahr-Feier von Klosters musikalisch zu reflektieren. Der Dirigent und Blockflötist Maurice Steger hat dafür in der Kirche St. Jakob, deren Kirchturm so alt ist wie der Ort, ein besonderes Programm zusammengestellt, das zurückgeht ins Mittelalter, aber auch virtuose Werke aus dem Barock enthält (4.8., «Innehalten»). Mit dem 19. Jahrhundert in der Schweiz beschäftigt sich ein erstmals veranstalteter musikalisch-literarischer Abend, der vom Schweizer Autor Alain Claude Sulzer und dem Pianisten Oliver Schnyder gestaltet wird. Die beiden begeben sich auf die Spuren von reisenden Komponisten (2.8., Atelier Bolt, «Musikalischer Fremdenverkehr»). Und Gene Kelly bringt in der Hauptrolle des Musicalfilms «Singin‘ in the Rain» ein wenig Hollywood in die Berge wie in den 50er-Jahren, als er gemeinsam mit weiteren Filmgrößen Stammgast in Klosters war. Mit diesem besonderen Musikevent leistet Klosters Music seinen Beitrag zur 800-Jahr-Feier von Klosters. Die swingende Filmmusik wird live vom City Light Symphony Orchestra zum Leben erweckt (5.8., auf Grossleinwand in der Arena Klosters). Hollywood on the Rocks!

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Chesa Grischuna & Gene Kelly

«Er hat die Menschen gern gehabt»

Klosters Music zeigt am 5. August den Hollywoodklassiker «Singin› in the rain» mit Live-Musik. Hauptdarsteller Gene Kelly war in den 50er- und 60er-Jahren häufig zu Gast in der Chesa Grischuna in Klosters. Mit der Geschäftsführerin Barbara Rios Guler (69) sprach Georg Rudiger über einen überraschenden Handkuss, Gene Kellys Skikünste und «Hollywood on the Rocks».


Georg Rudiger: Gene Kelly war mehrfach zu Gast in der Chesa Grischuna in Klosters. Hat er dort wirklich in der Bar auf den Tischen getanzt, wie man häufig liest?

Barbara Rios Guler: Ich war damals ein Kind und durfte abends nicht in die Bar. Ich denke, die Geschichte stimmt schon, aber bezeugen kann ich sie nicht.

Als Gene Kelly 1951 zum ersten Mal in die Chesa Grischuna kam und in seinem Gästebucheintrag vom 14. Februar den wunderbaren Ort lobt, waren Sie noch nicht geboren. Was ist Ihre erste Erinnerung an den amerikanischen Filmstar?

Ich habe eigentlich nur eine Erinnerung an ihn. Als Kinder wurden wir manches Mal von unseren Eltern gebeten, einzelne Gäste persönlich zu begrüssen, was wir nie gerne gemacht haben. Ich bin also an diesen runden Tisch gegangen, an dem Gene Kelly sass und habe Grüezi gesagt. Daraufhin hat er mir einen Handkuss gegeben auf eine überaus herzliche Art und Weise. Als Fünfjährige war ich zwar überfordert, jedoch habe ich ihn in diesem Moment als sehr herzlichen Menschen wahrgenommen.

Gene Kelly soll ein sehr guter Skifahrer gewesen sein.

Das stimmt, das weiss ich aus Erzählungen. Ich habe auch ein paar Fotos geschenkt bekommen. Er war sehr athletisch und hatte als Tänzer eine perfekte Körperbeherrschung. Mit seinem Skilehrer, Fluri Clavadetscher aus Klosters, hat er schon am zweiten Tag des Skiunterrichts die Casanna-Abfahrt von Gotschna bewältigt. Das ist happig, auch wenn es eine einfache Abfahrt war. Damals waren die Pisten auch nicht präpariert wie heute. Es gab viele Hügelchen, um die man herumkurven musste.

War Gene Kelly gerne alleine?

Nein, er war immer mit anderen Leuten unterwegs. Natürlich mit seiner Familie – seine Tochter Kerry war auch manches Mal dabei – , aber auch mit Freunden, vor allem mit dem Drehbuchautor Peter Viertel und dem Schriftsteller Irwin Shaw. Auf den Fotos ist er immer umringt von anderen Leuten. Ich glaube, er war sehr zugänglich und hat die Menschen gern gehabt.

Die Chesa-Bar war ein Mittelpunkt von «Hollywood on the Rocks», wie man Klosters in den 50er-Jahren nannte. Was machte die Bar für die Filmstars so anziehend?

Der Raum ist sehr schön – ein behagliches Kellergewölbe, mit einer wunderschönen Wandmalerei von Hans Schoellhorn, nicht zu gross und nicht zu klein. Nach dem Krieg hatte man ein Nachholbedürfnis, was gemeinsames Feiern anging. Man wollte es wieder lustig und unbeschwert haben. Zudem hatten wir phänomenale Barkeeper und Pianisten.

Mischten sich auch Ortseinwohner unter die Stars?

Es war für die Ansässigen nicht leicht, in die Chesa-Bar zu kommen. Mein Vater wollte, dass die prominenten Gäste unter sich sein können. Heute sind alle willkommen.

Warum kamen eigentlich die Filmstars nach Klosters?

Der eine hat den anderen mitgebracht. Es hat angefangen mit Salka Viertel, die wie ihr Sohn Peter Schriftstellerin und Drebuchautorin war. Salka Viertel war eng befreundet mit Greta Garbo, Peter Viertel hat später Deborah Kerr geheiratet. Und brachte viele Prominente aus Hollywood hierher, darunter auch Gene Kelly. Die haben sich alle gekannt und gegenseitig eingeladen.

Spielte auch die Diskretion und das Understatement von Klosters eine Rolle für die Attraktivität im Filmbusiness?

Auf jeden Fall. Das ist auch heute noch so. Wenn Prinz Charles hier zu Gast ist, dann bleibt er völlig unbehelligt, obwohl wir viele englische Gäste im Ort haben. Er isst ganz normal bei uns im Restaurant. Für mich sind alle Leute gleich – ob Einheimische oder Prominente, ob einfache Bauern oder Könige.

Wann war denn Gene Kelly zum letzten Mal da?

Seine Frau Patricia, die er 1990 geheiratet hatte, ist immer noch regelmässig zu Gast bei uns. Er selbst war 1965 zum letzten Mal bei uns im Hotel, das sehe ich in der Karteikarte. Danach hat er das Hotel gewechselt. Und ist in Kaiser’s Garni Hotel gegangen, das unser Barkeeper Leo Kaiser neu erbaut hatte. Sie sehen – den hat er gut gekannt. An der Bar war er nämlich häufig.


Hollywood – «Singin in the Rain». Zeitloser Filmklassiker mit Gene Kelly auf Grossleinwand mit Live-Filmmusik (Originalsprache englisch, mit deutschen Untertiteln), gespielt vom City Light Symphony Orchestra unter der Leitung von Anthony Gabriele. Freitag, 5. August um 19 Uhr im Konzertsaal der Arena Klosters.

Whoops!

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Alain Claude Sulzer, © Lucia Hunziker
Alain Claude Sulzer, © Lucia Hunziker

«Ich komme auch mal gern vom Weg ab»

Alain Claude Sulzer gehört zu den bekanntesten Schriftstellern der Schweiz. Für den gemeinsam mit dem Pianisten Oliver Schnyder gestalteten Abend am 2. August im Atelier Bolt (19 Uhr) hat er sich mit dem Fremdenverkehr in der Schweiz des 19. Jahrhunderts beschäftigt. Und mit der Musik, die auf diesen Reisen komponiert wurde. Georg Rudiger hat ihm einige Fragen dazu gestellt.

Georg Rudiger, 24/01/2022

 


 

Georg Rudiger: Im 19. Jahrhundert wurde die Schweiz nach und nach verkehrstechnisch erschlossen. Die Eisenbahn machte das Reisen bequemer. Warum wurde das Land für viele Dichter, Maler und Komponisten zu einem Sehnsuchtsort?

Alain Claude Sulzer: Die Schweiz als idealer oder idealisierter Ort ist natürlich älter als die Eisenbahn. Dazu hat für den deutschen Sprachraum nicht zuletzt Friedrich Schiller beigetragen, der in Wahrheit gar nie hier war. Er hat das Bild der Schweiz dennoch stark geprägt. Seit seinem Wilhelm Tell galt die Schweiz als Hort der Freiheit, allerdings auch als Zuflucht für Attentäter und Anarchisten, vor denen sich die zeitgenössischen Herrschenden durchaus fürchteten. Elisabeth von Österreich, die in Genf ermordet wurde, hat darüber sogar ein geradezu prophetisches Gedicht geschrieben.

Warum haben Sie und der Pianist Oliver Schnyder gerade Felix Mendelssohn Bartholdy und Franz Liszt für Ihren musikalisch-literarischen Abend ausgesucht?

Was Liszt angeht nicht zuletzt deshalb, weil sich manche seiner Kompositionen explizit auf Schweizer Motive beziehen, ohne Programmmusik im engeren Sinn zu sein, sie haben ja eher intimen, tagebuchartigen Charakter, weshalb sie in gewisser Weise Merkmale einer geradezu  impressionistisch anmutenden Tonsprache aufweisen. Wie Mendelssohns Lieder ohne Worte sind sie zuallererst Stimmungsbilder. In Stücken wie dem «Au lac de Wallenstadt» aus dem ersten Band der «Années de pèlerinage: Suisse» ging es Liszt darum, das Wasser an sich musikalisch wiederzugeben. Das geht meines Erachtens weit über Tonmalerei hinaus. Er setzte vielmehr das Wesen des Wassers in Töne, er transzendierte Materie in Musik.

Felix Mendelssohn führte Tagebuch und schrieb Briefe auf seinen vier Reisen durch die Schweiz zwischen 1822 und 1847. Vor allem aber zeichnete er die Landschaften. Mit welchen Texten kommen Sie diesem Komponisten näher?

Lassen Sie sich überraschen wie ich mich überraschen lasse. Längst nicht alle Texte für diesen Abend sind schon geschrieben. Ich recherchiere in alle Richtungen, das heisst ich lese und komme auch gern mal vom Weg ab, und irgendwann bleibe ich an einem Detail hängen, das mich zu weiteren Schritten führt.

Die Freundschaft zwischen Ihnen und Oliver Schnyder entstand nach Ihrem 2012 veröffentlichten  Roman «Aus den Fugen», in dem ein abgebrochener Klavierabend vieles in Bewegung bringt. Was kennzeichnet Ihre Freundschaft?

Der allergrösste Respekt der Leistungen des jeweils anderen, wobei mein Respekt vor Olivers Vermögen – aus meiner Sicht – viel grösser ist. Er kann eines Tages immer noch Schriftsteller werden – an Talent fehlt es ihm ja nicht –, ich hingegen werde nie und nimmer auch nur zwei Takte Mozart spielen können. Unsere Freundschaft kennzeichnet aber natürlich nicht nur Bewunderung, sondern zum Beispiel auch Aufrichtigkeit und der gleiche Sinn für Humor.

Was macht das Reisen mit Ihnen?

Ich gehöre nicht zu den leidenschaftlichen Reisenden, ich habe das meiste, was man sehen kann und was andere gesehen haben, nicht gesehen. Aber was ich sah, insbesondere in den USA – egal, ob es sich um die Landschaften am Pazifik oder um Städte wie New York handelte – bleibt zum Glück sehr präsent. Die erinnerten Bilder bleiben stark, sie begleiten mich, so wie mich die Aussicht vom Piz Corvatsch oder vom Pilatus begleiten. Sie sind so stark, dass ich auch in Abwesenheit immer wieder davon zehre. Aber natürlich unterscheidet sich unser modernes Reisen stark vom Reisen im 18.  oder 19. Jahrhundert. Auch wenn man das Reisen in der Schweiz oder in Italien – den einst wichtigsten «Destinationen» der Touristen – heute als umständlich und abenteuerlich bezeichnen würde, suchte man doch vor allem die Annehmlichkeiten, nicht die Herausforderung. Man reiste im Idealfall sogar wie Victoria mit dem eigenen Bett.

Musik ist ein wundervolles Geschenk!

Mit einem Gutschein von Klosters Music lassen Sie Ihre Familie oder Ihre Freundinnen und Freunde an einem unvergesslichen Augenblick voller Musik teilhaben. Lassen Sie sich von unserem internationalen Programm inspirieren und verschenken Sie einen erlesenen Konzertabend mit Starbesetzung in der grandiosen Bergwelt von Klosters. Gerne erstellen wir Ihnen einen persönlichen Gutschein in Höhe des von Ihnen gewünschten Betrages und informieren Sie bei Bedarf über geeignete Übernachtungsangebote im Kontext von Klosters Music.

Die Gutscheine können bei der Geschäftsstelle von Klosters Music unter info@klosters-music.ch oder online bestellt werden. Einlösbar für alle Veranstaltungen von Klosters Music, online unter klosters-music.ch, kulturticket.ch oder vor Ort in den Tourismusbüros Klosters und Davos.

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Klosters Music 2021, © Marcel Giger
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Sir András Schiff bei Klosters Music 2021 © Marcel Giger
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David Whelton © Yanik Bürkli

Einzigartige Einblicke: Sir András Schiff im Gespräch mit David Whelton

Insgesamt acht wundervolle und inspirierende Konzerte durften wir am Klosters Music 2021 geniessen. Sowohl das abwechslungsreiche Programm als auch die versierten Interpretinnen und Interpreten vermochten das Publikum Abend für Abend mit einzigartigen und ausdrucksstarken Darbietungen zu begeistern. Und so dürfte auch vielen von uns und unseren Gästen das ebenso meisterhafte wie sensible Rezital von Sir András Schiff vom 5. August in nachhaltiger Erinnerung geblieben sein. Der künstlerische Leiter von Klosters Music, David Whelton, hat mit Sir András Schiff ein ausführliches «Kamingespräch» geführt, welches uns einen vertieften Einblick in die Arbeit und in das Leben des weltbekannten Pianisten eröffnet.

Für junge Pianisten war Sir András Schiff’s Aufführung des d-Moll Konzertes von Johann Sebastian Bach an der «Leeds Piano Competition» im Jahre 1975 eine Offenbarung. Da war ein ebenso junger wie brillanter Pianist, der sich nicht darum kümmerte, ob eine Jury wohl am ehesten von der Aufführung eines der grossen romantischen Klavierkonzerte beeindruckt wäre. Es waren die geistige Unabhängigkeit und die gedankliche Klarheit, welche von Anbeginn an die Markenzeichen von Sir András Schiffs Karriere wurden. Der Rest ist, wie man sagt, Geschichte: Sir András Schiff erreichte einen ungeheuerlichen Einfluss auf die Musikwelt und hat ein enges Verhältnis zu seinem Publikum in London, insbesondere zu jenem der «Wigmore Hall», einem der weltweit erlesensten Orte für Kammermusik, entwickelt. Schiff fühlte sich in London zu Hause. Vielleicht hat die Präsenz von George Malcolm, einem seiner Mentoren, der damals eine wichtige Figur in der Musikszene in London war, wesentlich dazu beigetragen. Nach meiner Ernennung 1987 als Direktor des Philharmonia Orchestra gehörte es zu meinen Prioritäten, Sir András dazu einzuladen, regelmässig mit dem Orchester zu spielen. Für mich war es ein Glücksfall, dass Sir András Schiff ein Bewunderer von Otto Klemperer, dem musikalischen Vater der Philharmonia, war. In Terry Harrison wiederum hatte er einen sensiblen Manager, der mir dabei half, Sir András Schiff vom Potential dieser Partnerschaft zu überzeugen. Weiter war es dienlich, dass es mir gelungen ist, mit dem grossen deutschen Dirigenten Kurt Sanderling einen Musiker zur Philharmonia zu holen, der in derselben Tradition wie Klemperer stand.

Was folgte, übertraf unsere kühnsten Erwartungen. Sir András Schiff’s Konzerte waren sozusagen die Highlights der Londoner Saison. Die Programmplanung erfolgte normalerweise beim gemütlichen Lunch im Bombay Palace, die übrige Zeit verbrachten wir mit der Entwicklung von zyklischen Projekten zu Bach, Haydn, Mozart und Beethoven. Diese Arbeitsweise gab Sir András Schiff den Freiraum für seine künstlerischen Ideen und zugleich die Möglichkeit, das Orchester direkt zu leiten. Es war ausserordentlich inspirierend, mit ihm zu arbeiten. Seine musikalischen Ideen waren zwingend, die Konzerte voller Energie und Lebensfreude. Mit ihm hatten die Musiker das Gefühl, wirklich miteinander Kammermusik zu machen und freuten sich somit auf jede Zusammenarbeit. Mit seinem immensen Repertoire an Witzen war und ist er zusammen mit seiner Gattin Yuko stets auch ein wundervoller Gast bei den Abendessen nach den Konzerten. 1991 hatte ich die Ehre, Mitglied im Gremium des bemerkenswerten «IMS Prussian Cove» Seminars zu werden, welches von Sir András Schiffs Freund und Kollege, dem ungarischen Violinisten Sandor Vegh ins Leben gerufen worden war. Hier konnte ich seinen Zugang zur jungen Generation erleben, der er dabei seine musikalischen Ideale mit auf den Weg gab. Als Europäer, verwurzelt in den höchsten kulturellen Werten, gibt er den jungen Musikern eine Sichtweise auf die Welt, die für Musiker, die ihre eigene musikalische Identität finden müssen, von unschätzbarem Wert ist. Und so ist es mir als musikalischem Leiter von Klosters Music eine Ehre und eine Freude zugleich, Sir András Schiff nach Klosters einzuladen. Waren seine Konzerte bereits in London ein besonderes Ereignis, ist es eine ausserordentliche Erfahrung, die musikalische Grösse eines der wichtigsten Pianisten unserer Zeit in der natürlichen Schönheit der schweizerischen Alpen zu erleben.

David Whelton, 28/05/2021


David Whelton: Die letzten 18 Monate waren ausserordentlich schwierig für die Kunst, fast alle Konzerte wurden abgesagt. Sie konnten einige Konzerte spielen, dennoch, wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Sir András Schiff: Um ehrlich zu sein: Ich habe diese Zeit nicht genossen. Obwohl es auch gut war, einmal zu Hause zu sein und etwas Ruhe zu finden. Dennoch: Ich hatte sozusagen meinen Lebensrhythmus verloren. Die tägliche Notwendigkeit zu arbeiten und zu üben war weg. Es schien, als gäbe es keine Energie mehr, keine Ziele und somit keine Motivation. Da war ein echter Mangel an Adrenalin und eine gewisse Gefahr von Depression. Da ich aber ein sehr disziplinierter Mensch bin, habe ich es geschafft, jeden Tag aufzustehen und zu üben. Aber einfach war es in der Tat nicht. Natürlich hat die Situation auch ihr Gutes mit sich gebracht: Ich habe beispielsweise angefangen zu kochen und mir ein kleines aber ausserordentlich schmackhaftes Repertoire von ungarischen Spezialitäten erarbeitet.

