«Die Goll-Orgel ist hervorragend für Bachs Werke geeignet» |
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Johannes Berger ist der Organist des nächsten Kirchenkonzertes am 13. Februar. Gemeinsam mit dem Orchestra La Scintilla widmet er sich unter anderem Werken von Georg Friedrich Händel und Antonio Vivaldi. Georg Rudiger hat zu ihm vorab Kontakt aufgenommen. Die meisten Organistinnen und Organisten sind von der Kirche angestellt. Sie arbeiten ausschliesslich als Konzertorganist und musikalischer Leiter des Barockorchesters Concerto München. Warum haben Sie diesen Weg eingeschlagen? Neben meinen Hauptstudienfächern Orgel und Cembalo habe ich ein sehr fundiertes und breit gefächertes Kirchenmusikstudium absolviert. Von dieser Ausbildung profitiere ich bis heute enorm. Gleichzeitig erlaubt mir die Unabhängigkeit von einer festen kirchlichen Anstellung, mich ganz auf meine künstlerischen Aufgaben zu konzentrieren – als Ensembleleiter, Solist und Orchestermusiker. Wie beeinflusst Ihre Tätigkeit als Ensembleleiter Ihr Orgelspiel? Die intensive Arbeit mit Partituren, etwa im Hinblick auf Instrumentierung und Klangbalance, schärft meine Vorstellung von Farbe und Struktur. Das hilft mir sehr bei der Registrierung von Orgelwerken. Eine Orgel mit ihren vielfältigen Klangfarben – vom leisesten Pianissimo bis zum kraftvollen Plenum – ist letztlich im Grunde selbst wie ein Orchester. Sie haben schon mit vielen Orchestern gespielt wie mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, dem Mahler Chamber Orchestra oder dem Lucerne Festival Orchestra. Nun treten Sie mit dem Orchestra La Scintilla in Klosters auf. Was macht für Sie dieses Orchester aus? La Scintilla geniesst einen ausgezeichneten Ruf in der historischen Aufführungspraxis. Die besondere klangliche Sensibilität und stilistische Kompetenz dieses Orchesters faszinieren mich sehr – die Vorfreude auf das gemeinsame Musizieren ist entsprechend gross. Mit Ihrer eigenen Orgel, einer sogenannten Truhenorgel, spielen Sie in der Kirche St. Jakob einige Werke wie das Konzert für Violine und Orgel von Antonio Vivaldi mitten im Orchester spielen. Was ist das für ein Instrument? Bei meiner Truhenorgel handelt es sich um ein transportables Instrument, das sowohl solistisches Spiel mit Kammerorchester als auch den Einsatz im Basso continuo ermöglicht. Gerade diese Vielseitigkeit macht sie für barocke Konzertformen ideal. Spielen Sie das Händel-Konzert auch auf der Truhenorgel? Ja. Händel selbst hat seine Orgelkonzerte als Zwischen- oder Pausenmusik für seine Oratorienaufführungen geschrieben. Er spielte selbst auf ähnlich anmutenden Instrumenten, sogenannten Theaterorgeln, im Orchester. Die Orgel-Solowerke wie die Toccata und Fuge in F-Dur von Johann Sebastian Bach werden Sie auf der Goll-Orgel interpretieren. Warum eignet sich diese Orgel gut für die Musik von Johann Sebastian Bach? Die Goll-Orgel ist hervorragend für Bachs Werke geeignet, da sie sich klanglich an barocken Vorbildern orientiert: klare Register, ein kraftvolles Plenum und differenzierte Zungenstimmen lassen die polyphonen Strukturen besonders transparent hervortreten. Zudem handelt es sich – ganz im Sinne der Barockzeit – um ein mechanisches Instrument. Die direkte Verbindung zwischen Tasten und Ventilen ermöglicht ein äusserst nuanciertes, unmittelbar „fühlbares“ Spiel. Was ist für Sie besonders reizvoll an dem rund 15-minütigen Werk? Die Toccata begeistert mich mit ihren grossen Pedalsoli und der energiegeladenen, fast tänzerischen Motorik. Die anschliessende Fuge bildet dazu einen spannenden Kontrast: komplex, dicht gearbeitet und voller chromatischer Wendungen. Ich habe dieses Werk zum ersten Mal mit sieben Jahren in einem Konzert gehört – und war sofort fasziniert. Als Konzertorganist sind Sie es gewohnt, auf ganz unterschiedlichen Instrumenten zu spielen. Ihre Stammorgel steht im Freien – es ist die berühmte, 1931 gebaute Heldenorgel in Kufstein, die ursprünglich an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs erinnern sollte. Wie ist es, auf dieser Freiluftorgel zu spielen? Die Heldenorgel ist ein ausgesprochen kurioses und zugleich einzigartiges Instrument. Allein die Tatsache, dass sich fast 5000 Pfeifen in einem Turm einer mittelalterlichen Festung befinden, ist aussergewöhnlich. Wenn sie täglich zur Mittagszeit erklingt, sind ihre Klänge bei günstigem Wind bis zu zehn Kilometer weit zu hören. Beim Spielen hat man tatsächlich das Gefühl, die ganze Stadt hört zu – ein sehr besonderes Erlebnis. Sie kommen aus einem Bergdorf in der Nähe von Oberaudorf am Inn. Wie gefällt Ihnen Klosters und die Landschaft drum herum? Klosters und die beeindruckende Landschaft hier begeistern mich sehr. Als grosser Skisportfreund war ich bereits mehrfach im Winter hier – umso schöner ist es, diesen Ort nun auch musikalisch erleben zu dürfen.
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