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Atelier Bolt, © Corinne Gut Klucker

«Wir sind auf einem guten Weg»

Christian Bolt lebt als Bildhauer und Maler in Klosters. Der 1972 in Uster (Kanton Zürich) geborene Künstler ist Ehrenprofessor an der Accademia delle Arti del Disegno in Florenz. Die jüngste Publikation über ihn trägt den Titel «Existenz und Verifikation» (Verlagshaus Seidel & Schütz 2021). Georg Rudiger hat mit dem Mitglied der «Stiftung Kunst & Musik, Klosters» über besondere Orte, seine Steinböckli-Skulptur und über die Zukunft von Klosters Music gesprochen. 


Sie waren diesen Sommer Gastgeber für den musikalisch-literarischen Abend mit dem Autor Alain Claude Sulzer und dem Pianisten Oliver Schnyder mit dem Titel «Musikalischer Fremdenverkehr». Wie hat Ihnen der Abend gefallen? 

Ich war natürlich sehr neugierig, wie die Musik und das gesprochene Wort zusammenwirken. Die spannenden Geschichten von Alain Claude Sulzer, die zum Teil auch eine historische Verbindung zu Klosters hatten, wurden eingerahmt von dieser gewaltigen Musik, die von Oliver Schnyder zum Leben erweckt wurde. Das hat mich beeindruckt. Ich bekam auch viel positives Echo auf diesen Abend. Diese besondere Veranstaltung war für viele ein einmaliges Erlebnis. 

Die Veranstaltung fand in Ihrem Atelier statt. Welche Rolle spielte der Raum für diese Veranstaltung? Da kam ja neben der Musik und der Literatur noch eine weitere Kunstform hinzu. 

Da haben Sie recht. Ich wollte, dass die Besucherinnen und Besucher einen Querschnitt mitbekommen von dem, was in meinem Atelier geschieht. So habe ich für diesen Abend eine kleine Ausstellung mit Gemälden und Skulpturen zusammengestellt. Der Abend wurde zu einem Gesamtkunstwerk für alle Sinne. 

Warum bieten Sie überhaupt Ihr Atelier als Veranstaltungsort von Klosters Music an? In der ersten Festivalausgabe 2019 fanden gleich drei Konzerte bei Ihnen statt. 

Für mich war von Anfang an klar, dass in diesen grosszügigen Atelierräumen auch ein besonderer Ort für Klosters und die Region entstehen soll. Immer wieder gibt es in meinem Atelier die Gelegenheit, Kunst zu erfahren – auch durch Gastkünstler, deren Werke ich ausstelle. Interdisziplinarität ist mir wichtig. Deshalb passen die Konzerte sehr gut zu meinem Verständnis von Kunst.

Sie haben sich von Beginn an als Stiftungsratsmitglied aktiv an der Planung und Durchführung des Festivals beteiligt. Warum engagieren Sie sich in diesem Gremium?

Als die Stiftung «Kunst & Musik, Klosters» im Jahr 2019 gegründet wurde, ging es auch darum, eine starke Verankerung im Ort zu haben. Als Klosterser Kulturschaffender engagiere ich mich gerne dafür. Auch das Atelier wollte man bewusst in das Festival einbinden als ein Ort für kleinere, intime Konzerte. Meine eigene Familie hat auch eine starke Verbindung zur Musik.

Sie wohnen seit fast 20 Jahren in Klosters. Welche Bedeutung hat das Festival inzwischen für den Ort und die Feriengäste?

Klosters Music hat eine spannende Geschichte. Dass man klassische Konzerte auf Weltniveau hier im Ort veranstaltete, hatte es bereits zweimal vor der Stiftungsgründung gegeben. Auch damals hatten wir Konzerte im Atelier. Mit der Stiftung wurde das Festival professionalisiert und stabil aufgebaut. Was die Zuschauerzahlen und die Begeisterung des Publikums angeht, hat sich das Festival bereits national und allmählich auch international etabliert. Das Programm, das der künstlerische Leiter David Whelton anbietet, ist enorm attraktiv. Was ich mir wünsche, ist eine noch stärkere Bindung an die Menschen hier im Ort. Aber wir sind auf einem guten Weg. Die Gäste schätzen das Festival sehr. Es passt auch gut zu Klosters, das schon in der Vergangenheit grosse Namen angezogen hat. 

Sie haben in diesem Jahr eine Bronzeskulptur auf einem Granitblock zur Unterstützung des Festivals geschaffen – ein Steinböckli. Was hat die Figur, die man für 1000 Franken erwerben konnte, mit dem Festival zu tun? 

Wir haben uns überlegt, etwas künstlerisch zu schaffen, was man den Unterstützern und Gönnern des Festivals, die wir dringend brauchen, zurückgeben kann. Ich habe eine limitierte Auflage von 22 Exemplaren erstellt, die wir 2022 fast alle schon verkaufen konnten. Wir wollen das Projekt mit einer leicht veränderten Skulptur fortführen, von der ich dann im nächsten Jahr 23 Exemplare herstellen werde. Über die Jahre möchten wir so eine echte Steinbockherde mit dem Wappentier Graubündens wachsen lassen. Damit gibt es auch einen Sammlereffekt. 

Im nächsten Jahr wird die 5. Ausgabe von Klosters Music gefeiert. Was wünschen Sie dem Festival für die Zukunft?  

Nach der erfolgreichen Anfangsphase kommen wir jetzt in einen Prozess, in dem wir eine langfristige, nachhaltige Strategie und auch ein entsprechendes Profil für das Festival erarbeiten. Ich wünsche mir, dass dieser Transfer gelingt. Wir haben bewiesen, dass das Festival funktioniert. In diesem Jahr hat die Hotellerie schon viel stärker mitgezogen. Ich hoffe, dass auch das Unternehmertum mehr und mehr verstehen wird, dass das Festival ein fester Bestandteil des kulturellen Lebens von Klosters geworden ist und grosse Attraktivität entfaltet.  


Möchten Sie mehr über Christian Bolt erfahren? Am Tag vor dem Konzert hat uns der bekannte Bildhauer und Maler ein Video-Interview gegeben. Hier gehts zum Video.