Viele Künstler haben während des Lockdowns begonnen, ihre Konzerte zu streamen. Gerade die Wigmore Hall Konzertreihe, in der Sie auch gespielt haben, hat grossen Anklang gefunden und hat ein breites Publikum erreicht. Spielt Streaming in Zukunft noch eine Rolle, wenn sich der Konzertbetrieb wieder normalisiert oder ist dies nur ein Phänomen, um Musik live verfügbar zu machen, weil die Konzerthäuser geschlossen wurden?

Die Wigmore Hall hat eine perfekte Infrastruktur, die Kameras und die Mikrophone irritieren nicht, denn man nimmt sie schlicht nicht wahr. Andernorts ist das eine recht bunte Mischung, da habe ich auch einige schreckliche Erfahrungen gemacht. Musik ist keine visuelle Kunst. Man kann die Augen schliessen und einfach nur zuhören. Natürlich hat ein Konzert auch visuelle Aspekte, sie sind allerdings nicht das Wichtigste. Das ist etwas, was die meisten Leute von Film und Fernsehen nicht verstehen. Sie haben keinen Zugang zur Essenz der Musik und fragen sich ständig, wie sie die Musik für den Zuschauer „interessant“ machen könnten. Anstatt den Musikern und der Musik zu vertrauen, unterbrechen sie den natürlichen Fluss mit ständigen Wechseln des Kamerawinkels. Es gibt natürlich auch Ausnahmen, aber es ist fast die Regel. Für die Zukunft hoffe ich also, dass wir Schritt für Schritt zu Konzerten mit Live-Publikum zurückkehren können. Obwohl es ein längerer Prozess sein wird, zuerst mit beschränkter Zuschauerzahl. Wenn man aber zugleich das Streaming beibehält, um so besser. Zumal: Für mich ist es angenehmer, in der Wigmore Hall oder im Teatro Olimpico in Vicenza zu spielen und das Konzert wird nach Australien oder in die USA gestreamt, als dass ich dahin Reise und den Albtraum des derzeitigen Reisens durchleben muss.

Alle mit denen ich gesprochen habe, sagten, sie hätten es vermisst, live zu spielen. Ich glaube, dass die Kommunikation zwischen Musikerinnen und Musikern und dem Publikum ein wesentlicher Teil unseres Erlebens der Musik ist und somit auch nicht ersetzt werden kann. Denken Sie, dass dies einer der Gründe ist, warum wir so sehr an der Live-Aufführung hängen und warum sie sowohl für die Interpreten als auch für das Publikum so wichtig ist?

Live-Konzerte sind absolut unersetzlich. Sie sind eine gemeinsame Erfahrung. Es ist ein «Hier und Jetzt», morgen wird es wieder anders sein.

Zahlreiche Musikerinnen und Musiker haben mit verschiedensten Formaten experimentiert, um während der letzten 18 Monate live spielen zu können. Gibt es aus Ihrer Sicht Formate, die man beibehalten sollte oder müsste man so schnell als möglich zu den konventionellen Formaten zurückkehren?

Darüber müssen wir ebenso sorgfältig wie auch dringlich nachdenken. Denn es wird schwierig sein, die Menschen zurück in die Konzertsäle zu bringen. Obwohl offensichtlich ist, wie sehr ihnen die Kunst und die Musik gefehlt haben. Aber die Angst wird noch eine Weile da sein. Die Art, wie wir in Konzerte gehen, folgt Regeln und Konventionen, die steif und  altmodisch sind und das müssen wir hinterfragen, wenn wir auch für jüngere Menschen attraktiv sein wollen.

Erlauben Sie mir, an dieser Stelle einige Beispiele zu machen: Wir Musiker sind dazu angehalten, ein, zwei, oder mehr Jahre im Voraus ein präzises Programm zu kommunizieren. Die Öffentlichkeit soll genau wissen, was wir spielen werden. Aber ist das wirklich eine gute Sache? Wie soll ich wissen, was ich am 6. August 2025 Lust habe zu spielen? Soll das Publikum wirklich alles zum Vornherein wissen? Können wir hier nicht ein wenig mehr Fantasie haben, etwas mehr Überraschung, etwas mehr Flexibilität? Ich würde meine Programme am liebsten spontan auf der Bühne kommunizieren und im Vorfeld vielleicht lediglich die Namen der Komponisten ankündigen. Sicherlich ist das an einem Klavierabend möglich, nicht aber dann, wenn es um Opern und Sinfonien geht. Ausserdem können wir heute nicht mehr davon ausgehen, dass das Publikum so viel über die Musik weiss wie einst, als die Amateur-Musik im häuslichen Rahmen intensiv gepflegt wurde. Entsprechend könnten wir damit also das Konzert auch zu einer lehrreichen Erfahrung machen, indem wir über die Kompositionen sprechen und das Publikum dazu einladen, zuzuhören. Sicherlich muss dies subtil geschehen. Weniger ist hier mehr.

Was war ihre erinnerungswürdigste musikalische Erfahrung in den letzten 12 Monaten? Und: Welches ist das bemerkenswerteste Buch, das sie während des Lockdowns gelesen haben?

Wie Sie wissen war Johann Sebastian Bach schon immer mein Lieblingskomponist. Er ist in jeder Hinsicht einzigartig. Wenn ich seine grösste Leistung benennen müsste, so wäre es die Kunst der Fuge. Und tatsächlich: Es ist DAS grosse Werk von ihm, das ich bis heute nicht einstudiert habe. In diesem Sinne hat die Covid-Krise auch ihr Gutes, denn jetzt habe ich Zeit, mich ausschliesslich diesem Werk zu widmen. Wobei: Es wird viele Jahre dauern. Die Pandemie hoffentlich nicht. Was die Literatur anbelangt, lese ich gerade Proust. Und zwar in vier Sprachen: Französisch (meine schwächste), Englisch, Deutsch und Ungarisch. Eine Erfahrung, die das Leben verändert.

Um vom Thema «Lockdown» wegzukommen: Ich kann mich daran erinnern, dass Sie länger über Otto Klemperer gesprochen haben, als Sie bei meinem alten Orchester in London zu Gast waren. Welche anderen Musiker waren oder sind noch immer massgebend für Sie?

Ja, Klemperer. Je älter ich werde, desto tiefer bewundere ich ihn. Auch im Vergleich zu Furtwängler, Bruno Walter und Toscanini. Er kennt keine Eitelkeit, andere haben viel davon. Kein Ego, nichts. Er dient nur dem Komponisten und dem Werk. Seine Missa Solemnis, sein Fidelio, seine Jupiter Sinfonie, ich könnte die Aufzählung nahezu endlos fortführen. Weitere Künstler aus früheren Zeiten, die ich verehre, sind Casals, Adolph Busch und Joseph Szigeti. Bei den Pianisten sind es Schnabel, Edwin Fischer und auch Annie Fischer.

Ihre Auftritte sind sowohl für ihren Ernst als auch für ihre pure Spielfreude bekannt. Wenn wir etwas nach vorne schauen wollen: Sehen sie, dass die jüngere Generation diese Werte in sich aufnimmt?

Es sind keine guten Zeiten, um Kunst zu machen. Es ist eine schwierige Zeit für die darstellenden Künste. Es gibt keinen Mangel an Talenten und viele Pianisten spielen enorm gut, schnell, laut und fehlerlos. Das sind messbare Elemente. Aber das ist noch keine Technik, das ist Effizienz, das ist Mechanik. Technik ist viel mehr: Eleganz, Fantasie, Vorstellungskraft, Klangqualität, Millionen von Farben. Integrität wiederum meint den äussersten Respekt vor dem Komponisten, Texttreue, aber auch das Wissen darum, wie man einen Text liest. Es ist wie mit alten Manuskripten. Man muss sie genau lesen, dann aber zum Leben erwecken. Musikalische Notation ist nicht perfekt. Weit davon entfernt. Es gibt so viele Feinheiten, die gar nicht aufgeschrieben werden können.  Es geht um die Kunst des Timings. Das kann man nicht lehren. Und ja: Die Freude an der Musik!  Es ist viel einfacher, die Menschen zum Weinen zu bringen, als zum Schmunzeln oder zum Lachen. Die Musik ist ein grosses Privileg und eine Freude, und es ist wundervoll, sie mit anderen zu teilen.

 

LaCetra Barockorchester, © Martin Chiang2
La Cetra Barockorchester, © Martin Chiang

Musikalische Zeitreise am Gründungsort von Klosters

Am 4. August lässt der virtuose Blockflötist Maurice Steger im Dialog mit der Sopranistin Nuria Rial und dem La Cetra Barockorchester Basel das Publikum tief in die Geschichte von Klosters eintauchen: mystische Klänge, die Pracht der Renaissance und die sinnlichen Welten des Barocks entfalten in einer Fülle von Klangfarben und Affekten 400 Jahre Musikgeschichte.

Erstmals 1222 urkundlich erwähnt, steht vom ursprünglichen Bau des einstigen Prämonstratenserklosters «Klösterli im Walt» nur noch der romanische Kirchturm. Die dem heiligen Jakob geweihte Kirche, der eigentliche Gründungsort von Klosters, besticht aber noch heute durch ihre einzigartige Atmosphäre, welche durch die Glasmalereien rund um «Jakobs Traum» von Augusto Giacometti noch unterstrichen wird. Eine weitere Trouvaille ist die barocke Hausorgel aus dem Jahre 1686, welche auch in unseren Tagen die Organistinnen und Organisten sowie die Zuhörenden gleichermassen begeistert. Die hervorragende Akustik der Kirche sowie die 2018 erbaute Goll-Orgel mit ihrer charaktervollen und farbenreichen Klangpalette machen die Kirche St. Jakob zum einzigartigen Standort für Orgelkonzerte und historische Musik. Klosters Music hält inne und lässt in den historischen Mauern den Geist der Gründerjahre aufleben.

Maurice Steger zu seinem speziell für Klosters Music konzipierten Programm: «Die frühbarocke Musik von Monteverdi, Merula, Fontana und Castello könnte nicht mehr Lebensfreude versprühen – ein Fest voller Virtuosität! Die Vorfreude, wieder nach Klosters zu kommen, ist riesig. Bei mir verbinden sich hier die Entspannung und das Erleben der atemberaubenden Landschaft mit dem konzentrierten Erarbeiten der Musik. Heimatgefühle und ein Genuss auf allen Ebenen.»

Francesco Piemontesi, © Marco Borggreve
Francesco Piemontesi, © Marco Borggreve

Der Auftakt: Freiheit und Sehnsucht

Zum Auftakt von Klosters Music 2022 erwartet die Zuhörerinnen und Zuhörer eine spannungsvolle Reise in die Romantik und in den sonnigen Süden. An diesem ersten Abend darf man sich auf ein Wiedersehen mit Pablo Heras-Casado freuen, der das Münchener Kammerorchester dirigiert, das zum ersten Mal in Klosters gastiert. Seinen Einstand im Bündner Kurort gibt auch der technisch und musikalisch versierte Tessiner Pianist Francesco Piemontesi.

Die faszinierende Reise am Samstag, 30. Juli, beginnt in der Schweiz: die Ouvertüre zu Gioachino Rossinis Oper «Wilhelm Tell» lässt den Blick zuerst ruhig über die eindrückliche morgendliche Berglandschaft schweifen und entwickelt sich mit stürmischen Passagen, dem Kuhreigen und der bekannten Reiterattacke zum turbulenten Erlebnis. Auf die Ouvertüre folgt Robert Schuhmanns Klavierkonzert in a-Moll, gespielt von Francesco Piemontesi. Der Tessiner verbindet Genauigkeit mit einem Klangfarbenreichtum, der jeder Seelenregung der Musik nachspürt. Damit ist er der perfekte Weggefährte, um die Tiefen von Schumanns zu erkunden. Mit der «Italienischen Sinfonie» in A-Dur von Mendelssohn erobert die vibrierende Lebensfreude Italiens die Herzen mit Turbulenz, schwelgerischer Sehnsucht und heiterem Tanz im Sturm. Die südliche Sonne entfaltet zum Schluss des Abends ihre volle Kraft.

Whoops!

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Pablo Heras-Casado bei Klosters Music 2020, © Marcel Giger
Pablo Heras-Casado bei Klosters Music 2020, © Marcel Giger

ZEITREISE. A MUSICAL JOURNEY

Vom 30. Juli bis zum 7. August 2022 findet in Klosters zum vierten Mal die hochkarätige klassische Konzertreihe Klosters Music statt. Das Programm mit neun Konzerten entführt das Publikum in Anlehnung an das 800 Jahre-Jubiläum von Klosters auf eine faszinierende Reise durch Zeit und Raum. Gespielt werden Werke aus der Renaissance, dem Barock, der Klassik und der Romantik. Mit dem berühmten Musical «Singin in the Rain» erinnert Klosters Music an die goldene Ära von «Hollywood on the Rocks» während im Atelier Bolt eine spannende Begegnung von Musik und Literatur stattfindet.

Bereits nach drei Durchführungen hat sich Klosters Music zu einem kleinen, aber feinen Hotspot der klassischen Musik mit nationaler und internationaler Ausstrahlung entwickelt. Einmal mehr wartet die exklusive Konzertreihe, die als kultureller und touristischer Faktor für die Region unverzichtbar geworden ist, im nächsten Sommer mit einem Programm mit erstklassiger Besetzung auf: ein Wiedersehen gibt es unter anderen mit bekannten Meistern ihres Fachs wie dem Pianisten Sir András Schiff und dem Dirigenten Pablo Heras-Casado. Zum ersten Mal dabei sein werden das Münchener Kammerorchester, das Mozarteumorchester Salzburg unter der Leitung von Patrick Hahn, das Freiburger Barockorchester, das Ensemble Philharmonix sowie das als Grösse der Kammermusik bekannte Hagen Quartett. Hohe Erwartungen darf man aber auch in die Solistinnen und Solisten setzen: so wird die auf Barockmusik spezialisierte Sopranistin Nuria Rial gemeinsam mit dem international gefeierten Blockflötisten Maurice Steger auftreten, während die mehrfach ausgezeichnete Violinistin Arabella Steinbacher und der technisch und musikalisch versierte Pianist Francesco Piemontesi mit den grossen Solistenwerken von Brahms und Schumann mit Orchester zu hören sein werden. Mit dem Musical «Singin’ in the Rain» erinnert Klosters Music an den Glamour von «Hollywood on the Rocks». Der Abend versetzt die Zuschauerinnen und Zuschauer zurück in jene Tage, in denen der Star des Musicals, Gene Kelly, auf den Tischen der Hotelbar im Chesa Grischuna tanzte. Das Luzerner City Light Symphony Orchestra spielt live die Musik zum berühmten Musical, das auf Grossleinwand gezeigt wird. Für eine spannungsvolle Begegnung von Literatur und Musik sorgen der Schriftsteller Alain Claude Sulzer und der Pianist Oliver Schnyder, die sich im Atelier Bolt auf Spurensuche der Schweiz als «Pionierin des Fremdenverkehrs» begeben.

Kartenvorbestellungen sind ab sofort per Bestellformular möglich. Hier gehts zum Programm.

KLOSTERS MUSIC 30. JULI – 7. AUGUST 2022

In seiner vierten Ausgabe feiert Klosters Music das 800-jährige Gründungsjubiläum von Klosters mit einer faszinierenden musikalischen Zeitreise von der Frührenaissance bis in die Gegenwart. Das Eröffnungskonzert steht ganz im Zeichen der Romantik: Das Münchener Kammerorchester unter der Leitung von Pablo Heras-Casado spielt Mendelssohns «Italienische Sinfonie» gefolgt von Robert Schumanns Klavierkonzert mit dem Schweizer Pianisten Francesco Piemontesi als Solist. Das Freiburger Barockorchester – zum ersten Mal in Klosters zu Gast – interpretiert  Meisterwerke aus dem Barock und der frühen Klassik, und am Nationalfeiertag tritt das «Ensemble Philharmonix – The Vienna Berlin Music Club» mit einem erfrischenden Mix aus Klassik, Jazz, Folk und Pop auf. In der Kirche St. Jakob entführen der Flötist Maurice Steger und die spanische Sopranistin Nuria Rial das Publikum ins Hochmittelalter und damit in die Gründerzeit von Klosters.

Das zweite Wochenende der Konzertreihe Klosters Music beginnt mit einem besonderen Ereignis, das daran erinnert, dass Klosters im 20. Jahrhundert mit seinen Filmstargästen auch als «Hollywood on the Rocks» bezeichnet wurde. Inspiriert von jener Zeit wird das Musical «Singinʼ in the Rain» mit Gene Kelly auf Grossleinwand gezeigt, wiederum mit Live-Orchestermusik des Luzerner City Light Symphony Orchestra. Das Mozarteumorchester Salzburg unter der Leitung von Patrick Hahn bringt neben der Ouvertüre zu Mendelssohns «Ein Sommernachtstraum», Haydns Sinfonie Nr. 104 und das Violinkonzert von Brahms mit Arabella Steinbacher zur Aufführung. Den krönenden Abschluss der Konzertreihe 2022 bildet das Klavierrezital mit Sir András Schiff.

Reservieren Sie sich heute schon die Daten von Samstag, 30. Juli bis Sonntag, 7. August 2022. Der Online-Ticketvorverkauf startet voraussichtlich am 1. März 2022. Schriftliche Vorbestellungen sind ab Dezember 2021 via Flyer möglich.

Grosser Erfolg für Klosters Music

Vom 31.7. bis zum 8.8. fand in Klosters unter dem Motto «Heimat. My Homeland» zum dritten Mal die klassische Konzertreihe Klosters Music statt. Das Publikum erlebte eine spannungsvolle und energiegeladene Reise in die faszinierende und reichhaltige Welt der böhmischen Musik aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Die Interpretinnen und Interpreten der acht Konzerte bedachten die über 3’000 Zuhörerinnen und Zuhörer vor nahezu ausverkauften Rängen mit ebenso unvergesslichen wie einzigartigen musikalischen Momenten.

Die Planung und Durchführung von Klosters Music war auch in diesem Jahr pandemiebedingt mit hohen Risiken verbunden. Dennoch konnten Publikum und Organisatoren mit musikalischem Hochgenuss und einem reibungslosen Ablauf der Veranstaltungen belohnt werden. Die Konzertreihe hat sich auch in diesem Sommer als qualitatives Highlight in der Schweizer Klassiksaison sowie als ebenso grosse Bereicherung für die Destination Klosters erwiesen. Im Rahmen der attraktiven Programmgestaltung des künstlerischen Leiters David Whelton, ehemaliger Direktor des Londoner Philharmonia Orchestra, wurde ein wahres Feuerwerk der Musikgeschichte gezündet. Die internationalen Stars Sir András Schiff (Piano), Christian Tetzlaff (Violine), Steven Isserlis (Cello), Hanno Müller-Brachmann (Bassbariton) und die Sopranistinnen Giulia Semenzato und Julie Fuchs liessen ein begeistertes Publikum mit spürbarer Unmittelbarkeit und Intensität an den hochkarätigen musikalischen Darbietungen teilhaben. Nebst zahlreichen Solodarbietungen, Ensembles und kleineren Orchesterwerken waren auch grossbesetzte Sinfonien von Wolfgang Amadeus Mozart, Antonín Dvořák sowie Johannes Brahms zu hören.

Hochauflösende Medienbilder können hier heruntergeladen werden.

