Mythen und legenden
In seiner siebten Ausgabe präsentiert sich Klosters Music erstmals mit elf Konzerten. Die Anziehungskraft dieses ständig wachsenden Klassikfestivals reicht dabei weit über die Region hinaus. Zu einer herausragenden Künstlerbesetzung gesellen sich dieses Jahr der Klarinettist Andreas Ottensamer, die Pianisten Piotr Anderszewski und Nikolai Lugansky, der Geiger Augustin Hadelich und die Mezzosopranistin Ema Nikolovska wie auch die Zürcher Sing-Akademie, die ihr Debüt in Klosters geben.
Mythen und Legenden werden oft als Paar gedacht – sie verbinden Menschen und Orte, Kultur und Geschichte, und sie haben gemeinsame Ideale, die überall in der Menschheit zu finden sind. Mythen sind unsere ältesten Geschichten, wohingegen Legenden in historischen Zeiten entstanden sind; beide vermitteln ein Gefühl der Zugehörigkeit. Beide sind nach wie vor eine bedeutende Quelle für kreative Ideen. Und wie man heutzutage in Filmen, im Fernsehen und in der Spielindustrie sehen kann, haben sie nie ihre Anziehungskraft verloren. Die griechische und römische Mythologie war im 17. und 18. Jahrhundert vor allem in der Oper ein beliebtes Thema und wurde erst im 19. Jahrhundert von den Sagen und Mythen aus den nordischen Ländern mit ihren Wikingersagas, nordischen Göttern und zahlreichen Fantasiewesen in den Schatten gestellt. Diese volkstümliche Tradition diente bis in die frühen Jahre des 20. Jahrhunderts als Inspiration. Auch in der Geschichte finden sich zahlreiche legendäre Persönlichkeiten, deren Taten die Komponisten zu einigen ihrer besten Werke inspirierten.
Klosters Music wird mit zwei Konzerten des Münchener Kammerorchesters unter Leitung seines Associated Conductors Enrico Onofri eröffnet. Zwei von Ludwig van Beethovens dramatischsten Ouvertüren, «Coriolan» und «Prometheus», inspiriert von Mythen und Legenden aus dem alten Griechenland und Rom, eröffnen jeweils das Programm. In Joseph Haydns «Nelson»-Messe, dem Kernstück des Eröffnungskonzerts, wird der Sieg von Admiral Nelson über die französische Flotte in der Schlacht am Nil gefeiert. Beethoven widmete seine dramatische 3. Sinfonie «Eroica» Napoleon – jedoch widerrief er die Widmung, als Napoleon sich selbst zum Kaiser krönte.
Musik und Kunst treffen dieses Jahr erneut im Atelier Bolt bei einer Ausstellung des Bündner Künstlers Patrick Devonas zusammen. Devonas’ Werk ist stark von den Mythen und Legenden des Prättigaus geprägt und inspiriert das Artemis Trio zu seinem Programm «Arcadia», das mythische Landschaften und pastorale Ideale heraufbeschwört. Sergej Prokofjews musikalisches Märchen «Peter und der Wolf», eines der bekanntesten Werke des 20. Jahrhunderts, ist dieses Jahr unser Familienkonzert, vorgetragen vom City Light Chamber Orchestra. Noch lebendiger wird dieses Musikmärchen durch die neu in Auftrag gegebenen grafischen Illustrationen von Roger Krütli, die die Geschichte in die Bündner Bergwelt versetzen und während des Konzerts auf der Leinwand zu sehen sind.
Der Leinwand und dem City Light Symphony Orchestra bleiben wir bei der Vorführung des sechsfach Oscar-gekrönten Films «Chicago» treu. Basierend auf dem gleichnamigen Theaterstück von 1926, in dem die Stars und Skandale Chicagos während des legendären Jazz-Zeitalters thematisiert werden, ist der Film ein schillerndes Spektakel, das Tiefgang und Humor hat.
Der Nationalfeiertag wird mit dem legendären Comedy-Duo Igudesman & Joo gefeiert, dessen Show klassische und populäre Musik in einem Abend voller Humor und theatralischer Unterhaltung verbindet und dabei alle Altersgruppen anspricht. Diesen Auftritt auf der letzten Etappe ihrer Abschiedstournee sollten Sie sich nicht entgehen lassen.
Sir András Schiff kehrt für ein Konzert in die Kirche St. Jakob zurück, bei dem er mit Werken von Robert Schumann, Felix Mendelssohn Bartholdy und Johannes Brahms in die Poesie der Romantik eintaucht. Die Romantik spiegelt sich auch in seinem Liederabend mit Ema Nikolovska wider, in dem Schumanns «Liederkreis», der Höhepunkt des Schaffens dieses Komponisten, ebenso wie Lieder von Schubert, Mendelssohn Bartholdy und Brahms im Mittelpunkt stehen.
«Unter Freunden» lautet der Titel des Konzerts von Andreas Ottensamer, dem Schumann Quartett und der virtuosen Kontrabassistin Uxía Martínez-Botana, die Mozarts Klarinettenquintett, Beethovens Streichquartett op. 18/4 und eine Auswahl von Felix Mendelssohn Bartholdys «Liedern ohne Worte» aufführen.
Unsere guten Freunde, Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen, kehren zum Abschluss von Klosters Music mit zwei herausragenden Konzerten unter der Leitung ihres renommierten Gastdirigenten Jérémie Rhorer zurück. Opernouvertüren von Carl Maria von Weber und Richard Wagner, inspiriert von Mythen und Legenden, eröffnen diese Konzertabende und führen zu Peter Tschaikowskys Violinkonzert mit Augustin Hadelich und Sergej Rachmaninows 2. Klavierkonzert mit Nikolai Lugansky. Tschaikowskys 5. Sinfonie, eine seiner beliebtesten Kompositionen und voller emotionaler Dramatik, bildet den krönenden Abschluss der siebten Ausgabe von Klosters Music.
Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen mit dem diesjährigen Programm und freue mich darauf, Sie in Klosters begrüssen zu dürfen.
Ihr David Whelton, LVO, OBE
Künstlerischer Leiter Klosters Music