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Kammerorchester Basel unter der Leitung von Jakub Hrůša beim Eröffnungskonzert © Marcel Giger
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Giulia Semenzato und Hanno Müller-Brachmann beim Eröffnungskonzert von Klosters Music © Marcel Giger
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Rudolf Lutz und Sévérine Payet, Orgelrezital Klosters Music © Marcel Giger
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Sir András Schiff © Marcel Giger
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Arena Klosters © Marcel Giger
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Christian Tetzlaff bei Klosters Music © Marcel Giger
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Steven Isserlis bei Klosters Music 2021 © Marcel Giger
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Cinema Paradiso mit dem City Light Symphony Orchestra und Thiago Tiberio © Marcel Giger

Whoops!

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Gerne möchten wir einen Artikel von Christian Albrecht teilen, welcher am 5. August in der Südostschweiz über das Konzert «Zeitlose Pracht» erschienen ist: Hier geht es zum Artikel

Eine Premiere der besonderen Art: Cinema Paradiso

Am letzten Abend von Klosters Music 2021 gibt es ganz grosses Kino: Auf Grossleinwand ist der zeitlose Filmklassiker «Cinema Paradiso» des sizilianischen Meisterregisseurs Giuseppe Tornatore (*1956) zu sehen. Das Oscar-prämierte Werk widmet sich in seiner sensiblen und elegischen Bildsprache der Geschichte des fiktiven sizilianischen Regisseurs Salvatore und des kleinen Fischerdorfes seiner Kindheit. Inzwischen international bekannt, kehrt Salvatore in seine ländliche Heimat zurück, um an der Beerdigung des hiesigen Filmvorführers Alfredo teilzunehmen. Die Rückkehr, ausgelöst durch den Tod des väterlichen Freundes, dem Salvatore in seiner Jugend bei den Filmvorführungen zur Hand gehen durfte, führt ihn zurück in die Welt der Erinnerungen und die Bilder seiner Kindheit. Die Musik zur cineastischen Trouvaille aus dem Jahre 1988 stammt aus der meisterlichen Hand des Komponisten Ennio Morricone und seines Sohnes Andrea Morricone. Der 1928 in Rom geborene und 2020 ebenda verstorbene Morricone arbeitete unter anderem mit Sergio Leone («Spiel mir das Lied vom Tod») und Bernardo Bertolucci, Federico Fellini sowie Pier Paolo Pasolini zusammen. Er prägte die italienische Filmmusik wie kein anderer. In Klosters wird die wundervolle Musik zum Film live durch das Luzerner City Light Symphony Orchestra gespielt, Leitung: Thiago Tiberio. Tickets (ab CHF 45) können hier erworben werden.

Eines der grössten Werke für Cello 

Am Abend des 7. August hören wir den sensiblen britischen Cellisten Steven Isserlis und Die Deutsche Kammerphilharmonie mit Dvořáks 1895 in Amerika komponiertem Konzert für Violoncello.  Das Werk gilt als eine der grössten Kompositionen, welche überhaupt je für dieses Instrument geschrieben wurden. Johannes Brahms dessen 1. Sinfonie am 7. August ebenfalls zur Aufführung kommt, soll, nachdem er die Partitur gelesen hatte, begeistert ausgerufen haben: «Warum habe ich nicht gewusst, dass man ein Cellokonzert wie dieses schreiben kann? Hätte ich es gewusst, hätte ich schon vor langer Zeit eines geschrieben!» Beginnt der erste Satz mit dem einprägsamen Hauptthema, entwickelt sich zwischen dem spät einsetzenden Cello und dem Orchester alsbald ein melodischer Dialog. Der zweite Satz, geprägt von Sehnsucht und Heimweh, zitiert Melodien aus «Lasst mich allein», dem Lieblingslied von Dvořáks im Frühjahr 1895 verstorbener Schwägerin. Gibt sich der dritte Satz zu Anfang gelassen, steigert er sich zunehmend zu einem faszinierenden Wechselspiel von Tempo, Ruhe und Intensität, um in feinfühliger Ahnung schmerzvoller Sehnsucht sanft zu verklingen.

Klosters Music konnte im Vorfeld des Konzertes mit dem bekannten Cellisten unter anderem über das Cellokonzert von Dvořák und die Zusammenarbeit mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen und  sprechen.


Über das Cellokonzert von Dvořák und seinen Platz in den heiligen Hallen des Repertoires wurde schon viel geschrieben. Was macht es aus ihrer Sicht zu einem derart grossen Werk?

Das Konzert von Dvořák war, so meine ich mich zu erinnern, das erste Stück klassische Musik in das ich mich wirklich verliebt habe – also habe ich sehr lange damit gelebt! Und heute liebe ich es sogar noch mehr als damals. Es steckt alles darin: Heroik, Freude, Tragik, eine Fülle herrlicher Melodien 

und eine volkstümliche Einfachheit, die es erlaubt, direkt aus dem Herzen zu sprechen.

Was hat es mit ihrer musikalischen Beziehung zum Deutschen Kammerorchester Bremen auf sich? Was macht sie so speziell?

Das Deutsche Kammerorchester Bremen ist ein sehr, sehr spezielles Orchester. Ein jedes Mal, wenn ich mit ihnen spiele, ist es, als würden wir Kammermusik spielen. Jedes Mitglied des Orchesters ist absolut der Musik verpflichtet, die wir gerade spielen. Aussergewöhnlich!

Welches Buch haben sie während des Lockdowns am liebsten gelesen?

Nun ja…ich habe ziemlich viel gelesen. Romane, Agenten-Trhiller, Sachbücher, etc. 

Da es viele Bücher waren, die von Leuten die ich kenn geschrieben wurden und ich niemanden beleidigen will, wenn ich ihn oder sie nicht aufzähle, erwähne ich an dieser Stelle nur Silas Marner von Goerge Eliot. Was für ein grossartiger Schriftsteller!

Ihr Online-Meisterkurs war enorm beliebt. Ist das ein Format, das sie auch in Zukunft anbieten werden?

Ich bevorzuge Live-Kurse. Aber ich bin froh, wenn sie aufgezeichnet werden.  Es macht mir so viel Spass, mit jungen Leuten zu Arbeiten. Es ist eine Pflicht und eine grosse Freude zugleich.

Eine grosse Stimme erklingt in der bukolischen Berglandschaft

Nach einem erfolgreichen Eröffnungswochenende beginnt die Konzertwoche mit einem Abend, der ganz der prachtvollen Musik des Barock gehört. Zu Gast in Klosters sind das Zürcher Orchestra La Scintilla und die französische Sopranistin Julie Fuchs. Klosters Music hat im Vorfeld des Konzertes mit der Solistin des Abends gesprochen.


Wann und warum haben Sie entschieden, Ihr Leben der Musik zu widmen?

Entschieden habe ich das nie! Schon als Kind liebte ich es, zu tanzen und nahm zugleich Violinunterricht. Das war meine Einführung in die Musik. Einige Jahre später trat ich dann einem Kinderchor bei und richtete meinen Fokus auf den Gesang, welchen ich mehr liebte. Ich habe weiter Musik- und Theaterunterricht genommen, um zu sehen, wohin es mich zieht. Aber einen Punkt, an dem sich sagte «das ist meine Profession!» gab es eigentlich nie. Ich habe mich einfach treiben lassen und habe das getan, was ich liebe.

Was ist ihre Beziehung zu den Werken, die sie in Klosters singen?

Die Barockmusik war immer Teil meines künstlerischen Lebens. Ich denke, sie ist der eigentliche Beginn des «bel canto». Sie berührt mein Herz direkt. Es ist ein Stil, welcher den Interpreten eine grosse Freiheit lässt. Und ich liebe Freiheit.

Was sind ihre musikalischen Träume für die Zukunft? Gibt es bestimmte Werke, die sie singen möchten? Und wenn, warum?

Ich bin sehr glücklich, dass ich bereits einige meiner Traumrollen singen durfte. Und mehr dieser Traumrollen werden in der Saison 2021/22 kommen: Die «Julia» in «Romeo und Julia» und die «Mélisande» in «Pelléas et Mélisande». Generell versuche ich mein Repertoire breit zu halten, Mozart und «bel canto» sind eine Priorität. Eines Tages möchte ich «Manon» und die «Violetta» singen. Aber ich muss schauen, wie sich meine Stimme entwickelt!

Worauf freuen sie sich in Klosters?

Als ich Mitglied des Ensembles des Opernhauses Zürich war, habe ich mich in die Schweiz verliebt. Es hat mir Spass gemacht, verschiedene Regionen zu entdecken und an diversen Orten in diesem schönen Land aufzutreten. Meistens sind die Opernhäuser in den grossen Städten, aber ich bin gerne in der freien Natur. Es freut mich also sehr, in solch einer bukolischen Umgebung inmitten der Berge zu sein und die Musik, die sich liebe mit dem Publikum zu teilen.

Möchten Sie noch etwas hinzufügen?

Ich beginne meine Saison mit «Poppea» in «L’incoronazione di Poppea» in einer meiner Lieblingsporduktionen überhaupt unter Calixto Bieito. All jenen, die in Klosters oder nahe bei Zürich leben und mich in der Oper sehen möchten, kann ich dieses Stück wärmstens empfehlen. Hier ist der Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=tyZqSr8Z-Ho

«Überschaubare Unendlichkeit»

Dass die Welt der Musik und die Entwicklungen innerhalb des musikalischen Universums eine nahezu unendliche Dimension umfassen, wird bereits anhand des diesjährigen Programms von Klosters Music klar. Inwiefern diese Unendlichkeit aber auch den Aspekt des «Überschaubaren» in sich trägt, beschreibt der Musiker und Komponist František Janoska, der uns mit seinem virtuosen Ensemble am 1. August beehren wird. Im nachfolgenden Interview gibt er einen vertieften und faszinierenden Einblick in die musikalischen Wurzeln des Janoska Ensembles sowie in die Position der volksmusikalischen Einflüsse in Vergangenheit und Gegenwart. Eine Lektüre des ebenso informativen wie unterhaltsamen Gesprächs lohnt sich in jedem Fall. František Janoskas Reflexionen über die böhmische Musik, seine Arrangements und seine eigenen Kompositionen bilden die ideale Basis, sich mit doppelter Vorfreude auf jene Stunden voller «Böhmischer Rhapsodien» einzulassen.

Inwiefern bedeutet für die Janoskas die Musik «Heimat» – gerade da sie sich ja intensiv mit der Musik ihrer Heimat auseinandersetzen?

Im Zusammenhang mit Musik verbinden wir mit dem Begriff «Heimat» vor allem den der Volksmusik: Darunter verstehen wir jene Melodien, die wir in der Kindheit gehört haben, die unsere Mutter uns vorgesungen hat, die wir irgendwo aufgeschnappt und nachgesummt haben – all diese Lieder, Weisen und Melodien haben wir nach wie vor im Kopf und geben sie – bewusst und auch unbewusst – heute unseren eigenen Kindern weiter. In unserer geografischen Heimat, also wo wir aufgewachsen sind, wurde slowakisch und ungarisch gesprochen: Da kam und kommt es natürlich zu musikalischen Berührungen oder auch Überschneidungen. Beispielsweise wissen wir von ursprünglich ungarischen Volksliedern, die in die andere Sprache transportiert wurden und dann – sozusagen – nicht mehr als Adaption, sondern als «eigene» Lieder verstanden wurden; umgekehrt funktionierte das natürlich auch. Beides aber – wie auch schon Kodály feststellte – verfestigt sich, hat man es mal quasi mit der «Muttermilch eingeflösst» bekommen. Dazu muss man aber auch sagen, dass wir in einer sehr musikalisch geprägten Familie aufgewachsen sind und von frühester Kindheit an die verschiedensten Musikstile kennenlernen durften. Besonders verbindet uns da auch eine grosse Vorliebe für diejenigen Komponisten, die in unserer Region gelebt beziehungsweise gewirkt haben und deshalb für uns immer schon so was wie Vorbilder waren. Dazu zählen unter anderem Franz Liszt, Bela Bartók, W. A. Mozart und Joseph Haydn. Diese Komponisten leben für uns in dieser Welt weiter und sind für uns hier und jetzt immer präsent. Das Janoska Ensemble meint mit «Heimat» ausserdem immer den Ort, wo es gerade Musik macht – wir verstehen darunter vorwiegend die Bühne. Ein wichtiger Aspekt dabei ist, dass wir uns immer und überall von der jeweiligen Musik inspirieren lassen: Wir interessieren uns hier vorwiegend für die lokale Volksmusik, deren Rhythmen und suchen regelrecht danach, hören zu, spielen nach und bauen letztendlich das Gehörte gerne in unsere Improvisationen ein.

Inwiefern ist die Musik identitätsstiftend? Zu Hause, aber auch in der Fremde?

Vor allem die Rhythmik, also der Tanz, sind wichtige Identitätsmerkmale von Musik: Dies wird am intensivsten in der Kindheit durch und mit Kinderliedern, Reimen und Volksweisen er- und gelebt und «verwurzelt». Das ist sehr ähnlich wie beim Erlernen einer Sprache: Der Rhythmus, der Takt und die Intonation sind die Bauteile und bleiben – haben sie unsere Kindheit begleitet – immer in uns, unabhängig davon, wo wir uns später aufhalten oder uns hinbewegen.

Welche Ansätze verfolgt František Janoska in seiner Tätigkeit als Komponist im Spannungsfeld zwischen Tradition und Gegenwart?

Die slowakisch-ungarisch-österreichische Herkunft ist im kompositorischen Schaffen von František tief verwurzelt und wird unter anderem direkt thematisiert. So zum Beispiel in seiner dreisätzigen «Janoska Symphony No.1» mit den Satzbezeichnungen «Bratislava», «Wien», «Budapest». Dazu folgende Erläuterung von František: «Das Werk stellt eine Reise in drei Bildern durch Länder bzw. Städte des Donauraumes dar, von dessen langer Musiktradition ich seit Kindertagen musikalisch mitgeprägt worden bin. Die Themen sind völlig selbstständige, neue Kompositionen und ich habe – quasi als kleinen musikalischen Gruss aus meiner Kindheit – in jedem Satz ein Musikzitat als Miniatur eingebaut; also für einige Momente eine für das jeweilige Land sehr typische, bekannte Melodie. Darüber hinaus bekommt in jedem Satz ein jeweils landestypisches Instrument seinen eigenen Auftritt.» Im ersten Satz ist dies die slowakische Hirtenflöte, die Fujara, die so sicherlich erstmals in einem «klassischen» symphonischen Werk zu hören ist. Für Wien kommt die Zither zum Einsatz und im dritten Satz bekommt das exotische Tárogató seinen Auftritt: Dieses «hölzerne Saxofon» ist ein altes ungarisches Volksinstrument, das einen unvergleichlich weichen Klang besitzt.

Womit setzt František Janoska sich auseinander und warum?

Wie am Beispiel der «Janoska Symphony No.1» beschrieben, lässt sich diese musikalische «DNA» nicht nur nicht verleugnen, sondern sie bricht regelrecht im Umfeld einer neuen Komposition hervor, erwacht zu neuem Leben und präsentiert sich in einer weiterentwickelten Form. Wichtig dabei ist, eine eigene «authentische» Formel zu finden und dieser, also seinem Stil, treu zu bleiben.

Jeder Komponist hat seine eigene Schreibmethode. Die von František findet in einer sehr harmonischen Welt statt und er formuliert es am besten selbst wie folgt: «Ich bin ein Komponist des 21. Jahrhunderts, aber war und bin auch ein Romantiker.

Das heisst, ich schreibe schöne, harmonische Melodien, lasse aber – und das nicht nur bei Kompositionen für das Janoska Ensemble, sondern auch bei symphonischen Stücken – den Musikern einen grossen Freiraum, sich musikalisch einzubringen. Es gibt dafür in jeder meiner Kompositionen Improvisationsteile, die jeweils völlig frei interpretiert werden dürfen. Diese ‹persönliche Note› drückt jeder Interpretation und Aufführung ihren eigenen Stempel auf und gibt so dem Stück etwas sehr Individuelles, ja Einzigartiges. Sehr wichtig ist mir allerdings, dass immer Neues entsteht: Ich bin sozusagen offen für ‹Experimente› und will immer eine Entwicklung sehen. Sich ständig weiterzuentwickeln scheint mir generell ein wichtiger Aspekt zu sein.»

Worauf freut sich das Janoska Ensemble in Klosters?

Wir waren ja schon hier im wunderschönen Klosters und freuen uns besonders auf die Umgebung, den Eindruck der unbelasteten Natur, die herrliche Landschaft, die grünen Wiesen, das unglaubliche Panorama mit den imposanten Bergen. Erinnerlich ist uns besonders die Weite, der unglaublich grosse Raum, den man hier – von der Natur vorgegeben – erlebt: Diesen «Freiraum» setzen wir im Konzert in ebenso freie Improvisation um und geniessen einfach die so entstehenden guten Vibes in Interaktion mit dem sehr internationalen Publikum. Dazu kommen selbstverständlich die Kulinarik und die grossartige Gastfreundschaft.

Wie sieht das Ensemble die musikalische Zukunft der Verwurzelung in der Tradition der Volksmusik?

Die Volksmusik hat, wie schon erwähnt, immer einen festen Anker: Im multikulturellen Wien beispielsweise treffen viele Kulturen, Stile und letztlich Traditionen aufeinander. Die Volksmusik hat dann eine Zukunft, wenn Komponisten diese in ihre Werke einbauen und so einem breiten Publikum näherbringen. So kennen wir zum Beispiel den Tango durch Astor Piazzolla oder haben durch Carlos Jobim den Samba lieben gelernt; aber auch in der Klassik haben sich alle von der Folklore inspirieren lassen: Würden wir sonst überall auf der Welt ungarische Rhapsodien kennen, hätten nicht Liszt oder Brahms diese notiert? Wohl kaum!

Viele Komponisten, von Schubert, Beethoven oder Haydn über Dvořák, Liszt und Brahms bis hin zu Bartók, Pärt oder Lutosławski, widmeten einen beachtlichen Teil ihres Œuvres der Folklore und verarbeiteten traditionelle Melodien in ihren Werken.

Auch das Janoska Ensemble fühlt sich der Folklore verpflichtet, bekennt sich in seinen Kompositionen klar zum Volksidiom und drückt mit virtuosen Improvisationen im «Janoska Style» den Werken aus allen Herkunftsländern seinen multikulturellen Stempel auf.

Der «Janoska Style» lässt sich kaum mit einem einzigen Satz erklären – denn es würde lange dauern, alle biografischen und künstlerischen Zutaten aufzulisten, die diesen Stil ausmachen –, sondern vielleicht am ehesten wie folgt: Der «Janoska Style» ist eine neue, gemeinsam geschaffene musikalische Vision: eine Mischung aus Klassik, Jazz, Pop und anderen Stilelementen; dazu gesellt sich als vielleicht wichtigster Bestandteil des gemeinsamen Musizierens die vergessene Kunst der Improvisation in der klassischen Musik.

Wird diese Basis immer in eine neue Gegenwart finden und warum?

Bis heute hat sich dies bewährt – das musikalische Universum ist ja überschaubar unendlich, sprich: Die Musik entwickelt sich in all ihrenParametern wie etwa Instrumentierung, Soundbearbeitung und Wiedergabe, Harmonik und auch das Zusammenwirken mit anderen Medien ständig weiter. Die Volksmusik, und also auch die eigenen Wurzeln beziehungsweise die «musikalische Heimat», wird dabei immer eine wichtige individuelle Rolle spielen, denn sie erfindet sich immer wieder neu. Dies erfolgt in einer Art «zeitgenössischer Balance» und – in unserem Fall – im bereits beschriebenen «Janoska Style».

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Dienstag, 3. August: Prachtvolle Musik und eine grosse Stimme: Julie Fuchs

Ein besonderes Vergnügen ist es uns, in diesem Jahr die 1984 in Meaux (F) geborene Sopranistin Julie Fuchs erstmals in Klosters begrüssen zu dürfen. Zusammen mit dem Zürcher Orchester La Scintilla bringt die Sängerin und studierte Violinistin am Abend des 3. August elegante und dramatische Arien von Georg Friedrich Händel und Antonio Vivaldi auf die Bühne. Fuchs, die von 2013 bis 2015 als festes Mitglied des Ensembles des Opernhauses Zürich fungierte, wurde im Laufe ihrer Karriere mit zahlreichen Preisen und Auszeichnungen geehrt. Wir freuen uns, dass Julie Fuchs nun auch in Klosters eine musikalische Heimat findet. Abgerundet wird der Konzertabend mit dem 3. Brandenburgischen Konzert von Johann Sebastian Bach durch das Orchester La Scintilla.

 

Eine Weltreise zum Nationalfeiertag

Den Nationalfeiertag begeht Klosters Music mit dem «Janoska Ensemble» und mit einer Reise rund um die Welt. Dies allerdings, ohne die Heimat im eigentlichen Sinne zu verlassen. Denn «Mit dem Begriff ‹Heimat› verbinden wir musikalisch vor allem die Volksmusik: Darunter verstehen wir jene Melodien, die wir in der Kindheit gehört haben, die unsere Mutter uns vorgesungen hat, die wir irgendwo aufgeschnappt und nachgesummt haben; all diese Lieder, Weisen und Melodien haben wir nach wie vor im Kopf und geben sie – bewusst und auch unbewusst – heute an unsere eigenen Kinder weiter.», so František Janoska. Schweifen wir also in ferne Heimatgestade und lauschen den Erinnerungen, welche die «Janoskas» Antonin Dvořáks 1880 für Stimme und Klavier komponierten «Songs My Mother Taught Me» und der Eigenkomposition «Hello Prince!» von Roman Janoska mit uns teilen. Gar bis nach Argentinien führt Astor Piazzollas «Oblivion» (neu anstelle von Adíos Nonino im Programm), ursprünglich komponiert 1982 als Filmmusik für das italienische Drama Henry IV. Rund um die Welt ging auch die «Bohemian Rhapsody», mit welcher der Freddie Mercury, Frontmann der Popgruppe «Queen», 1975 Geschichte schrieb. Weitere Informationen zum Konzert finden Sie hier.


Wegen eines gebrochenen Fingers kann Ondrej Janoska (Violine) leider nicht am Konzert mitwirken. Das Janoska Ensemble wird dennoch auftreten und wir dürfen zudem ein weiteres Mitglied der Familie begrüssen: Arpád Janoska (Sänger) wird beim Tango von Piazzolla als Überraschungsgast auftreten. Das Programm kann zum grössten Teil beibehalten werden. Wir sind überzeugt, dass das Janoska Ensemble das Konzert dank seiner grossen Improvisationskunst zu einem Ereignis werden lassen wird und wünschen Ondrej Janoska an dieser Stelle gute Besserung! 

Fulminantes Eröffnungswochenende

Nur wenige Tage noch und die alljährliche Konzertreihe von Klosters Music nimmt mit einem fulminanten Wochenende seinen Anfang. Bereits am ersten Tag tauchen wir in die musikalische Welt von Böhmen des 19. Jahrhunderts ein.

Der Abend des 31. Juli ist der besonderen Beziehung gewidmet, die Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) mit der böhmischen Metropole verband. 

Zum Auftakt spielt das Kammerorchester Basel, das erstmals unter der Leitung des tschechischen Dirigenten Jakub Hrůša steht, Mozarts Sinfonie Nr. 38, die «Prager Sinfonie». 

«Ein Geschenk des Himmels»

Zum Zauber von Mozarts Musik, der in Prag bis heute spürbar ist, meint Jakub Hrůša : «Mozart in Prag, das ist ein historisches Phänomen per se. Wir alle lieben Mozarts Musik, denn sie ist ein Geschenk des Himmels. Zu seinen Lebzeiten haben das nicht alle so empfunden. Die Gewissheit, dass Mozart in Prag einige der glücklichsten Momente seines kurzen Lebens verbrachte, lässt mir warm ums Herz werden. Ich erinnere mich noch heute gut daran, dass ich, als ich zum ersten Mal im Staatstheater dirigierte, am exakt selben Platz stand wie Wolfgang Hunderte Jahre zuvor. Der genau gleiche Ort, markiert mit einer Gedenkplakette. Ich fühlte mich erfüllt von Inspiration und überwältigt von Ehrfurcht. Es war wunderschön.» Zauberhaft muten denn auch die Arien und Duette aus Mozarts Opern «Le Nozze di Figaro» und „Don Giovanni“ an, die von der italienischen Sopranistin Giulia Semenzato und vom deutschen Bass-Bariton Hanno Müller-Brachmann gesungen werden. Nebst dramatischen und eleganten Arien, der «Prager Sinfonie» und der Ouvertüre aus «Le Nozze di Figaro» ist das Klavierkonzert Nr.23 von Wolfgang Amadeus Mozart ein weiterer Höhepunkt des Abends. Das Konzert, gespielt vom mehrfach ausgezeichneten französischen Pianisten Lucas Debargue, gilt als eine von Mozarts grössten Schöpfungen überhaupt. 

Lieder, die unsere Mutter sang

Der zweite Abend des Eröffnungswochenendes steht mit dem virtuosen Janoska Ensemble ganz im Zeichen der Tradition der böhmischen Rhapsodie und des Volkslieds. 

Das abwechslungsreiche Programm umfasst «Melodien, die wir als Kinder hörten, die Schlaflieder, die unsere Mutter sang, die Stücke, die uns im Kopf und in den Ohren blieben und uns bis heute präsent sind. Wir tragen alle diese Musik in unseren Gedanken, bewusst oder unbewusst und vererben sie unseren Kindern.“, so Fantišek Janoska.

Steht am Beginn des Abends mit der ungarischen Rhapsodie Nr. 2 in cis-Moll von Franz Liszt die ebenso gewichtige wie tänzerische Hommage eines Heimatlosen an seine Heimat, folgt mit Antonin Dvořáks 1880 für Stimme und Klavier komponierten «Songs My Mother Taught Me» (orig. dt. «Als die alte Mutter sang», tschechisch «Když mne stará matka zpívat učívala») das vierte Lied aus einem Zyklus von sieben Zigeunerliedern mit Texten aus der Feder des tschechischen Dichters Adolf Heyduk (1835–1923). Mit «Hello Prince!» von Roman Janoska befördert uns das Ensemble mit der ersten Eigenkomposition in die unmittelbare musikalische Gegenwart. Den freimütigen Schritt in die jüngste Vergangenheit unternehmen die «Janoskas» mit dem Song «Bohemian Rhapsody», mit welchem der 1946 in Indien geborene und 1991 verstorbene Frontmann der Rockgruppe «Queen», Freddie Mercury, 1975 Popgeschichte schrieb. Das Stück, welches sich in seiner ursprünglichen Form in sechs Abschnitte gliedern lässt, wurde unter anderem als Auskopplung aus dem Album «A Night at the Opera» veröffentlicht. Der deutsche Komponist und Musikwissenschafter Hartmut Fladt schreibt über Mercurys «Bohemian Rhapsody»: «Das Ganze ist eine Liebeserklärung an die Oper des späten 19. Jahrhunderts, die aber eben mit Mitteln des 20. Jahrhunderts raffiniert inszeniert wird. Das Lied ist ein sehr intelligentes Stück postmoderner Pop-Kultur.» Nach dem Ausflug in die Welt der Popmusik nehmen uns die «Janoskas» auf die weite Reise nach Südamerika mit und widmen sich mit Astor Piazzollas «Adiós Nonino» dem Tango Nuevo. Piazzolla hatte das Stück 1959 als Hommage an seinen verstorbenen Vater komponiert. Den fulminanten Abschluss des Abends bildet František Janoskas ebenso bekannte wie beliebte Eigenkomposition Esterházy Rhapsody Nr. 1 «Alte Zeiten – junge Noten».

Ausflug an die Bad RagARTz am 2. August 2021

Für den konzertfreien Tag am 2. August hat sich Kosters Music etwas Besonderes einfallen lassen. Denn es ergibt sich die grossartige Gelegenheit, mit dem Besuch der 8. Schweizerischen Triennale der Skulptur, Bad RagARTz, einen faszinierenden Abstecher in die bildende Kunst zu machen. Zu entdecken gibt es insgesamt 400 Skulpturen von 83 Künstlern aus aller Welt. Die Gäste von Klosters Music werden vom Kunsthistoriker Andrin Schütz im Rahmen eines gemütlichen Spaziergangs in den gepflegten Parkanlagen von Bad Ragaz durch die Ausstellung geführt. Ein empfehlenswerter, entspannter und zugleich inspieriender Ausflug in die Welt der internationalen Kunst und in die wundervolle Natur vor den Toren Graubündens. Der Transfer Klosters-Bad Ragaz-Klosters wird durch Klosters Music organisiert. Hier geht es zur Anmeldung.

Jérémie Rhorer dirigiert anstelle von Maxim Emelyanychev

Leider muss Maxim Emelyanychev auf seinen Auftritt beim Klosters Music 2021 verzichten. Die Absage erfolgt aufgrund der schwierigen Reisebedingungen im Kontext der Covid-Pandemie.

An seiner Stelle konnte für die Konzerte vom Freitag, 6. August 2021, «Gedanken aus der Heimat» und vom Samstag, 7. August 2021, «Abschied und Neubeginn» der französische Dirigent Jérémie Rhorer gewonnen werden. Karteninhaberinnen und Karteninhaber der beiden Konzerte sind bereits separat informiert worden.

Rhorer gilt als einer der vielseitigsten und intellektuell anspruchsvollsten Dirigenten seiner Generation und ist in Konzertsälen und Opernhäusern gleichermassen zuhause. Als Gründer und musikalischer Leiter des Orchesters Le Cercle de l’Harmonie war Jérémie Rhorer als Dirigent bei den renommiertesten internationalen Festivals Europas zu Gast, wie in Aix-en-Provence, Glyndebourne, Edinburgh, den BBC Proms und in Salzburg. Als Operndirigent leitete er Produktionen an der Wiener Staatsoper, der Bayerischen Staatsoper, La Monnaie in Brüssel und mit dem Théâtre des Champs-Elysées in Paris verbindet ihn eine enge Zusammenarbeit. Rhorer dirigierte einige der bedeutendsten internationalen Orchester, darunter das Philharmonia Orchestra, das Gewandhausorchester Leipzig und das Orchestre de Paris. Er ist regelmässig zu Gast bei der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, mit der er einen Tschaikowsky-Zyklus aufführt.

Hier finden Sie mehr Informationen und Tickets zu den Konzerten am 6. August 2021 und am 7. August 2021.

Vernissage für die Ausstellung mit bedeutenden Druckgraphiken von Le Corbusier im Atelier Bolt am 31.Juli um 11.00 Uhr

Im Vorfeld des grossen Eröffnungsabends von Klosters Music findet im Atelier des Klosterser Künstlers Christian Bolt von 11.00 Uhr bis 12.30 die Vernissage zu einer besonderen Ausstellung mit Weltklasse statt: Im Rahmen der Kooperation mit der Schweizerischen Triennale der Skulptur, Bad RagARTz sind  vom 31. Juli bis zum 31. Oktober bedeutende Druckgrafiken des weltbekannten Architekten, Künstlers und Designers Le Corbusier (1887–1965) zu sehen, welche von Frau Heidi Weber anfangs der 60er Jahre in Zürich editiert und in Paris beim berühmten Lithographen Fernand Mourlot in Auftrag gegeben wurden. Die Ausstellung mit den aus der permanenten Sammlung der Stiftung Schweizerische Triennale der Skulptur stammenden Werken – eine Schenkung von Frau Weber – bietet die seltene Gelegenheit, verschiedene in sich geschlossene grafische Werkzyklen von Le Corbusier in ihrer Gesamtheit zu erleben.

Öffnungszeiten: Mo-Fr, 10.00–12.00 Uhr und 14.00–17.00 Uhr, oder nach Vereinbarung unter +41 79 715 43 83
Adresse: Atelier Bolt, Doggilochstrasse 121, Klosters

Farbe bekennen: Wir verkaufen Fahnen im Klosters Music Design. 

Am 31. Juli verwandelt sich Klosters in einen Ort der musikalischen Extraklasse. Dies möchten wir zelebrieren, indem wir Klosters mit Fahnen in unserem Design schmücken. Neben Fahnenstangen, welche auf grosszügige Weise von den lokalen Hotels und Geschäften zu Verfügung gestellt werden, produzieren wir auf Anfrage auch Fahnen für Privathaushalte (Kosten: Fr. 200.-).

Als Dankeschön erhalten Sie einen Konzertgutschein im Wert von Fr. 100.-, welcher für ein beliebiges Konzert von Klosters Music in diesem oder den nächsten Jahren eingelöst werden kann.

Bei Interesse bitten wir Sie, sich idealerweise bis am Freitag, 16. Juli 2021, per Email bei julia.maeder@klosters-music.ch zu melden. Um die Produktion und Verteilung der Fahne werden wir uns kümmern.

Klänge für den zeitlosen Augenblick

Ein Abend mit besonderen und vor allem einmaligen musikalischen Momenten erwartet das Publikum am 4. August in der Kirche St. Jakob beim Orgelrezital «Zwischen hier und dort – Heimweh» mit dem begnadeten Organisten und Improvisator Rudolf Lutz. Bilden die Kompositionen Johann Sebastian Bachs mit dem eingangs vorgetragenen Präludium in h-Moll und der Fuge in h-Moll zum Schluss die ruhenden Pole des Abends, erleben wir dazwischen Werke von Mozart, Dvořák und Schubert in Orgelfassungen und Improvisationen von Rudolf Lutz.

Der Eintritt ist frei (Kollekte), jedoch ist aus Kapazitätsgründen eine Voranmeldung erforderlich. Bitte benutzen Sie für die Anmeldung das Online-Formular. Die Anmeldung ist ab sofort möglich.

Lesen Sie hier, was Rudolf Lutz selbst zum einzigartigen Abend in Klosters zwischen sicherer Heimat, Erinnerung und Gefühlen von Heimweh sagt:

«Heimweh setzt eine Heimat, ein Heim voraus. Für mich ist das Bach als ruhender Pol und sicheres Haus. Sein spätes h-Moll Präludium sowie die Fuge dienen als Rahmenprogramm. In der Mitte des Orgelkonzerts erklingt eine eigene Fassung des 2. Satzes aus Dvořáks Sinfonie ‹Aus der Neuen Welt›. Das lyrische Hauptthema erinnert mich an den Blick aus dem Hotel Waldhaus auf den abendlich erleuchteten Silsersee. Es ist wohl meine eigene Sehnsucht, die durch diese wunderbare Musik anklingt. Kann Musik Heimweh ausdrücken? Vielleicht ist es eher die Erinnerung an Heimweh. Weiter wird Mozarts a-Moll Rondo erklingen. Es ist für mich von diesem unbeschreiblichen Herbstlicht einer Luisa Famos erfüllt, wenn sie schreibt:

‹Per mai es stat quel di                             ‹Für mich war jener Tag
L’ultim da mi’utuon                                   der letzte meines Herbstes,
Tant glüminusa                                          so lichterfüllt,
Preferida                                                     vor allen andern lieb;
Tuot oter d’eir il tschêl                              so anders war der Himmel
D’ün blau chafuol                                       in seinem tiefen Blau,
Masdà da desideris e dümperar              verwoben mit Wünschen und
Dumandas sainza gnir respusas.›            Fragen ohne Antwort.›

(aus dem Gedichtband «eu sun la randolina d’ünsacura», übersetzt von Mevina Puorger)

Die Improvisationen entstehen aus dem Moment. Einige von Schuberts Melodien werden zu einem lutzschen Liederkranz verwoben. Sie und weitere Schöpfungen erklingen am 4. August zum ersten und letzten Mal.»

2. Juli 2021 – ein Tag voller Augen- und Ohrenschmaus

Bevor wir uns am Freitag, 2. Juli ganz den traumhaften Celloklängen der argentinischen Starcellistin und der sensiblen und virtuosen Tastenkunst des aus Südafrika stammenden Kristian Bezuidenhout hingeben, gibt es für die Gäste von Klosters Music die Gelegenheit, an drei exklusiven und kompetenten Führungen durch die grösste Freiluftausstellung Europas teilzunehmen.

Die 8. Schweizerische Triennale der Skulptur, Bad RagARTz 2021, zeigt rund 450 Werke von 83 Künstlern aus aller Welt. Jeweils um 10.30 Uhr, 13 Uhr und 15 Uhr begleitet der Kunsthistoriker Andrin Schütz zusammen mit seinen Kolleginnen und Kollegen das Konzertpublikum für rund eine Stunde durch die Skulpturenausstellung im Kurpark.

Geniessen Sie diesen gemütlichen und inspirierenden Kunstrundgang und nutzen Sie die Gelegenheit, Fragen zu stellen und sich in ungezwungener Atmosphäre in die internationale Welt der visuellen Kunst zu vertiefen. Sichern Sie sich diesen Tag voller Kunst und Musik und reservieren Sie rechtzeitig Tickets für das Konzert von Klosters Music im Grand Resort Bad Ragaz um 18 Uhr oder 20.30 Uhr.

Lassen Sie sich diesen Tag voller Kunst und Musik nicht entgehen und reservieren Sie bald Ihre Tickets für das Klosters Music Konzert im Grand Resort Bad Ragaz um 18:00 oder 20:30 Uhr. Buchen Sie jetzt Ihr Konzertticket für den 2. Juli. Information und Anmeldung zu den Führungen (CHF 25) finden Sie hier.

Kunst und Musik: Bad RagARTz und Klosters Music

Wer in der Musik zu Hause ist, dem liegt die Kunst mit Sicherheit nicht fern.  Und wer die Kunst liebt, der liebt auch die Musik. Um die Kultur in ihrer Gesamtheit und über die Regionen hinaus gemeinsam zu leben, treffen sich Klosters Music und die Schweizerische Triennale der Skulptur Bad RagARTz in diesem Sommer anlässlich zweier grossartiger Events zum Stelldichein. Ganz gemäss dem Motto der diesjährigen Bad RagARTz: «Distanz schärft den Blick und Kunst schafft Nähe». Und diese «Nähe» ist wichtig, berichtet Rolf Hohmeister: «Mir liegt es am Herzen, mittels der Kultur Menschen und Generationen zu verbinden. Und diese Verbindungen müssen weit über die Regionen hinausgehen so Hohmeister weiter. Denn: «Auf diese Weise stärken wir das kulturelle Bewusstsein der Menschen. Aber nicht nur dieses: Wir stärken unsere Standorte und unsere Veranstaltungen gegenseitig. Wir sehen also: Gemeinsamer Genuss bringt einen vielfältigen Nutzen. Ein erster Moment dieses gemeinsamen Genusses wird am 2. Juli in Bad Ragaz im Rahmen der Vorpremiere von Klosters Music im Rahmen des gemeinschaftlich organisierten Konzertes «Zweite Heimat» stattfinden. Während sich Klosters Music in die schöne Rheinlandschaft bewegt, macht sich die Bad RagARTz auf in die imposante Bergwelt von Klosters:

So erwartet die Gäste von Klosters Music während der Sommerkonzerte im Besonderen im Atelier des Klosterser Bildhauers Christian Bolt eine kunstvolle Überraschung von Weltrang. Näheres aber sei an dieser Stelle noch nicht verraten. Mehr Informationen finden Sie hier.

«Zweite Heimat»: Zusatzkonzert mit Sol Gabetta und Kristian Bezuidenhout

Am 2. Juli 2021 findet in Grand Resort Bad Ragaz das Zusatzkonzert «Zweite Heimat» statt. Das Konzert ist das eigentliche Initial der Zusammenarbeit von Klosters Music und der Schweizerischen Triennale der Skulptur. Mit dem Grand Resort konnte ein würdiger Veranstaltungsort für dieses besondere Konzert mit Starbesetzung gefunden werden. Wir dürfen uns auf die wundervolle Cellistin Sol Gabetta und den herausragenden Pianisten Kristian Bezuidenhout freuen, welche an diesem bewegenden Abend Sonaten für Violoncello und Klavier Mendelssohn und Brahms aufwarten.

Mutet Mendelssohns Sonate Nr. 1 in B-Dur im ersten Satz vorerst verspielt und leicht an, entwickelt sich alsbald eine vom Cello getragene, spannungsvolle Erzählung. Der zweite Satz wiederum ist zärtlich beseelt, während der dritte Satz von Wehmut und zuweilen stürmischer Dramatik zugleich geprägt ist. Die Sonate für Violoncello und Klavier Nr. 1 in e-Moll von Johannes Brahms darf als erstes Werk seiner reiferen Periode bezeichnet werden. Komponierte er den grössten Teil der Sonate 1862 im idyllischen Badeort Bad Münster am Stein, fällt die Komposition des letzten Satzes auf das Jahr 1865. So ist denn der erste Satz auch in elegischer Breite gehalten, welche uns die gelassene Ruhe des Kuraufenthaltes spüren lässt. Der Mittelsatz ist bestimmt von einer tänzerischen und nahezu neckischen Leichtigkeit, welche an Schubert und Chopin erinnern mag, indes der letzte Satz die komplexe musikalische Architektur der Bach’schen Fuge reflektiert.

Aufgrund des zu erwartenden hohen Besucheraufkommens und der geltenden Coronamassnahmen wird das Konzert im Kursaal des Grand Resort am Abend des 2. Juli zweimal aufgeführt: 18.00 Uhr und 20.30 Uhr (Konzertdauer 65 Minuten). Detailinformation und Tickets finden Sie hier.

Whoops!

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Start Vorverkauf «Heimat. My Homeland»

Am 26. März 2021 ist es endlich wieder soweit: Klosters Music startet mit dem Vorverkauf für die Konzerte vom 31. Juli bis zum 8. August. Unserem künstlerischen Leiter, David Whelton, ist es einmal mehr gelungen, ein qualitativ herausragendes Programm mit einer spannungsvollen musikalischen Dramaturgie zu entwerfen und zu realisieren. Unter dem Motto «Heimat. My Homeland» erleben Sie mit hervorragenden Orchestern, grossartigen Solisten, wundervollen Stimmen und international renommierten Dirigenten eine Reise zur musikalischen Wiege Europas und geniessen den Charme Böhmens im 19. Jahrhundert. Wir wünschen Ihnen bereits jetzt viel Vergnügen für den diesjährigen musikalischen Hochgenuss inmitten der grandiosen Bündner Berglandlandschaft von Klosters.

Tickets mit sitzplatzgenauer Buchung für alle Konzerte sind ab sofort online oder bei den Tourismusbüros Klosters und Davos erhältlich. Bei der Buchung wird auf den derzeit geltenden Mindestabstand geachtet, indem zwischen Besuchergruppen Plätze blockiert werden.

 

Sonntag, 7. August: Ein bewegendes Konzert und ein sensibler Cellist: Steven Isserlis

Unter der Leitung des russischen Dirigenten Maxim Emelyanychev führen Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen und der britische Cellist Steven Isserlis am 7. August durch einen besonderen Abend: Eröffnet das Konzert mit der Ouvertüre aus «die verkaufte Braut» von Bedřich Smetana, bildet das Konzert für Violoncello und Orchester in h-Moll von Antonin Dvořák den Mittelpunkt des Abends. Für seine musikalischen Verdienste wurde der 1958 in London geborene Isserlis, dessen Stammbaum sich bis zu Felix Mendelssohn zurückverfolgen lässt, mit zahlreichen Auszeichnungen, unter anderem mit dem «Order of the British Empire», geehrt. Der abwechslungsreiche Abend schliesst mit der Sinfonie Nr. 1 in c-Moll von Johannes Brahms.

 

Die grosse Tradition der Rhapsodie

Ursprünglich ein von griechischen Wandersängern, den «Rhapsoden», vorgetragenes Gedicht, ist die Rhapsodie im Laufe der Jahrhunderte zu einem festen Bestandteil der böhmischen Volksmusik geworden und hat zugleich vermehrt Eingang in die klassische Musik gefunden, unter anderem bei Dvořák, Brahms, Smetana und Liszt. Das in Bratislava beheimatete Janoska Ensemble nimmt das Publikum von Klosters Music am 1. August mit auf eine Reise durch die grosse Tradition der Rhapsodie in Geschichte und Gegenwart bis hin zu Eigenkompositionen von František Janoska selbst. Einen ersten Eindruck über die faszinierende technische Virtuosität und die weitherum bekannte Spielfreude des Ensembles vermittelt dieser Link!

 

Klosters bleibt auch in Zukunft die künstlerische Heimat von David Whelton

Mit grosser Freude dürfen wir Sie darüber informieren, dass der künstlerische Leiter von Klosters Music, David Whelton, für weitere zwei Jahre verpflichtet werden konnte. Selbst Organist und Pianist, fungierte Whelton während rund 30 Jahren als Direktor des Philharmonia Orchestra (London) und wurde in Grossbritannien verschiedentlich für seine Verdienste geehrt. Im Laufe seiner beeindruckenden Karriere, in welcher er mit weltbekannten Dirigenten wie Riccardo Muti, Valery Gergiev, Andris Nelsons, Paavo Järvi und vielen anderen zusammenarbeitete, konnte David Whelton ein unersetzliches globales Netzwerk in der Szene der klassischen Musik aufbauen. Nebst diesen persönlichen Kontakten verfügt Whelton über ein immenses musikalisches Fachwissen sowie über ein untrügliches Gespür, ebenso hochkarätige wie spannungsvolle, sensible und kreative Programme zu entwickeln. Mit dem Entscheid, mit David Whelton weiterhin den gemeinsamen musikalischen Weg zu gehen, darf sich Klosters Music in den kommenden Jahren auf die kontinuierlich ausserordentliche internationale Qualität in Programm und Besetzung freuen. «Seine gesamte Persönlichkeit, sein Wissen, seine Kreativität und sein unverzichtbares internationales Netzwerk sind für die kontinuierliche Entwicklung von Klosters Music ein wesentlicher Eckpfeiler für weitere Erfolge. Somit ist David Whelton für Klosters Music aber auch für die ganze Region ein absoluter Glücksfall», berichtet Heinz Brand, Präsident der Stiftung Kunst & Musik, Klosters.
(Februar 2021)

Freitag, 6. August: Gedanken aus der Heimat

Innige Verbundenheit mit der Heimat, fröhliche Leichtigkeit und fremde Klänge aus fernen Landen prägen den Abend des 6. August. In seiner berühmten «Moldau» aus dem Zyklus «Mein Vaterland» lässt uns Bedřich Smetana (1824–1884) musikalisch mit dem Fluss seiner geliebten Heimat in die Ferne schweifen. 1874 geschrieben, folgt die Komposition dem Lauf des mächtigen Flusses durch Wälder und Weiden, springt in lebendiger Frische über Stromschnellen und verliert sich dereinst leise verklingend in der Ferne. Kräftiges Temperament und die Laune tänzerischer Leichtigkeit wiederum herrschen in Mozarts Violinkonzert Nr. 5 in A-Dur (das «Türkische»), gespielt von Christian Tetzlaff, vor. Von freudiger Stimmung getragen schliesst der abwechslungsreiche Abend mit Antonín Dvořáks Sinfonie Nr. 8 in G-Dur aus dem Jahre 1889. Mit Christian Tetzlaffs virtuoser Violine, und der Kammerphilharmonie Bremen unter Leitung des jungen russischen Dirigenten Maxim Emelyanychev darf sich das Publikum auf einen ebenso beseelten wie schwungvollen musikalischen Hochgenuss freuen.

 

Mozart und Prag: Eine besondere Liebe

Bereits der erste Abend von Klosters Music 2021 lässt die Herzen aller Musikfreunde und insbesondere der Liebhaberinnen und Liebhaber des grossen Salzburger Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) höherschlagen: Gemeinsam mit dem Kammerorchester Basel unter der Leitung des bekannten tschechischen Dirigenten Jakub Hrůša, dem französischen Pianisten Lucas Debargue, der italienischen Sopranistin Giulia Semenzato sowie dem deutschen Bariton Hanno Müller-Brachmann gehen wir den Spuren Mozarts nach, der Prag insgesamt mindestens vier Mal besucht hatte.

Klosters Music entführt Sie für einen Abend mitten hinein in den Charme und ins sprühende musikalische Leben der böhmischen Metropole des 18. Jahrhunderts, in welcher Mozart unter anderem mit «Le nozze di Figaro», «Don Giovanni» und «La clemenza di Tito» grosse Erfolge feiern konnte. So steht denn auch der Eröffnungsabend von Klosters Music 2021 ganz im Zeichen der besonderen musikalischen Beziehung, die Mozart zu Prag pflegte und die ihn einst zum begeisterten Ausruf «Meine Prager verstehen mich!» bewogen haben soll. Dass Mozart in Prag durchaus eine musikalische Heimat gefunden hatte, zeigt sich unter anderem darin, dass Mozarts Sinfonie Nr. 38 im Jahre 1787 in Prag uraufgeführt wurde, weswegen sie auch gerne als «Prager Sinfonie» bezeichnet wird. Das faszinierende musikalische Meisterwerk steht somit auch als wundervoller «Auftakt» am Anfang des ersten Abends in Klosters, gefolgt vom Klavierkonzert Nr. 23 in A-Dur, welches wiederum als eine seiner grössten musikalischen Schöpfungen überhaupt gilt. Nach einer kurzen Pause lassen Ouvertüren und sensible Arien, unter anderem aus «Le nozze di Figaro» und «Don Giovanni» die Seele schweben.

Sprühende Energie und Präzision: Giulia Semenzato, Sopran

Eine grosse Freude für alle Freundinnen und Freunde der grossen Mozart-Arien: Nach der anspruchsvollen CD-Aufnahme «Angelica Diabolica» mit dem Kammerorchester Basel zu Jahresbeginn kehrt die grandiose italienische Sopranistin Giulia Semenzato im Juli in die Schweiz zurück und beehrt am ersten Konzertabend Klosters Music. Semenzato, die ihr Gesangsstudium am Konservatorium «Benedetto Marcello» in Venedig 2015 mit Auszeichnung abschloss und sich in der Folge an der «Schola Cantorum» in Basel bei Rosa Dominguez auf Barockmusik spezialisierte, fungierte unter anderem 2012 als Preisträgerin der International Competition «Toti dal Monte» in Treviso. Sie ist ferner Preisträgerin der «Cesti Singing Competition» in Innsbruck 2014 und erhielt den «Premio Farinelli» als beste Barocksängerin. Die junge Sängerin und studierte Juristin ist allerdings nicht nur im Barock heimisch, sondern lebt auch eine intensive Auseinandersetzung mit der Musik von Wolfgang Amadeus Mozart.

Im Februar 2015 debütierte Semenzato als «Celia» am Teatro alla Scala in Mozarts «Lucio Silla» unter dem Dirigat von Marc Minkowski und war unter anderem in Mozarts Krönungsmesse, dem Requiem sowie als «Zerlinda» in «Don Giovanni» zu hören. Herausragend an Giulia Semenzatos Gesang ist die Gabe der Sopranistin, spürbare Kraft, sprühende Energie sowie höchste Präzision und Sensibilität zeitgleich miteinander zu vereinen.

Interview mit Giulia Semenzato

Wir hatten die Gelegenheit, Giulia Semenzato im Vorfeld von Klosters Music einige Fragen zu stellen:

KM: Frau Semenzato, schön, dass Sie Zeit für uns finden. Sie haben einen Teil Ihres Studiums in Basel absolviert. Ist Basel eine Art Heimat für Sie geworden?

GS: Ich habe mein Master-Studium in Basel gemacht. Die Stadt bedeutet mir viel. Es war meine erste Erfahrung in der Fremde an einer der vielleicht besten Schulen für alte Musik in Europa. Das Ganze in einem internationalen, multikulturellen Umfeld: Nicht nur an der Institution selbst, sondern vielmehr in der ganzen Stadt ist es sehr einfach, Leute aus allen Teilen der Welt zu treffen. Ausserdem repräsentiert Basel einen wichtigen Schritt in meiner musikalischen Entwicklung und ich habe dort viele Freundschaften geschlossen. Für mich ist es die perfekte Stadt. Nicht zu gross, nicht zu klein, mit vielen Möglichkeiten und einem reichen kulturellen Angebot. Es ist unglaublich, dass es so nahe bei Flüssen, Hügeln und Wäldern so viele Museen, eine Oper und so viele Konzertanlässe geben kann! Nahezu die perfekte Umgebung für ein menschliches Wesen! In Basel fühle ich mich immer sehr willkommen und komme immer sehr gerne zurück, wenn es zeitlich irgendwie geht.

 

KM: Hatten Sie schon einmal die Gelegenheit, Graubünden oder gar Klosters zu besuchen?

GS: Nein, in Graubünden war ich leider noch nie, freue mich aber sehr darauf, diese Gegend zu entdecken! Kultur und Natur – das klingt super!

 

KM: Was bedeutet Musik für Sie persönlich? Warum ist Musik so wichtig für Sie und vielleicht auch für uns alle?

GS: Vor allem anderen ist Musik für mich eine universale Sprache. Wir brauchen keine besonderen Fähigkeiten oder Ausbildungen, um die Musik wertzuschätzen. Jede und jeder kann den emotionalen Gehalt der Musik verstehen. Aus diesem Grund hat sie eine so grosse Kommunikationskraft und eine solche Macht, die Menschen miteinander zu verbinden. Das ist auch immer mein «Schlüssel», wenn ich auftrete: Wenn wir Musik machen und Musik «live» hören, entsteht eine Art von zeitlosem Moment, ein Augenblick, in welchem wir unsere tägliche Routine vergessen und uns selber durch den Klang und die Atmosphäre des Theaters besser zu verstehen beginnen. Das ist auch der Grund, warum ich alle Leute, die noch nie in der Oper waren, immer wieder ermutige hinzugehen und diese Erfahrung zu machen. Um zu beweisen, dass alle es geniessen können.

Im Weiteren ist sehr traurig, dass in unseren Schulen die Geschichte der Musik nicht den gleichen Stellenwert hat wie die Kunstgeschichte.

 

KM: Wie kann Musik eine Gesellschaft beeinflussen und formen? Gerade unter dem Aspekt, dass Musik immer Ausdruck einer Epoche und des Zustandes einer Kultur ist? Gibt es Beispiele, von welchen Sie denken, dass sie unter diesen Aspekten wichtig oder gar symbolhaft sind oder waren?

GS: Die Musik ist immer den sozialen Entwicklungen und Veränderungen gefolgt, sie hat jedes wichtige historische Ereignis begleitet (Die Hochzeiten der Könige, den Tod von Prinzessinnen, aber auch die Veränderungen der politischen Machtstrukturen und politische Oppositionen). Was ich liebe, wenn ich mich einer neuen Komposition annähere, ist der Prozess den Kontext zu verstehen, in welchen ein Stück geboren wurde. Ich mache ein Beispiel: «Ercole Amante» von Francesco Cavalli, in welchem ich in der «Opera Comique» in Paris 2019 auftreten durfte, wurde ursprünglich für die Krönung von Louis XIV komponiert! Wir alle wissen um die immense Wichtigkeit dieses französischen Herrschers. Es ist also faszinierend zu wissen und zu hören, welche Musik ein solches Ereignis damals begleitet hatte.

 

KM: Hinsichtlich Ihrer aktuellen Aufnahme «Angelica Diabolica» in Basel: Können Sie uns etwas darüber erzählen? Wie ist es zu dieser Aufnahme gekommen?

GS: Ich wollte ein Programm über eine starke freigeistige Frau singen, die keine Angst hat, ihren wahren Gefühlen zu folgen und für ihre Überzeugungen zu kämpfen. Ich habe Giovanni Andrea Sechi vor einigen Jahren getroffen und als ich ihm mein Konzept erklärte, hat er mir vorgeschlagen, ein Programm über die Frauen von Orlando Furioso zu gestalten.

 

KM: Was werden wir von Ihnen hören, wenn die Aufnahme fertig ist? Dann die verschiedenen «Angelicas»: Es scheint um Frauen zu gehen, die einen starken Willen, Intelligenz und Kraft haben und die ihren eigenen Weg gehen. Mit welchen der vielen «Angelicas» können Sie sich selbst am meisten identifizieren und warum? Oder steckt ein Teil dieser «Angelicas» in uns allen?

GS: Zwar ist «Angelica» der Hauptcharakter in Ludovico Aristo’s epischem Gedicht, aber die CD zeichnet einen Weg zu vielen Frauengestalten in der Geschichte: Bradamante, Ginevra, Melissa, Alcina… Als ich am Gymnasium war, habe ich viele der Reime gelesen, klar, denn es ist ein Meisterwerk der italienischen Literatur, aber als ich es kürzlich wieder gelesen habe, tat ich dies mit anderen Augen: Vielleicht etwas reifer und befähigter, die verschiedenen Ausprägungen dieser Frauengestalten zu entdecken. Angelica ist stark, ist sich ihrer Macht über all jene Männer, denen sie begegnet, aber auch bewusst. Ich bin fasziniert von dieser Selbstwahrnehmung und ihrer Fähigkeit, den Chevalier Orlando anzulügen, um ihn loszuwerden und so frei und tief ihre Liebe zum einfachen Soldaten Medoro leben zu können. Eine Liebe, die den Konventionen darüber widerspricht, in wen eine Prinzessin sich zu verlieben hat. Wobei: Ich selbst empfinde mich zwar als unkonventionelle Person, auch ein wenig stur vielleicht, aber ich bin eine sehr schlechte Lügnerin….

 

KM: Schauen wir nach Klosters: Warum freuen Sie sich auf diesen kleinen exklusiven Event?

GS: Ich freue mich sehr darauf am Klosters Music zu singen. Es ist bekannt dafür, ein sehr spezieller und hochwertiger Anlass zu sein, an den Top-Level-Künstler eingeladen werden.

 

Welche Charaktere werden Sie geben?

GS: Ich werde einige von «Susanna’s» Arien und Duette aus «Le nozze di Figaro» singen, dazu die Arie der «Donna Anna», die ich noch nie auf einer Opernbühne gesungen habe.

 

KM: Wie ist Ihre Beziehung zur Musik Mozarts?

GS: Ich hatte das Vergnügen schon in vielen Opern von Mozart aufzutreten, meistens in Rollen, die wir normalerweise dem Soubretten-Fach zuordnen: «Susanna», «Despina», «Zerlina» (auch mit dem Kammerorchester Basel), «Serpetta» und «Celia». Viele von ihnen gehören zur Unterschicht (Dienerinnen, Mägde). Ebenso sind viele von ihnen witzig, aufrichtig, sehr talentiert und stehen mit beiden Füssen auf dem Boden.

 

KM: Gibt es Charaktere, die Sie speziell mögen?

GS: Ich liebe «Despina», die ihre zwei Schwestern lehrt, leichtfüssig zu lieben, ich liebe Susanna, die «Figaro» treu ist und ihr Verhältnis zur Gräfin und ich liebe es beide Seiten der «Zerlina» zu spielen: Jene, die sich von «Don Giovannis» Kraft angezogen fühlt und jene, welche letztendlich ehrlich zu «Masetto» hält. Ich glaube, ich kann von jedem Charakter, den ich spiele, etwas lernen. Denn Mozart kann uns immer etwas lehren. Auch noch nach 275 Jahren!

 

Klingende Namen und internationale Stars

Einmal mehr ist es dem künstlerischen Leiter David Whelton gelungen, internationale Stars für die Konzertreihe, die inzwischen schweizweit eine enorme Ausstrahlung entwickelt hat, zu verpflichten. So darf sich das Publikum unter anderem auf klingende Name wie Steven Isserlis (Violoncello), Christian Tetzlaff (Violine), Giulia Semenzato (Sopran), Hanno Müller-Brachmann (Bariton) sowie die Star-Dirigenten Jakub Hrůša und Maxim Emelyanychev freuen. Ebenso ist es eine besondere Freude, dass Sir András Schiff (Klavier) und Sopranistin Christiane Karg Klosters im Sommer 2021 erneut mit ihren Auftritten beehren.

Die grosse Sehnsucht nach Heimat

Unter dem tragenden Motto «Heimat. My Homeland» entführt Klosters Music das Publikum an insgesamt acht Konzertabenden vom Samstag, 31. Juli, bis Sonntag, 8. August, auf eine spannungsvolle Reise in die musikalische Welt der böhmischen Romantik des 18. und 19. Jahrhunderts.

Ist zu Beginn des Konzertreigens Mozarts Liebe zu Prag mit der Sinfonie Nr. 38 in D-Dur («Prager Sinfonie») sowie mit dem Klavierkonzert Nummer 23 in A-Dur und einer Auswahl von Arien und Ouvertüren im musikalischen Fokus, steht am zweiten Abend mit dem Janoska Ensemble die grosse Tradition der Rhapsodie von einst bis heute im Mittelpunkt. Eine Hommage an die Pracht des Barock versprechen in der Folge das Orchestra La Scintilla und Christiane Karg, während sich der Organist Rudolf Lutz am 4. August bekannten Themen und Improvisationen über Bach, Mozart, Schubert und Dvořák zuwendet. Auf einer veritablen Meisterreise wiederum führt Sir András Schiff das Publikum am 5. August mit einer Auswahl von Werken von Mozart, Beethoven, Schubert und Brahms an die musikalische Wiege Europas heran. Unter Leitung von Maxim Emelyanychev entfalten die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen und Violinist Christian Tetzlaff mit der berühmten «Moldau» von Bedřich Smetana und Mozarts Violinkonzert Nr. 5 in A-Dur am Folgetag das Spannungsfeld von Heimat und Fremde. Ein weiteres Highlight ist Antonín Dvořáks Konzert für Violoncello und Orchester in h-moll, gespielt am 7. August von Steven Isserlis und der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen unter der Leitung des russischen Dirigenten Maxim Emelyanychev. Das Meisterwerk lässt uns die Sehnsucht Dvořáks, der während jener Schaffensphase in den USA weilte, nach seiner Heimat und seiner zeitgleich verstorbenen Geliebten musikalisch hautnah miterleben. Den Abschluss der Konzertreihe bildet mit «Cinema Paradiso» zugleich eine Premiere: Zum ersten Mal widmet sich Klosters Music dem Film und der Filmmusik.

Premiere für einen zeitlosen Klassiker

Geniessen Sie das Oscar preisgekrönte Meisterwerk «Cinema Paradiso» des sizilianischen Regisseurs Giuseppe Tornatore (*1956) auf Grossleinwand. Zu den beeindruckenden Bildern über Freundschaft, Fremde und Liebe erklingt live die wundervolle Filmmusik des 2020 verstorbenen italienischen Komponisten Ennio Morricone und seines Sohnes Andrea Morricone (*1964), gespielt vom im Bereich der Filmmusik inzwischen ausserordentlich versierten City Light Symphony Orchestra aus Luzern unter der Leitung von Thiago Tiberio, das sich ganz der Darbietung von Filmmusik verschrieben hat. Ein zeitloser Filmklassiker mit deutschen und englischen Untertiteln.

5. November 2020, 20.00 Uhr: Ausstrahlung der «Opera Gala» auf SRF2 Kultur

Für alle, welche am Abend des 2. August 2020 «Opera Gala» im Konzertsaal der Arena Klosters nicht dabei sein konnten und natürlich für all jene, welche die unvergesslichen musikalischen Augenblicke mit Christiane Karg noch einmal hautnah miterleben möchten, bietet sich am 5. November um 20.00 Uhr auf Radio SRF2 Kultur die Gelegenheit, erneut der Stimme der deutschen Ausnahmesopranistin und dem Kammerorchester Basel zu lauschen. Der Konzertmitschnitt aus Klosters entführt uns zurück in die Welt der Symphonie Nr. 35 in D-Dur sowie in die Sphären der verspielten und gefühlvollen Arien von Wolfgang Amadeus Mozart.

SRF2 Kultur «Im Konzertsaal»

 

Pablo Heras-Casado dirigiert Beethoven-Meilensteine

War Ludwig van Beethoven an diesem denkwürdigen Abend nur mit der dramatischen Szene «Ah! Perfido!» vertreten, wurde der 150. Geburtstag des grossen Komponisten der Wiener Klassik am 7. August 2020 «Vernunft und Veränderung» umso feierlicher begangen: Unter der Leitung von Pablo Heras-Casado durften die Gäste die Ouvertüre aus «Die Geschöpfe des Prometheus», op.43, die Sinfonie Nr. 3 Es Dur, «Eroica», op.61 sowie das Konzert für Violine und Orchester D-Dur, op.55 geniessen. Sowohl die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen als auch Veronika Eberle (Violine) vermochten es, dem Publikum eine würdige Hommage an den 1827 verstorbenen Komponisten zu präsentieren.

Auf SRF2 Kultur nachhören

Klosters Music 2021 nimmt Sie mit auf eine faszinierende Reise in die musikalische Welt der aufkommenden Romantik in Deutschland, Österreich und dem heutigen Tschechien. Eine besondere Ehre ist es uns, im kommenden Jahr Sir András Schiff erneut in Klosters begrüssen zu dürfen. Einen kleinen Abstecher in den fernen Süden wagen wir am Sonntag, den 8. August 2021, mit «Cinema Paradiso», einem Filmklassiker auf der Grossleinwand mit Live-Orchesterbegleitung.

Das detaillierte Programm wird noch im Dezember 2020 bekanntgegeben. Lassen Sie sich zum dritten Mal von «Ihrer musikalischen Heimat» Klosters überraschen!

Die Musik vermag es, uns immer wieder weiter zu tragen. Auch in schwierigen Zeiten. Wir wissen: Der Musik wohnt eine besondere Kraft inne. Wir alle wissen aber auch: Die Musik braucht Kraft. Sie braucht nicht nur die Kraft und den unermüdlichen Einsatz der Akteure, sondern auch die Kraft und die Unterstützung jener, welche die Musik innig lieben und pflegen. 

Wir freuen uns auf weitere grossartige Konzerte sowie gemeinsame, berührende musikalische Momente in Klosters und zeigen uns dankbar für Ihr vergangenes und Ihr zukünftiges Engagement für Klosters Music.

Die zahlreichen Möglichkeiten, dem Förderverein Kunst & Musik, Klosters beizutreten oder Ihr Engagement fortzusetzen, finden Sie hier.

«Beethoven und der ‹Ruf vom Berge› in der majestätischen Alpenwelt bildeten den perfekten Rahmen, um Musikerinnen, Musiker und Publikum wieder zusammenzubringen. Herausragende Auftritte weltweit hervorragender Künstlerinnen und Künstler begeisterten das Publikum in Klosters. Die Woche mit grossartigen Konzerten erinnerte daran, wie sehr Live-Musik unser aller Leben bereichert.»

David Whelton, künstlerischer Leiter

Zehn Tage lang haben wir den 250. Geburtstag Beethovens mit der Aufführung einer Auswahl seiner bedeutendsten Werke geehrt und dürfen auf eine überaus gelungene Durchführung zurückblicken.
Wir bedanken uns bei den über 3’000 Besucherinnen und Besuchern, bei den Künstlerinnen und Künstlern, bei den Voluntari, bei den Gönnerinnen und Gönnern, Partnern, Stiftungen, beim Kanton Graubünden, beim Kulturfonds Klosters, bei der Gemeinde Klosters-Serneus, der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Klosters-Serneus und der Destination Davos Klosters für das Vertrauen und die grosse Unterstützung für Klosters Music 2020.

Stiftung Kunst & Musik, Klosters

Vernunft und Veränderung, Konzertsaal Arena Klosters, 7. August 2020

Veronika Eberle, Violine, und Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen © Marcel Giger
Veronika Eberle, Violine, und Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen © Marcel Giger
Veronika Eberle, Violine, und Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen © Marcel Giger
Veronika Eberle, Violine, und Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen © Marcel Giger
Klosterser Himmel vor Beethovens «Eroica» © Marcel Giger
Klosterser Himmel vor Beethovens «Eroica» © Marcel Giger
Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen unter der Leitung von Pablo Heras-Casado © Marcel Giger
Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen unter der Leitung von Pablo Heras-Casado © Marcel Giger

Himmelwärts, Konzertsaal Arena Klosters, 8. August 2020

Martin Helmchen am Konzertflügel © Marcel Giger
Martin Helmchen am Konzertflügel © Marcel Giger
Martin Helmchen, Klavier, und Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen unter der Leitung von Pablo Heras-Casado © Marcel Giger
Martin Helmchen, Klavier, und Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen unter der Leitung von Pablo Heras-Casado © Marcel Giger
Martin Helmchen, Klavier, und Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen unter der Leitung von Pablo Heras-Casado © Marcel Giger
Martin Helmchen, Klavier, und Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen unter der Leitung von Pablo Heras-Casado © Marcel Giger
Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen © Marcel Giger
Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen © Marcel Giger

Glanz und Würde, Konzertsaal Arena Klosters, 9. August 2020

Ansprache des Stiftungsratspräsidenten Heinz Brand © Marcel Giger
Ansprache des Stiftungsratspräsidenten Heinz Brand © Marcel Giger
Sir András Schiff © Marcel Giger
Sir András Schiff © Marcel Giger
Sir András Schiff © Marcel Giger
Sir András Schiff © Marcel Giger
Sir András Schiff © Marcel Giger
Sir András Schiff © Marcel Giger

Einklang, Konzertsaal Arena Klosters, 3. August 2020

Quatuor Van Kuijk © Marcel Giger
Quatuor Van Kuijk © Marcel Giger
Liisa Randalu, Schumann Quartett © Marcel Giger
Liisa Randalu, Schumann Quartett © Marcel Giger
Schumann Quartett und Pablo Barragán, Klarinette © Marcel Giger
Schumann Quartett und Pablo Barragán, Klarinette © Marcel Giger
Schumann Quartett und Quatuor Van Kuijk © Marcel Giger
Schumann Quartett und Quatuor Van Kuijk © Marcel Giger

Sturm und Drang, Konzertsaal Arena Klosters, 4. August 2020

Das Orchester «Il pomo d'oro» unter der Leitung von Maurice Steger © Marcel Giger
Das Orchester «Il pomo d'oro» unter der Leitung von Maurice Steger © Marcel Giger
Christoph Croisé, Violoncello, und das Orchester «Il pomo d'oro» unter der Leitung von Maurice Steger © Marcel Giger
Christoph Croisé, Violoncello, und das Orchester «Il pomo d'oro» unter der Leitung von Maurice Steger © Marcel Giger
Das Orchester «Il pomo d'oro» © Marcel Giger
Das Orchester «Il pomo d'oro» © Marcel Giger
Christoph Croisé, Violoncello, und das Orchester «Il pomo d'oro» unter der Leitung von Maurice Steger © Marcel Giger
Christoph Croisé, Violoncello, und das Orchester «Il pomo d'oro» unter der Leitung von Maurice Steger © Marcel Giger

Aufbruch, Konzertsaal Arena Klosters, 5. August 2020

Quatuor Modigliani © Marcel Giger
Quatuor Modigliani © Marcel Giger
Amaury Coeytaux und Loïc Rio, Quatuor Modigliani © Marcel Giger
Amaury Coeytaux und Loïc Rio, Quatuor Modigliani © Marcel Giger
Boris Giltburg, Klavier mit Graham Mitchell, Kontrabass und dem Quatuor Modigliani © Marcel Giger
Boris Giltburg, Klavier mit Graham Mitchell, Kontrabass und dem Quatuor Modigliani © Marcel Giger
Boris Giltburg, Klavier mit Graham Mitchell, Kontrabass und dem Quatuor Modigliani © Marcel Giger
Boris Giltburg, Klavier mit Graham Mitchell, Kontrabass und dem Quatuor Modigliani © Marcel Giger

Orgel-Rezital, Kirche St. Jakob, 6. August 2020

Benjamin Righetti beim Orgel-Rezital © Marcel Giger
Benjamin Righetti beim Orgel-Rezital © Marcel Giger
Benjamin Righetti beim Orgel-Rezital © Marcel Giger
Benjamin Righetti beim Orgel-Rezital © Marcel Giger
Stiftungsratspräsident Heinz Brand und Regierungsrat Jon Domenic Parolini © Marcel Giger
Stiftungsratspräsident Heinz Brand und Regierungsrat Jon Domenic Parolini © Marcel Giger
Stiftungsratspräsident Heinz Brand © Marcel Giger
Stiftungsratspräsident Heinz Brand © Marcel Giger
Wiener Klaviertrio © Marcel Giger
Wiener Klaviertrio © Marcel Giger
Wiener Klaviertrio © Marcel Giger
Wiener Klaviertrio © Marcel Giger
Benjamin Appl, Bariton und Simon Lepper, Klavier © Marcel Giger
Benjamin Appl, Bariton und Simon Lepper, Klavier © Marcel Giger
Benjamin Appl, Bariton und Simon Lepper, Klavier © Marcel Giger
Benjamin Appl, Bariton und Simon Lepper, Klavier © Marcel Giger
Gershwin Piano Quartet © Marcel Giger
Gershwin Piano Quartet © Marcel Giger
Gershwin Piano Quartet © Marcel Giger
Gershwin Piano Quartet © Marcel Giger
Christiane Karg, Sopran © Marcel Giger
Christiane Karg, Sopran © Marcel Giger
Christiane Karg, Sopran, und das Kammerorchester Basel unter der Leitung von Riccardo Minasi, © Marcel Giger
Christiane Karg, Sopran, und das Kammerorchester Basel unter der Leitung von Riccardo Minasi, © Marcel Giger
Riccardo Minasi © Marcel Giger
Riccardo Minasi © Marcel Giger
Christiane Karg, Sopran, und das Kammerorchester Basel unter der Leitung von Riccardo Minasi © Marcel Giger
Christiane Karg, Sopran, und das Kammerorchester Basel unter der Leitung von Riccardo Minasi © Marcel Giger

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Klosters Music: Sie gestalten bei «Klosters Music 2020» am 2. August eine Mozart Opera Gala zusammen mit dem Kammerorchester Basel und Riccardo Minasi. Was war Ihr erster Kontakt bzw. Ihre erste persönliche Begegnung zu Wolfgang Amadeus Mozart?
Christiane Karg: Die erste Begegnung war recht früh. Mein Vater ist ein grosser Opernfan und klassische Musik war immer da. Als kleines Mädchen sang ich in meinem Kinderzimmer sämtliche Partien der Zauberflöte. Die Pamina fand ich damals am langweiligsten.
Mit fünf wollte ich Sängerin werden und ich kann mich noch gut an meine ersten Salzburger Festspiele erinnern, die ich mit meinen Eltern als vielleicht Siebenjährige erleben durfte. Auf dem Programm: Die Zauberflöte. Das Schicksal hat es gut mit mir gemeint und ich durfte später am Mozarteum studieren. Im Mozartjahr 2006 habe ich meinen Master-Abschluss gemacht und mein Debüt bei den Salzburger Festspielen mit Mozart gegeben.
Mozart ist ein steter Wegbegleiter.

KM: Es stehen Arien aus verschiedenen Opern Mozarts auf dem Programm. Welche Mozartoper bzw. Opernpartie ist bei Ihnen gerade ganz aktuell?
CK: Ganz frisch ist die Partie der Contessa di Almaviva («Le nozze di Figaro»), mit der ich im letzten Jahr an der Hamburgischen Staatsoper unter der Leitung von Riccardo Minasi debütieren durfte. Im Januar habe ich diese Partie auch in der Felsenreitschule mit Sir András Schiff am Pult und Cembalo bei der Mozart Woche in Salzburg gesungen.
«Così fan tutte» liegt jetzt ganz oben auf meinem Stapel: Die Partie der Fiordiligi hätte ich im Juni an der Bayerischen Staatsoper singen sollen. Nun wurde die Produktion auf September verschoben.

KM: Was war bisher Ihr bewegendster Moment als Opernsängerin, was Ihr kuriosester?
CK: Es gab so viele wunderbare Momente, da kann ich den einen Bewegendsten nicht nennen. Einen, der mein Leben aber sehr geprägt und verändert hat, war ein Bühnenunfall, bei dem ich mir während einer Vorstellung mein Knie gebrochen haben.

KM: Mit dem Kammerorchester Basel teilen Sie nicht das erste Mal die Bühne. Wie sind Sie mit dem Orchester zusammengekommen?
CK: Das erste Projekt war «Les Illuminations» von Benjamin Britten. Ich erinnere mich sehr gerne an dieses Projekt, das mich damals in die bayerische Heimat nach Neumarkt gebracht hat.

KM: «Klosters Music» steht 2020 ganz im Zeichen Ludwig van Beethovens. Was verbinden Sie mit Beethoven?
CK: Vor allem natürlich die Neunte Symphonie. Das Sopransolo gehört zu den Werken, die ich wohl am häufigsten gesungen habe und dessen man nie überdrüssig wird. Leider hat Beethoven viel zu wenig für die Singstimme geschrieben. Die Partie der Marzelline in «Fidelio» habe ich nie auf der Bühne gesungen und so bleiben für mich neben Liedern und Volksliedern die wunderbare Konzertarie «Ah, perfido!», die ich sehr gerne aufführe.

KM: Sie treten das erste Mal im Bergdorf Klosters im schweizerischen Graubünden auf. Was bedeutet das für Sie?
CK: Ich bin gespannt. So viele neue Städte und Festivals, bei denen ich noch nicht zu Gast war, gibt es gar nicht mehr. Zu Beginn meiner Laufbahn waren Städte wie London, Paris, New York wahnsinnig aufregend und spannend.
Mittlerweile bin ich sehr froh, wenn ich fernab der Großstadt auftreten darf. Ich freue mich auf die Ruhe und Natur und auf ein neues, entspanntes, gespanntes Publikum.

KM: Auf welche Ihrer zukünftigen Engagements freuen Sie sich am meisten und warum?
Ich denke, dass sich im Moment alle Künstler freuen, wieder auftreten zu können. Mein Beruf ist mein Kindheitstraum und ich habe ihn immer geliebt. Durch die Zwangspause ist mir das noch einmal mehr bewusst geworden.

Zum Programm Zu den Tickets

Klosters Music: Sie gestalten bei «Klosters Music 2020» am 31. Juli das Eröffnungskonzert zusammen mit dem Pianisten Simon Lepper und dem Wiener Klaviertrio und singen Beethovens Liederzyklus «An die ferne Geliebte». Was verbinden Sie mit diesem Werkzyklus?
Benjamin Appl: Während meines Studiums in München erlernte ich den Zyklus, den ich dann später auch mit Dietrich Fischer-Dieskau erarbeiten durfte. Es war auch das Werk, das ich damals in meinem ersten Konzert ausserhalb Europas beim Ravinia Festival in der Nähe von Chicago sang. Beethovens Meisterwerk ist also ein Stück, das ich schon länger mit mir herumtrage und immer wieder versuche neu zu beleuchten. Es ist in meinen Augen unglaublich aktuell, auch wenn vielleicht manche Bilder etwas überholt scheinen: In meinen Jahren als junger Erwachsener hörte ich mir oft «An die ferne Geliebte» an, gerade wenn ich reiste und mich doch nach jemanden sehnte oder wenn ich frisch verliebt war. Diese unverbrauchte, ja manchmal naive Sichtweise in Musik und Text gab mir immer Antrieb, Dinge romantischer oder positiver zu sehen.

KM: «Klosters Music» steht 2020 ganz im Zeichen Ludwig van Beethovens. Was war Ihr erster Kontakt zu Beethoven bzw. was bedeutet dieser Komponist für Sie?
BA: Mein erster Kontakt zu Beethoven war wahrscheinlich der zweite Satz aus der «Pathétique»-Sonate. Für diese Musik entwickelte ich eine grosse Liebe, so dass ich sie oft und wiederholt als Kind zum Bauen von Lego oder Playmobil anhörte. Beethoven schafft es irgendwie, die Menschen in alle Arten von Sphären zu heben, sei es ins Idyll oder in die dunkelsten Ecken. Im Dezember 2018 durfte ich in Osaka in einem Stadion vor 17’000 Leuten Mahler-Lieder singen, im zweiten Teil des Konzertes stand Beethoven’s Neunte Sinfonie mit 10’000 Menschen im Chor auf dem Programm. Was ich dort erlebte, erzeugte in mir Gänsehaut. Tausende japanische Sänger – alle auswendig vortragend – gaben mit ihrer ganzen Seele den Text «Alle Menschen werden Brüder»: Ein Zeichen von Miteinander, verbunden um den Globus – das ist Beethoven.

KM: Mit Simon Lepper verbindet Sie eine langjährige Zusammenarbeit. Gibt es einen besonderen Moment bzw. eine besondere Erinnerung ihrer Konzerte mit Simon Lepper, den bzw. die Sie mit uns teilen möchten?
BA: Mit Simon durfte ich viele wunderbare Momente erleben. Er ist nicht nur ein ausgezeichneter Musiker und einer der führenden Liedpianisten, sondern auch ein besonderer, interessanter Mensch, mit dem man auch gerne Zeit verbringt. Das ist unglaublich wichtig in einer musikalischen Beziehung zwischen Liedbegleiter und Sänger. Es gibt viele hervorragende Pianisten, aber nur wenige können dieses Vertrauen vermitteln, das der Sänger auf dem Podium benötigt. Gerade die beiden Konzertreisen nach Indien mit Simon waren etwas ganz Besonderes: Vom Affen, der uns plötzlich auf der Bühne die Ehre gab, bis zu ganz wunderbaren Begegnungen mit Konzertbesuchern, die noch nie zuvor westliche, klassische Musik gehört hatten.

KM: Sie treten das erste Mal im Bergdorf Klosters im Schweizerischen Graubünden auf. Was erwarten Sie?
BA: Ich liebe die Schweiz und spiele häufig mit dem Gedanken, mehr Zeit hier zu verbringen. Die Berge sind für mich der Ort, wo ich am besten Kraft tanken kann. Nachdem ich Bilder von Klosters gesehen hatte, freue ich mich ganz besonders darauf. So eine einmalige Umgebung inspiriert das Musizieren ungemein.

KM: Auf welche Ihrer zukünftigen Engagements freuen Sie sich am meisten und warum?
Das ist eine gute Frage, gerade unter den Gesichtspunkten von Covid-19. Ich würde es eher so formulieren: Ich freue mich momentan über jedes Engagement, das durchgeführt werden kann. Es gibt einige mutige Veranstalter – dazu zählt besonders auch Klosters Music – die unter bestimmten hygienischen Vorkehrungen wieder Konzerte veranstalten. Das ist wirklich Balsam für die Seele. In den vergangenen Monaten gab es sehr viele Angebote von Live-Streams und Übertragungen, aber das ersetzt alles nicht das Live-Konzert, wo Musiker und Publikum etwas gemeinsam erleben und teilen – und darauf freue ich mich am meisten.

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Christian Tetzlaff & Deutsche Kammerphilharmonie Bremen_Bild Marcel Giger

Mit dem krönenden Schlusskonzert des Geigers Christian Tetzlaff und der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen ging am Sonntag das zehntägige Festival «Klosters Music» zu Ende. Zu den Höhepunkten zählten die Auftritte von Sir András Schiff, Kit Armstrong und Maurice Steger. Über 3000 Gäste besuchten die hochstehenden Klassik-Konzerte in Klosters

Klosters Music fand dieses Jahr erstmals unter dem Dach der neu gegründeten Stiftung «Kunst & Musik, Klosters» statt. «Die Begeisterung bei den Gästen und Musikern ist gross», zeigt sich der künstlerische Leiter David Whelton zufrieden. «Wir konnten Konzerte von höchster Qualität und mit sehr guten Besucherzahlen realisieren», so Whelton. «Damit haben wir eine verlässliche Basis für die weitere Entwicklung von Klosters Music gelegt».

Erwartungen erfüllt, Versprechen eingelöst
«Weltklassik trifft Bergwelt» lautete der Slogan der diesjährigen Konzerte. Mit hochstehen-den Darbietungen von nationalen und internationalen Orchestern, Ensembles und Künstlern konnte dieses Versprechen eingelöst werden. Als Höhepunkt darf der Auftritt von Sir András Schiff gezählt werden, welcher das monumentale Solo-Rezital «Das Wohltemperierten Kla-vier, Band 1» von Johann Sebastian Bach in der bis auf den letzten Platz gefüllten Kirche St. Jakob vortrug. Für grosse Begeisterung sorgten zudem das Konzert des Schweizer Blockflö-tisten Maurice Steger mit seinem Programm «Mr Handel’s Dinner» sowie der Auftritt des Janoska Ensembles mit einer packenden Hommage an die Beatles.

Über 3000 Gäste besuchten die zwei Dutzend grossen und kleinen Konzerte an fünf Spielor-ten in Klosters. Sehr gut besucht waren nebst den Hauptkonzerten die verschiedenen Auf-tritte vielfältiger Formationen auf dem Bahnhofplatz Klosters sowie das erstmals durchge-führte Jazz-Konzert auf Madrisa mit der südafrikanischen Jazzband Virtual Jazz Reality.

Standortförderung mit Kunst und Musik
«Das Ziel unserer Stiftung ist es, die Destination Klosters mit hochstehenden Angeboten in Kunst und Musik zu bereichern. Dies ist uns in den letzten zehn Tagen gelungen», sagt Präsi-dent Rolf Theiler. «Nun beginnt die Planung für das nächste Jahr. Wir möchten unsere For-mate in der Tiefe und Breite weiterentwickeln».

Die Austragung im nächsten Jahr steht bereits fest: Klosters Music findet vom 1. bis 9. August 2020 statt.

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Sir András Schiff trugt am Samstag-Abend, 3. August 2019, das monumentale Solo-Rezital «Das Wohltemperierte Klavier, Band 1» von Johann Sebastian Bach vor. Grosse Begeisterung und Standing Ovations waren ihm gewiss.

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Mit ihrem «Janoska Style» begeisterte das Janoska Ensemble im bis auf den letzten Platz besetzten Atelier Bolt.

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Nach einem gelungenen Auftakt steht das zweite Wochenende von Klosters Music im Zeichen der beiden Orchesterkonzerte in der Arena Klosters. Zu erleben sind Mozarts monumentale Jupiter-Sinfonie, Haydns Klavierkonzert Nr. 11 mit Kit Armstrong und Mendelssohns Violinkonzert e-Moll mit Christian Tetzlaff.

Am 2. und 4. August tritt die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen mit zwei herausragenden Solisten an ihrer Seite in der Arena Klosters auf. Der amerikanische Ausnahmekünstler Kit Armstrong interpretiert das Klavierkonzert Nr. 11 in D-Dur von Haydn sowie das Klavierkonzert Nr. 1 g-Moll von Felix Mendelssohn. Und am kommenden Sonntag, 4. August, steht Christian Tetzlaff gemeinsam mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen auf der Bühne. Der renommierte deutsche Geiger ist in Klosters mit Mozarts Violinkonzert Nr. 3
G-Dur sowie mit Mendelssohns Violinkonzert e-Moll zu Gast.

Mit den Konzerten von Sir András Schiff, I Barocchisti mit Diego Fasolis und Benjamin Righetti macht Klosters Music zudem eine Hommage an Johann Sebastian Bach. David Whelton, der künstlerische Leiter, erläutert: «Im Rahmen von zwei ‹Bach Discovery Days› erhalten die Besucher einen vertieften Einblick in das musikalische Schaffen des grossen Komponisten Johann Sebastian Bach». Als Höhepunkt darf der Auftritt von Sir András Schiff erwartet werden, welcher mit dem Solo-Rezital Das «Wohltemperierten Klavier, Band 1» zu erleben sein wird.

Klosters Music steht auch für kleine Formate, bei welchem die Künstler in einem intimen Rahmen zu hören sind. Im Atelier des Klosterser Bildhauers Christian Bolt treten am 2. August 2019 I Barocchisti unter der Leitung von Diego Fasolis auf und präsentieren Barockwerke von Vivaldi und Bach. Am 4. August stehen zudem das spanisches Azahar Ensemble und die Pianistin Judith Jáuregui auf der Bühne.

Jazz und Volksmusik im Festivalzelt, 2.-4. August 2019, Klosters Platz
Beim Festivalzelt auf dem Bahnhofplatz Klosters kann man die Festival-Stimmung hautnah und bei freiem Eintritt geniessen. Hier treten vom 2. bis 4. August 2019 unterschiedlichste Formationen wie die Alphorner Davos Klosters, das Trio Anderscht oder das Duo Klassik Nuevo auf. Für die Gäste aus Nah und Fern sowie die einheimische Bevölkerung lockt neu auch das Format «Klosters Late Night». In der Grizzly’s Bar im Restaurant Piz Buin spielen unter anderem die Jazzband Virtual Jazz Reality aus Südafrika und das Trio Jazz Interludes aus Bern; diese Late-Night-Konzerte finden am 31. Juli und am 3. August jeweils ab 21.00 Uhr ebenfalls bei freiem Eintritt statt.

Weitere Informationen und Tickets unter www.klosters-music.ch. Tickets sind auch in den Tourismusbüros in Klosters und Davos erhältlich.

Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen_c_Julia Baier
Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen
Janoska_Ensemble_(c)Julia-Wesely
Janoska-Ensemble © Julia Wesely

Wer war Johann Sebastian Bach? Anlässlich unserer Bach Discovery Days spricht Frau Dr. Christine Blanken über den grossen Komponisten und seine europäischen Vorbilder.

Johann Sebastian Bach und seine europäischen Vorbilder
mit Frau Dr. Christine Blanken (Bach-Archiv Leipzig)
(Vortrag mit Bildern und Musikbeispielen)

Samstag, 3. August 2019
11.00 Uhr
Hotel Piz Buin, Klosters
Freier Eintritt

In der für Klosters typischen intimen Atmosphäre in der Kirche St. Jakob kamen die Zuhörerinnen und Zuhörer in den Genuss von Bach, Beethoven, Schumann und Adès.

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Trotz garstigem Wetter besuchten über 300 Zuhörerinnen und Zuhörer das Konzert mit Virtual Jazz Reality im Restaurant Alp Madrisa. Die Band aus Kaptstadt spielte ein begeisterndes Konzert und riss zum Schluss die Besucher gar von ihren Stühlen.

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Virtuos, unterhaltsam und wie gewohnt auf allerhöchstem Niveau: Maurice Steger und das La Cetra Barockorchester Basel begeisterten in der voll besetzten Kirche St. Jakob.

Das Konzert wurde von Radio SRF 2 Kultur aufgezeichnet und wird am Montag, 26. August 2019 um 20.00 Uhr in der Sendung «Weltklasse» ausgestrahlt.

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Das neue Format Form & Klang fand grosses Interesse beim Publikum und wurde erweitert durch eine Werkeinführung der Ausstellung von Kurt Oskar Weber im Atelier Bolt.

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Das erste Konzert der diesjährigen Serie bestritten das Modigliani Quartett aus Paris und der ebenfalls in Frankreich lebende Pianist Adam Laloum mit Werken von Schumann, Schubert und Beethoven. Das begeisterte Publikum verdankte das herausragende Konzert mit Standing Ovations.

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Klosters Music wurde am Freitag-Abend feierlich eröffnet. 60 geladene Gäste lauschten den Eröffnungsklängen des Kinderjodelchörli Silvrettastärnli unter der Leitung von Dominique Bolt – gefolgt von Begrüssungsworten von Präsident Rolf Theiler und Vizepräsident Heinz Brand.

Das erste Konzert der diesjährigen Serie bestritten das Modigliani Quartett aus Paris und der ebenfalls in Frankreich lebende Pianist Adam Laloum mit Werken von Schumann, Schubert und Beethoven. Das begeisterte Publikum verdankte das herausragende Konzert mit Standing Ovations.

 

 

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Sehr verehrte Gäste

Herzlich willkommen in der schönen Tourismusgemeinde Klosters-Serneus!

Es freut mich sehr, dass im Rahmen von Klosters Music erneut Künstlerinnen und Künstler von Weltformat in unserer herrlichen Bergwelt mit ihren Darbietungen für ein erstklassiges kulturelles Sommerprogramm sorgen. 

Der intime Rahmen der Spielorte macht die Konzerte von Klosters Music zu einem ganz besonderen Erlebnis. Dazu kommen die vielen spontanen und inspirierenden Begegnungen, welche eine Gemeinschaft zwischen den Einwohnerinnen und Einwohnern, Zweitwohnungsbesitzern und Gästen aus nah und fern ermöglichen.

Lassen Sie sich vom vielfältigen Programm verführen und geniessen Sie unvergessliche Konzerte auf höchstem Niveau. 

Im Namen der Gemeindebehörden von
Klosters-Serneus danke ich allen Beteiligten und Helfern für die Realisation dieses einmaligen Anlasses und wünsche allen Besuchern viel Vergnügen.

Kurt Steck
Gemeindepräsident Klosters-Serneus

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Als kleine, feine Hommage an die genialen Liverpooler hat das Janoska Ensemble für sein Album vier Welthits der Beatles im «Janoska Style» arrangiert.

Im Programm «Revolution» fliesst also kein Blut, vielmehr soll das Blut beim Anhören schneller pulsieren – das garantiert der «Janoska Style» mit seiner Fusion aus unbändiger musikalischer Kreativität, emotionaler Ausdrucksfähigkeit und äusserster Virtuosität. Apropos Lebenssaft: Dass ihnen die grosse Musikalität und erstaunliche Virtuosität durch die Familientradition «einfach im Blut» liege, sei weitgehend ein Klischee, sagt Ondrej Janoska: «Jeder von uns wurde zwar von Kindesbeinen an musikalisch sehr gefördert und wir waren auch immer von Musik aller Stilrichtungen umgeben. Aber wir wurden auch von Beginn an sehr stark gefordert, haben schon als Kinder täglich stundenlang geübt und gespielt. Wenn man das über Jahrzehnte hinweg macht, geht es einem allerdings wirklich in Fleisch und Blut über».

Die Stücke des Janoska Ensembles besitzen neben ihrem verlässlich guten musikalischen Gehalt auch eine grosse formale Stärke. Sie zeigen dabei oft so etwas wie einen inneren Zug zum Schluss, sei dieser nun aufregend langsam angebahnt oder ein beschleunigender, unwiderstehlich mitreissender Abschnitt oder ein stimmungsvoll leiser, innig ausklingender Schluss. Auch diese Qualität verleiht ihren Werken jene prägnante Gestalt, die man in plastischer Erinnerung behält – und von der man stets noch mehr zu hören wünscht.

Wie wichtig dem Janoska Ensemble trotz seiner grenzüberschreitenden Musik die Verwurzelung in der Klassik ist, ist auch am vorliegenden Klangbild von «Revolution» deutlich zu hören. Zum Mastering ihres neuen Albums begaben sich die Musiker in die legendären Londoner Abbey Road Studios, wo neben den Beatles auch viele Klassikstars gearbeitet haben.

Das Janoska Ensemble ist am 1. August 2019 um 17.00 Uhr im Atelier Bolt zu erleben.
Hier gibt es weitere Informationen.

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Janoska-Ensemble © Julia Wesely

«Die Qualität der musikalischen Erlebnisse ist der einzige gemeinsame Nenner.»

Man stelle sich vor: 29 Jahre Intendant des Philharmonia Orchestra, London. Von 1987 bis 2016 realisierte unser künstlerischer Leiter David Whelton über 4600 Konzerte auf fünf Kontinenten – mit weltbesten Dirigenten. Unter ihm wuchs das Ensemble zu einem Herzstück des britischen Musiklebens. David Whelton, ausgebildeter Pianist und Organist, bewegt sich in einem weiten Netzwerk. Was aber macht ihn unverwechselbar?

Er ist ein Meister origineller, innovativer Programme. Er gilt als Pionier von Festivals, die diverse Künste und Sparten mischen. International erfolgreich, nur zum Beispiel, war die Tournee 2008 mit Bill Violas Videoprojekt „Tristan und Isolde“ unter Dirigent Esa-Pekka Salonen. Whelton erfand die Reihe «Music of Today», eine Plattform für begabte junge Komponisten. Er holte mit digitalen Techniken ein neues Publikum in die Konzerte, etwa mit «re-rite: be the orchestra»; hier wird Strawinskys «Le Sacre du printemps» aus der Perspektive der Musiker erlebbar – dank Installationen, Konzertaufzeichnungen und interaktiver Performance.

David Whelton ist auch künstlerischer Leiter von Klosters Music – und zieht auch hier «neue Bahnen». Von den Konzertsälen der Welt ins Prättigau? In die Kirche St. Jakob, auf die Alp Madrisa, ins Atelier des Bildhauers Christian Bolt … David Whelton schwärmt: Es sei diese «magische Welt», die ihn jedes Jahr hierherziehe, «die Ruhe des Dorfes als Gegenpol zu den Jetset-Zielen, die perfekte Akustik der Konzerträume». Die allgegenwärtige Natur sei vor allem im Sommer wunderbar inspirierend und beflügle auch die Künstler. Das pure Vergnügen also, Musiker verschiedener Generationen einzuladen, Programme für «ein kenntnisreiches, anspruchsvolles Publikum» zu planen – auch für die unterschiedlichen Vorlieben der Einheimischen. «Die Qualität der musikalischen Erlebnisse ist der einzige gemeinsame Nenner.»

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David Whelton beim Interview mit Radio Südostschweiz
David Whelton, Christian Bolt, Franziska von Arb und Maurice Steger (von links)_Bild Yanik Bürkli
... und gemeinsam mit Christian Bolt, Franziska von Arb und Maurice Steger (v.l.).

Die Wochenendprogramme Teil 1 und Teil 2 geben einen umfassenden Einblick zu den auftretenden Künstlern und den gespielten Werken. Auch das Rahmenprogramm rund um Klosters Music ist zudem bestens ersichtlich.

Sie können die Broschüren hier downloaden oder vor Ort in Klosters kostenlos beziehen.

Detailprogramm 1. Wochenende 26.-28. Juli 2019 (PDF)

Detailprogramm 2. Wochenende 1.-4. August 2019 (PDF)

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Janoska Ensemble
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Kit Armstrong, (c) JF Mousseau

Schon der Anblick des im oberen Prättigau gelegenen Ferienorts Klosters – malerisch gesäumt von Wäldern, Wiesen und Bergen – vermittelt ein so erhabenes und zugleich friedvolles Bild, als wolle dieser Ort eine verheißungsvolle Beziehung mit den verborgenen Kräften der Musik eingehen. Genau das tut er auch, wenn vom 26. Juli bis 4. August im Rahmen des Festivals „Klosters Music“ dreizehn hochklassig besetzte Konzerte an verschiedenen Spielorten voraussichtlich über 3000 Besucher in die wunderschöne Alpenregion locken werden.

Bericht weiterlesen auf Concerti.de

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Unter fast freiem Himmel und in ungezwungener Atmosphäre treten die unterschiedlichsten Formationen in lockerer Abfolge auf. Stehend oder auf Bänken sitzend, gerne auch mit einem Glas in der Hand, können Sie die Programmteile einzeln oder zusammenhängend geniessen. Der Eintritt für die Konzerte ist frei.

Freitag, 2. August 2019

14.00 Uhr
Alphorners Davos Klosters
Das Alphorn hat seine ursprüngliche Funktion in den Bergen mehr oder weniger verloren, dafür gewann es als Musikinstrument die Herzen der Zuhörer und wurde zu einem Symbol für die Schweiz. Es liegt nahe, die drei Tage der Interludes-Konzerte im Festivalzelt mit den naturnahen und einzigartigen Klängen des Alphorns – im Zeichen seiner ursprünglichen Funktion, der Kommunikation – zu eröffnen. Wir freuen uns, die einheimischen Alphorners begrüssen zu dürfen. Die Gruppe besteht aus Alphornbläserinnen und -bläsern der Region Davos Klosters.

Ab 14.15 Uhr
Ian Smith & Virtual Jazz Reality
Wer Ian Smith & Virtual Jazz Reality auf der Madrisa verpasst hat, hat hier nochmals die Gelegenheit, in den Genuss des Könnens dieses herausragenden Jazztrompeters und seiner Band VJR zu kommen. Ihr Repertoire reicht vom Light Jazz bis hin zu hochmodernen virtuosen Eigenkompositionen. VJR hat mit zahlreichen bekannten Künstlern wie Pavarotti, Jonathan Butler, Shirley Bassey, Anastacia und vielen mehr zusammengearbeitet.

17.30 Uhr
Musikgesellschaft Madrisa Klosters-Dorf
Die Musikgesellschaften haben in der musikalischen Tradition der Schweiz einen bedeutenden Platz. Sie sind ein nicht wegzudenkender Bestandteil des Brauchtums und des gesellschaftlichen Lebens und für junge Menschen oft der Erstkontakt mit der Musik. Wir freuen uns, wenn der Auftritt einer einheimischen Musikgesellschaft bei den Interludes zur Tradition werden kann. Die Musikgesellschaft Madrisa Klosters-Dorf zählt heute 24 Aktivmitglieder und spielt regelmässig an Musikanlässen. Sie steht unter der Leitung von Dirigent Simon Bühler aus Pragg-Jenaz.

Samstag, 3. August 2019

14.00 Uhr
Jazz Interludes mit Jörg Enz (Gitarre) und Matteo Burci (Bass)
Lyrisch, emotional, virtuos, melancholisch, aufregend und fesselnd: Jörg Enz und Matteo Burci laden zu einer spannenden Reise ins Universum des Swing, Bebop und Latin-Jazz. Die beiden Musiker haben sich vor drei Jahren in Bern kennengelernt und präsentieren seitdem ein spannendes Duo-Programm, welches sie für Klosters Music mit einem Schlagzeuger zum Trio erweitern.

Ab 15.45 Uhr
Old Style Bigband
Die Old Style Bigband besteht aus achtzehn ambitionierten Amateurmusikerinnen und -musikern, die aus den Regionen Churer und Sarganser Rheintal sowie dem Prättigau zusammenkommen. Ihr Stil? Blues, Rock und der legendäre Swing.

Sonntag, 4. August 2019

14.00 Uhr
Duo Klassik Nuevo
Sira Eigenmann, Violine
Srdjan Vukasinovic, Akkordeon
Srdjan Vukasinovic ist einer der weltweit führenden Akkordeonspieler. Dank seiner explosiven Energie und seinem einzigartigen Zugang zu klassischer Musik, gepaart mit einer Fülle an Einflüssen aus dem Jazz sowie unglaublichen Improvisationsfertigkeiten, sticht Srdjan als Akkordeon-Ausnahmetalent hervor. Seine Virtuosität, Kraft und Ausstrahlung haben die Zuhörer auf der ganzen Welt gepackt. Mit Sira Eigenmann an der Geige werden Werke wie «Zigeunerweisen» (Sarasate), «Schön Rosmarin» (Kreisler) und «Czardas» (Monti) im Zelt zu hören sein, über den Bahnhofplatz klingen und die Herzen des Publikums berühren.

Ab 15.45 Uhr
Trio Anderscht
Fredi Zuberbühler, Hackbrett
Roland Christen, Kontrabass
Andrea Kind, Hackbrett
Über die ersten Hackbretter in der Schweiz liest man in Ratsbüchern (1447, Zürich) oder Gerichtsprotokollen (z. B. vom 24. April 1631 aus Bern), wo berichtet wird, man habe verbotenerweise zum Hackbrett getanzt. Wenn auch sein Ursprung nicht in der Schweiz liegt, aus dem musikalischen Kulturgut ist das Hackbrett nicht wegzudenken. Das Trio Anderscht bringt überraschende Stilrichtungen zusammen, sprengt stilistische Ketten, swingt im Blues, funkt im Appenzeller Stil, schwelgt in der Klassik oder rockt in den 70ern. Anderscht liebt musikalische Kontraste und zeigt, dass mit einem Appenzeller Hackbrett mehr möglich ist, als man von diesem Instrument erwartet.

 

 

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Doch was bunt gemischt erscheint, hat durchaus rote Fäden zu bieten, oder wer hätte gedacht, das sich beispielsweise der Kreis von Händel zur Gruppe Virtual Jazz Reality ganz natürlich schliesst?

Das Band der Improvisation in Londoner Bahnen
Es ist die Kunst der ungeplanten, sich neue Bahnen suchende musikalische Reise, welche einen der Grossmeister der Barockkomponisten und Ian Smith, den Trompeter und Spiritus Rector von Virtual Jazz Reality verbindet: Händel galt in London als einer der begnadetsten Improvisatoren auf der Orgel, derweil Ian Smith eine prägende Figur des London Improvisers Orchestra ist. Geniessen sie diese zwei wunderbaren musikalischen Mahlzeiten, Mr Handels Dinner mit dem „König der Blockflöte“ Maurice Steger am Samstag Abend, und zum musikalischen Brunch die aufregende und weltweit gefeierte Virtual Jazz Reality rund um Ian Smith!

Händel groovt – und ist „der grösste Komponist aller Zeiten“
Während das berühmte Zitat Ludwig van Beethovens den damaligen Stellenwert Händels eindrücklich dokumentiert, ist ein groovender Händel wohl eher überraschend: tatsächlich soll er zu seiner eigenen Musik mit seiner imposanten Perücke gewackelt haben, um das Publikum zum Mitgehen mit der Musik zu animieren. So schreibt es Steven Isserlis in seinem 2006 erschienenen Buch „Why Handel waggled his wig“ – ja genau, DER grosse Cellomagier Steven Isserlis, ist ein ebenso begeisterter Autor wie Musiker! Für Klosters hat er ein wunderbares Programmband zusammengestellt, welches Schumann’s „Neue Bahnen“–Zitat ganz direkt umsetzt und seine 2. Violinsonate auf die Cellobahn lenkt.

Hier gehts zu den Tickets für das Eröffnungswochenende

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Steven Isserlis © Satoshi Aoyagi
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Bei diesem Klosters Music Special wird nebst der klassischen Musik erstmals auch ein Jazz-Format ins Programm aufgenommen. Präsident Rolf Theiler erklärt:  «Unser Kern ist die klassische Musik. Mittelfristig möchten wir auch weitere Stile präsentieren und lassen diese Ideen nun ein erstes Mal in das Programm einfliessen.»

Gegründet 1993, gehört VJR zu den vielseitigsten und erfahrensten Bands der südafrikanischen Musikszene. Ihr Repertoire reicht vom Light Jazz bis hin zu hochmodernen virtuosen Eigenkompositionen. Dazu hat VJR mit zahlreichen bekannten Künstlern zusammengearbeitet, zum Beispiel mit Luciano Pavarotti, Jonathan Butler, Shirley Bassey, Liberace, Bono, Anastacia, Shakatak und vielen mehr.

Zusätzlich zu ihren Live-Auftritten unterrichten die Bandmitglieder bei verschiedenen Workshops an Schulen in Südafrika und leiteten für viele Jahre das «ArtsCape Youth Mentoring Programme».

Kagiso Year End 2016 - High Res © Goosebump Productions-7502
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Unter dem Namen «Form & Klang» finden zwei eigentlich untrennbar miteinander verbundene künstlerische Disziplinen im Rahmen einer Matinée zusammen. In einem Gesprächskonzert erläutern der Schweizer Maler und Bildhauer Christian Bolt und der österreichische Komponist Wolfgang-Michael Bauer Querverbindungen zwischen Malerei, Bildhauerei und der Musik. Zusätzlich kommen die Besucher in den Genuss einer Einführung in das Nachlasswerk des Schweizer Malers Kurt Oskar Weber, welchem in den Ausstellungsräumen eine umfassende Werkpräsentation gewidmet sein wird.

Die beiden Künstler bieten einen spannenden Einblick in den Schöpfungsprozess ihrer Werke und stellen sich anschliessend auch den kritischen Fragen des Publikums. Dieses bekommt die Möglichkeit, sich ein Urteil über das Gesagte zu bilden: Ein Konzert mit verschiedenen Stücken von Wolfgang-Michael Bauer (allesamt Schweizer Uraufführungen) macht das Künstlergespräch zum Erlebnis.

11.00 Uhr
Vernissage und Einführung zur Ausstellung über Kurt Oskar Weber mit Andrin Schütz

Samstag, 27. Juli 2019
Atelier Bolt, Klosters
11.30 Uhr
CHF 180 inkl. Apéro riche
Musik: Antonia Rössler (Violine), Othmar Müller (Violoncello) and Alexander Rössler (Klavier)
Moderation: Andrin Schütz

Tickets hier bestellen

Trio Rössler Rössler Müller  (1)
Wolfgang, Andrin, Christian

Ein Programm-Einblick von David Whelton, künstlerischer Leiter

David Whelton _ by Yanik Bürkli

Herzlich willkommen zu Klosters Music!

Es ist uns eine grosse Freude, Ihnen auch in diesem Jahr einige der hervorragendsten Musiker in unserer wunderschönen Alpenregion präsentieren zu können. Freuen Sie sich auf eine meisterhafte Konzertreihe, die, inspiriert vom Titel des berühmten Schumannschen Essays «Neue Bahnen», einen musikalischen Bogen von der Barockzeit bis zur Gegenwart spannt.

Das Pariser Ensemble Modigliani Quartett, eines der besten Streichquartette unserer Zeit, eröffnet das Festival in der Kirche St. Jakob mit ihrer perfekten Akustik und präsentiert gemeinsam mit dem Pianisten Adam Laloum ein Programm mit Werken von Schubert, Beethoven und Schumann. Der charismatische Blockflötist Maurice Steger konnte erneut verpflichtet werden und wird mit dem La Cetra Barockorchester Basel für einen fulminanten musikalischen Abend sorgen. Das Programm «Mr Handel’s Dinner – George Frideric Handel and Friends» ist von den Pausenkonzerten und opulenten Dinners inspiriert, welches während der langen Pausen der Händelschen Opernaufführungen im London der Barockzeit stattfand.

Star-Cellist Steven Isserlis fesselte seine Zuhörer im letzten Jahr mit seiner vortrefflichen Aufführung von Schumanns Cellokonzert. In diesem Jahr erleben wir ihn in einem Rezital mit Connie Shih. Auf dem Programm stehen Bach, Beethoven und Schumann ebenso wie «Lieux retrouvés», ein neues Werk, das Thomas Adès für Steven Isserlis schrieb.

Das Atelier Bolt fand bei den letztjährigen Veranstaltung ausgesprochen positiven Anklang. In diesem Jahr wartet Christian Bolt mit dem neuen Programmkonzept «Form & Klang» auf und hat dazu den renommierten Komponisten Wolfgang-Michael Bauer und Freunde eingeladen, die zusammen mit ihm und Andrin Schütz einen spannenden Einblick in den Schöpfungsprozess ihrer Werke geben. Dieses weichenstellende Event wird mit der Vernissage einer Ausstellung über den Schweizer Maler Kurt Oskar Weber eröffnet, vorgestellt von Andrin Schütz, und anschliessendem Konzertapéro. Bei diesem Gesprächskonzert werden drei Schweizer Erstaufführungen und eine Uraufführung von Wolfgang-Michael Bauer zu erleben sein.

Auch die Initiative «Klosters Music Special» ist neu. Sie wird vom südafrikanischen Jazztrompeter Ian Smith und seiner Band Virtual Jazz Reality dargeboten. Freuen Sie sich auf dieses einzigartige musikalische Erlebnis auf der traumhaften Madrisa-Alp. Klosters Music zelebriert den Schweizer Nationalfeiertag am 1. August mit einem frühabendlichen Konzert des grossartigen Janoska Ensembles und anschliessendem Champagner und Apéro im Atelier Bolt. Das beeindruckende farbige Musikereignis «Revolution – from Bach to the Beatles» führt mit Jazz, Pop, Latin und traditioneller Balkanmusik auf eine musikalische Reise durch mehrere Jahrhunderte.

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Judith Jauregui
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Janoska-Ensemble © Julia Wesely

Wir freuen uns auch sehr, Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen erneut begrüssen zu können, die zu den besten Klangkörpern Deutschlands zählt und in diesem Jahr das orchestra in residence des Festivals sein wird. Pianist Kit Armstrong und Violinlegende Christian Tetzlaff bieten mit dem Orchester zwei Programme mit je Werken von Mozart, Haydn und Mendelssohn, auf die man gespannt sein darf. Christian Tetzlaff sorgte bereits im letzten Jahr zusammen mit seinem Trio für ein unvergessliches Konzerterlebnis.

Aus Spanien kommt das preisgekrönte Azahar Ensemble, eine Gruppe exzellenter junger Musiker, die in Basel ausgebildet wurden, in Davos auftraten und inzwischen weltweit begehrte Künstler in renommierten Konzerthäusern sind. Das Azahar Ensemble, das sein Publikum mit einem zwanglosen, dynamischen Darbietungsstil begeistert, bringt ein Programm, das sinnliche spanische Musik mit der wundervollen Klassik des Mozart-Quintetts für Klavier und Bläser von Mozart vereint. Judith Jáuregui spielt das Klavier.

Am 2. und 3. August präsentieren wir im Rahmen von zwei «Bach Discovery Days» neue Einblicke in das musikalische Schaffen des grossen Komponisten Johann Sebastian Bach. Am 2. August spielen Diego Fasolis und I Barocchisti im Atelier Christian Bolt das Brandenburgische Konzert Nr. 5, das Violinkonzert in a-Moll und die Ouvertüre in h-Moll. Später am selben Tag bietet der preisgekrönte junge Schweizer Organist Benjamin Righetti ein Orgelrezital auf der aussergewöhnlichen neuen Goll-Orgel in der Kirche St. Jakob.

Am 3. August begrüssen wir mit Christian Tetzlaff und Sir András Schiff zwei unvergleichliche Musiker. Christian Tetzlaff führt die zweite und dritte Sonate sowie die Partita in d-Moll mit der berühmten Chaconne auf, die Menuhin als die «grossartigste je für Violine geschaffene Struktur» bezeichnet hat. Wir betrachten es als Privileg, mit Sir András Schiff einen der herausragendsten Pianisten unserer Zeit in Klosters begrüssen zu können. Er ist mit dem «Wohltemperierten Klavier» Band 1 zu erleben, unbestritten ein einzigartiger Moment.

Anfang diesen Jahres konnten wir Franziska von Arb als Geschäftsführerin willkommen heissen. Zuvor bei der Gstaad Menuhin Festival & Academy AG als Chief Operating Officer tätig, verfügt Franziska von Arb über eine grosse Erfahrung auf höchstem Niveau in der Welt der klassischen Musik.

Ich freue mich, Sie in Klosters begrüssen zu dürfen und auf eine faszinierende und spannende musikalische Reise mitzunehmen.

David Whelton

OBE, Hon FRAM, Hon RCM
Künstlerischer Leiter Klosters Music

Programmbroschüre 2019 (PDF)

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